FUJIFILM FinePix REAL 3D W3

Gastbeitrag von Dirk Münchgesang

Im September 2010 erschien diese viel beachtete 3D-Digitalkamera als Nachfolger der Fujifilm FinePix Real 3D W1. Leider wurde das System von Fuji dann nicht mehr fortgesetzt, wohl weil der 3D-Boom schnell wieder abebbte.

Die durch ihr Metallgehäuse sehr robuste W3 holte ich mir kurze Zeit später mit dem Beginn des 3D-Hypes auf PC-Monitoren und Fernsehern und verwende sie bis heute. Inzwischen werden 3D-fähige Fernseher allerdings kaum noch hergestellt, bei PC-Bildschirmen sieht es etwas besser aus.

Die Kamera erlaubte im Konsumerbereich 3D-Digitalfotos als auch 3D-Videos mit Ton und die direkte Kontrolle auf dem ebenfalls autostereoskopisch (also ohne Brille u.ä.) arbeitenden 3,5" TFT Monitor mit ordentlichen 1,15 Millionen Bildpunkten. Das Display hat einen sehr hohen Kontrast und erlaubt die sofortige Kontrolle der Aufnahmen. Dies ist auch mehr als bei normalen Kameras nötig, da die automatische Parallaxen-Einstellung gerade im Nahbereich nicht immer auf Anhieb trifft.

Das Display ist auch draußen gut zu gebrauchen, nur bei direktem Sonnenschein wird es wie immer schwierig. Dass kein optischer Sucher verbaut ist, kann man hier aber verzeihen. Der Aufwand, diesen 3D-synchron zu bauen, wäre viel zu hoch. Ein einfacher 2D-Durchsicht-Sucher wäre kaum hilfreich, da man die Aufnahmen vorab nicht auf ihre 3D-Wirkung hin prüfen könnte. Ich habe das Display vor Erstbenutzung sofort mit einer guten Schutzfolie versehen, die bis heute an Ort und Stelle sitzt.

Das Einschalten der Kamera geschieht durch Herunterschieben der großen Frontklappe, was praktisch ist, da so die 2 Linsen gut geschützt sind. Beim Aufnehmen muß man aber darauf achten, nicht eine der Linsen mit den Fingern zu verdecken.

Das Drehrad zur Wahl der Aufnahmeoptionen ist praktisch. Neben A (Zeitautomatik) und P (Programmautomatik) hat die Kamera noch einige Szenen- und Sonderprogramme, sowie die Wiedergabe. Leider ist die Vorwahl der Blende bei Modus A nur in traurigen drei Stufen von 3,7 bis 8 (Weitwinkel) und 4,2 bis 9 (Tele)  einstellbar und das zu allem Überfluss auch nur über den Umweg des Kameramenüs.

Die Szenen-Programme sollte man sich anschauen, weil sie doch recht hilfreich sein können. Die Sonderprogramm enthalten z.B. parallele Tele- und Weitwinkelaufnahmen, Dual-ISO, Intervall-Aufnahmen usw.

Ansonsten wird man meistens mit P unterwegs sein. Die 3D-Funktion bringt es mit sich, dass man in der Praxis wenig zoomt, da das ohnehin erst leider bei mäßigen  35mm (KB) beginnende Zoom den Bildwinkel für 3D-Aufnahmen zu schnell begrenzt. Überhaupt ist die Zoomwippe ein Schwachpunkt. Das Zoomen ist ziemlich lahm und die Wippe nach einigen Jahren auch hakelig geworden. Irgendwie scheint sie zunächst zu „kleben“, um dann endlich frei beweglich zu sein.

Im Menü kann man u.a. den ISO-Wert von 100 bis 1600 festlegen. Auch wenn man im niedrigen ISO-Bereich bleiben sollte, wird das Rauschen bei hohen Werten wegen der 3D-Darstellung nicht so deutlich wahrgenommen. Eine nach oben (400, 800 1600) begrenzende ISO-Automatik ist eigentümlicherweise nur bei Programmautomatik aktivierbar. 

Interessant ist auch wieder die Fuji-Finepix-eigene Wahl der Farbe (z.B. Fuji-Chrome!) Die Bildgröße 16:9, 4:3 oder 3:2 lässt sich mit verschiedenen Auflösungen kombinieren.

Es kann eingestellt werden ob die Original-Detail vor dem internen Wegrechnen der roten Augen (lässt sich auch abschalten) gesichert werden.

Die optische Achse der Objektive für die 3D-Aufnahme lässt sich im Menü korrigieren und justiert die Lage der Optik neu. Ich habe sie immer bei 0 belassen.

Den Bildaufbau muß man ein wenig üben. Man sollte einen sinnvollen 3D-Aufbau anstreben, bei dem dieser auch in der Tiefe räumlich plastisch wirken kann. Gerade bei Makro-Aufnahmen (Blume-Symbol) sollte man vor dem Auslösen genau beobachten ob die automatische Parallaxe für das Motiv auch greift. Deutlich wird das an dem etwas verkleinerten Seitenformat auf dem Display (die Bilder selbst bleiben natürlich gleich groß).

Die Parallaxe lässt sich sowohl für Aufnahme als auch Wiedergabe händisch an der Oberseite verstellen, das habe ich aber nie benutzt, da zumindest für mich keine weitere Verbesserung gegenüber der Automatik erzielbar ist. 

Der AF ist nicht der Schnellste und liegt gern mal völlig daneben. Man muß ihm immer helfen, indem man sorgfältig zielt und vor dem Auslösen kontrolliert. Mal eben „aus der Hüfte“ schnell auslösen ist reine Glückssache.

Das Umschalten zwischen 2D und 3D, sowie Video und Wiedergabe geht praktisch über Knopfdruck. 3D-Aufnahmen lassen sich sinnvoll nur horizontal machen.

Beispielfotos

(Anmerkung der Redaktion. Alle Fotos wurden auf Full HD-Größe gebracht: 1.920 x 1.080 Pixel)

Die Bildqualität der zwei 10 Megapixel-Sensoren ist für normale 2D-Aufnahmen durchschnittlich. Bei 2D wird nur der Linke benutzt.  Speziell bei 3D-Darstellung erzeugt die Kamera aber im Auge des Betrachters physiologisch bedingt ein weitaus schärferes, geradezu brillantes Bild. Der optische Bildstabilisator ist hier äußerst hilfreich, denn verwackelte 3D-Aufnahmen sind kaum zu gebrauchen.

Der bei Kompaktkameras wegen der Objektiv-Nähe eigentlich nicht günstig angeordnete Blitz ist hier sehr Vorteilhaft, unterstützt er doch die 3D-Wirkung deutlich. 

Die Bilder werden in 3D als MPO (wahlweise mit zusätzlicher JPG), in 2D als normale JPG-Dateien auf üblichen SD-Karten abgelegt. 

Diese MPO-Dateien sind ein sog. Containerformat, das die zwei parallel aufgenommenen JPG-Dateien enthält. Das aus meiner Sicht ideale „Zoner Photostudio“ (Bild-Verwaltung und Bearbeitung) kann die MPO-Dateien problemlos zweidimensional darstellen und bei Bedarf konvertieren.

(Anmerkung der Redaktion: Mangels Zoner Photostudio machte XnConvert aus den für Photoshop & Co nicht lesbaren MPO-Dateien entsprechende JPEGs)

Ich habe mir bei 3D-Aufnahmen mit dieser Kamera angewöhnt,  zwischen Datum und Ordnernamen das Kürzel „3D“ davorzuschreiben. Dann ist man immer sofort im Bilde.

Videos werden als AVI aufgenommen, wobei hier ebenfalls als Containerformat gespeichert wird. Beim Abspielen mit dem bekannten VLC-Mediaplayer lehnt man die Erstellung des Index ab.

Als Anschluss nach außen bietet die Kamera neben USB als Besonderheit HDMI, was die Wiedergabe auf entsprechenden Fernsehern stark vereinfacht.

Das größte Manko ist der von Haus aus viel zu kleine Akku für die doch recht stromhungrige 3D-Technik. Der Originalakku ist inzwischen deutlich schwächer geworden aber noch verwendbar. Die von mir nachgekauften Akkus von Drittanbietern sind offenbar von deutlich schlechterer Qualität als das Original und mittlerweile fast nicht mehr zu gebrauchen.

Deutsches Handbuch (Bedienungsanleitung zur FUJIFILM FinePix REAL 3D W3

Englische Broschüre zurFUJIFILM FinePix REAL 3D W3

Dirk Münchgesang, Dezember 2018

 

 

 

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