2019 geht es für mich ins 5. Jahr Digicammuseum.de

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 31. Dezember 2018 - Wissen, Sammeln, Ausprobieren

Nicht nur übers Sammeln, sondern ab 2019 verstärkt in Richtung Fotografie – mit (älteren) Systemkameras

Ein paar Gedanken zum Sammeln und Fotografieren

Dass ich froh bin mit Kompaktkamera-Klasse durch zu sein, habe ich oft genug betont. Dass sie (für mich) nicht gänzlich tot ist, beweisen die Beiträge zur Samsung NV15 und drei aktuell erworbenen Oldies aus der spannenden Zeit von 1995 bis 2000: Eine FUJIFILM DIGITALCAMERA DX-9 von 1998, eine Mustek MVC-300 von 1998 und eine NEC Picona von 1997. Meine erste und einzige NEC-Digitalkamera. Derartige Kameras nehme ich auch in Zukunft gerne weiter an Bord und schreibe einen kleinen Praxisbericht dazu. 

Die Betonung liegt immer auf Praxis!

Der Schwerpunkt unseres Digicammuseums beschränkt sich nicht aufs reine Zeigen der Exponate. Wenn sie funktionieren, werden mit jeder Digitalkamera ein paar Bilder aufgenommen, egal wie alt sie sind!

Raritäten, die ich liebend gerne hätte, werden/wurden zum Jahresende 2018 bei eBay durchaus reichlich Zahl angeboten. Die geforderten Summen für ungetestete oder gleich als defekt beschriebenen Raritäten bin ich aber keinesfalls bereit zu zahlen. Derartige Geräte nehme ich nur als Spende für einen symbolischen Beitrag und Portoübernahme in die Sammlung auf. Wenn die Anbieter einen Käufer finden, OK. Wenn die Teile dann auf Nimmerwiedersehen in Vitrinen verschwinden auch gut…

Wenn ich Lust auf Raritäten, Kuriositäten und Exoten habe, genügt ein Besuch der Seite unseres amerikanischen Sammlerkollegen Rodger L. Carter: www.DigiCamHistory.Com... 

Systemkameras

"MFT stirbt aus - Ja und?" lautete gegen Jahresende 2018 die Folge eines Bloggers. Habe ich deshalb in Panik gleich zwei mFT-Gehäuse und zwei mFT-Objektive verkauft? Nein. Es war einfach etwas Verschlankung angesagt. Und selbst wenn mFT in wenigen Jahren tatsächlich nicht mehr produziert wird: Mit den verbleibenden Gehäusen kann ich immer noch ganz nach Lust und Laune losziehen und per Adapter auch mit ausgewählten FourThirds-Objektiven ein paar Bilder machen.

Der Blogger, der das Aussterben des mFT-Systems diskutierte, hatte unlängst seine verschlissene Kamera gegen eine neue mFT Panasonic ausgetauscht…  Versehen mit der Bemerkung: Was kümmert mich das Überleben eines Kameraherstellers? Denen bin ich als Fotograf/Konsument rein gar nichts schuldig! Einen Gedanken, den ich unten noch mal aufnehme. Und meine letzen beiden mFT-Kameras sind ja nicht gleich morgen kaputt…

Aber nicht nur die kleinen 13 x 17 mm FourThirds-/microFourThirds-Sensor Kameras hat es (bei mir) „erwischt“

In meine Sammlung diverser Systemkameras hatten sich im Lauf der Zeit ein paar zu neue Kameras „eingeschlichen“. Neben dem phantastisch in der Hand liegenden, aber sicher (noch) nicht sammelfähigen 16 MP Vollformat Arbeitstier Nikon D4 von 2012 brauche ich keine behäbigere 36 MP Vollformat Nikon D800 mehr! Trotz der damaligen (2012) Rekordauflösung. Konsequenz: Verkauft. Ganz blödsinnig war der Erwerb einer 16 MP Nikon D7000. Es sprach/spricht nichts gegen diese Kamera, außer, dass sie bei mir völlig überflüssig war. Konsequenz: Sie ahnen es schon ;-) Viel besser in meine Reihe passt dagegen die 12 MP Nikon D90. 2008 vorgestellt und als erste DSLR mit Liveview UND Video und so sogar schon sammelfähig. Die D90 war auch Verkaufsgrund für die Nikon D200. Ein braves Arbeitstier die D200, aber die D2xx Reihe ist bei mir gut genug besetzt…

