Sony CyberShot V1 von Christian Zahn

Hier stelle ich eine der vielen digitalen Kompaktkameras von Sony vor. Die Besonderheit: Der Infrarotsperrfilter vor dem Sensor ist beweglich befestigt, so daß er für echte Nachtsichtaufnahmen weggeschwenkt werden kann. Ralf Jannke hat die V1 und ihre Dunkelaufnahmetechnik hier auch bereits gezeigt.

Spezifikationen:

  • Die 2003 vorgestellte Sony DSC-V1 ist 99 x 65 x 57 mm groß und wiegt mit Akkus und Speicherkarte 298 g.
  • Der 1/1,8“ (7,2x5,3 mm) CCD-Sensor mit Pixelpitch 2,8µm löst maximal 2592 x 1994 Pixel  = 5 Megapixel auf. Mit der ISO-Automatik oder manuell sind 100 bis 800 ASA einstellbar. Videos sind mit 640x480 Pixeln möglich. Bilder werden als JPEG auf MemoryStick (max. 128 MB) gespeichert.
  • Zur Bildkontrolle ist ein abschaltbarer 1,5“ TFT LCD Monitor mit 123.000 Subpixeln vorhanden, der auch die Menüsteuerung übernimmt. Zusätzlich ist ein optischer Realbidsucher eingebaut.
  • Das Objektiv ist ein 1:2,8-4/7-28mm (34-136 mm @KB) 4-fach Zoom
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S), Ermittlung durch Kontrasterkennung des Bildsensors
  • Belichtungssteuerung durch Vollautomatikautomatik oder Motivprogramme, Matrixmessung. Belichtungszeiten 30s bis 1/2000 sek., Selbstauslöser mit 10 s Vorlaufzeit
  • automatisch oder manuell aufklappender Blitz mit ca. Leitzahl 6
  • Weißabgleich automatisch oder manuell
  • keine Bildstabilisierung
  • Energieversorgung durch Lithiumakku

Besonderheiten

DSC bedeutet Digital Still Camera. Die „V“-Serie war nur recht kurzlebig, nach der hier gezeigten V1 gab es 2004 noch eine V3, weitere Modelle wurden nicht produziert. Die Kamera ist „Made in Japan“, erst spätere Modelle wurden in Billiglohnländern produziert.

Die Kamera hat recht viele Bedienelemente, auf der Oberseite das satt rastende Moduswahlrad, den Hauptschalter und den Hebel zur Umschaltung zwischen normalen Fotos und dem Infrarot-Nachtmodus. Auf der Rückseite links neben dem Sucher drei Taster für Belichtungskorrektur, Fokussierungsart und Belichtungsspeicherung. Rechts vom Sucher die senkrechte Zoomwippe, rechts vom Display die Monitorumschaltung, ein Fingerrad, das Steuerkreuz mit zentraler „OK“-Taste und zwei weitere Tasten für Menu und Löschen.

Das Objektiv mit Brennweitenbereich 34-136mm und Lichtstärke 2,8-4 war 2003 nichts besonderes mehr. Werbewirksam wird es als „Carl Zeiss Varia Sonnar“ bezeichnet, welchen Anteil Sony und welchen Anteil an der Entwicklung und der Produktion hatte, läßt sich heute nicht mehr sagen. In der Kameraanleitung steht, daß Zeiss und Sony das Meßmittel zur Prüfung des Objektivs gemeinsam entwickelt haben.

Die V1 kann 640x480-Videos aufnehmen, der Aufdruck „MPEG-Movie VX“ auf der Oberseite weist stolz darauf hin. Die Länge der Videos ist nicht begrenzt, solange die Akkus durchhalten bzw. bis die Karte voll ist, kann aufgenommen werden.

Die Stromversorgung erfolgt mit einem Lithium-Akku, wie bei Sony üblich hat er einen kleinen Chip, mit dem die Kamera die Akkukapazität prozentgenau anzeigen kann. Er wurde nur in wenigen anderen Sony-Kameras verwendet.

Die meisten Schnittstellen sitzen hinter einer gefederten Klappe. Zwei Buchsen entsprechen der Norm (Mini-USB und Videoklinkenbuchse), wie bei Sony sehr oft anzutreffen ist der Netzteilstecker ein exotischer Vierkant. Für externe TTL-Blitze ist der Norm-Blitzschuh mit Zusatzkontakten versehen, es verstehen aber nur heutzutage nur noch schwer zu bekommende Sony-Blitzgeräte die Blitzbelichtungsmessung, die Anleitung nennt HVL-F32X oder HVL-F1000 als kompatibel. Zusätzlich ist seitlich eine 2,5mm-Klinkenbucse eingebaut, auch an diesen ACC-Anschluß passen nur spezielle Sony-Blitzgeräte.

Als ziemlich teure und ziemlich schwere Kompaktkamera hat die V1 nicht nur eine Öse für eine Handschlaufe, sondern je eine rechts und links, so daß ein normaler Schultergurt angebracht werden kann.

