SonyEricsson K610i Kamerahandy, Kurzbericht von Christian Zahn

Hier stelle ich ein Featurephone vor, das eine 2 Megapixel-Kamera mit Fixfokusobjektiv eingebaut hat.

Spezifikationen:

  • Das Anfang 2006 vorgestellte SonyEricsson K610i ist 102 x 45 x 17 mm groß und wiegt 90 g.
  • Der CMOS-Sensor unbekannter Größe löst maximal 1600 x 1200 Pixel  = 2 Megapixel auf. Automatisch werden 100 bis 800 ASA eingestellt. Videos sind mit 176x144 Pixeln möglich. Bilder werden als JPEG im internen Flash-Speicher oder auf einer m2-Karte (max. 2 GB) abgelegt.
  • Das Objektiv ist eine Festbrennweite 1:2,8 mit unbekannter Brennweite, die kb-äquivalent ca. 35 mm entspricht 
  • Das Motiv wird über einen 2,2“ Monitor mit 76.000 Subpixeln (176x144 Farbtripel) ausgewählt
  • Autofokus durch Kontrasterkennung auf dem Bildsensor
  • Belichtungssteuerung durch Zeitautomatik mit ISO-Automatik, Belichtungszeiten ca. 1/15s bis 1/1000 sek., Matrix-Belichtungsmessung, Selbstauslöser mit ca. 10 sek. Vorlaufzeit
  • kein Blitz, keine LED
  • Weißabgleich automatisch
  • rein elektronische Bildstabilisierung
  • Energieversorgung durch wechselbaren Lithium-Akku

Besonderheiten

Ericsson wurde 1876 in Schweden gegründet und fertigte Geräte für die Fernkommunikation, zu Anfang Telegrafen, dann Telefone und Vermittlungsstellen. 1956 wurde das Ericofon präsentiert, das erste Telefon weltweit, das aus einem einzigen Teil bestand (die Wählscheibe ist unter dem Hörer im Standfuß angebracht). Mit dem Aufkommen von Mobilfunk-Telefonen fertigte Ericsson Handys und Anlagen für die Mobilfunkprovider wie Antennenmasten, Antennen und Übertragungsanlagen. Im Jahr 2000 brannte eine Fabrik des Zulieferers für die Handys ab, danach mußte Ericsson eine Kooperation mit Sony eingehen, das Gemeinschaftsunternehmen firmierte als Sony Ericsson. Den Funkstandard Bluetooth hat Ericsson entwickelt und ist heute noch aktiv an der Weiterentwicklung dieser Technologie beteiligt.

Das vorgestellte Smartphone mit proprietärem Betriebssystem trägt den Namen „K610i“, alle Sony-Ericsson-Handys mit einem „K“ legen Wert auf eine gute Kameraausstattung, das „i“ könnte für die Fähigkeit stehen, Inhalte aus dem Internet anzuzeigen. Auch im Jahr 2026 kann der eingebaute Webbrowser noch Webseiten anzeigen, diese dürfen allerdings nicht verschlüsselt übertragen werden und auch keine modernen Funktionalität haben, denn diese kennt das Handy noch nicht.

Der Akku BST-37 ist wechselbar, zum Wechseln der SIM-Karte muß er entnommen werden. Er hat 3,7 Volt und 900 mAh Kapazität und weil das Handy recht sparsam mit der Energie umgeht, hält er bei normalem Betrieb ziemlich lange, laut Handbuch beispielsweise für etwa 2 Wochen Standbyzeit oder sieben Stunden Dauergespräch. Das liegt unter anderem daran, daß die CPU nicht allzu leistungsfähig ist. Sie basiert auf einem ARM-Kern, ist also ein Vorläufer der heutigen mobilen Prozessoren aus den Android- bzw. Apple-Smartphones, hat jedoch nur einen Kern und arbeitet mit aus heutiger Sicht langsamen 200 MHz.

An der Handy-Oberseite ist eine zweifarbige LED angebracht, sie leuchtet während des Akkuladevorgangs rot und und nach Beenden des Ladevorgangs grün. Im Standby-Modus des Telefons blinkt sie in langsamer Folge grün.

