Kodak/Nikon DCS 315, DCS 330, Minolta Dimâge RD 3000

Analoge Nikon Pronea S und Pronea 600i für APS-Film. Kodak nahm die Pronea 600i (in den USA 6i) als Basiskamera für seine beiden (dahinter stehenden) digitalen Spiegelreflexkameras DCS 315 (1,5 MP) und DCS 330 (3 MP). Dieses "Ensemble" wurde übrigens mit einer ganz besonderen Kamera mit Anschluss für Nikon-Objektive abgelichtet!

Als Vorlage für die digitale 2,7 MP Minolta Dimâge RD 3000 dürfte Minoltas analoge Vectis S1 für APS-Film gedient haben:

Über den Fujifilm Photo-Player AP-1 für APS-Filme, auf dem die Minolta Vectis S1 steht, gibt es gleich noch weitere Informationen.

Der letzte und gleichzeitig größte Flop der Fotofilmindustrie – APS

APS? Was hat analoger Film mit digitalen Kameras zu tun?

Wahrscheinlich haben Sie im Zusammenhang mit digitalen Spiegelreflex- oder spiegellosen Systemkameras schon die Bezeichnung APS-C- oder APS-H-Sensor gehört. Und sich vielleicht gefragt, was das bedeutet. Damit werden die Sensoren obiger Systemkameras bezeichnet, wenn sie kleiner sind als 24x36 mm. Das Format des jahrzehntelang in unzähligen Kameras millionenfach verwendeten 35 mm breiten Kleinbildfilms, wo gewöhnlich 36 Fotos in einer Filmpatrone stecken. In der digitalen Welt wird das 24x36 mm Filmformat als Vollformat bezeichnet, wenn der Sensor diese Größe hat. Was in der Geschichte digitaler Kamera übrigens recht lang gedauert hat, bis man Sensoren dieser Größe in entsprechenden Kameras zu annehmbaren Preisen produzieren konnte. 

Zuvor waren Sensoren kleiner – wie der „chemische“ APS-Film mit seinen 16,7 x 30,2 mm belichtbarer Filmfläche. Der APS-C Sensor hat eine Fläche von ca. 15 x 23 mm, die scheinbare Brennweitenverlängerung, der Cropfaktor beträgt je nach Hersteller 1,5 bis 1,6. Der APS-H Sensor ist 18,6 x 27,9 mm groß. Der erste 6 MP Sensor von Kodak hatte 1994 diese Größe, wie auch die späteren Canon EOS 1D Profikameras. Der Cropfaktor beträgt 1,3.

Der „APS“-Film war das letzte Aufbäumen der Filmhersteller gegen die Digital-Welle. Den Untergang schon ahnend und mindestens 5 Jahre zu spät, versuchten die Hersteller ein Filmsystem/-format mit besonderen Möglichkeiten in den Markt zu drücken. Namhafte Kamerahersteller wie Canon, Minolta und Nikon machten mit und boten sogar Spiegelreflexkameras für den neuen APS-Film. Ergebnis war der wohl schlimmste Flop der Fotogeschichte. Als besonderer Höhepunkt fallen mir da sündteure Abspielgeräte ein, die den APS-Film aufnahmen, um die Bilder auf der heimischen Glotze anschauen zu können. Bei den Digitalkameras genügte zum Anschauen auf TV ein simples und preiswertes Kabel... 

Hier zeigt sich die Idiotie dieses völlig zu Recht vom Verbraucher mit Missachtung gestraften und bald untergegangenen APS-Formats. 1000 DM sollte der Kunde für den Player investieren, den es auch mit Canon-"Aufkleber" gab. Um dafür ein Gerät mit passabler Auflösung von 1792 x 1024 Pixel zu bekommen, das sich aber NICHT als Scanner benutzen lässt, weil nur ein "müdes" PAL Signal von Größenordnung 700 x 500 Bildpunkten ausgegeben wird. 1280 x 720p und 1920 x 1080p HD/Full HD waren da noch in weiter Ferne. Anstatt dem Gerät gleich noch einen USB-Ausgang zu verpassen, entsprechende Treiber beizulegen, wollte man dem vermeintlich konsumfreundlichen Verbraucher ein vergleichbares Gerät ein zweites Mal als Scanner andrehen. War keine brillante Marketing-Idee und hat nicht hingehauen!

Übrigens: Nikon schreibt in seiner Bedienungsanleitung zur Nikon Pronea 600i zur Verwendung teilbelichteter Filme: „Sie können teilbelichtete Filme jederzeit zurückspulen und später wieder einlegen. Legen Sie einen in der Pronea 600i teilbelichtete Film jedoch nicht in einen anderen Kameratyp ein; er könnte danach nicht weiterverwendet werden.“

Möglicherweise lässt sich in BAs anderer Hersteller ähnliches finden. Soviel zum Thema „Kompatibilität“ des doch angeblich so idiotensicheren APS-Filmsystems mit seinen erweiterten Möglichkeiten. Als „Sahnehäubchen“ verweigerte der hier gezeigte Fuji APS-Film-Player das Abspielen eines kontrollierten, richtig als belichteten und entwickelt gekennzeichneten Films...

Screenshots der Videodigitizer-Software Empia Capture, die die analogen Videosignale des Fuji AP-Players in den Computer bringt. Was soll man angesichts der möglichen 1792 x 1024 Pixel mit diesem Matsch anfangen? Noch zusätzlich einen APS-Film Scanner kaufen? Ganz sicher – NICHT!

Das Scheitern des APS-Formats hat Jürgen M. Beckmesser perfekt auf der Internetseite Photoscala beschrieben.

Analog war APS ein Fiasko, APS-Kameragehäuse aber umgebaut und mit Kodak-Sensor-Rückwand versehen, waren zumindest als Nikon Kamera zur Aufnahme einer großen Zahl AF-Nikkore (Nikon-Objektive) zu ihrer Zeit eine Preisalternative. Zwei dieser Kameragehäuse für APS-Film fanden ihren Weg als „Sensorhalter“ in die Welt der digitalen Spiegelreflexkameras: Die Nikon APS SLR Pronea 600i (6i in den USA) und die Minolta Vectis S1 als Vorlage für die Minolta Dimâge RD 3000. Die RD 3000 besitze ich nicht mehr, wohl aber noch ein paar mit ihr aufgenommene Fotos. Die beiden Nikon/Kodak-Modelle erfreuen sich bei mir weiterhin guter Gesundheit ;-) Genug Gründe die Nikon und Minolta hier zu würdigen!

Minolta Dimâge RD 3000 (1999)

Oben schon gezeigt, lohnt sich ein Blick auf die eigenwillige Technik der RD 3000.

Möglicherweise um (Sensor-)Kosten zu sparen, nahm Minolta für seine RD 3000 keinen ca. 15 x 23 mm großen APS-C-Sensor, sondern ging einen anderen Weg. Wie schon in Minoltas erster DSLR, der 1,75 MP RD 175, setzte auch die RD 3000 mehrere kleine Sensoren ein, aus denen das fertige Bild zusammengerechnet wird. Waren es in der RD 175 drei Sensoren, wurden in der RD 3000 zwei 1/2“ CCD-Sensoren von 6,4 x 4,8 mm Größe und 1,5 MP Auflösung eingesetzt. Deutlich kleiner als ein 15 x 23 mm APS-C-Sensor. Die Fotodioden des einen Sensors „schauen“ durch ein Grünfilter, die des zweiten Sensors haben eine rotblaue Filtermatrix vorgeschaltet. Ganz anders als die übliche Bayer-Matrix vor einer Einsensor-Digitalkamera. Daraus errechnet die Kamerasoftware das fertige 1984 x 1360 Pixel = 2,7 MP Bild. Gespeichert wird unkomprimiert als TIF oder in verschiedenen JPEG-Komprimierungsstufen auf eine PCMCIA-Karte/Festplatte oder Compactflashkarten im Adapter; Bildanzahl entsprechend Speichervolumen...

So weit, so gut, aber: Um auf Größe zu kommen, wurde das Bild nicht nur per Lichtteiler aufgespalten, sondern per Zwischen-/Relais-Optik auf die zwei Sensoren projiziert. Resultat des Ganzen: Ein Crop-Faktor von 1,5, bezogen aufs kleinere APS-Filmformat (16,7 x 30,2 mm Filmfläche). Damit zu leben war unproblematisch. Killerargument für diese Bauweise war und ist aber die miserable Systemlichtstärke von Blende 6,7. Egal wie lichtstark das verwendete Objektiv ist! Da half die mögliche Steigerung der ISO 200 Grundempfindlichkeit auf ISO 800 auch nicht viel weiter.

Die komplette Technik der RD 3000, die verfügbaren Objektive sind hier nachzulesen.

(Englischsprachige) Vorstellung, Beschreibung (Strahlenteilung!) und Review der Minolta Dimage RD 3000.

Die RD 3000 wurde gewöhnlich ebenso geschickt wie „schamhaft“ fotografiert, dass man die wahren Abmessungen nicht auf den ersten Blick erkannte. Die schon erwähnte Umlenkung des Strahlengangs, der Strahlenteiler, die Relaisoptiken – das braucht Platz! Resultat ist ein unförmiges Quader an Kamera. Genug zur RD 3000. Aus dem Archiv noch drei Bildchen: (fast) "Röhrender Hirsch" ;-) und Bäume im Wald... Aufgenommen 2007 mit der RD 3000. Und fotografisch etwas anspruchsvoller: "Nachtaufnahme am Tag". Das bewusst unterbelichtete Farbfoto wurde nicht nur nach SW konvertiert, sondern bei der Gelegenheit gleich noch der virtuelle Rotfilter "eingeschwenkt", um den blauen Himmel schwarz zu bekommen.

