Canon EOS IX und das Kodak-APS-System von Christian Zahn

Hier stelle ich die analoge Spiegelreflex-Kamera EOS IX von Canon vor. Sie benutzt nicht die allgemein üblichen Kleinbildfilm-Patronen, sondern wurde für die Verwendung von APS-Film konstruiert. Dieser ist der Namensgeber für alle digitalen Spiegelreflexkameras mit „Halbformat“-Sensor, als z. B. das Nikon-DX-Format oder die 1,6-Crop-dSLRs von Canon, deren Sensor man allgemein als APS-C-groß bezeichnet.

„IX“ steht beim APS-System übrigens für den „Information Exchange“ und meint, daß auf dem Film digitale Informationen enthalten sind bzw. von der Kamera geschrieben wurden, die im Labor ausgewertet werden. Canon hat diese Bezeichnung auch für seine APS-Kompaktkameras, die IXUS-Serie übernommen.

Boris Jakubaschk hat das APS-System hier im Digicammuseum bereits kurz angerissen, auch er stellt dabei die EOS IX vor.

​​​​​​​Spezifikationen der EOS IX

  • Die 1996 vorgestellte Canon EOS IX ist 132 x 80 x 59 mm groß und wiegt 485 g.
  • Der verwendete Film ist die APS-Patrone, alle Aufnahmeformate und fast alle APS-Features werden unterstützt
  • Das Objektiv-Bajonett ist das EF-Bajonett, es ist für Vollformat ausgelegt, EF-S- Objektive können nicht benutzt werden.
  • Das Motiv wird über einen Pentaspiegelsucher mit ca. 95% Abdeckung der Bildfläche angezeigt, in dem ein hinterleuchtetes LCD-Display für viele Bildparameter eingespiegelt ist.
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S) oder kontinuierlicher Autofokus (AF-C bzw. Servo AF) sowie manuelle Fokussierung mit Fokusunterstützung, AF-Ermittlung durch passiven Phasensensor (mittels teildurchlässigem Hauptspiegel und Hilfsspiegel abgegriffen), 3 AF-Felder, AF-Hilfslicht
  • Belichtungssteuerung durch Vollautomatik, Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik oder manuellen Modus sowie diverse Motivprogrammen. 35-Zonen-Matrixmessung, mittenbetonte Integralmessung oder Selektivmessung. Belichtungszeiten 30s bis 1/4000 sek., Selbstauslöser mit 10 s Vorlaufzeit
  • elektrisch ausklappbarer Blitz mit Leitzahl 11 (leuchtet 24mm-Objektiv aus), zusätzlich Norm-Blitzschuh mit Kontakten für Canon-TTL-Blitze
  • vermutlich werden Objektive mit eingebauter Stabilisierung unterstützt
  • Energieversorgung durch zwei Lithium-Batterien CR123A
  • kein Anschluß für Fernauslöser

