Ricoh Caplio R4 und R10 Funktionstest 2026 von Christian Zahn

Diese beiden Kompaktkameras von Ricoh zeigte ich zum Jahreswechsel 2020/2021:

Ziemlich genau 5 Jahre später habe ich sie nochmals kurz in Betrieb genommen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Beide Kameras wurden von Ricoh gebaut, vermutlich entstand von jedem Modell nur eine Produktions-Charge, denn die Kameralinie wurden fast alle halbe Jahre erneuert (R4 2006, R5, R6, R8, R10, CX1, CX2, CX3, CX4, CX5 und CX6 2011). Allen Modellen gemeinsam ist das weit in das Gehäuse einfahrende Objektiv, es wird nicht nur zusammengeschoben, sondern einige Elemente werden zusätzlich seitlich verschoben, um im ausgeschalteten Zustand im Gehäuse zu verschwinden. 

Der in der R4 verwendete Akku DB-60 wird auch von einigen anderen Ricoh-Kameras benutzt, darunter auch die GX-100. Der in der R10 verwendete Akku DB-70 ist baugleich mit dem in etlichen Panasonic/Leica-Kompaktkameras benutzten Akku DMW-BCE10E. Z. B. findet er sich In der Lumix FX37 wieder. In den späteren Kameras hat Ricoh nochmals andere Akkus eingesetzt, beispielsweise in der CX6 den DB-100, der als LI-50B in diversen Olympus-Kameras verwendet wurde.

Im Akkufach der R10 ist eine mit Gummi ausgekleidete kleine Aussparung, durch sie kann das Kabel eines Akku-Dummys nach außen geführt werden, eine Netzteilbuchse ist nicht vorhanden.

Die Kamera hat einen Bildstabilisator durch Sensorausgleichsbewegungen, er ist für das Jahr 2006/2008 sehr effizient. Ohne ihn wäre die 200mm Telebrennweite nicht aus der Hand nutzbar.

Die Bedienung beider Kameras erfolgt größtenteils identisch, bei der R10 wurde das Steuerkreuz aber durch einen platzsparenden Mini-Joystick inkl. Druckfunktion ersetzt, so kann das stark vergrößerte Display weit mehr als die Hälfte der Rückseite einnehmen.

Das Bildformat der R10 für JPEGs kann eingestellt werden, 3:2, 4:3 und 1:1 (jawohl, quadratisch!) ist möglich, allerdings nur mit Verringerung der Bild-Pixelanzahl. Unter den vielen Motivprogrammen ist eines zur Entzerrung schräg aufgenommener Dokumente.
Auf Wunsch kann die R10 die Gammakurve der Aufnahmen verändern, um automatisch die Bild-Schatten aufzuhellen bzw. das Ausbrennen heller Bildteile zu verhindern. Sie schreibt nicht die üblichen stufigen gerundeten Aufnahmewerte in die EXIfs, sondern die wahren Zahlen. Dabei kommen dann so „krumme“ Werte wie 1/73s, Blende 5,1 und 337 ASA heraus.

Die UVP der Ricoh Caplio R4 betrug ca. 400 Euro. Heutzutage ist der Gebrauchtpreis schwer ermittelbar, er dürfte mit 5 Euro anzusetzen sein. Die UVP der R10 betrug ca. 350 Euro. Die R10 kostete Ende 2025 erstaunlich viel, sie wurde für 50 bis 150 Euro angeboten und tatsächlich für diese Summen erworben!

Die beiden Beispielaufnahmen entstanden bei 64 bzw. 80 ASA, gespeichert als JPG, bikubisch auf 1500 Pixel Breite mit Photoshop CS4 verkleinert. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden nicht korrigiert, es sind also Bilder „Out of the Cam“.

Fazit 2026

Beide Kameras machten keinerlei Probleme beim erneuten Inbetriebnehmen, sie haben 5 Jahre Liegezeit gut überstanden. Akku und Karte einlegen, Datum einstellen und Fotografieren. Sehr gut!

Allerdings zeigt sich, daß meine Ansprüche an digitale Bilder inzwischen deutlich gestiegen sind, das Alter ist den beiden Sensoren anzumerken. 6 bzw. 10 Megapixel mit deutlichen Kompressions- bzw. Rauschunterdrückungsartefakten zeigen, daß bald 20 Jahre alte Sensoren und Bildprozessoren heutzutage hemmungslos veraltet sind. Quasi jedes aktuelle Smartphone macht bessere Aufnahmen, sie haben zwar noch kleinere Sensoren als die Ricohs, aber dank x-fach überlegener Rechenleistung der bildaufbereitenden Chips dahinter erzeugen sie beeindruckendere Bilder.

Also: beide Caplios kommen zurück in die OVP und wieder in den Schrank. Dort werden sie für etliche Jahre liegen, bis ich sie erneut hervorholen werde.

Christian Zahn, Januar 2026

 

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