Preise

Nie konnte man sich für so wenig Geld mit professionellem Gerät eindecken. Kehrseite: Nie bekam man weniger für einst sündteure Kameras. Gerade mal 600 Euro brachte die 36 MP Nikon D800. Unrealistisch, unterbewertet? Nein! Denn meinem Gehäuse sah man an, dass es ins 7. Gebrauchsjahr ging. Dazu 48.000 Auslösungen. Ich glaube, dass sich die Sachen nur noch über den Preis verkaufen. Zum Zeitpunkt meines Verkaufs gab es D800-Gehäuse in besserem Zustand und entsprechenden Preisvarianten: 750 Euro, 800, 900 und vierstellig. Verkaufschancen? Eher abnehmend! Ich fürchte, dass viele Verkäufer gar keine Wechselabsichten hegen und ihre Kameras nicht für eine Nikon Z oder das Pendant Canon EOS R versilbern! Sondern das Hobby aufgegeben haben…

Und so erwischt es zu nehmend auch die Systemkamera. Nachdem das Smartphone die Kompaktklasse erfolgreich zu Grabe getragen hat, sinkt bei GelegenheitsfotografInnen offenbar die Lust eine sperrige Kamera mitzunehmen. Fürs gelegentliche Knipsbild tut es das Smartphone allemal. Und die älteren Fotogeräte werden durch Liegen nicht wertvoller. Meine Nikon D800 hätte ich schon vor einem Jahr verkaufen müssen! Gut, da hatte ich noch keine D4…

Und so ist der Markt voll mit Gebrauchtware und darüber ergießt sich ein immer noch nicht versiegender Strom an neuen Kameras. Problem für die Hersteller: Für die (zu) teuren Neugeräte scheinen sich nicht genug InteressentInnen zu finden. Da nützen Influencer und Jubelperser auch nichts mehr. Die verbleibenden, aktiven FotografInnen können sich preiswert auf dem reich gedeckten Tisch des Gebrauchtmarkts eindecken. Oder kaufen grundsätzlich nie die aktuelle Kamera des favorisierten Herstellers, sondern warten mindestens ein halbes Jahr oder kaufen gezielt die preiswerten Vor-/Vorgänger.

Ein Video-Blogger beantwortete die Frage nach einem Kamera-Neukauf 2019 auch ganz einfach mit Nein. Statt im letzten Quartal 2018 das etwas über 1900 Euro teure Flaggschiff des ausgewählten Herstellers zu kaufen, wurde es auch nicht eine Kamera darunter (1700 Euro), sondern "nur" das für seine Zwecke völlig ausreichende Modell für unter 900 Euro…

Das alles passt wieder zu den Aussagen meines "persönlichen Lieblings-Gurus“ Dr. Schuhmacher, der in „Foto-Wirtschaft - in der Krise/Foto-Wirtschaft im Sturzflug“ schreibt:

„(…) seit Ende 2016 (werden) Canon und bald wohl auch Nikon diesen Typ (gemeint ist die spiegellose Systemkamera – DSLM) massiv produzieren. Bei beiden Firmen soll es laut Gerüchten 2018 zum offiziellen Durchbruch kommen.“

Was eingetreten ist, da Nikon 2018 seine erste Vollformat-DSLM überhaupt präsentiert hat, und Canon nach den Versuchen mit der 2012 startenden DSLM M-Linie (15 x 23 mm APS-C Sensor) ebenfalls seine Vollformat-DSLM vorgestellt hat. Aber da von Durchbruch zu sprechen? Denn das sagt über einen erfolgreichen = mengenmäßig erforderliche Absatz dieser Kameras für die Hersteller erstmal wenig aus. Zumal man auf dem Markt der spiegellosen Systemkamera nicht allein ist. Sony (2010) und Fuji (2011/12) waren entscheidende Jahre vorher im Rennen, und haben erfolgreich ihre Claims abgesteckt.

Wirklich interessant wird es für Dr. Schumacher ab 2020

Er ist der Meinung, dass der für Japaner undenkbare Gesichtsverlust das ganze Kameraüberproduktionssystem mindestens bis 2020 aufrecht hält. Denn 2020 ist Olympiade in Tokio, die Welt schaut auf Japan… Dr. Schuhmacher: „Eventuell werden tatsächlich die Überproduktionen auf Halde bis 2019 weiter durchgeführt und die ganze Wahrheit somit erst 2021 veröffentlicht. Dann würde die offizielle Kurve der produzierten und verschifften Kameras bis 2020 eher seitwärts verlaufen und 2020/21 steiler abstürzen.“

Passend dazu meldete Photoscala.de im November 2018: „Canon Imaging: Der Motor stottert

Während sich Sony zum gleichen Zeitpunkt bester Gesundheit erfreut: „Sonys neue Quartalszahlen: Imaging-Sparte setzt Höhenflug fort

Wir werden erleben, wie es in der Zukunft weitergeht. Dr. Schuhmachers kompletter Bericht ist hier zu finden.

Was mich betrifft, habe ich mich als Nikon Fan längst gegen den eigenen Hersteller entschieden, was spiegellos betrifft! Ich benutze meine Nikon D4 DSLR weiter gerne und intensiv für meinen Basketball. Lange Zeit waren mit dem „schnellsten Autofokus der Welt“ deklarierte spiegellose Kameras kaum bis gar nicht in der Lage schnell und unregelmäßig bewegte Motive, ja nicht mal die eigenen, spielenden Kinder zuverlässig "einzufangen".

Das hat sich mittlerweile geändert!

Welche spiegellose UND preiswerte Kamera ist heute in der Lage auch bei den oben genannten schnellen Motiven eine brauchbare Trefferquote zu erzielen? Muss es immer noch eine voluminöse Profi-DSLR sein oder schafft es heute auch eine spiegellose Systemkamera? Ja, es darf eine Spiegellose sein, bestimmte aktuelle DSLM schließen auf!

Aus meiner unmaßgeblichen Sicht haben nur Sony und Fuji nicht geschlafen und ihre Hausaufgaben gemacht! Alternativ gibt es in beiden Systemen neben teuren Boliden mit 24 x 36 mm Vollformat- und sogar 33 x 45 mm „Super-Vollformat“-Sensoren auch bezahlbare DSLMs mit hervorragenden 15 x 23 mm APS-C Bildsensoren für normale Arbeitnehmer! Und Gebraucht-DSLMs satt. Bei Canon kann man Anfang 2019 gebraucht nur aus der M-DSLM-Serie (ca. 15 x 23 mm APS-C-Sensoren) wählen, die aus meiner Sicht ein Mauerblümchendasein führt. Bei Nikon müsste man mit den offiziell Sommer 2018 eingestellten 1 Zoll-(8,8 x 13,2 mm) Sensor DSLM-Spielzeugen der Serie 1 vorlieb nehmen. Wie sagte schon Michail Gorbatschow: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben…" 

Was ein Fachblatt glauben machen lässt, dass es eine Katastrophe für den ohnehin schwachen Kameramarkt wäre, wenn "bestimmte" Hersteller schwächeln. Wer das wohl sein mag ;-) Oder liegt es auch an der Angst, dass bei einem kleiner werdenden Kameramarkt auch die Zahl der virtuell und auf richtigem Papier schreibenden Fachjournalisten kleiner und unwichtiger wird? Ich benötige jedenfalls keine gefühlt per Copy-and-Paste umgeschriebenen Advertorials, die feststellen, dass aktuelle spiegellose DSLMs 

  • hervorragende Kameras mit kleinen Schwächen sind
  • der Spiegel überholt ist
  • DSLRs keine Vorteile mehr auf ihrer Seite haben
  • Vollformat-DSLMs höchste Megapixelzahlen liefern
  • Autofokussysteme mit Kontrast- und Phasendetektion schnell sind

Besonders, wenn man echte Beweise wie schnell DSLM AF-Systeme tatsächlich sind, schuldig bleibt, und der Rest der „Erkenntnisse“ etwa den Wert dieser Aussage hat: „Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Marmelade Fett enthält…“

Welche DSLM?

Bei mir mittlerweile FUJIFILM (X-E2 APS-C Sensor). Mein ehemaliges Olympus Flaggschiff OM-D E-M1 "glänzte" am Ende durch Totalausfall und wurde nach Rücksprache seitens Olympus und meinem OK verschrottet!

Kann ich mit leben, denn bei genauem Hinsehen hat sich schnell rausgestellt, dass das Olympus OM-D System im Vergleich zur FUJIFILM X-E1, X-E2 und X-E3 einfach zu teuer ist.

(Zu viel) Werbung für Fuji? Nein, „Lebensgeschichte“ in Sachen Autofokus und spiegellose Systemkameras…

Da stecken rund 8 Jahre Erfahrungen mit spiegellosen Systemkameras drin. Nie habe ich den Frust mit der - sinngemäß - "schnellsten Kamera der Welt" vergessen. 2011 als stylische Kamera parallel zur Nikon DSLR-Ausrüstung erworben, war die Olympus PEN E-P3 eine einzige Enttäuschung, was die Autofokus-Performance anging. Schnelle Motive, dunkle Umgebung - AF lahm bin hin zum Totalausfall :-( Um 2015 rum hatte ich mich eine Zeitlang für die spiegellose Canon EOS M10 interessiert. Es blieb beim Interesse, was auch daran lag, dass die EOS M10 keinen E-Sucher hat. 2015 kam mein Einstieg ins Digicammuseum.de und dabei unter anderem im Mai 2017 zum Praxisbeitrag „Spiegellose Systemkamera Olympus PEN E-P2“ Auch wenn ich den Frust mit der PEN E-P3 nicht vergessen hatte, konnte ich für 75 Euro nicht widerstehen, den Vorgänger E-P2 aus dem Vorstellungsjahr 2010 zu kaufen. Vom Autofokus her wusste ich ja, worauf ich mich einließ.

2016 hatte ich den Blogbeitrag „Zeitwende“ geschrieben. Anstoß lieferte die filmlose FUJIFILM X-T2, eingesetzt parallel zur Canon EOS1 DSLR vom festen freien Fotografen des Namensgebers des Basketballteams. Die Kontrolle der mit der X-T2 aufgenommenen Actionfotos in 1:1 Darstellung auf dem Notebook-Monitor zeigte sofort: Die spiegellose Fuji mit dem 2,8/50-140 (2,8/75-210 mm @KB) kann es – ENDLICH!

Und damit war der Weg vorgezeichnet. Wenige Tage nach der letzten Herbst-Photokina in der langjährigen Geschichte dieser Kölner Messe war es soweit. Für 95 Euro wurde die erste FUJIFILM X-E2 in die aktive Foto-Ausrüstung aufgenommen. Trotz defektem E-Sucher (beim Verkauf nicht verschwiegen!) und dem simplen 3,5-5,6/15-45 mm Einsteiger Kit-Zoom (22,5-67,5 mm @KB) gleich ein Volltreffer auch in Sachen Autofokus.

Während die verflossene Olympus PEN E-P3 mit vergleichbaren Brennweiten 2,8/20 mm Panasonic und 1,8/45 mm Olympus allenfalls ein paar Zufallstreffer schaffte, lieferte die Fuji eine Vielzahl einwandfrei fokussierte Aufnahmen. "Schuld" daran ist der hochpräzise, aber lahme Kontrast-Autofokus der PEN E-P3 und der Hybrid-Autofokus der X-E2, wo zum Kontrast AF der für schnelle Motive notwendige Phasendetektions-AF dazukommt.

Die Olympus OM-D E-M1 mit ihren 13 x 17 mm microFourThirds Sensor und Phasendetektionsautofokus war ebenfalls in der Lage eine ausreichende Zahl einwandfrei fokussierter Fotos zu liefern. Mein Exemplar erwies sich aber als von Vorbesitzern kaputt gebastelte Kamera, die nach Kauf zu kurz lief und dann ohne weiteres Nachdenken konsequent verschrottet wurde, da die Reparaturkosten den Wert der Kamera überstiegen. Der Weg zu mehr Sensorgröße (Fuji!) war ohnehin schon vorgezeichnet.

Sony? Auf jeden Fall eine Überlegung wert, da ein guter Freund von seiner fast neu erworbenen spiegellosen 24 Megapixel Vollformat Sony Alpha 7 Mark II zusammen mit dem 3,5-5,6/28-70 mm Zoom ebenfalls vom Online-Händler mit Rückgaberecht nur Gutes berichtete. Mein Einstieg in die „richtige“ DSLM-Fotografie sollte aber preiswerter sein als mit einer Sony A7 MK II.

Canon, Nikon spiegellos – unterschiedliche Eindrücke

Zum Foto: Ja, der Vergleich ist unfair…Nikon hat auch ein kompakteres 1,8/50 mm AF-Nikkor, ist aber (noch?) nicht gewillt, eine kompakte, preiswerte spiegellose Systemkamera mit APS-C-Sensor wie die Fujis anzubieten. Soll ich deshalb 2500 Euro investieren, um mein 1,8/85 mm AF-S FX-Nikkor per Bajonett-Adapter auf die Vollformat DSLM Nikon Z6 zu montieren, wenn das 2/50 mm Fujinon XF durch den Cropfaktor 1,5 auf der zierlichen und gebrauchten 240 Euro X-E2 zum 2/75 mm wird?

Das nicht so oft benutzte 85 mm Nikkor ist verkauft, für Lichtstärke sorgt das vergleichsweise spottbillige 2/100 mm Yongnuo AF mit Nikon F Bajonett. Der Entschluss war auch leicht gefallen, da es zur Weiterverwendung vorhandener DSLR-Objektive auf der DSLM verschiedene Meinungen gibt.

Liest man zwischen den Zeilen diverser Vorstellungen der neuen Vollformat Canon und Nikon DSLMs, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Adaption von Original-Hersteller-Objektiven auf der spiegellosen Systemkamera je nach Betriebsart mit „gewissen“ Abstrichen funktioniert.

Unter anderem das gibt es zu den neuen DSLMs zu lesen:

Waren das nun nur subjektive Meinungen?

Während eine deutsche Internetseite das Kunststück fertigbrachte, statt mit dem großartigen 2/200 mm Fujifilm XF R LM OIS WR und einer spiegellosen Fuji auf einen Sportplatz zu gehen, begnügte man sich dort mit Langeweile pur: Hochspannende MTF-Kurven des superlichtstarken 200ers über die verschiedenen Blenden.

Bei zu vielen Berichten werden nur Standfotos gezeigt, für die noch nicht mal Autofokus nötig gewesen wäre. Was soll das?

Das schwedische Magazin „FOTOSIDAN“ machte einen richtigen Feldversuch, montierte ein 4/180-400 mm Nikkor auf die Z7 und ging damit zum Eishockey! Um draußen den Schwierigkeitsgrad noch weiter zu erhöhen. Zusätzlich zum im 180-400 mm Zoom eingebauten, heißt einschwenkbaren 1,4-fach Telekonverter montierte das schwedische Magazin einen zweiten TC-14E III. Resultat des Ganzen: Ein 8/360-800 mm Zoom, das nach Meinung des Blatts auf der spiegellosen Nikon Z7 draußen in der Naturfotografie ein besseres Fokusergebnis auf bewegte Motive als auf der DSLR ablieferte.

Fast hätte man glauben können, dass ein schwedischer Redakteur der deutschen Sprache mächtig war/ist und vielleicht von „Sehen wollen wir’s!“ gehört/gelesen hatte. Ein Ausspruch, der vom lange verstorbenen Briefkastenonkel, Lebenshelfer und Fotoexperten Alexander Borell mit dem zeitweiligen Pseudonym „Nörgelmann“ stammen soll. Oder in Abwandlung einer Elektronik-Discountkette: „So geht Test!“

Auch nach Rücksprache mit einem weiteren Fotografen aus der Nähe von Bonn ergab sich zum Thema spiegellose Systemkamera ein anderes Bild. Der Mann verdient seinen Lebensunterhalt mit professioneller Unternehmens- und Industriefotografie und setzt nur noch Fuji X DSLMs ein. Er berichtete von seiner Kollegin, die ihre EOS DSLR-Objektive jetzt gerne und erfolgreich auf der spiegellosen EOS R einsetzt. Er schrieb: "S. ist damit jedenfalls sehr zufrieden und arbeitet mit allen ihren Objektiven auch an der R gerne und gut. Das 16-35 sieht mit dem Adapter allerdings irgendwie komisch aus… :-)"

Zur Entlastung der kritisierten Zunft

Die Hand die einen füttert, beißt man nicht! Wer genug Englischkenntnisse hat, wer zwischen den Zeilen lesen kann, findet u.a. auf Dpreview.com, die von einem großen Online-Verkaufshaus einverleibt wurde und Digitalkamera.de genug Hinweise auf Tauglichkeit einer Kamera. Und wenn es in der Kunst des geschickten Formulierens oder Weglassens besteht.

Wird ein Thema nur schwammig formuliert oder gleich weggelassen, gibt es für mich zwei simple Lösungen. 1. Schlicht vergessen: Kann passieren, ist aber ziemlich unwahrscheinlich, wenn man als kompetente Fachredaktion angesehen werden möchte. 2. Ein Test, eine Messung ist so unbefriedigend ausgefallen, dass man darüber einfach nicht berichtet. Schließlich möchte man für den geschätzten Anzeigenkunden ja auch die nächste Werbung schalten und vor allen Dingen auch das nächste Neugerät zur Verfügung gestellt bekommen.

Wobei auch bestimmte AF-Testmethoden sehr fragwürdig erscheinen

„Was ist das denn für ein AF-C-Test, wo die Kamera vom Stativ aus Radler auf Schlingerkurs verfolgungsautofokussiert?“, fragte neulich ein guter Bekannter. Um grundsätzlich zu verstehen was ungefähr gemeint ist, sollte man einen Blick/Klick auf diesen Link werfen.

Dort abgebildet sind Aufnahmen aus einer Serie eines durch Schneetreiben anfliegenden Bartkauz’ (Eulenart), die richtig fokussiert sind. Die Schneeflocken konnten den Autofokus nicht irritieren. Möglich wurde das durch so genanntes 3D-Autofokustracking. Dabei erkennt die Kamera, wenn sich das anvisierte Objekt aus einem AF-Feld in eine anderes bewegt, und wechselt die aktiven AF-Felder entsprechend. Gesichtsverfolgung oder Fokussierung auf ein Auge der Wahl funktioniert ebenso, mit der Priorität auf Gesichter oder das gewählte Auge. Jedenfalls in der Theorie. Eine weitere Variante reagiert zusätzlich auf Farben – im Beispiel der braune Bartkauz.

Objekte mit spontanen, unvorhergesehenen Bewegungen sollen sich mit automatischer Messfeldwahl/3D-Tracking so besser verfolgen lassen. Canon Kameras verfolgen dabei auch Objekte, die kurzzeitig verdeckt werden. Sony A7-Modelle gestatten es, den AF auf ein Objekt, auf das einmal scharfgestellt wurde, zu verriegeln (AF-Lock). Dieses Muster kann sich die A7 merken, was verhindert, dass unerwünschte Objekte, die bei der Motivverfolgung zufällig ins Messfeld geraten, die Messung aufs bewegte Hauptmotiv nicht irritieren. Kein neues Verfahren, 3D-Tracking boten 2008 beispielsweise die Nikon DSLRs D300s, D700, D3, D3s und D3x. Und sicher nicht nur Nikon.

Bei der Serie mit dem Bartkauz wurde auf den Vogel scharf gestellt, solange er noch auf dem Arm des Falkners saß. Als der Bartkauz los flog musste nur der Autofokus aktiviert und dafür gesorgt werden, dass der Vogel das Fokusmessfeld der D3 nicht verlässt – und dabei ausgelöst. Scharfe Bilder während des Fluges hatten nur die Fotografen, die 3D-Tracking einsetzten. Alle anderen hatten ein Problem wegen des Schneefalls. Bei der Verfolgung des Raubvogels stand die Kamera aber nicht unverrückbar auf einem Stativ, der Fotograf dachte sicher mit und unterstützte die Motivverfolgung des 3D-Tracking durch seine Motivverfolung mittels nachgeführter Kamera.

Bei dem, was da aktuell an vergleichbarem Tracking-AF gezeigt wird, hat man das Gefühl, dass die jeweilige Kamera unverrückbar aufs Stativ montiert wird, um dann nach Festlegung und „Merken“ des Motivs den schlingernden oder besser Slalom auf die Kamera zufahrenden Radler (das Motiv) vollautomatisch verfolgen und fokussieren zu lassen. Das soll ein praxisgerechter Autofokustest sein? Keiner der Kollegen, die ich kenne, benutzt diese Methode.

Damit komme ich zum Schluss

Nicht ohne zur "verraten", dass es 2019 wie angekündigt nur noch wenige Praxisberichte über Konsumerknipsen geben wird, dafür aber etwas über die 13,5 Megapixel Vollformat DSL Kodak DCS Pro 14nx von 2003, die 6/12 MP APS-C Sensor DSLR FUJIFILM FinePix S3 Pro von 2004, die 10 MP APS-C DSLR Sony Alpha 200 von 2008, sowie die beiden microFourThirds DSLRs Olympus E-420 (2008, 10 MP) und Panasonic Lumix DMC L10 (2007, 10 MP). Für 2019 ist in unserem Museum auch noch eine Ladung „Trash-Kameras“ vorhanden ;-) 

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