Auf der Unterseite befindet sich eine Reset-Taste, diese muß mit einem spitzen Gegenstand eingedrückt werden und setzt alle Einstellungen zurück.

Die Kamera verwendet MemorySticks bzw. MemorySticks bis 128 MB. Diese nur von Sony eingesetzten Flash-Speicherkarten waren teurer, langsamer und mit geringerer Kapazität als die damals weit verbreiteten CompactFlash-Karten. Immerhin lieferte Sony einen (mit 16 MB allerdings recht kleinen) Stick mit, größere mußten extra diazugekauft werden.

Das Kameradisplay ist fest montiert, es ist durch eine Kunststoffscheibe vor mechanischer Beschädigung geschützt. Seine 123.000 Subpixel sind damals bereits unterdurchschnittlich gewesen, die Beurteilung der Bildschärfe ist ohne ins-Bild-Hineinzoomen unmöglich.

Die Kamera hat außerdem einen optischen Realbildsucher, der allerdings ohne Parallaxenausgleich und ohne Parallax-Marken auskommen muß. Demzufolge weicht das aufgenommene Bild besonders im Nahbereich von Sucherbild ab. Interessanterweise sind drei Status-LEDs neben dem Sucher angebracht, die Mitbewerber kamen üblicherweise mit zwei LEDs aus.

Die UVP der V1 betrug ca. 1500 DM / 750 Euro. Ich erhielt mein Exemplar 2026 vom Editor dieser Zeilen geschenkt, weil er ein zweites Exemplar bekommen hatte, vielen Dank für diese interessante Kamera.

Nightshot / Nightframing Infrarotaufnahmen

Die Kamera hat zwei Modi, um in absoluter Dunkelheit Fotos machen zu können. Nightframing sind Nachtaufnahmen, eine eingebaute Infrarot-LED beleuchtet für das menschliche Auge unsichtbar die Szene, so daß die Kamera scharfstellen kann. Nach Druck auf den Auslöser wird ein ganz normales Foto gemacht, dabei zündet der Blitz. Der Nightshot verzichtet auf den Blitzeinsatz, zur Beleuchtung dient nur die IR-LED. die entstehenden Fotos sind auch nicht farbig, sondern nur Schwarz-Weiß. Wer damals übliche Nachtsichtgeräte einen eingebauten kleinen Bildschirm hatten, der grünliche Bilder anzeigte, sind die Sony-Nachtaufnahmen auch etwas grünlich eingefärbt, eigentlich könnten sie reine SW-Bilder sein.

Technisch wird der Infrarotmodus durch einen beweglich vor dem Bildsensor montierten IR-Sperrfilter realisiert. beim Umschalten von normalem Foto auf Nightshot kann man anhand eines Klackens hören, wie der Filter bewegt wird. Außerdem steigt die Empfindlichkeit im IR-Modus stark an, die maximale Empfindlichkeit beträgt nicht mehr 800, sondern 2500 ASA. Leider ist der ausgeleuchtete Bereich der IR-LED ziemlich klein, 34mm-Weitwinkelaufnahmen haben einen IR-Spot in der Mitte, der Rest ist dunkler. Komplett ausgeleuchtet wird das Motiv nur beim Verwendung des Zooms in der Telestellung.

Trotz der hohen Empfindlichkeit sollte die Kamera auf einem Stativ genutzt werden, ansonsten verwackelt das Motiv. Bei Tageslicht ist dieser IR-Modus leider unbrauchbar, denn die hohe Sensorempfindlichkeit ist nicht abschaltbar, so daß der „Woodeffekt“ mit weißen Blättern leider nicht fotografiert werden kann, die Bilder sind total überbelichtet.

Beispielaufnahmen

Alle Beispielaufnahmen entstanden bei Programmautomatik und 100 ASA, gespeichert als JPEG, bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der V1 besteht größtenteils aus Kunststoff, nur ein Zierring um das Objektiv und das Stativgewinde ist sichtbar aus Metall. Die hohen Kosten verursachten die „inneren Werte“, nicht die Kamerahülle.

Die Kamera liefert bei 100 ASA erstaunlich gute Bilder, ich habe etliche 5-Megapixel-Kameras im Bestand, die unschärfere Aufnahmen erzeugen. Selbst der Kontrastumfang des Sensor ist für das Jahr 2003 sehr gut, trotz „Knallsonne“ erhielt ich nur wenige „ausgebrannte“ helle Motivdetails. Höherer Empfindlichkeiten sollten vermieden werden, das Rauschen steigt bei 800 ASA sehr stark an.

Die deutlich sichtbare Tonnenform und die chromatischen Aberrationen des Objektivs trüben den Bildeindruck etwas, denn diese Bildfehler werden vom Bildprozessor nicht korrigiert.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch interessante Kamera (weil Infrarot-Nachtmodus), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen nicht mehr geeignet, da der Zoombereich sehr eingeschränkt ist und die Auflösung mit 5 Megapixeln meist nicht mehr ausreicht sowie Kartenleser für MemorySticks nur noch gebraucht erworben werden können.

Christian Zahn, Mai 2026

 

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