Nikon Z5 mit Meyer Optik Görlitz 50mm Domiplan M42-Version C. Zahn

In diesem Erfahrungsbericht geht es um ein etwa 40-50 Jahre altes Manuellfokusobjektiv, adaptiert an die spiegellose 24-Megapixel-Systemkamera Nikon Z5. In der Variante mit Exa/Exakta-Anschluß habe ich es 2022 gezeigt. Hier nun ein Exemplar mit M42-Anschluß. Ich bekam es zusammen mit einer Praktica von Ralf Jannke geschenkt, vielen Dank!

Es basiert auf der Rechnung des bereits 1940 vorgestellten 2,9/50mm Trioplans und wurde vom VEB Pentacon anfangs weiterhin bei Meyer Optik Görlitz, die gezeigte Variante wurde von 1967 bis 1979 gefertigt. Es ist eines der meistgebauten M42-Normalobjektive überhaupt, mehr als 2 Millionen Exemplare sorgen auch heute für einen niedrigen Verkaufspreis. Wer lange genug sucht, findet es für einen bis fünf Euro auf dem Flohmarkt oder im virtuellen Auktionshaus; wer weniger Zeit hat, muß Preise von 15 bis 35 Euro bezahlen. Inzwischen scheint der „Seifenblasen-Bokeh“-Hype etwas abgeflaut zu sein, noch vor einigen Jahren stiegen die Preise teilweise auch über 50 Euro.

Dieser Objektivtyp hat ein einzigartiges „Bokeh“, also die Abbildung unscharfer Details im Hintergrund. Sie werden „seifenblasen-artig“ und mit leichtem „Swirl“, also einer Art Drehung, dargestellt. Dieser Effekt tritt allerdings fast ausschließlich nur bei Offenblende auf, abgeblendet hingegen nur sehr gering.

Ralf Jannke hat ein Exemplar dieses Typs hier bereits vorgestellt.

Ich habe mit der M42-Version keine guten Beispiele für diesen Effekt geschafft, mit der EXA-Variante hatte ich mehr Erfolg gehabt.

Meyer Optik Görlitz Domplan 2,8/50

Das gezeigte Objektiv ist wie oben erwähnt zwischen 1967 und 1979 gebaut worden, nicht mit M42-Anschluß und Springblendenübertragung, sondern auch mit dem EXA/Exakta-Bajonett und Druckblende. Das Objektiv ist einfach vergütet und aus drei Elementen in drei Gruppen aufgebaut.

Der zebrastreifengemusterte und recht schmale Entfernungsring läuft weder zu stramm noch zu leicht. Der Einstellweg ist mit etwa 150° ziemlich kurz. Die Naheinstellgrenze ist mit 0,75m leider sehr lang. Der ebenfalls sehr schmale Blendenwahlring rastet halbstufig, es sind 6 Lamellen eingebaut. Die Streulichtblende wird in das nicht mitdrehende Filtergewinde 49 mm eingeschraubt.

Das Objektiv hat einen Durchmesser von 60 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 31 mm und wiegt 130 Gramm. Beim Fokussieren auf die Nahgrenze wird es ca. 3 mm langer.

Das gesamte Objektiv macht keinen allzu hochwertigen Eindruck, es ist zwar vollständig aus Metall hergestellt, aber recht leicht, was auf Aluminium als Werkstoff schließen läßt. Die Zebramusterung der beiden Ringe entstand durch das nachträgliche Abdrehen der schwarzen Eloxalschicht des Aluminiumrings, dadurch sind die Anfaß-Kanten deutlich fühlbar, schon fast zu scharfkantig. An der Entfernungs-Skala sind Tiefenschärfemarkierungen und ein Index für die Infrarotfotografie vorhanden. Der Blendenring rastet tanzstufig, es sind 6 Lamellen vorhanden.

Das Objektiv verzeichnet nur gering, in den Bildern ist dieser Bildfehler praktisch nicht sichtbar. Das Objektiv ist am Vollformatsensor der Z5 und Offenblende erwartungsgemäß unscharf, Abblenden auf 8 steigert die Schärfe der Bildmitte, aber auch bei Blende 16-22 werden die Ecken jedoch nicht scharf. Die chromatischen Aberrationen sind bei allen Blenden praktisch nicht erkennbar.

Alle Beispielaufnahmenentstanden freihand bei ASA-Automatik, Zeitautomatik, mit eingeschaltetem Bildstabilisator und bei Blende 2,8 bzw. 8, gespeichert als JPG und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert.

Fazit

Man muß das Seifenblasen-Bokeh des dreilinsigen Objektivs mögen, dann kann man es bei Offenblende durchaus als Porträt-Objektiv nutzen. Aber es ist nicht einfach, Motive für diese spezielle Art der Unschärfen-Darstellung zu entdecken, zum Einen muß mit Offenblende fotografiert werden, zum Zweiten müssen im Hintergrund geeignete Motivdetails vorhanden sein, idealerweise sind es starke Hell-Dunkel-Kontraste, beispielsweise Licht, daß durch Blätter strahlt oder von der Sonne angestrahlte helle Tautropfen auf dunklen Pflanzen.

Christian Zahn, Januar 2026

 

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