Besonderheiten der EOS IX

  • Die EOS IX ist die erste Spiegelreflexkamera von Canon für die APS-Patrone. Sie erschien fast zeitgleich mit der offiziellen Vorstellung des Systems.
  • Das Design der EOS IX weicht deutlich vom üblichen Canon-SLR-Gehäuse ab. Seit der durch Luigi Colani entworfenen T90 von 1986 sehen Canon-Spiegelreflexkameras bis heute alle sehr ähnlich aus. Ein runder Sucherbuckel mit beidseitig abfallenden Schultern ziert auch noch die erst 2020 erschienene EOS-1D X Mark III. Die EOS IX hingegen ist mit ihrem flachen Sucherbuckel und den Rundungen wesentlich designorientierter, auch die APS-Kompaktkameras von Canon (IXUS-Serie) sowie etliche der digitalen IXUS-Kompaktkameras greifen die Rundung als zentrales Designelement auf.
  • Canon Ixus M1
  • Canon Ixus L1
  • Canon Ixus Z90
  • Der Film läuft übrigens im Vergleich zu den meisten anderen APS-Kameras „falschherum“ durch die Kamera, der Film wird links von oben eingelegt statt rechts von unten (in Motivblickrichtung gesehen). Da der Film aber vom Anwender niemals gesehen wird, macht das nichts, dem Labor ist es auch egal und der Indexprint ist für normale und für um 180° verdrehte Betrachtung bedruckt.
  • Die Kamera hat etliche Bedienelemente: Ein Modusrad mit den „Kreativmodi“ „P A S M“, zahlreichen Motivprogrammen und der Automatikstellung „grünes Rechteck“, 5 Tasten und ein Fingerrad zur Bildbeeinflussung. Unter einer Klappe sind vier weitere Tasten für weniger wichtige, meist nur einmal pro Film durchgeführte, Einstellungen.
  • Die Kamera unterstützt viele APS-Features: Midrollchange, Einbelichtung von Zeit und Datum bzw. von vordefinierten Texten durch das Labor in das Bild und magnetische Datenaufzeichnung auf den Film. Der Fotograf kann sogar die automatisch abgelesene Filmempfindlichkeit manuell ändern, das gilt nur bis zum nächsten Filmwechsel.
  • Der Gehäuseblitz ist fest eingebaut und wird je nach Aufnahmemodus manuell oder automatisch ausgeklappt. Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt TTL mittels Vorblitz. Zusätzlich ist ein Norm-Blitzschuh vorhanden, mit Zusatz-Kontakten für das Canon Blitz-System.
  • Wie etliche EOS-Kameras der damaligen Zeit hat die IX den DEP-Modus. „Automatic Depth“ berechnet die notwendige Blende für das Motiv. Dazu werden nacheinander der Nah- und der Fernpunkt mit dem mittleren AF-Feld angezielt, die Kamera ermittelt daraus die für die Entfernungsdifferenz erforderliche Blende zur Erzielung der notwendigen Tiefenschärfe.
  • Der hinten angebracht Statusdisplay sitzt hinter einer Kratzschutzscheibe.
  • Die Kamera war neben dem gezeigten Silber auch in Schwarz erhältlich, das Set-Objektiv 24-85 USM ebenfalls.
  • Die UVP der EOS IX betrug ca. 92.000 Yen, was damals etwa 1300 DM entsprach. Zum Vergleich: die Semiprofi-SLRs Canon EOS 3 oder Nikon F100 kosteten im Jahr 1998 satte 2600 DM, die gehobene Amateur-SLR Nikon F80s kostete im Jahr 2000 etwa 1200 DM.
  • Ich erwarb das gezeigte und sichtbar gebrauchte Exemplar im Frühjahr 2019 zusammen mit dem 24-85mm Zoom für etwa 60 Euro, das der Grund für den Kauf beider Teile war.
  • Das genannte Objektiv wurde als Kitobjektiv zur EOS IX entwickelt, dort entspricht es in etwa einem 28-105mm-Zoom. Es ist aber für Vollformat gerechnet, läßt sich also an allen analogen und digitalen EOS-Kameras benutzen. Bei den Kameras mit Cropfaktor 1,6 wird es zu einem 38-135mm-Zoom. Zoomtypisch verzeichnet es in der Weitwinkelstellung sichtbar tonnenförmig, was sich aber gut „wegrechnen“ läßt.

Eine kurze Einführung in das APS-System, dem letzten großen Flop von Kodak

Das APS-System

Kodak hat in seiner weit über einhundert Jahre währenden Blütezeit die meisten der bekannten Filmformate entwickelt und genormt. Da Kodak über viele Jahre der Marktführer der Filmproduktion war, übernahmen dann die anderen Hersteller die entsprechenden Formate für ihre Filme und Kameras.

