Fuji X-Pro 1 mit Fuji XF 10-24 F4 R OIS von Christian Zahn
In diesem Erfahrungsbericht geht es um ein etwa 10 Jahre altes Superweitwinkelobjektiv an der spiegellosen Systemkamera X-Pro1 mit 16 Megapixeln und APS-C-Sensor.
Das Objektiv gilt als eines der guten Superweitwinkel-Zooms. Nikon 2007 hatte mit dem AF-S 2,8/ 14-24 G ED Nikkor eines der ersten wirklich brauchbaren Extremzooms vorgestellt, das als so gut galt, daß sogar etliche Canon-Profifotografen es ohne AF an ihren Vollformatkameras verwendeten. In der Folge entstanden von diversen Anbietern ähnliche Objektive für KB- bzw. APS-C-große Sensoren, unter anderem das Canon EF-s 10-22 USM (KB-äquivalent 16-35mm) oder EF-s 10-20 STM, weil unter Landschaftsfotografen diese Bildwinkel sehr beliebt sind.
Allerdings muß man eines beachten: in der Weitwinkelstellung gibt es an den Bildrändern extreme optische Verzerrungen, denn der Bildwinkel beträgt beim genannten Nikkor 114° bei 14mm, d.h., über die Diagonale wird fast ein Drittel der sichtbaren Welt (360°) vor, neben und hinter dem Fotografen abgebildet! Von der Hälfte der sichtbaren Welt vor dem Fotografen (180°) sind es über die Bildbreite gesehen 104°, also mehr als die Hälfte! Zum Vergleich: Ein KB-Normalobjektiv mit 50mm hat einen horizontalen Bildwinkel von 40°, bildet also nicht einmal ein Viertel der Welt vor der Kamera ab. Weil dieser große Bildbereich beim Superweitwinkel auf eine Ebene abgebildet wird, sind die Bildecken von der Kamera viel weiter entfernt als die Bildmitte, so daß beispielsweise runde Laternen an den Bildrändern oval erscheinen.
Außerdem „leiden“ viele Superweitwinkelfotos an langweiligem Vordergrund. Es ist wichtig, daß nicht nur der abgebildete Hintergrund mit beispielsweise dem Alpenpanorama das Auge des Betrachters beeindruckt, sondern auch etwas im Vordergrund ist und nicht nur eintönige Wiese mehr oder minder ohne Details. Bäume oder Sträucher, ein Zaun oder einige Kühe wirken Wunder! Genauso ist es bei Architekturfotos, ist vor der abgebildeten Häuserzeile vorne nur langweiliger Asphalt, wird das Bild langweilig. Entweder beschneidet man das Foto zu einem Panorama, indem der untere Bildteil einfach weggelassen wird oder man sucht sich eine Aufnahmeposition, wo „vorne was los ist“.
Fujinon Asperical Lens Super EBC XF 10-24mm 1:4 R OIS ø72
Das Objektiv erschien Mitte 2014 und wurde Ende 2020 durch den Nachfolger abgelöst, der optisch baugleich ist, aber einen verbesserten Bildstabilisator aufweist, einen beschrifteten Blendenring hat und außerdem gegen Spritzwasser abgedichtet ist.
Kurze Erklärung all der Kürzel: „“Super EBC“ bedeutet „Electro Beam Coating“ und steht für die Mehrschichtvergütung aller Linsenflächen, „XF“ kennzeichnet die „Fujinon-X“-Objektive der besseren Klassen (XC heißen die EInsteigerobjekive ohne Blendenring), „R“ kennzeichnet den eingebauten Blendenring und „“OIS“ ist der „Optical Image Stabilizer“, also der eingebaute Bildstabilisator. „ø72“ ist das Filtergewinde.
