OLYMPUS WIDE und OLYMPUS TRIP 35

Eigentlich ist die deutlich jüngere OLYMPUS TRIP 35 (links) von 1967/68 die interessantere Kamera als die über 10 Jahre vorher 1956 vorgestellte OLYMPUS WIDE (rechts). Die TRIP ist etwas kompakter und 160 g leichter als die WIDE. Und die TRIP bringt eine simple, aber komfortable automatische Programm-Filmbelichtung durch batterielose Selensteuerung. Wie die TRIP 35 habe ich die WIDE 2019 zur Illustrierung von "Am 12. Oktober 2019 ist es soweit: Olympus feiert seinen 100. Geburtstag" erworben.

Ich weiß den Preis nicht mehr, sie kam aber vor Jahren über den schwedischen eBay-Ableger "Tradera". Und ganz sicher zu einem noch vertretbaren NICHT-Sammlerpreis in meinen Besitz.

Aber seitdem — 2019 — habe ich die schöne 35 mm Weitwinkel Olympus nie benutzt. Eine Schande. Wobei mich der Sommer 2026 "analog auf Trab" gebracht hat. Selbst die Entwicklung von Farbfilmen hat ihre Schrecken verloren! Also geht die WIDE jetzt mit Farbnegativ- oder SW-Film geladen, endlich mit auf die Nordlandreise!

Geschichte der WIDE

1955 brachte Olympus die Olympus Wide (Weitwinkel) auf den Markt. Speziell für die Weitwinkelfotografie entwickelt, war die Olympus Wide eine Olympus 35V mit einem Weitwinkelobjektiv. Zur Erleichterung der Bildkomposition verfügte die Kamera über einen hellen Sucherrahmen für natürliches Licht. Die Olympus Wide erfreute sich großer Beliebtheit, da sie eine einfache Möglichkeit bot, hervorragende Weitwinkelaufnahmen zu machen, die zuvor nur mit teuren Kameras mit Wechselobjektiven möglich gewesen waren. Die Olympus Wide trug maßgeblich zum darauffolgenden Boom der Weitwinkelkameras bei.

Spezifikation

  • Abmessungen/Gewicht: 126 x 81 x 57 mm, 570 g
  • COPAL MXV-Zentralverschluss, Verschlusszeiten B, 1 bis 1/500 s in ganzen Stufen
  • Objektiv Olympus D.Zuiko-W F.C. 1:3.5 f=3.5cm. Die Bezeichnung „D.Zuiko“ steht bei Olympus-Objektiven dieser Zeit für 4 Linsenelemente (D = vierter Buchstabe im Alphabet). Optischer Aufbau: 4 Linsen in 3 Gruppen, Tessar-ähnlich
  • Die Blende rastet in ganzen Stufen, Blende 8 ist rot markiert = Schnappschussblende, kleinste Blende f/22
  • Neben den Anschlägen für Nahdistanz 0,8 m und Unendlich zwei rastende Entfernungsstufen von 2 und 5 m. Passend zur Blende 8 eine Schärfentiefe von Größenordnung 1,4 bis 3 m z.B. für Personengruppe oder 2,5 m bis Unendlich = Übersicht, Landschaft und so weiter

OLYMPUS 35 Mod. IV Manual

In diesem Fall bezog sich die "35" auf das 24x36 mm Kleinbildformat, in den USA auch als "35" bezeichnet. Was war im Manual zu lesen: 

Dank der Brennweite des 4 cm ZUIKO-Objektivs ist kein Entfernungsmesser erforderlich. Wenn Sie beispielsweise die rote Markierung an der Blende auf die rot markierten 24 Fuß (ca. 8 m) am Fokusregler ausrichten, werden alle Motive in einer Entfernung von mehr als 12 Fuß (ca. 4 m) scharf abgebildet. Darüber hinaus eignet sich die Kamera dank des moderaten Bildwinkels und der feinen Schärfe dieses farbkorrigierten ZUIKO-Objektivs besonders gut für die Farbfotografie.

Und nach den 4 cm der Olympus 35 und der TRIP 35 mit 3,5 cm 35 mm jetzt ein stärkeres, "richtiges" Weitwinkel!

OLYMPUS WIDE Manual

Bei strömendem Regen mit der OLYMPUS WIDE auf Kodak Gold 200 aufgenommen. 2.400 Pixel vom 4 K Scan des Fotolabors

Leider fiel die Saisoneröffnung des Basketballvereins bei strömendem Regen weitgehend ins Wasser :-( Aber die Restaufnahmen des Kodak Gold 200 in der OLYMPUS WIDE wollte ich noch nutzen.

Aufnahmen mit der OLYMPUS WIDE auf Kodak Gold 200 Farbnegativfilm. 2. Runde 4K Scans

Beim Foto in der Tiefgarage musste ziemlich nachgeholfen werden. Offenblende f/3,5, ISO 200, Verschlusszeit natürlich ohne Staiv weit unter der Verwacklungsgrenze. Da hat Topaz Photo AI beim Nachschärfen (Entwackeln!) unterstützt!

4 K, 3.578 x 2.433 Pixel

2.400 Pixel

Die Fotos stammen aus zwei Runden. Den Kodak Gold 200 hatte ich bis ca. Aufnahme 30 zunächst in der ukrainischen Messsucherkamera FED 3 mit Leica M39 Schraubanschluss und der CANON LENS 50mm 1:1.8 belichtet, um die restlichen Fotos dann mit der OLYMPUS WIDE 35 aufzunehmen. Der ich ein paar Tage später noch einen halben neuen Kodak Gold 200 spendiert habe. Um die zweite Hälfte dann wiederum in einer dritten Kamera fertig zu belichten, der Messsucher Minolta V2 mit dem damaligen Weltrekord Zentralverschluss, der 1/2000 s bot. Das gibt natürlich einen eigenen Erfahrungsbericht!

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Im Vergleich zur oben genannten ukrainischen FED 3 mit der CANON LENS 50mm 1:1.8 ist das Canon-Objektiv klar besser. Es wird zu seiner Zeit und mit den gewollten 35 mm Weitwinkelbrennweite aber immer für 9x13/10x15 cm Papierabzüge gereicht haben.

Echter Negativpunkt der OLYMPUS WIDE: das Filmeinlegen. Wie das geht, ist nicht in Vergessenheit geraten, aber den Film in die Aufwickelspule der WIDE zu friemeln, ist die reine Zumutung. Sowas möchte ich nicht unter Zeitdruck machen müssen … O.K. Analog heißt ja heute Muße. Aber wenn man vergleicht wie ruck zuck, schnell und komfortabel hunderte analoge Sucher- und Spiegelreflexkameras mit Film geladen wurden … Und bei Laden mit Film nie vergessen: Dreht sich die Rückspulkurbel beim Auslösen und Filmtransport der ersten zwei bis drei Leerfotos?!

Damit geht die OLYMPUS WIDE wieder in den Ruhestand. Ich habe es aber keinen Moment bereut, sie auf eine Runde mitgenommen zu haben!

Die nette OLYMPUS TRIP 35 soll einstweilen nur als kompakter Ersatz mit auf die Schwedenreise im Herbst! Sie war schonmal unterwegs, aber da reichte es "nur" zu SchwarzWeiss.

Ralf Jannke, September/Oktober 2026

 

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