Einige der bekanntesten Filmnormen sind

  • Rollfilm 120 mit je nach Bildabmessungen variierenden Bildzahlen (8 Aufnahmen mit 6x9 cm, 12 Aufnahmen mit 6x6 cm oder 15-16 Aufnahmen mit 6x4,5 cm)
  • Kleinbildfilm 135 (für den damals üblichen Kinofilm entwickelte Oskar Barnack ab 1913 die Leica, die nur im Dunklen geladen werden konnte und erst ab etwa 1920 Tageslicht-Patronen benutzte), 1936 normte die Agfa (damals noch in Wolfen) die heute noch bekannte Patrone, die Kodak als Typ 135 bezeichnete und mechanisch verbesserte.)
  • In den 1960er Jahre erfand Kodak erstmals eine Amateur-Filmkassette, die ohne Rückspulen auskam: die Instamatic-Kassette Typ 126 (Bildformat 29,x29mm). Das System war bis Ende der 1970er Jahre recht erfolgreich. Filme in der 126-Kassette waren bis etwa 2005 verfügbar.
  • Die Super-8-Kassette stellte Kodak 1965 als Nachfolger der bisherigen umständlichen Spulensysteme vor. Da das Filmeinlegen- und Entnehmen „narrensicher“ ist und außerdem das Filmbild deutlich größer als die bisherigen 8mm-Systeme war, verdrängte diese Kassette in kurzer Zeit alle anderen Amateurformate. Das wirtschaftliche Ende dieses Films kam mit dem Aufkommen von preiswerten Videokameras ab etwa 1985, aber auch heute kann man noch neue Filme in diesen Kassetten kaufen, weil der Super-8-Look wieder „in“ ist.
  • 1972 präsentierte Kodak die 110-Pocketkassette. (Das Aufnahmeformat von 13x17mm entspricht übrigens zufälligerweise fast genau dem heutigen digitalen FT/mFT-System von Olympus und Panasonic.) Da aufgrund des winzigen Bildes die Kameras erheblich kleiner als bisherige Geräte wurden, verdrängte das Pocket-Format das ältere Instamaticsystem, obwohl die Bildqualität schlechter war, was dem Hobbyknipser bei 9x13cm-Abzügen aber meist kaum auffiel. Filme in der 110-Kassette wurden bis etwa 2007-2009 industriell gefertigt, aktuell sind teure manufakturähnlich konfektionierte Filme von Nischenanbietern erhältlich.
  • 1982 entwickelte Kodak mit dem Disc-Film den ersten teuren Flop seiner Firmengeschichte. Auf einer runden Filmscheibe konnten 15 Negative mit 8x10,5mm aufgenommen, daraus sollten eigentlich noch kleinere Kameras als beim Pocketsystem resultieren. Allerdings verkannte Kodak, daß Kleinbildfilm und Pocket am Markt zu erfolgreich war, zwar investierten auch andere Filmhersteller und viele Großlabore in die Disc-Technik, aber der Anwender (der Hobbyknipser) wechselte nicht, das Ende des Systems kam rasch, die letzten Filme wurden ca. 1998 hergestellt.

Kodak hat die APS-Patrone 1996 eingeführt, um dem Benutzer das umständliche Filmrückspulen (bei Kleinbild notwendig) zu ersparen. Da bei den meisten Kleinbild-Kameras die Rückwand jederzeit geöffnet werden kann, ist das Risiko groß, dabei bereits aufgenommene Bilder durch Lichteinfall zu ruinieren. Das System entwickelte sich zu einem der größten Flops der Kodak-Firmengeschichte, auch alle anderen, die Kameras und Filme für dieses System entwickelten, werden daran keinen oder nur geringen Gewinn gemacht haben.

„APS“ bedeutet „Advanced Photo System“, erstmals wurden Filme, Patrone, Kameras und Laborprozess gemeinsam entwickelt und nicht wie beim Disc-Film nur von Kodak allein. Zum Konsortium gehörte Agfa, Canon, Nikon, Minolta, Fuji, Cewe-Color usw. von Anfang an dazu.

