Nikon Z5 mit Agfa/Chinon 35-100mm Zoom von Christian Zahn

In diesem Erfahrungsbericht geht es um ein etwa 45 Jahre altes Manuellfokusobjektive adaptiert an die spiegellose 24-Megapixel-Systemkamera Nikon Z5.

Aus den Anfangsjahren der 1980er stammt die Selectronic 3, eine Spiegelreflexkamera mit Pentax-K-Bajonett, die von Chinon, Nagano, Japan hergestellt wurde und eine Anpassung an das damalige Agfa-Kameradesign erhielt, die Kunststoff-Verkleidung der Deckkappe ist rundlicher und eleganter gestaltet, der Auslöser bekam den roten Agfa-Sensorpunkt, einen besonders sanft und erschütterungsfrei auslösenden Mechanismus mit einer roten Kunststoffmembran über dem eigentlichem Auslöser.

Die Objektivbeschriftung ist mit Agfa gelabelt, Objektiv-Front und -Rückdeckel hingegen bekamen kein AGFA-Logo in die Spritzgußformen und entsprechen 1:1 dem Chinon-Design. Die Chinon-Objektive um 1980 sind an einer speziellen Riffelung der Gummierung von Blenden- und Fokussierung erkennbar, während damals allgemein eine „Waffelung“ mit Kreuzrauten oder ein „Quadratmuster“ mit senkrechten und waagrechten Trennlinien üblich war, sind die Chinon-Gummierungen dieser Zeit nur senkrecht geteilt.

Chinon hat das Objektiv nicht nur mit Agfa-Beschriftung verkauft, sondern im Foto-Quelle Katalog 1980 ist es auf Seite 21 abgebildet. Als Revuenon MC wurde das äußere Design etwas geändert, die Gummierung von Zoom- und Fokusring ist kreuzgewaffelt statt gerändelt. Es wiegt laut Beschreibung 700 Gramm,  entweder ein Fehler von Quelle, weil möglicherweise der Köcher mitgezogen wurde oder das Revuenon hat Messingteile, die beim Agfa Vario aus Aluminium gefertigt wurden. Außerdem wird das Quelle-Objektiv mit 1:3,5-1,4,3 angegeben, während das Agfa 1:3,5-4,5 graviert ist. Der Quelle-Preis betrug im Jahr 1980 529 DM.

Es gibt Aussagen im Netz, das Objektiv sei nicht von Chinon selbst, sondern von CIMKO Cima Kogaku hergestellt worden, die ebenfalls ein 3.5-4,3 35-100mm Objektiv gebaut haben. Allerdings ist das ein Schiebezoom (also kombinierte Fokus- und Brennweitenverstellung) und hat nur ein 55mm-Filtergewinde, die Frontlinse ist nochmals kleiner. Darum kann das Chinon nicht mit dem CIMKO baugleich sein.

​​​​​​​Reparatur

Bei meinen Exemplar war der Blendenantrieb verbogen, außerdem ließ sich der Blendenring über die beiden End-Stellungen 3,5 bzw. 16 hinausdrehen. Nach Abschrauben des Bajenettanschlusses war klar, daß das Objektiv bereits geöffnet worden war, denn es fehlte ein Stift, der den Anschlag des Blendenrings darstellte. Im Inneren des Objektiv „klapperte“ er nicht herum, er muß also ausgebaut worden sein. Warum? Das erschließt sich mir nicht, denn es bringt ja nichts, den Blendenring weiter als vom Hersteller vorgesehen zu bewegen, weiter als Offenblende und kleiner als 16 kann die Mechanik die Lamellen nicht betätigen.

Der verbogene Hebel für den Springblendenantrieb konnte ich einfach mit Hilfe von zwei Feinmechanikerzangen im eingebautem Zustand richten. Der Ersatz des Anschlags war etwas schwieriger, denn ursprünglich war ein Stift mit einseitigem Gewinde eingeschraubt. Ich habe keine Schrauben mit Gewinde M0,6 oder M0,7 im Bestand, ggf. hätte mir ein Uhrmacher helfen können, jedoch fand sich in meinem Schraubensortiment eine selbstschneidende Schraube für den Einsatz in Kunststoffgehäusen mit Durchmesser 0,9mm, diese konnte ich in das Loch hineindrehen. Weil der Schraubenkopf etwas zu groß war. mußte ich ihn einseitig abfeilen, damit er den Blendenring nicht an der Drehung hinderte.

