Topcon RE.Auto Topcor 1:2,8 3,5cm Reparaturversuch von Christian Zahn

In diesem Bericht geht es um den Reparaturversuch eines etwa 60 Jahre altes Manuellfokusobjektivs. Ralf Jannke hat dieses Exemplar bereits probiert und findet es bei Offenblende gut. Berichte unten. Leider ist die Blende des Topcors defekt.

Topcon (Tokyo OPtical COmpany Nippon) wurde 1932 in Tokio gegründet und stellte 1957 seine erste einäugige Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm vor.  Um 1980 beendete Topcon seine Kameraproduktion und konzentriert sich seitdem auf lukrativere Märkte, beispielsweise die Augenheilkunde oder geodätische Messgeräte.

Bereits vor der Nikon F oder der Canonflex kam die Topcon R im Jahr 1957 auf den Markt und nutzte das seit 1936 von der IHAGEE in Dresden gebaute Bajonett der Kine-Exakta. Die RE Super von 1963 war die erste Kamera des Weltmarktes mit Innenmessung bei Offenblende, dazu wurde das Exakta-Bajonett modifiziert: Ein Hebel betätigt die Springblende beim Hochklappen des Spiegels, die umständliche seitliche Druckblendenbetätigung entfiel. Zusätzlich wird die Stellung des Objektivs-Blendenring über ein Drehschieber an die Kamera übertragen. Exakta-Objektive mit Druckblende sind benutzbar, die Belichtungsmessung funktioniert jedoch nur bei Arbeitsblende und die Objektivdruckblende muß zusätzlich zum Auslöser gedrückt werden, weil der Super RE und der Exakta-Auslöser auf gegenüberliegenden Seiten des Objektivs sitzen. RE-Topcore sind an Exakta-Kameras nur mit Offenblende benutzbar, denn es gibt keine Möglichkeit, sie abzublenden; es sei denn, man „bastelt“ sich einen Springblendenbetätiger selbst oder fixiert den Springblendenhebal am Objektiv dauerhaft in geschlossener Stellung, so daß man den Blendenring zum Auf- und Abblenden nutzen kann.

Das Exakta-Bajonett hat einen relativ kleinen Durchlass, die größtmöglichen Hinterlinsen haben einen Durchmesser von ca. 33mm. Das macht es schwierig, hochlichtstarke Objektive zu konstruieren, es gibt ein 1,4/58mm - RE.Topcor und bei diesem ist die Hinterlinse so groß wie irgend möglich in das sehr dünne Bajonett eingelassen.

Die Belichtungsmessung der RE Super befindet sich noch nicht wie bei den meisten später entwickelten Spiegelreflexkameras im Prisma, sondern ist in den Schwingspiegel eingelassen. Das war erforderlich, weil der Pentaprisma-Sucher der Kamera wechselbar ist und gegen Lichtschacht oder Lupensucher mit Einblick von Oben getauscht werden kann. Die beiden Kabel von der Meßzelle zum Maßwerk werden bei jedem Spiegelschlag verdreht und können deshalb im Lauf der Zeit beschädigt werden.

In Amerika war die von Beseler importierte Kamera wesentlich erfolgreicher als bei uns in Europa. Die Charles Beseler Company stellte vor allem Vergrößere für Mittel- und Großformat her, diese galten in Europa als Geheimtipp, hierzulande dominierten Durst, Dunco, Kaiser, Jobo/LPL oder Kindermann dieses Marktsegment. In den USA war Beselerer hingegen sehr erfolgreich, wollte in den 1960ern auch am wachsendem Markt für Spiegelreflexkameras teilhaben und entschied sich, Topcon-Kameras zu importieren. Die RE Super wurde als Beseler Topcon Super D verkauft, unter anderem an die amerikanische Marine, die sich für die Super D und gegen die Nikon F entschied.

Topcon baute nicht nur die Kamera, sondern ein reichlich ausgestattetes Kamerasystem, es gab einen Motorantrieb, Zwischenringe mit Springblendenübertragung, zwei verschiedene Balgengeräte, Diakopier-Vorsätze, einen Makrostand, Anschlüsse für Mikroskope, wechselbare Sucher und wechselbare Mattscheiben, Sucherlupe und Winkelsucher, eine Rückwand für bis zu 250 Aufnahmen uvm.

Die RE Super war zwar die erste Kamera mit Belichtungsmessung durch das Objektiv und das sogar bei bei Offenblende, aber die etwa ein Jahr später erschienene Asahi Pentax Spotmatic wurde wesentlich erfolgreicher, vermutlich, weil sie die weitverbreiteten M42-Objektive nutzte. Obwohl darum nur Arbeitsblendenmessung möglich war, verkaufte Pentax weltweit von 1964 bis 1976 über 4 Millionen Exemplare der Spotmatic-Kameralinie, während von der Topcon RE Super nur etwa 88.000 Stück von 1963 bis 1971 gebaut wurden. Darum zählt Topcon nicht zu den „Big 5“ der japanischen Kameraindustrie, sondern rangierte weit hinter Nikon, Canon, Pentax, Minolta und Olympus. 

Das RE-Auto Topcor 28mm wurde gleichzeitig mit der RE Super 1963 vorgestellt und mehr oder minder unverändert bis 1977 produziert. Es besteht aus 7 Elementen in 5 Gruppen, die Vergütung ist einfach.

Der geriffelte Entfernungsring läuft auch nach 60 Jahren noch seidenweich mit idealer Friktion, Topcon hat ein hochwertiges und langzeitstabiles Fett zur Schmierung verwendet. Der Einstellweg ist mit etwa 330° erfreulich lang. Die Naheinstellgrenze ist mit 0,23m sehr gut. Die Blende rastet halbstufig, es sind 6 Lamellen eingebaut, der Blendenring ist kugelgelagert. Die Streulichtblende wird in das nicht mitdrehende Filtergewinde 49 mm eingeschraubt.

Das Objektiv hat einen Durchmesser von 62 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 56 mm und wiegt 240 Gramm. Beim Fokussieren auf die Nahgrenze wird es ca. 10 mm länger. An der Entfernungs-Skala sind Tiefenschärfemarkierungen und ein Index für die Infrarotfotografie vorhanden.

Eine Beurteilung der Abbildungsleistung muß leider entfallen, da das gezeigte Exemplar defekt ist und keine Blendenmechanik mehr besitzt. Es gilt aber als ausgezeichnetes 35mm-Weitwinkel der 1960er Jahre, damals erreichten viele Mitbewerber in so hohes Abbildungsniveau nicht. Seine Verzeichnung ist minimal, insbesondere für ein Objektiv von 1963.

Der aktuelle Gebrauchtpreis des Topcor 2,8/35mm ist nur schwer ermittelbar, da es enorme Preisspannen je nach Zustand und Lieferumfang gibt, die meisten werden zu Sammlerkursen teuer angeboten. Es muß beachtet werden, daß Topcon auch andere 35mm-Objektive hergestellt hat, die ein exotisches Bajonett aufweisen, das heutzutage nur schwer adaptierbar ist, da es keine kommerziell hergestellten Adapter für diese Objektive gibt, die UV-Topcore werden deshalb erheblich günstiger angeboten.

Reparaturversuch

Ich bekam das Objektiv von Ralf zugeschickt, er hatte es mit der Beschreibung „Blende defekt“ relativ günstig bekommen. Bei der Demontage stellte ich fest, daß das Objektiv bereits unfachmännisch geöffnet worden war, es fehlte eine Schraube des Bajonett-Flansches und die Rastung des Blendenrings, es gab Kratzspuren im Inneren und eine Schraube war durch schlechtes oder falsches Werkzeug „rundgedreht“, so daß sie sich nicht mehr bewegen ließ und herausgefräst werden mußte, in der Aussparung für den Blendenring gab es deutlich sichtbare Feilen-Spuren. Der Blendenantrieb von Außen nach Innen war fehlerhaft zusammengebaut, so daß der innere Antrieb nicht betätigt wurde. Aber letztlich stellte sich heraus, daß es gar keine Lamellen im Inneren des Objektivs mehr gibt, diese wurden entfernt! Vermutlich wurde versucht, eine „klebende“ Blende zu reparieren, die Blendenmechanik wurde als gesamte Baueinheit herausgenommen und dabei sind möglicherweise alle Teile auseinandergesprungen. Eine Remontage ist dann wohl unterblieben, weil der Zusammenbau eines Blendenantriebs eine Aufgabe für einen versierten Feinmechaniker ist, und das war die zerlegende Person nicht.

Der Kauf einer einstellbaren Blende als Neuteil schied nicht nur aufgrund des Preises aus, eine von 1-12mm Loch verstellbare Irisblende mit 11 Lamellen sollte um die 70 Euro kosten, außerdem war sie 5mm dick und der Platz im Objektiv erlaubt nicht einmal 2 mm nutzbare Höhe. Eine günstigere Version für ca. 35 Euro nannte leider keine Angaben zu Durchmesser und Dicke, so daß ein Kauf auf Verdacht sinnlos war.

Die einzige Möglichkeit, das Objektiv jetzt wieder abzublenden: eine Scheibe mit einem Loch einbauen, so daß die Öffnung an dieser Stelle in etwa einer früheren Blendenöffnung von 5,6 oder 8 entspricht. Ein erster Versuch mit den Einlegen eines Distanzringes für den Getriebebau (Loch Ø8mm) anstelle der ursprünglichen Blende ergab durch Vergleich der von der Kamera ermittelten Belichtungswerte eine Öffnung von etwa 1:4, so daß nach anderen Lösungen gesucht werden mußte.