Das APS-System besteht aus mehreren Bausteinen

  • die APS-Patrone (deren Details sind weiter unten erklärt)
  • der Aufnahmefläche von 30,2x 16,7mm je Bild
  • den drei möglichen Bildformaten 3:2 APS-C (Classic = 25,1x16,7mm), 16:9 APS-H (HD-TV, volle APS-Bildfläche) und 3:1 APS-P (Panorama, 30,2x9,5mm)
  • dem magnetischen Datenstreifen auf der gesamten Filmlänge
  • der individuellen Codierung jeder Patrone mit einer Seriennummer (sowohl als Aufdruck auf der Patrone als auch auf dem Magnetstreifen aufgezeichnet)
  • der Möglichkeit, Aufnahmezeit, Aufnahmedatum oder vordefinierte Texte beim Vergrößern in das Bild einzubelichten (die entsprechenden Daten sind auf dem Magnetstreifen bei der Aufnahme von der Kamera aufgezeichnet worden)
  • der Anfertigung eines Indexprints, anhand dessen der Fotograf weiß, was auf dem Film ist (er kann die Negative ja nicht ansehen) und einfach Bilder für  Nachbestellungen aussuchen kann.
  • den Verarbeitungsmaschinen für das Großlabor, wobei die Filmentwicklungsmaschine den Filmtyp ausliest und den Film entsprechend behandeln kann (aber nicht muß!) und die Vergrößerungsmaschine erkennt, welches Format der Fotograf für jedes einzelne Bild gewählt hat und ob Datum, Uhrzeit oder ein Text einbelichtet werden soll.
  • den Aufbewahrungsboxen, in denen die Patronen mit den zugehörigen Indexprints gelagert werden können.
  • Filmbetrachter zum Anschluß an den Fernseher, mit Hilfe derer der Fotograf die Bilder auf dem Film ansehen kann
  • für Filmscanner automatische oder manuell zu bedienende Einsätze, die teilweise sogar den gesamten Film „im Batch“ digitalisieren können

Die APS-Patrone ist recht intelligent entworfen

  • Das Patronenmaul ist kein Samtvorhang wie bei der Kleinbildpatrone, sondern eine lichtdichte Dreh-Klappe, die in der Kamera geöffnet wird und den Film beim Transport nicht berührt.
  • Der Film wird nach der Entwicklung wieder in die Patrone gespult, er verbleibt Zeit seines Lebens in dieser und ist somit vor Staub und Fingerabdrücken geschützt.
  • Der Film hat über seine gesamte Länge einen Magnetstreifen, auf den die Kamera zum Aufnahmezeitpunkt Informationen schreiben kann, die das Labor nach der Filmentwicklung beim Anfertigen der Abzüge auswerten kann.
  • Auf der Patronenoberseite sind vier Felder, anhand deren der Fotograf erkennen kann, ob der Film unbelichtet, teilbelichtet, vollständig belichtet oder entwickelt ist.
  • Der Film benötigt keine Perforation, der Bildschritt ist auf dem Magnetstreifen bei der Filmproduktion aufgebracht worden.
  • Die Filmempfindlichkeit ist codiert, der Anwender braucht nichts abzulesen und zu übertragen.
  • Die Formatwahl kann entweder auf dem Magnetstreifen codiert werden, wobei die Kamera immer das gesamte Bild aufzeichnet und das gewünschte Bildformat auf den Magnetstreifen schreibt. Oder die Kamera maskiert das Aufnahmefenster entsprechend der Formatwahl, was vor allem bei billigsten Kompaktkameras ohne Magnetkopf zur Datenaufzeichnung gemacht wurde.
  • Der Film kann jederzeit zurückgespult werden; sofern die Kamera das unterstützt, schreibt sie die erste freie Bildnummer auf den Anfang des Magnetstreifens. Beim Einlegen prüft dann jede Kamera, die „Midrollchange“ = „Mitten im Film die Rolle tauschen“ unterstützt, ob diese Nummer auf dem Magnetstreifen steht und überspringt damit die bereits aufgenommenen Bilder.