Der Zusammenbau des Objektivs war dann etwas kompliziert, denn im Bajonettring ist ein Loch, in dem eine Feder steckt, auf der die Blendenring-Rastkugel sitzt. Es ist aber nicht möglich, den Blendenring wie im Foto gezeigt zu positionieren und dann das Objektiv von Oben darauf zu setzen, weil einige Teile dann aus dem Objektiv herausfallen. Das Agfa Vario muß mit der Frontlinse nach unten zeigend zusammengebaut werden, dann fällt aber die Rastkugel herunter. Somit: sie muß mit reichlich Fett an der richtigen Position „festgeklebt“ werden, dann fällt sie nicht ab, wenn sie unterhalb des Bajonettringes hängt, sofern man den Ring nicht ruckartig bewegt und vorsichtig an das Objektiv ansetzt.

Nach dem Festziehen der Schrauben war das Objektiv wieder wie ab Werk, die Blende öffnet und schließt sich richtig, die eingravierten Blendenzahlen stimmen mit der Lamellenbewegung überein.

Agfa Color Multi-Coated Vario 1:3,5-4,5 f=35-100mm

Es ist eine Drittel-Blende lichtstärkere als die „normalen“ 1:4 - Objektive. Allerdings hält es die Lichtstärke nicht bei, sondern je größer die Brennweite wird, desto geringer wird die Offenblende. Darum sind zwei Markierungspunkte als Anzeige der eingestellten Blende angebracht, der grüne gilt für 35mm, der rote für 100mm. Der eingestellte Blendenwert für die Zwischenbrennweiten liegt dann jeweils dazwischen.

Der ausreichend breite und mit geriffeltem Gummi überzogene Entfernungsring läuft nach all den Jahrzehnten immer noch perfekt, der Einstellweg ist mit etwa 90° leider zu kurz. Die Naheinstellgrenze ist mit 2,5 Metern zeittypsch lang. Jedoch gibt es eine Makrostellung, nach Drücken auf eine Taste kann ein stufenlos einstellbarer „Zwischenring“ durch einen zweiten Schneckengang benutzt werden, der das gesamte Objektiv nach vorne verstellt, während der normale Fokussiervorgang durch Frontlinsenverstellung erfolgt. Laut Quelle-Katalog kann dann ab 0,38mm scharfgestellt werden. Ebenso erwähnt der Katalog, daß das Objektiv aus 10 Linsen aufgebaut ist.

Die Blende rastet ganzstufig, es sind 6 Lamellen eingebaut. Bei Blendenzahlen zwischen Offenblende und 1:5,6 ist die Blendenöffnung nicht annähernd rund, sondern leicht sägezahnartig.

Das Objektiv hat einen Durchmesser von 72 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 93 mm und wiegt 565 Gramm. Beim Nahfokussieren wird es dank Frontlinsenfokussierung nur 5 mm länger. Ebenso verlängert es sich beim Zoomen um 5mm und beim Stellen auf den maximalen Makromodus nochmals um 5mm. Das Filtergewinde beträgt 67mm.

Das gesamte Objektiv macht einen wertigen Eindruck, es ist vollständig aus Metall gefertigt und recht schwer. Tiefenschärfemarkierungen sowie ein Index für die Infrarotfotografie sind nicht vorhanden.

Das Objektiv ist am Vollformat-Sensor der Z5 bei Offenblende erwartungsgemäß recht unscharf, Abblenden auf 5,6 bis 8 steigert die Schärfe, ab Blende 11 kommt es zu Beugungseffekten. Die chromatischen Aberrationen sind bei 1:3,5 erkennbar, bei 1:5,6 minimiert und ab 1:8-11 verschwunden.

Die damalige UVP ist mir nicht bekannt, sie dürfte aber oberhalb des Quelle-Preises von 529 DM gelegen haben.

Das Objektiv ist heutzutage teilweise nicht mehr günstig zu bekommen, je nach Zustand und Lieferumfang liegt es zwischen 20 und 60 Euro. Ich bekam es im Frühling 2026 von einem Besucher meiner Webseite zusammen mit einer defekten Selectronic 3, einem 2,8/28, 1,4/50 und einem 3,5/200 geschenkt, vielen Dank dafür!

Beispielaufnahmen

Alle Aufnahmen entstanden freihand bei ASA-Automatik, Zeitautomatik, mit eingeschaltetem Bildstabilisator und bei Blende 8, gespeichert als NEF, gewandelt mit Nikon Capture NX Studio und bearbeitet mit Photoshop CS6. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte einmontiert.

Fazit

Das Agfa / Chinon Vario ist bei Offenblende leider etwas weich, bei Arbeitsblende 8-11 hingegen beliefert es den 24-Megapixel-Sensor der Z5 in der Bildmitte durchaus, in den Bildecken nicht bei allen Brennweiten.

Christian Zahn, Juni 2026

 

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