Die Bilder können entweder in den winzigen internen Speicher abgelegt werden oder auf eine eingelegte M2-Speicherkarte. Diese ist im Prinzip nichts anderes als ein stark verkleinerter Sony MemoryStick, der das Auslesen der Bilder in einem externen Kartenleser ermöglicht. Es ist ein M2-auf-MemoryStick-Adapter erforderlich, sofern das Lesegerät am Computer keinen M2-Schacht aufweist. Im Lieferumfang des K610i war eine 64-MB-Karte, denn der interne Flash-Speicher ist mit 16 MB recht knapp gehalten und größtenteils vom Betriebssystem und Anwendungen belegt. Zum Kartenwechsel muß das Handy nicht abgeschaltet werden.

Zur Fotoaufnahme wird eine vorinstallierte „App“ gestartet, sobald die Kamera-Auslösetaste betätigt wird. Diese App ist recht träge, da die gesamte Kamerasteuerung inkl. Speicherung der Aufnahmen als JPEGs nicht durch einen separaten Bildprozessor erledigt wird, sondern größtenteils vom Telefon-Hauptprozessor. Das Speichern ist relativ gemächlich und in allzurascher Folge sollte man den Auslöser nicht betätigen. Außerdem hat die Kamera-Anwendung nur wenig Einstellmöglichkeiten.

Die Bildqualität ist für das Vorstelldatum des Handys im Vergleich zum Marktumfeld anderer Mobiltelefone relativ beeindruckend. Das erste iPhone von 2007 hatte z. B. auch nur eine 2 Megapixel-Kamera an Bord und etliche Mitbewerbermodelle mußten mit 640x480 Webcam-Kameramodulen auskommen. Als Auslöser dient eine seitliche dedizierte Kamerataste oder der Joystick in der Tastatur. Einige der Zifferntasten bekommen im Kameramodus eine neue Funktion und dienen zum Einstellen von Blitzmodus, Selbstauslöser usw. Die Lautstärketasten verstellen den Digitalzoom, den man aber sinnvollerweise nicht benutzt, sondern besser am heimischen Rechner die gemachten Aufnahmen zuschneidet.

Das Display war im Vergleich zu denen in zeitgleichen Kompakt- bzw. Systemkameras nicht besonders scharf und hochauflösend, sondern nur unterdurchschnittlich, auch manches andere Featurephones hatten mehr Pixel . Es taugt nur zur Ausschnittswahl, Schärfenbeurteilung ist unmöglich. Seine Auflösung entspricht der Pixelzahl des Videomodus, damit diese während der Aufnahme nicht skaliert werden müssen, was der Hauptprozessor nicht geschafft hätte.

Das Objektiv hat keine verstellbare Blende, sondern nimmt immer mit Offenblende auf. Es gibt auch keinen mechanischen Verschluss, diese Funktion wird elektronisch durch den Sensor „miterledigt“,  deutlich sichtbare „Rolling Shutter“-Verzerrungen bei bewegten Motiven sind die Folge. Vor dem eigentlichem Objektiv sitzt eine vergütete plane Glasscheibe, diese wird häufig von Fingern berührt, mit denen man das Handy beim Telefonieren hält. Vor dem Fotografieren sollte die Scheibe kontrolliert und gereinigt werden, sofern erforderlich. Außerdem ist die Scheibe nicht vor Streulicht geschützt, helle Lichtquellen außerhalb des Bildes führen zu Streifen oder „Geisterbildern“, die das Bild verunzieren.

Das Kameramodul ist relativ einfach aufgebaut, so hat es keinen Autofokus, sondern lediglich eine fest eingestellte Entfernung, also ist es ein Fixfokusobjektiv. Die Brennweite habe ich nicht herausbekommen, sie steht weder in der Bedienungsanleitung noch ließ sie sich im Internet ermitteln. Ebenso ist die Sensorgröße nicht bekannt, aber ich vermute folgendes: Der Sensor könnte aus der 1/3“-Klasse stammen, somit in der Größe sein, in der aktuelle Smartphone-Kameramodule auch rangieren und die Brennweite umgerechnet bei Kleinbild einem moderatem Weitwinkel von circa 35mm entsprechen.

Es ist kein echter Blitz eingebaut, auch keine helle weiße LED als Blitzersatz. Lediglich die Erhöhung der Empfindlichkeit muß in Innenräumen ausreichen, um Bilder zu bekommen. Ein Bildstabilisator ist nicht vorhanden.