Näheres zum APS-System findet sich in der Wikipedia

APS-Kameras

Es gab viele Kameras für das APS-System, darunter etliche, die den Vorteil der kleineren Patrone und des kleineren Filmformates auch nutzten. Zum Beispiel die Olympus iZoom 2000 oder die bereits oben genannten Kameras der Canon-IXUS-Serie.

Spiegelreflexkameras gab es nicht viele, neben der gezeigten baute Canon noch eine preiswertere Einsteigerkamera, die EOS IX Lite.

Von Nikon gab es einige Spiegelreflexkameras der Pronea-Serie (mit einem zu normalen Objektiven kompatiblem Bajonett, aber zu anderen SLRs inkompatiblen Objektiven, näheres dazu hier im Museum. Die Proneas dürften die einzigen APS-Kameras sein, die keine nach oben oder unten öffnende Klappe zum Filmladen haben, sondern eine nach hinten aufschwingende, in die der Film hineingeschoben wird und zusammen mit der Klappe dann in die Kamera hingedreht wird.

Minolta baute die Vectis-Kameras, die zum normalen Minolta-AF-System völlig inkompatibel waren. Immerhin konnten die Objektive auf der digitalen Minolta RD-3000 – siehe oben – weiter verwendet werden …

Es gab auch für das APS-System die unrühmlichen „Filmverbrennungsmaschinen“, also Kameras völlig ohne Belichtungsmessung und mit Fixfokusobjektiv. Selbst Agfa war sich nicht zu schade, so eine „Kiste“ zu vertreiben, die Futura FixFocus 3. Sie hat lediglich einen motorischen Filmtransport, für teilbelichtete Filme oder die Filmempfindlichkeitscodierung hat sie keine Sensoren. Die Formatwahl erledigt sie mechanisch durch Maskierung des Filmfensters. Sämtliche APS-Vorteile verschenkt!

Und Kodak baute sogar einen „Zwitter“, eine APS-Kompaktkamera mit digitalem Aufnahme-Sensor und Anzeigendisplay hinten. Aber nicht, um diese Daten irgendwo einzuspeichern, sondern nur, um dem Fotografen das gerade gemachte Bild nochmals anzuzeigen! Nach Abschalten der Kamera oder Drücken des Auslöser war das Digitalbild für immer weg! Sinnloser ging wohl nicht!

Lesen Sie dazu auch: "Die Digitalkamera, die keine sein wollte (durfte?) - oder: Konnte man Irrsinn noch steigern?"

Das APS-Ende

  • Die Gründe für den Mißerfolg des APS-Systems dürften mehrere gewesen sein:
  • Kleinbild war erfolgreich am Markt eingeführt, die Kameras inzwischen dank automatischem Film-Vor- und Rückspulen schon ziemlich „narrensicher“ und durchaus sehr klein z.B. die Olympus mju-II.
  • Das Bildformat ist kleiner als bei Kleinbild, kritische Amateure sahen keinen Grund, sich teure neue Kameras mit schlechterer Bildqualität zu kaufen.
  • Selbstentwicklung war fast unmöglich, darum es gab auch keinen Schwarz-Weiß-Film in der APS-Patrone zu kaufen.
  • APS-Kameras kosteten aufgrund der Lizenzkosten meist mehr als Kleinbild-Kameras, auch die Patronen und vor allem die Film- und Bildentwicklung war teurer. Das schreckte preis-sensible Hobbyknipser ab.
  • Ab 1998-2002 kam die digitale Fotografie auf, die keinen Film und keine Entwicklung und Wartezeit erforderte.

Etwa 2011 wurden die letzten APS-Filme produziert, seitdem gibt es keine neuen Filme mehr zu kaufen, höchstens völlig überlagerte Restware mit unbekannter, aber vermutlich bescheidener Qualität. Die Entwicklungsmaschinen in den Laboren sind längst ausgemustert, somit bleibt nur teure Entwicklung und Ausbelichtung im „Handservice“. Der APS-Magnetstreifen bleibt dabei unberücksichtigt.

Ich habe meine letzten APS-Filme etwa 2010 entwickeln lassen, danach habe ich keine der immer teurer werdenden Altbestände gekauft. Neu aufgenommene APS-Kameras in meiner Sammlung bleiben seitdem ungetestet.

Das APS-„Erbe“

APS ist tot, das steht fest. Aber was vom APS-System überlebt hat, sind vier Buchstaben: „APS-C“. Wie oben beschrieben steht das für das 3:2-Bildformat des Systems, mit einer Negativfläche von 25,1x16.7mm. Das entspricht annähernd der Sensorfläche von digitalen Spiegelreflexkameras seit etwa 2001. So hat z. B. das Nikon-DX-Format 23,2x15,4mm oder das Canon-Crop-1,6-Format 22,5x15mm. (Canon war übrigens der erste, der seine Crop-Sensoren als APS-C-Sensoren bezeichnete.)

Seit dem Aufkommen von spiegellosen Systemkameras gibt es dort vier wichtige Sensorgrößen:

  • Olympus/Panasonic FT/mFT (ein Viertel von Kleinbild bzw. knapp so groß wie die oben genannte 110-Pocketkassette)
  • APS-C - große Sensoren, erstmals in der Sony NEX, danach in den Fuji-X-Systemkameras usw.
  • Vollformat-Sensoren (so groß wie Kleinbildfilm)
  • digitales „Mittelformat“ mit Sensorgrößen oberhalb von 36x24mm

Somit werden die vier Buchstaben sicherlich noch einige Jahre weiterbenutzt, wenn sich auch immer weniger daran erinnern, wofür sie ursprünglich einmal gestanden haben.

Qualitätseindruck der EOS IX

Das Gehäuse der EOS IX ist eine Kombination von Kunststoff und Metall. Für ihre Größe ist sie recht schwer.

Die gesamte Kamera ist recht glatt, der Ringfinger findet an einer kleinen aufgeklebten Wulst halt, Auslöser und Daumenrad liegen recht nah beieinander, der Wechsel erfordert aber jedes Mal eine Änderung der Fingerkrümmung. Der rechte Daumen findet am Aufsatz für die beiden Tasten „Belichtungskorrektur“ und „AE-Lock“ recht gut Halt. Die links deutlich abfallende Kameraflanke bietet der zweiten Hand keinen guten Halt, man greift dann automatisch am Objektiv zu.

Die Tasten für Filmrückspulung und Dateneinbelichtung sind hinter einer Klappe geschützt, somit können sie nicht versehentlich verstellt werden.

Der Suchereinblick wirkt wegen der dicken Gummi- und Kunststoffeinfassung wesentlich größer, als er ist: Aufgrund des Filmformats ist er ziemlich klein. Die Maskierung der verschiedenen Bildformate erfolgt nicht mechanisch, sondern durch ein LCD-Folie auf der Mattscheibe, die die ausgeblendeten Zonen abdunkelt.

Ein aufgesetzter Systemblitz wirkt wuchtig, auch wenn es „nur“ ein recht kleiner mit Leitzahl 43 ist.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch nicht uninteressante Kamera (weil eine der wenigen APS-SLRs), heutzutage zum Bildermachen nicht mehr geeignet, da es keine Filme und Entwicklungsmöglichkeiten mehr gibt.

Christian Zahn, Frühjahr 2021

Museum für alte Kameras sowie Fotogalerie:
http://www.ChrZahn.de
Dort auch Tipps zum Entwickeln von Farb- und SW-Dias

 

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben