Nur ein Fragment … Aber steht Nikon drauf ;-) Update

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 08. Juli 2022 - Wissen, Sammeln

Kein Ruhmesblatt

Steht Nikon drauf? Nikkorex!

Als Nikkorex wurden zur Unterscheidung von den "richtigen" Nikon Spiegelreflexkameras die für Nikon im Auftrag fremdgefertigten (OEM) Kameras bezeichnet.

Die mit Ausnahme der Nikkorex F keinen besonders guten Ruf hatten, weil die Qualität einfach nicht Nikon-like war. Neben den SLRs gab es auch Filmkameras für den damals üblichen Normal8-Schmalfilm. Darunter diese Nikkorex 8F.

Oben links abgebildet ist die 1963 bis 1964 produzierte NIKKOREX ZOOM35. Die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt mit einem fest eingebauten 43-86 mm Nikkor Zoom! Mein Exemplar ist defekt – da geht nichts.

In den 1960er Jahren als eine der dünnstes Schmalfilmkamera beworben, habe ich dieses unvollständige, wahrscheinlich kaputtgebastelte (?) Exemplar für wenig Geld erworben. Was für mich als kritischer Nikon-Fan aber immer noch ein willkommenes Demo-Objekt für die (Analog-)Sammlung ist.

Wesentlich besser verarbeitet und noch funktionierend die unten rechts abgebildete Nikkorex F, die von 1962 bis 1966 gebaut wurde und das Nikon F-Bajonett zur Verwendung fast aller Nikon F-Objektive besaß.

Die Bedienungsanleitung der sehr ähnlichen Nikkorex 8 schreibt: "Flattest Type cine-camera ever produced. So flat and compact that you can carry it in your pocket just like a booklet. Its unique design permits easiest and correct shooting in all conditions." Die flachste Filmkamera, die je produziert wurde. So flach und kompakt, dass Sie die Kamera wie ein Heft in der Tasche tragen können. Ihr einzigartiges Design ermöglicht einfachstes und korrektes Filmen unter allen Bedingungen. "Fully automatic electric eye" für die automatische Belichtung, "Fixed focus Nikkor lens" für Entfernungen zwischen 1 m und Unendlich.

Nikkorex 8F — Wofür steht das "F"?

Wahrscheinlich für F-lex, Reflex-Sucher. Der den einfachen Rahmensucher der Nikkorex 8 ersetzte. Das werde ich in wenigen Tagen sehen …

Es ist wie vermutet. Die 8F hat tatsächlich einen richtigen Reflexsucher, der die aufzunehmenden, bewegten Szenen exakter erfassen lässt.

Wenn ich es drauf anlegen wollte, ließe sich mit der Nikkorex 8F wahrscheinlich noch ein Film drehen! Denn nach Einlegen von vier AA Batterien und  Betätigung des Auslösersbegann sich die Aufnahme, die die Spule mit dem Normal8 Film enthält, sofort zu drehen. Dazu müsste die automatische Belichtungsmessung natürlich noch funktionieren. Und dazu müsste es noch gelingen, die fehlende Rückwand der 8F durch ein lichtdichtes Provisorium zu ersetzen ...

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Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk