"Canon PowerShot P70 Akkutausch" lautete die Überschrift für einen zwei Jahre im Archiv liegenden Beitrag

Daraus wurde jetzt gleich ein Update zur Canon PowerShot Pro 70

Diese 1998 vorgestellte 1,5 Megapixel „Fehlzüchtung“ aus analoger Semiprofi-Canon EOS SLR und aufgepfropfter Konservendose im Titan-Look hat einfach Charakter! Lange, viel zu lange ist es her, dass diese interessante Kamera mal wieder „an die frische Luft“ durfte ;-)

2017 habe ich einen zweiten Anlauf unternommen, der erstmal mit dem gewaltsamen Öffnen des massiven Akkublocks endete…

Jetzt reichte es!

Vor längerer Zeit erreichte das digicammuseum.de ein Hilferuf in Sachen Ersatz-Akku zur Powershot Pro 70. Dieser Akku wird in einem Onlineauktionshaus zwar gerne gelistet, aber praktisch immer falsch! Denn die Akkus der Canon Powershot Pro 90 IS und der Pro 70 sind völlig unterschiedlich! Während in der PowerShot Pro 90 IS der BP-511 werkelt, der in zahlreichen Canons zu finden und problemlos beschaffbar ist, benötigt die Pro 70 einen Exoten. Nichts passt dort!

Das zu wissen ist für den Neusammler aber sehr wichtig. Von Canon PowerShot Pro 70 Angeboten im Bereich um 100 Euro, denen auch noch Akku, Ladegerät und Akku-Adapter (für den kabelgebundenen Betrieb einer Pro 70) fehlen, ist grundsätzlich die Finger zu lassen! Und selbst wenn der ungeprüfte "Elektronik-(Kamera-)Schrott" für 20 Euro und Rücknahmeverweigerung angeboten wird, müssen deutliche Folgekosten kalkuliert werden. Wenn dann mal ein Original-Akku für die Canon PowerShot Pro 70 angeboten wird, nützt das wenig, wenn der Akku in den USA liegt, und der Anbieter Versand nach Übersee (Deutschland) ausschließt :-( Vom Alter und Zustand des Akkus mal ganz abgesehen, selbst wenn er originalverpackt ist!

Viel besser sieht es aus, wenn die PowerShot Pro 70 komplett mit Akku, Adapter (Akku-Dummy) und Ladegerät angeboten wird. Aber auch dann nicht für die oben schon genannten um 100 Euro! Mit vorhandenem Akku kann selbiger „geknackt“, aufgebrochen werden – siehe oben –, um den Inhalt zu tauschen: vier 1,2 Volt Akkus der Größe AA. Die aber entsprechend zu kontaktieren, sprich zu verlöten sind. Ob man dann das im roten Kreis gezeigte Bauteil weglässt, ist eine Gewissensfrage. Denn es soll den Akku unter anderem vor dem Überhitzen schützen. Ich habe ein entsprechendes Bauteil beim Akkutausch einer Kodak/Nikon A(ssociated)P(ress) NC2000/e einfach weggelassen. In diesem Fall lasse ich die Kameras/Akkus aber nicht unbeaufsichtigt laden, schon gar nicht über Nacht oder wenn ich außer Haus bin! 

Die Bestückung des von mir mit Gewalt und ziemlich unschön geöffneten Canon PowerShot Pro 70 Akkublocks habe ich dann glatte zwei Jahre verschoben.

Denn statt Akkutausch gibt es eine simple, preiswerte Alternative

Nachdem die Kodak DCS200 und aktuell im September 2019 die FUJIX Nikon E2s erfolgreich extern und bezogen auf kleine Fotorundgänge autark (!) mit Energie versorgt werden konnten, ist jetzt die Canon PowerShot Pro 70 dran. Genau wie bei der FUJIX Nikon E2s wurde die Leitung des Akku-Dummys, die den Dummy mit dem Netzteil verbindet, rigoros gekappt. Nach Kontrolle der Polarität werden die Enden fest an einen Akkuhalter verlötet, der vier 1,2 Volt NiMh-Akkus der Größe AA aufnimmt. Das ist schon alles.

Kleiner Nachtrag: Für den folgenden Rundgang hatte ich einen anderen Akkuhalter eingesetzt, der sechs Batterie/Akkus aufnimmt. Ein "Akku" war ein Dummy, der nur durchschleift, die restlichen fünf 1,2 Volt Akkus brachten die erlaubten 6 Volt für die Powershot Pro 70.

Eine erneute Beschreibung der PowerShot Pro 70 schenke ich mir an dieser Stelle, die ist hier nachzulesen. Den einzigen Fehler, den diese Pro 70 hat, ist die blinkende Anzeige einer leeren Pufferbatterie. Die nach Wechsel gegen eine frische Batterie einfach weiter blinkt. Also gar nicht um kümmern…

Vor einem neuen Rundgang mit der Canon PowerShot Pro 70 habe ich aus Neugier noch schnell eine historische zweiäugige Spiegelreflexkamera aufgestellt und mit der PowerShot Pro 70 abgelichtet. Um dabei zu sehen, welche Reserven im uralten Sensor stecken, wenn im Canon Rohdatenformat gespeichert wird. Entwickelt wurde mit Adobe RAW.

Rohdatenentwicklung mit Adobe RAW

Wer genau hinsieht, wird in der Belederung der alten TLR – TwinLensReflex – eine Art Moiré entdecken. Adobe Lightroom 5.7.1 bekommt diese Farbstörung (besser/fast) weg, Adobe RAW trotz identischer Reglereinstellungen nicht. Und noch etwas liefert Lightroom: das automatische Ausrichten meiner Aufnahme mit nicht präzise ausgerichteter Kamera…

Nach dem lange zurückliegenden Trockenversuch jetzt noch ein paar "richtige" Fotos.

An einem schönen, etwas dunstigen Herbsttag ging es in die nicht immer so schöne deutsche Vergangenheit, wozu die Überreste der im zweiten Weltkrieg umkämpften und zerstörten Brücke von Remagen über den Rhein gehören. Nur ca. 20 km von Bonn entfernt gelegen …

Bis auf die kleine Unannehmlichkeit des Kabels durch die externe Energieversorgung hat es wieder großen Spaß gemacht mit der Canon PowerShot Pro 70 zu fotografieren. Der massive Griff sorgt sogar für DSLR-Feeling ;-) Und dann noch versorgt mit dem Wissen, dass ein besonders gelungenes Bild auf 3 MP interpoliert auch mal 20 x 30 cm (A4) ja bis zu 32 x 48 cm (A3+) groß gedruckt/belichtet werden kann, kann unbeschwert mit der Pro 70 losgezogen werden. Unverständlicherweise ist es Adobe "gelungen" die Gratis-Pixelhochrechnung (Interpolation) in seiner aktuellen Adobe-RAW Konvertierung gut zu verstecken.

Nach etwas Rumprobieren habe ich es dann doch gefunden, was bei der alten Adobe Raw-Version direkt angezeigt wurde:

2 Megapixel aus der 1,5 Megapixel Canon PowerShot Pro 70

Nicht wegzubekommen war die im roten Kreis markierte Moiree-Störung. 

Der Versuch, die Powershot Pro 70 Rohdateien mit dem Original Canon DPP-Konverter zu öffnen, scheiterte. Die eigenen Rohdateien von 1997 werden nicht mehr erkannt und dekodiert. Der Mac GraphicConverter war dazu in der Lage, brachte aber kein anderes/besseres Ergebnis als Lightroom. Auch die Freeware-Konverter "RawTherapee" und "darktable" konnten mit den *crw-Dazteien nichts anfangen. So ganz "frisch" ist die Powershot Pro 70 nicht mehr. Besonders im Rheinwasser war ein gewisses Moiré zu erkennen. Bei allen Aufnahmen wurde die Lightroom Standard-Schärfung von 40 auf 15 Prozent zurückgenommen und der Rauschreduzierung Farbe auf 70 Prozent gezogen.

Zum Schluss noch eine Ungereimtheit

Die Kamera soll bei Reduzierung der Auflösung auf 768 x 512 Pixel ISO 200 wählen, die bei wenig Licht bis auf ISO 400 verstärkt werden sollen. Auch, oder besser nur mit der verringerten Auflösung von 768 x 512 Pixel soll die PowerShot Pro 70 vier Bilder pro Sekunde schaffen. Das aber unhörbar, weil der Verschluss dann von mechanisch auf elektronisch umschaltet. Was ich da im ersten Praxisbericht mit Hörbarkeit – die Bildfrequenz – beschrieben haben, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen.

Dass die Pro 70 tatsächlich in Serie auslöst, ist bei der späteren Kontrolle an identischen Bildern hintereinander zu erkennen. Ob das dann 4 B/s sind, ist nicht feststellbar. Nicht feststellbar sind übrigens auch die Belichtungswerte der Pro 70, wenn im JPEG-Format gespeichert wird. Bis auf die Auflösungsangabe ist die Exif leer! ISO, Blende und Verschlusszeit werden nur angezeigt, wenn die Rohdaten mit Adobe RAW oder Lightroom geöffnet werden. Da kann man mit leben, denn die Canon PowerShot Pro 70 nimmt tatsächlich Fotos auf ;-) Aber damit darf sie dann in den wohlverdienten Ruhestand.

Ralf Jannke, Herbst 2020

WICHTIGER NACHTRAG!

Typischer Fall von Betriebsblindheit!

Oder: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil ;-)

Danke für den extrem hilfreichen Kommentar von H. Lenz. Und gleich ausprobiert!

Die Canon PowerHot Pro 70 lässt sich mit einer 2CR5 Lithiumbatterie oder einem entsprechenden 2CR5-Akku einwandfrei betreiben!

Kommentare (1)

  • H.Lenz
    H.Lenz
    vor 3 Wochen
    Der Vollständigkeit halber: Wer eine 2CR5 Lithiumbatterie oder Akku zur Hand hat - die passen auch ins Batteriefach.

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