Beide Versionen weisen wie viele andere solche Zooms eine gewisse Serienstreuung auf, einige Exemplare kamen und kommen ab Werk mit dezentriert verbauten Linsengruppe(n). Dabei ist zu beachten, daß der verbaute optische Bildstabilisator durch das seitliche Bewegen einer Linsengruppe den Zitterbewegungen der Kamera entgegenwirkt und technisch gesprochen bereits eine gewollte Dezentierung ist. Es macht also Sinn, den Stabilisatormodus der Kamera auf „Nur bei der Aufnahme“ zu stellen, so daß die seitlichen Linsenbewegungen immer aus der neutralen Mittelstellung erfolgen und die bewegten Linsen nicht bereits durch Ausgleichsbewegungen vor der eigentlichen Aufnahme mehr oder minder außermittig positioniert wurden.
Das XF 10-24 ist aufwendig aus 14 Elementen in 10 Gruppen aufgebaut, darunter 4 aspährische und 4 ED-Linsen. Sowohl Blenden- als auch Entfernungsring sind keine mechanischen Elemente, sondern die Informationen werden rein elektrisch ermittelt und an Stellmotoren übertragen. Das macht den Aufbau einfacher und somit preiswerter, weil keine aufwendige Umschaltung zwischen elektrischer und mechanischer Steuerung erforderlich ist. Die Brennweitenverstellung hingegen erfolgt glücklicherweise nicht motorisch.
Das Objektiv hat zwei Schalter: einen für die Aktivierung des Stabilisators, so daß er bei Stativnutzung schnell und einfach abgeschaltet werden kann, ohne das Kameramenu bemühen zu müssen und einen weiteren für die Umschaltung zwischen automatischer Blende und manueller Blendenvorwahl. Leider ist der Blendenring umbeschriftet, die eingestellte Blende ist somit bei abgestellter Kamera nicht erkennbar, sondern nur beim Blick auf das Display bzw. durch den Sucher.
Der geriffelte Entfernungsring läuft leicht mit fühlbarer Rastung, er ist nur ein Encoder. Die Naheinstellgrenze ist mit 0,5 bis 0,24 Metern kurz (je nachdem, ob Makro aktiviert ist oder nicht). Der Blende rastet stufig, auch er ist ein rein elektrisch übertragenes Bedienteil, es sind 7 Lamellen eingebaut. Das Filtergewinde ist mit 72 mm ausreichend groß und dreht sich beim Fokussieren bzw. Zoomen nicht mit. Die blütenförmige Streulichtblende ist effektiv, sie rastet in ein Bajonett und wurde mitgeliefert, ihre Benutzung ist aufgrund der hohen Streuempfindlichkeit der recht großen Frontlinse dringend angeraten. Der Frontdeckel ist vom Snap-In-Typ und kann mit montierte Streulichtblende problemlos abgenommen werden. Der Zoomring ist kein elektrischer Encoder bewegt die Linsengruppen mechanisch, somit gibt es eine gute haptische Rückmeldung über den Zoomvorgang, Der Autofokus verrichtet seinen Dienst schnell und leise, obwohl kein Ultraschallmotor eingebaut zu sein scheint.
Das Objektiv hat einen Durchmesser von 78 mm, eine Baulänge von 87 mm und wiegt 410 Gramm. Weder beim Zoomen noch beim Fokussieren verändert es seine Länge, jedoch bewegt sich beim Zoomen die Frontlinse etwas vor und zurück, berührt einen eingeschraubten Filter aber niemals.
Das XF 10-24 ist ein sehr guter Vertreter seiner Klasse, zeitgenössische Test kurz nach der Vorstellung bescheinigten ihm durchweg die beste gemessene Bildschärfe auch in den kritischen Ecken verglichen mit zuvor getesteten anderen ähnlichen Ultraweitwinkel-Zooms. Wie inzwischen allgemein üblich ist das Zoom etwas „unterdesignt“. Verzeichnet das Nikkor 14-24 beispielsweise bei allen Brennweiten nur kaum, so hat das Fujinon bei 10mm eine wahre tonnenförmige Verzeichnung von ca. 5%, bei 14 und 18mm sinkt sie auf ca. 1°, und bei 24mm ist eine leichte kissenförmige Verzeichnung vorhanden. Aber diesen Fehler korrigieren alle Fuji-X-Kameras automatisch beim Aufnehmen von JPGs sowie quasi alle RAW-Konverter am Computer, da zum Aufnahmezeitpunkt das Objektiv die Korrekturparameter an die Kamera übermittelt und diese in die EXIFs des Fotos eingebettet werden. Somit sind die erzeugten Bilder fast völlig frei von Verzeichnung, und auch die Vignettierung von beispielsweise ca. 2 Blendenstufen bei 1:4 und 10mm werden auf eine moderate halbe Blendenstufe elektronisch korrigiert. Die chromatischen Aberrationen und die Unschärfe durch zu kleine Blenden werden durch einen in die Fuji-X-Kameras eingebaute „DLO“ = „Digital Lens Optimisation“ bei JPG-Aufnahmen mehr oder minder effektiv beseitigt, nicht alle PC-RAW-Converter unterstützen den „DLO“ gegen Beugungsunschärfe.
