Was lange währt wird endlich gut? Die unendliche Geschichte? Nein, aber eine Geschichte ohne Happy End

Aus Analog mach Digital: "I'm Back"

Warum mal mit und mal ohne Spiralkabel? Das lesen Sie weiter unten!

Das digitale Rückteil „I’m Back“ macht aus zahlreichen Analogkameras Digitalkameras. Mess-Sucherkameras – die ersten spiegellosen Systemkameras der Welt – und Spiegelreflexkameras. Dazu wird die Rückwand der jeweiligen Kamera demontiert und ein Adapter angebracht, mit dem die Kamera auf „I’m Back“ fixiert und durch Klammern gehalten wird.

Man kann „I’m Back“ durchaus mit “Ich bin zurück" im Sinne von „Die Analogkamera ist zurück“ übersetzen. Aber noch mehr steht „I’m Back“ für „Ich bin ein Rücken“, exakt „Ich bin ein Kamera Rückteil“. Dieses Digitalrückteil gibt es für zahlreiche im Prospekt gelistete Kameras.

„I’m Back“ ist aber nicht mehr als ein teures Spielzeug für Liebhaber, die ihrer geliebten Analogkamera gelegentlich zum digitalen Frühling verhelfen möchten

Die keine Lust haben einen Film einzulegen, den selbst zu entwickeln, bzw. entwickeln zu lassen. Um das Ganze dann (selbst) zu digitalisieren und auf Papier zu drucken, bzw. belichten zu lassen… Was schon jetzt vorweggenommen für mich der qualitativ bessere Weg ist!

Wer ernsthaft 16 MP Qualität – mit dieser Auflösung wird der in „I’M Back“ verbaute Panasonic Sensor angegeben – erwartet, liegt völlig falsch und ist mit einer 12 Megapixel Vollformat Canon EOS 5 oder Nikon D700 viel, viel besser aufgehoben! Die es bei www.mpb.com gebraucht ab ca. 250 Euro gibt.

2019 gibt es für fast jedes je konstruierte Kamera-/Objektivbajonett Adapter, um die alten Objektive auf eine spiegellose Systemkamera der Wahl zu montieren… Zurück bleiben die „Filmträger“, gigantische Mengen an analogen Kameras, deren Nutzung bis zur Verschrottung mehr und mehr zurückgeht. Und da sollte „I’m Back“ helfen.

"I'm Back" schreibt auf der Internetseite eine „Note for professional photographers“ (Hinweis für professionelle Fotografen):

„I’m Back wurde mit der Absicht geschaffen, Analog digital wiederzubeleben. Schon die (feinkörnige) Mattscheibe (die für die Bildentstehung notwendig ist) sorgt für einen entsprechenden Retro-Aspekt der Fotos. Es ist nicht beabsichtigt, die Qualität einer Digitalkamera der letzten Generation zu bekommen, deshalb ist es kein Zubehör, um damit auf Augenhöhe zu sein. „I’m Back“ erzeugt auf seine Art besondere Ergebnisse. Wie bei einer „Pinhole“ („Lochkamera“) und in der „Lomographie“ entstehen (die im Internet zeigbaren) Fotos mit Hilfe eines Scanners. Die Kunst der Fotografie ist eine Kunstform an sich und nicht etwas, das sich an der Anzahl der Pixel (…) messen lässt. „I’m Back“ wurde nicht nur für professionelle Fotografen entwickelt, sondern auch für normale Menschen, die sich für Fotografie begeistern und für die Technik alter Kameras interessieren. Für jeden, der wie früher Spaß haben will, auch wenn das Foto nicht gut war und es eine Wutausbruch oder einfach nur Lachen auslöste. Gute (alte) Zeiten.“

Die Erwartung, Hoffnung, die der Internet-Text weckte, war für mich eine ziemliche Enttäuschung

Bevor ich von meinen eigenen Erfahrungen berichte, kann jeder Interessent unter diesem Link ein mit dem "I’m Back"-Rückteil aufgenommenes Foto mit 4.608 x 3.456 Bildpunkte = 15,9 Megapixel Auflösung runterladen und studieren. Das Seitenverhältnis des Sensor beträgt 4:3. Die Testanordnung wurde natürlich unter Labor = Idealbedingungen aufgenommen. Im Heft gedruckt werden für die dortige Abbildungsgröße und (vermutete) 300 ppi Qualität mal gerade 1.280 x 673 Bildpunkte, 0,9 Megapixel benötigt…

Wesentlich besser zum Selbststudium geeignet ist dieses Foto von der "I'm Back"-Internetseite

Von 24 oder 16 MP auf realistische 2.479 x 1.550 Pixel = 3,8 Megapixel runtergerechnet, habe ich dieses Foto im September 2018 in ca. 150 ppi Auflösung 40 x 25 cm groß gedruckt.

Dieses Foto gab den Ausschlag zum Kauf von "I'm Back"!

Dass, was ich März/April 2019 unter praktischen Bedingungen mit „I’m Back“ aber selbst aufgenommen habe, passt wenig zum vom Magazin „FOTOHITS“ durchgeführten Test und noch weniger zum Testfoto mit der venetianischen Maske :-(

Ich habe lange überlegt, ja gezögert überhaupt einen Report zu schreiben

Die Idee dieser Digitalrückwand ist so jung, dass sie eigentlich nicht museal ist. Aber die Kameras, die zum großen Teil Jahrzehnte vor der ernsthaft beginnenden Digitalfotografie der Mitte 1990er Jahre produziert wurden, sind es – museal. Das ist aber nicht der Grund meines Zögerns.

Und wie soll man einem Gerät, in das der Erfinder viel Herzblut, Geld und noch mehr Enthusiasmus gesteckt hat, einigermaßen gerecht werden? Das Fachmagazin "FOTOHITS" bewertete das Digitalrückteil "I'm Back" mit der Schulnote "befriedigend".

In meinen Versuchen hat sich "I'm Back" als launische, extrem empfindliche Diva erwiesen

Zum Start auf die Nikon F3 montiert, habe ich zumindest mit meiner F3 kein auch nur annähernd scharfes Foto hinbekommen. Nach Einschicken und Kontrolle - der Fokus des internen Systems stimmte nicht - wurde das Rückteil erneut probiert, diesmal auf der Nikon F. Verbunden mit Extrakosten von 62 Euro, für den Nikon F-Adapter NK-2. Bevor es mit der Nikon F losging wurde überprüft, ob das System in sich scharf abbildet.

Zur Kontrolle wurde ein so genannter Rasterzähler direkt auf die Mattscheibe des Rückteils positioniert und mit den (sichtbaren) Fingerkuppen fixiert:

Danach wurde "normal" fotografiert…

Nach mir endlos erscheinenden Versuchen zeigte sich mein uraltes 1,8/85 mm Nikkor als überraschend gut für den Einsatzzweck "I'm Back" – siehe oben.

Gefolgt vom 1,2/55 mm Nikkor, das der Erfinder in ähnlicher Form häufig für seine Fotos einsetzt. Er verwendet das 1,2/50 mm Nikkor.

Sehen Sie selbst:

Losgezogen bin ich dann mit meiner alten Nikon F und nur mit dem 1,2/55 mm in ein mir bekanntes Areal. Immer den Rat des Erfinders im Hinterkopf, bei Aufnahmen, die in den Unendlichbereich gehen, besser auf f/8 oder f/11 abzublenden…

1,2/55 mm Nikkor auf der Nikon F/I'm Back

Wie ins Bild geschrieben: "I'm Back" bei der physikalischen Auflösung des Sensors von 16 MP. Foto, so wie der Micro-SD-Karte abgelegt…

2 Megapixel, 1,5 Megapixel, 900 x 600 Pixel

Bitte auf die Fotos klicken…

Ein zweiter Versuch mit der Nikon F3 – zunächst die Unglücke… (ca. 2 Megapixel)

Neben der miserablen Schärfe selbst bei verkleinerter Größe nicht zu übersehen, der merkwürdige Magentateilschleier auf den Grautönen der Felge und des Bürgersteigs und die seltsam orange verfärbten (ausgefressenen?) Stellen auf dem gleichmäßig rot lackierten Hydranten.

Ging es wirklich nicht besser?

Neben den oben gezeigten "Ausreissern", die immer wieder vorkommen, gab es dann auch ein paar bessere Ergebnisse. Wie schon in der Überschrift genannt mit der Nikon F3, diesmal aber mit dem 1,4/50 mm AF Nikkor erste Version von 1986:

Die Fotos, wie sie mit 4.608 x 3.456 Pixel (16 MP) aus dem System kamen unbearbeitet und jeweils darunter auf 2.400 x 1.500 Pixel skaliert, nachbearbeitet und mit der beschriebenen Stärke unscharfmaskiert.

Der Rest vom Rundgang in 2.400 x 1.500 Pixel Größe

Damit wird die zweifellos fesselnde Idee, aus einer (ur)alten Analog- eine moderne Digitalkamera zu machen, zumindest diskussionswürdig…

Wenn das Ganze für 99 Euro + 49 Euro für den Kamera-Adapter angeboten würde, könnte man es als nettes Spielzeug durchgehen lassen. So – für Größenordnung 299 Schweizer Franken plus 69 Franken für den notwendigen Adapter kostet das Set umgerechnet 330 Euro – ist es reichlich Geld. Ja, die „I’m Back“-Entwicklung dürfte einiges an Geld verschlungen haben, und auch chinesische Spritzgussformen zur Herstellung der Teile aus ABS gibt es nicht umsonst…

Aber nochmal zur Erinnerung: Eine gebrauchte 12 Megapixel Vollformat Nikon D700 oder EOS 5D ist ab 250 Euro zu haben…

Nach den Erfahrungen – vielleicht habe ich das manuelle Fokussieren ja wirklich verlernt, was auch meinen miserablen Augen geschuldet ist – rühre ich keinen Cent mehr an, um für 44 Euro einen weiteren Adapter zu ordern, damit das Rückteil auf die Minolta 7000 – siehe oben – montiert werden kann, weil die 7000 Autofokus bietet…

Diesen Aufruf kann ich bereits teilweise selbst beantworten!

Nach meinen jetzigen Erfahrungen scheint die Qualität von zwei Parametern abzuhängen:

  • Der eingesetzten Kamera und dem Objektiv (logisch!)
  • Aber noch viel, viel mehr, ja fast ausschließlich von der korrekten Planlage der Periskopeinheit, die das Bild von der Mattscheibe über einen Spiegel auf die interne Kamera umlenkt und aufnimmt.

Wenn diese Mattscheibe auch nur einen Hauch von den Filmschienen, der Schärfebene der eingesetzten Analogkamera (!), entfernt ist oder noch schlimmer eine Winzigkeit gekippt, war es das mit der möglichen Schärfe. 

Diese Periskopeinheit ist für mich die Achillesferse von "I'm Back"

Zigfach versucht zu justieren, um dann immer wieder zu festzustellen, dass sich das Ding ständig selbstständig macht hat und schief steht, ist entspanntem Fotografieren mit den alten analogen Schätzen wirklich nicht förderlich. Damit hatte ich tagelang, ja eigentlich bei jedem Rundgang zu kämpfen! 

Deshalb sind auch die letzten, gezeigten Bilder vom Beschnitt her alles andere als perfekt. Durch das 4:3 Seitenverhältnis des Panasonic-Sensors geht notgedrungen etwas verloren, weil des Kleinbildfenster/-format eben bei 3:2 liegt. Ich habe mich aber bei meinem letzten Rundgang nicht getraut, die Periskopeinheit in der Lage zu korrigieren – parallel zur Filmebene zu verstellen. Weil sie bei den gezeigten Aufnahmen endlich richtig und plan zu sitzen schien.

Ich durfte aus der Cloud des "I'm Back"-Erfinders zahlreiche Bildbeispiele runterladen und studieren.

Der Erfinder hat nach eigenen Angaben hunderte einwandfreier Fotos aufgenommen. Etliche davon liegen mit der höchsten, interpolierten 24 Megapixelauflösung in seiner Cloud.

Auf keinen Fall zweifele ich die Authenzität dieser Fotos als mit "I'm Back" aufgenommen an, was auch die Exifs belegen. 

Die dort gezeigte, wirklich gute Qualität verdient sich die FOTOHITS-Schulnote "befriedigend". Es nützt mir als willigem Anwender aber nichts, wenn ich diese Qualität nicht reproduzierbar und auch nur manchmal allenfalls annähernd erreiche. Was immer mein Fehler war/ist. Es ist nicht idiotensicher.

In einer schnelllebigen Zeit mit perfekten Digitalkameras ist meine Geduld erstmal erschöpft, der Kombination "I'm Back" und wunderbaren Kameras wie einer Nikon F, F2 oder F3 nochmals Bilder abzuringen. Die Nikon F2 kam übrigens gar nicht zum Einsatz, weil der Adapter durch einen Fehler der Spritzgussform falsch ausgelegt war, eine Schiene abbrach, und sich die F2 nicht per Klammer sichern ließ, weil sie nicht passte.

So bleibt „I’m Back“ als tolle Philosophie nur ein Platz als interessantes Kuriosum im Depot meiner Digitalsammelkameras. Ob ich "I'm Back" nochmal heraushole, möglicherweise zerlege, um dem Fehler auf den Grund zu gehen, kann ich jetzt noch nicht sagen. Denn eigentlich müsste es besser gehen…

Nachtrag

Was hat es mit dem auf den ersten Fotos dieses Beitrags gezeigten Spiralkabel auf sich?

Das "I'm Back"-System funktioniert in zwei unterschiedlich schnellen Betriebsarten: "Schnecke" und "Highspeed" (Liveview)

  • Wenn wie gewohnt der SLR-Sucher für die Motiverfassung und Fokussierung auf der Einstellscheibe eingesetzt werden soll, bleibt das "I'm Back"-Rückteil blind. Die Einstellung auf Verschlusszeit "B" und die Verbindung der Blitzbuchse der Kamera über das Spiralkabel mit der Synchronbuchse des Digitalrückteils macht das Foto mit "I'm Back" erst möglich. Dazu muss im Rückteil eine bestimmte Betriebsart gewählt werden. Die dafür sorgt, dass nach Betätigen und Gedrückthalten (!) des Kameraauslösers ca. 3 s – "Schneckentempo" – vergehen, bis "I'm Back" das Bild aufgenommen hat.
  • Erheblich schneller funktioniert das Ganze im Liveview-Modus von "I'm Back". Das setzt voraus, dass die Kamera eine Verschlusseinstellung "T" gestattet, die den Spiegel oben und den Verschluss permanent geöffnet hält. Fokussiert werden muss dann – theoretisch – über den Monitor von "I'm Back", was zumindest mit bei der Monitorgröße und meiner Altersweitsichtigkeit auch mit einer 3.0 dpt Lesebrille nicht möglich ist. Oder in der Hoffnung, dass die auf dem Objektiv per Skala eingestellte Schärfentiefe auch so im "I'm Back" ankommt…

Für diese Kamera-/Objektiv-Kombination sollte das "I'm back"-Rückteil eigentlich sein

2,1 cm (21 mm) f/4 Superweitwinkel-Nikkor von 1959 bis 1967. Durch die Bauweise aus Mess-Sucherkamerazeiten (ohne Spiegel!) ragt das Objektiv weit ins Kameragehäuse, die Hinterlinse steht dicht vor dem Verschluss. Zum Betrieb muss der Spiegel der Reflexkamera hochgeklappt und verriegelt werden. Das Motiv wird dann mit einem Aufstecksucher, den ich nicht besitze, kontrolliert. In diesem Fall sollte das "I'm Back" diese Aufgabe übernehmen. Die Nikon F2 (oder F/F3) auf T gestellt, einmal ausgelöst, und der Verschluss bleibt offen. Per "I'm Back"-Liveview sollte das Motiv dann eingefangen werden. Das Ganze scheiterte durch den unten gezeigten nicht passenden Nikon F2-Adapter und Physik. Während das 2,1 cm die 24 x 36 mm Fläche des Kleinbildfilms ausleuchtet/belichtet, gab es auf der Mattscheibe des Digital-Rückteils nur eine kreisrunde unvollständige Abbildung…

Fehlerhafter Adapter für die Nikon F2

Vergleicht man die beiden markierten Stellen, kann man leicht erkennen, dass der Spalt auf der (im Foto) rechten Seite kleiner ist – zu klein. Konsequenz: Die Verriegelungsklampe passt nicht. Beim Versuch, den Spalt nach Erwärmen mit einem Heißluftgebläse aufzubiegen, brach das ganze Teil gleich ab.

Blick ins Innenleben

Das ist das ganze Geheimnis des Digital-Rückteils "I'm Back". Nach Entnahme der meiner Ansicht nach zu grobkörnigen Mattscheibe fällt der Blick über den 45 Grad Umlenkspiegel direkt auf das Objektiv der 16 Megapixel Panasonic-Sensoreinheit. Dagegen ist technisch nichts einzuwenden. Ich bin aber der Meinung, dass sich die Qualität durch eine feinere Mattscheibe und ein möglicherweise besseres Relais-Objektiv steigern ließe. Was die Kosten aber sicher nach oben treibt. Das Ganze steht und fällt aber mit der oben schon beschriebenen, notwendigen Planlage der Mattscheibe auf den Filmtransport-/führungs-Schienen im Kameragehäuse. Ist diese Planlage nicht sicherzustellen, bringt eine verbesserte Mattscheibe und Relaisoptik gar nichts…

Ralf Jannke, März/April 2019

 

 

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