Sommer Konsumer-Digitalkamera Pseudo-Hype

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 24. Juni 2026 - Wissen

Es geht unweigerlich auf die Sommerferien zu. Und ich hatte es schon kommen sehen ;-)

Was ich mir da am Jahresanfang/Frühling selbst an noch etwas besseren Konsumer- oder Prosumer-Digitalkameras erneut vornehmen wollte, bleibt erstmal liegen. Unter anderem die Canon PowerShot S70, FUJIFILM FinePix E900 und Kodak EasyShare P850. Es macht (mir) einfach keinen Spaß (mehr) damit gegen eine Systemkamera anzutreten. Egal ob mit oder ohne Spiegel, egal wie alt, egal welcher Sensor …

Ausnahme war die wirklich schicke Pentax Optio S.

Wie schrieb Daniel im Kommentar zur Pentax Optio S: >> Digiknipsen-Hype: Symbol einer unbeschwerter Zeit? (…) Gesammelt wird nur, was sich zu Niedrig(st)preisen erwerben lässt. (…) Kürzlich juckte es mit mich seit Jahren mal wieder, nachzugucken, was der Markt so hergibt, zumal meine Sammlung hier und da noch ein paar Lücken aufweist. Ich wäre fast hinten überfallen. Selbst vollkommen verbeulte, zerkratzte Einsteigermodelle von Benq-, Casio oder anderen kaum gesuchten Marken rangieren in vielen Inseraten bei 30-50 €. Derzeit gehypte Knipsen wie die Powershot-S-Reihe (vor allem 95/100/110) stoßen in Bestzustand Richtung Neupreis vor. (…) <<

O.K. Was Preise angeht, wird immer wieder der Fehler gemacht nur in die Angebote zu schauen. Anstatt zu kontrollieren, für welche Beträge Kamera x wirklich verkauft wurde!

>> Dieser Hype ist total überzogen. Zugleich meine ich zu verstehen, was dahinter steckt. Ein Smartphone ist halt eine seelenlose Ablenkungsmaschine: Knipsen, Chatten, SocIal Media - am besten stundenlang und alles gleichzeitig. Da wirkt so ein vergleichsweise schlichtes Gerät, wie eine (alte) Digitalkamera die gerade mal eine Sache - und die oft noch nicht mal richtig gut - beherrscht, wie eine Erlösung. (…) Und irgendwie scheint dieser „Y2K-Vibe“ für die Jüngeren auch für eine freie, unbeschwertere, nicht ganz so krisengebeutelte Zeit zu stehen. (…) Auch wenn irgendwelche TikTok-Hypes die Preise gerade in unappetitliche Höhen treiben, finde ich es grundsympathisch, dass die Digiknipsen gerade gefragt sind wie nie. Das lässt doch hoffen, dass der ablenkungsfreien, zugleich unbekümmerten Fotografie wieder mehr Liebe und Aufmerksamkeit zuteil werden. <<

Nun ja, und so sieht der "Hype" in der Realität oft aus :-(

Diesmal sogar wenigstens durch eine Pappe etwas geschützt – dutzende Digitalkameras auf dem Boden :-( Die Kunst besteht darin, sich einen "Scannerblick" anzutrainieren, was schon mal ordentlich vorsortiert. Kameras mit halb ausgefahrenem Objektiv sind meist defekt. Akkus stecken meistens keine in der Kamera. Obwohl ich das auch schon hatte: Akku und Speicherkarte MIT Fotos … Egal, mit maximal 5 Euro ist so eine Kamera bezahlt. Für einen (fehlenden) Akku muss ich mindestens 5 Euro einkalkulieren … Mit 5 Euro hält sich das Flohmarktrisiko in Grenzen. Immerhin: In so einem Haufen lag auch die nette Pentax Optio S …

 

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Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk

Das virtuelle Digicammuseum gibt es jetzt auch als reales Museum

Meine Sammelei hatte eigentlich schon immer das Ziel, meine Geräte eines Tages nicht nur auf dieser Homepage zeigen zu können, sondern auch live in einem richtigen Museum. Mit Holger W. Müller habe ich nun einen Partner, der meine Leidenschaft für die Technikgeschichte teilt. Außerdem haben wir in Rastatt Büroräume der ehemaligen Thaleswerke gefunden, dem Hersteller der bekannten Thales-Rechenmaschinen.

Dort haben wir ein Museum eingerichtet, das Rechenmaschinen, Computer und Videospiele als Schwerpunkt hat. Digitalkameras sind ebenfalls mit einigen spannenden Exponaten vertreten. Geöffnet ist jeden Sonntag von 13 - 18 Uhr. Auf der Projekthomepage gibt es weitere Infos.

Zur Homepage des µ-Museums