Für „Selfies“ bzw. Videokonferenzen ist auf der Displayseite eine zweite niedrigauflösende Kamera eingebaut. Für Selfies mit der Hauptkamera ist ein winziger leicht gewölbter Spiegel montiert, in diesem kann man sich erahnen und das Handy so ausrichten, daß man im Bild ist und seinen Kopf nicht anschneidet.

Es sind mehrere Schnittstellen eingebaut, diese sind zur typischen SonyEricsson-Kombibuchse zusammengefaßt und erfordern immer ein spezielles Adapterkabel für USB, Ladegerät oder Headset. Somit ist das K610i als MP3-Player ohne Zusatzkabel ziemlich nutzlos. Wie bei Handys früher üblich hat das K610i einen Buchse zum Anschließen einer externen GSM-Antenne, beispielsweise im Einsatz im Auto.

Wer das Handy heutzutage zum „Knipsen“ nutzen möchte, muß eine funktionsfähige SIM-Karte einlegen. Ohne diese bootet das Telefon zwar in einen „Flugmodus“, fordert aber trotzdem zum Einlegen einer SIM-Karte auf und läßt sich nicht benutzen.

Die UVP des SonyEricsson CyberShot K610i ist mir nicht bekannt, könnte aber ungefähr bei 300-400 Euro gelegen haben. Der Zeitwert ist ist 2026 auf 1 bis 10 Euro gefallen. Viel mehr als Telefonieren und SMS versenden kann man in Deutschland nicht mehr, der eingebaute Internet-Browser unterstützt keine aktuellen Verschlüsselungen und Webseiten-Standards. Ebenso ergeht es dem integrierten eMail-Programm. Als MP3-Abspielgerät kann das Sony Ericsson noch verwendet werden.

Beispielaufnahmen

Alle Beispielfotos wurden mit ASA- und Zeit-Automatik aufgenommen und mit Hilfe der mitgelieferten Kamera-App als JPEG gespeichert . Bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Größe ist unverändert, nur seitlich auf 1500 Pixel beschnitten. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde nicht korrigiert, es sind also fast unveränderte Bilder „Out of the Cam“. Belichtungszeiten- und Blenden-Angaben sowie 100%-Ausschnitte sind in die Bilder eingefügt

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse des K610i ist aus Kunststoff. Metallisch ist nicht allzuviel.

Die Bilder sind trotz nur 2 Megapixeln schon bei niedrigen ISO-Zahlen mit leichtem Farbrauschen überlagert, bei höheren ASA-Werten rauscht das Bild deutlich sichtbar. Außerdem macht sich der feste Fokus bei Nahaufnahmen negativ bemerkbar, weil das Objektiv nicht abgeblendet werden kann, um die Schärfentiefe zu erhöhen.

Der Sensor-Kontrastumfang ist begrenzt, helle Motivdetails brennen schnell aus und haben keinerlei Zeichnung mehr. Das Objektiv ist entweder gut gerechnet oder die Verzeichnung wird durch den Prozessor weggerechnet, die geringe effektive Verzeichnung stört kaum, ist aber ggf. etwas überkorrigiert, denn Weitwinkelobjektive verzeichnen normalerweise tonnenförmig, das Beispielblatt hingegen hat nach innen gebogenen Kanten, ist also kissenförmig verzerrt. Chromatische Aberrationen sind vorhanden, aufgrund der geringen Auflösung von 2 Megapixeln fallen sie jedoch kaum größer als etwa einen Pixel aus.

Die Bildschärfe ist mir zu gering, es gab in den Jahren um 2000 herum 2-Megapixel-Digitalkameras, die bessere Fotos erzeugt haben. Aber der Vorteil der K610i-Kamera ist; sie war immer dabei, man mußte keine extra Digitalkamera mitschleppen und konnte die Bilder sofort per eMail versenden. Außerdem waren früher die Ansprüche geringer als heutzutage.

Fazit: ein digitalkamerahistorisch eher unwichtiges Kamerahandy (höchstens als frühes Fotohandy von Sonys sammlungswürdig), heutzutage zum Bildermachen ungeeignet. Wie häufig in meinen Rezensionen kann ich auch diesmal schreiben: aktuelle Smartphones sind dem betagten Fotohandy weit überlegen.

Christian Zahn, August 2026

 

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