Das gesamte Objektiv macht einen hochwertigen Eindruck, es ist äußerlich fast vollständig aus Metall hergestellt und ziemlich schwer. Es gibt weder Entfernungs-Skala noch Tiefenschärfemarkierungen (diese werden auf Wunsch im Sucher bzw. im Display elektronisch angezeigt), ein Index für die Infrarotfotografie fehlt hingegen immer. Es wurde in Japan hergestellt, die Produktion war noch nicht in ein Billiglohnland ausgelagert worden.
Die folgende Beurteilung gilt für die korrigierten Bilder, nicht für unkorrigierte RAWs! Das Objektiv ist am 16-MP-Sensor der X-Pro1 und Offenblende in der Bildmitte schon scharf, der Bildrand fällt etwas ab. Abblenden auf 8 steigert die Schärfe der Ränder und Ecken, die Vignettierung ändert sich kaum. Die bei Offenblende vorhandenen chromatischen Aberrationen verschwinden in den JPEGs der Kamera ab Blende 4-5,6 nicht völlig, der Computer-RAW-Konverter beseitigt sie meist völlig.
Der Neupreis betrug ca. 1000 Euro, der aktuelle Gebrauchtpreis schwankt je nach Zustand und Lieferumfang zwischen 250 und 450 Euro. Mein Exemplar wurde als „stark gebraucht“ am unterem Ende der Preisskala verkauft, die einzige sichtbare Gebrauchsspur war eine Macke am Blendenring, die Gebrauchsspuren stammen quasi alle von mir. Wie erwähnt: beim Gebrauchtkauf Rückgaberechte vereinbaren oder gleich bei einem gewerblichen Anbieter kaufen, denn die Serienstreuung des Objektivs ist bekannt, es gab und gibt Exemplare mit unscharfen Bildrändern durch Dezentrierung.
Alle Beispielaufnahmen entstanden freihand mit eingeschaltetem Bildstabilisator (nur während der Aufnahme, nicht für die Sucheranzeige), wurden gespeichert als RAF, gewandelt mit Adobe Camera RAW und bearbeitet mit Photoshop CS6. Verzeichnung, Vignettierung, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe ist korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. Aufnahmeparameter und 100%-Ausschnitte sind einmontiert.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Das XF 10-24 gilt zu Recht als eines der guten Superweitwinkelzooms. Zwar gibt es inzwischen von Drittherstellern Objektive, die auch bei Offenblende 1:2,8 als schärfer bis in die Bildecken gelten, aber sie sind deutlich teurer und schwerer. Ich habe das Nikkor 14-24 und überlege ernsthaft, ob ich das noch brauche oder abstoßen sollte. Zwar ist der eine Millimeter Unterschied zwischen 14 und 15 deutlich (ca. 5° mehr Bildwinkel ist im Bild sichtbar!), aber das Nikkor ist mit 1:2,8 groß und schwer (1 kg!) und deshalb schleppe ich es nicht „einfach so auf Verdacht“ mit, wenn ich auf eine Fototour gehe. Das XF 10-15 hingegen kann man mit knapp 400 Gramm als „immer-Dabei-Objektiv“ in der Fototasche mitnehmen, auch wenn es vielleicht gar nicht braucht.
Christian Zahn, Oktober 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 14.10.2026 |















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