Der Einbau einer seitlich verschiebbaren Lochblende scheiterte am geringem Bauraum im Bereich der früheren Blendenmechanik, ebenso die Idee, eine geteilte Lochblende seitlich wegzuklappen. Letztlich wäre das auf einen simplifizierten Nachbau der ursprünglichen Blendenlamellen inkl. Antrieb hinausgelaufen, was den Maschinenpark eines Uhrmachers oder einer feinmechanischen Werkstätte erfordert hätte. Darum bleibt nur die Lösung einer Lochblende, die anstelle der alten Mechanik eingelegt wird und dort durch passenden Durchmesser recht gut sitzt, so daß sie ggf. auch unterwegs durch Teilzerlegen des Objektivs wieder herausgenommen werden kann, um mit Offenblende zu arbeiten. Prinzipiell hätte ich auch mehrere dieser Lochblenden drehen können, die verschiede Öffnungen haben, um so beispielsweise 1:4, 1:5,6 und 1:8 nutzen zu können. Aber letztlich entschied ich mich dafür, eine ungefähre Arbeitsblende zwischen 1:5,6 und 1:8 anzustreben, denn den exakten erforderlichen Durchmesser hätte ich nur dann ausrechnen können, wenn mir bekannt gewesen wäre, wie groß die Blendenöffnung früher bei 1:2,8 war.

Die Fertigung einer Lochblende erfordert eigentlich eine sehr dünne Metallscheibe, in die ein idealerweise exakt kreisrundes Loch gestanzt wird, da sich an den Kanten des Loches das Loch bricht (Stichwort Beugung). Je unregelmäßiger die Lochwand und um so dicker das Blech ist, desto unschöner ist das optische Ergebnis. Umbauten von alten Balgenkameras nach Ausbau des verpilzten Objektivs und des verharzten Verschlusses zu einer Lochkamera erfordert ein noch winzigeres Loch hoher Güte, das man sich am besten fertig kauft. Bei 1:5,6 bis 1:8 muß die Lochgüte noch nicht ganz so perfekt sein, weil das Loch größer ist, trotzdem sollte die Materialdicke möglichst gering sein. Blendenlamellen werden normalerweise aus gehärtetem Federstahl oder Hochleistungskunststoffen mit einer Materialstärke von weniger als 0,1mm hergestellt, teilweise sind sie nur 0,05mm dick.

Da ich kein so dünnes Blech im Bestand habe, entschied ich mich, die Blende zu Drehen und die Dicke des effektiven Blendenloches in der Mitte durch Ansenken auf ca. 0,2mm zu verringern, während die eigentliche Blendenscheibe 1mm stark ist, damit ich sie nach der Fertigung abstechen konnte, ohne daß sie „zerfiel“, denn 0,2mm dünne Teile kann man nur sehr schwer abstechen. Als Material kamen in Frage: Stahl (müßte nachher schwarz brüniert oder lackiert werden), Aluminium (schwarz lackiert oder eloxiert) sowie schwarzer Kunstoff. Letzterer ist die einfachste Möglichkeit gewesen, allerdings mußte ich beim Herstellen aufpassen, die Öffnung möglichst ohne Riefen oder Rillen herzustellen. Ich entschied mich für Vorbohren und Aufreiben, denn das verwendete POM ist recht zäh, bei geeigneten Schnittwerten entsteht eine relativ blanke Oberfläche. Nachbearbeiten durch Schleifen oder Polieren ist bei diesem Werkstoff völlig unmöglich, die Oberfläche wird dann statt blank extrem rau. Lediglich ein Anschmelzen mittels Heißluftfön bringt etwas. Aber die Gefahr, dabei die dünne Lochblende „wegzubrennen“ war mir zu hoch.

Die gefertigte Scheibe hat ein Loch von 4mm, daraus resultierte eine effektive Blende von circa 1:9, das entspricht in etwa dem erwartetem Ergebnis und ist nah genug an der von mir erstrebten Blende.

Einfach gegenüber der Blendenproduktion war hingegen die Reparatur des Objektiv-Äußeren: Die Gummierung des Entfernungsrings hat im Lauf der Jahre den Weichmacher verloren und ist hart geworden, darum waren beide Ringe gebrochen, ließen sich aber einfach wieder ankleben.

Alle Beispielaufnahmen entstanden mit der Nikon Z5 bei ASA- und Zeitautomatik, mit eingeschaltetem Bildstabilisator und bei Blende 2,8 bis ca. 9, gespeichert als JPG und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert.

Fazit

Leider ist das Objektiv nicht mehr in Ordnung, die unfachmännische Reparatur durch einen der früheren Besitzer hat es mehr oder minder ruiniert. Das RE.Topcon 1:2,8 / 35mm gehört laut Aussagen diverser Besitzer im Internet zu den besseren 35mm-Objektiven der frühen 1960er Jahre, seine ideale Schärfe hat es wohl bei 1:5,6 bis 1:8. Ralf Jannke hat es bei Offenblende probiert, es ergab dann beeindruckende Aufnahmen. Ich kenne etliche schlechtere 35er aus dieser Zeit (auch aus deutscher Produktion!). Bei Blende 1:9 ist es in der Bildmitte recht gut, in den Bildecken relativ unscharf, aber die optische Qualität dürfte mit der ursprünglichen Blende besser gewesen sein, denn die Steckblende besteht wie beschrieben nicht aus dünnem Metall, sondern aus einem Kunststoffteil mit kreisrundem Loch (effektive Blendendicke ca. 0.3mm). 

Ein Fotoausflug ist fest eingeplant und wird im Lauf des Winters/Frühjahrs durchgeführt werden.

Christian Zahn, Januar 2026

 

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