Nikon APS-SLRs Pronea 600i und "S"

Dass Kodak nicht zur eleganteren Nikon Pronea S griff, dürfte nicht nur an der Verfügbarkeit gelegen haben, sondern auch an der Konstruktion der Pronea S. Bei der 600i/6i war es vermutlich wesentlich einfacher, die Rückwand mit dem APS-Filmgedöns zu entfernen und durch eine mit Sensor zu ersetzen! Außerdem wirkt die Pronea 600i wesentlich stabiler als die "S". Wie zur Bestätigung gab zumindest mein "S"-Exemplar nach 5 Aufnahmen den Geist auf. OK, bei 5 Euro für den Body war es egal...

Digital-Zwillinge: Kodak/Nikon Pronea 6i/DCS 315 DCS 330

Wie schon erwähnt, nahm Kodak die Nikon Pronea 6i als Basis-SLR, um den Endpreis zu drücken. Dabei wanderte der Monitor für die zahlreichen Betriebsarten und Einstellmöglichkeiten der Pronea in den unteren Teil der jetzt digitalen Pronea, der Monitor für die Bildbeurteilung kam nach oben. Die 1,5 MP Kodak DCS 315 kam 1998, die 3 MP DCS 330 wurde 1999 präsentiert. Die DCS 315 soll die erste DSLR gewesen sein, wo ich nach der Aufnahme sofort das Bildergebnis auf dem Monitor kontrollieren konnte. Zumindest hinsichtlich Belichtung und Kontrast. Denn eine Schärfebeurteilung ist auf dem 1,8“ Monitor unbekannter Auflösung nicht möglich. Zoomen konnte man auch noch nicht. 

Bei dem "Umbauarbeiten" verdoppelte sich die Kamerahöhe. Man brauchte Platz für den PCMCIA-Einschub und 6 Akkus der Größe AA. Gespeichert wird auf PCMCIA-Karte oder Festplatte oder Compactflashkarte im Adapter. Wenn Sie mal ins Innere einer DCS 315 schauen möchten, sollten Sie sich dieses Youtube-Video anschauen.

Außerdem konnte die DCS 315 als erste DSLR JPEGs im Gehäuse erzeugen, auf Wunsch aber auch unkomprimiert im Kodak TIFF-Rohformat speichern. Dass die DCS 330 nur im Kodak TIFF-Rohformat speichern kann, wie manchmal zu lesen, ist nicht richtig. Möglicherweise sorgte ein Firmwareupdate später dafür, dass auf Wunsch jede Aufnahme parallel als JPEG in drei wählbaren Komprimerungsqualitäten gespeichert werden kann. Wahlweise auch nur für ausgewählte Fotos. Da das Extrazeit und -strom kostet und Speichervolumen 2015 absolut kein Thema mehr ist, habe ich beim Probeeinsatz der DCS 330 darauf verzichtet und nur als TIFF-RAW gespeichert.

Neben der Auflösung unterscheiden sich DCS 315 und DCS 330 auch in der Größe des Sensors. Daraus resultierte eine scheinbare Brennweitenverlängerung, „neudeutsch“ Cropfaktor, von 2,6 (DCS 315) und 1,9 (DCS 330). Angezeigt wird das verkleinerte Bildfeld im Sucher, besser auf der Mattscheibe mit entsprechenden Rahmen.

Der Arbeitsspeicher der 1,5 MP DCS 315 kann 3 Bilder mit einer Frequenz von 2 B/s aufnehmen, um für die Verarbeitung dann 11 Sekunden zu benötigen. Der Arbeitsspeicher der DCS 330 nimmt ebenfalls 3 Bilder auf, die allerdings nur mit 1 B/s erfasst. Die Verarbeitung benötigt dann 20 Sekunden.

Übrigens: Das teilweise Bekleben der Rückseite der DCS 330 (links stehende Kamera) mit Gewebeklebeband ist nicht mit der albernen Macke des Besitzers zu erklären, seiner DSLR einen besonders professionellen „Touch“ zu verleihen, sondern hat einen anderen, unangenehmen Grund. Bei diesem Exemplar der DCS 330 wurde für Griff- und Rückwandbeschichtung eine schlechte Kunststoffcharge verarbeitet, die beginnt sich zu zersetzen. Es klebt ganz furchtbar! Die daneben stehende DCS 315 ist "anfassmäßig" OK! Der schöne rote Klebestreifen sichert die nicht mehr verriegelbare Klappe der DCS 315, hinter der Akkus und Speicherkarte(n) liegen... 

Ein wichtiger Unterschied der Kameras muss noch beachtet werden. Bei der 3 MP DCS 330 ist hinter dem Bajonett ein Hotmirror-, IR-Sperr-Filter montiert. Der könnte demontiert werden, um beispielsweise die nur für die APS Nikon Proneas vorgesehenen drei iX-Nikkore

3,5-5,6/20-60 mm; 3,5-5,6/24-70 mm; 4-5,6/60-180 mm 

aufzunehmen. Denn der rückseitige Tubus dieser iX-Nikkore reicht weit ins Kameragehäuse und würde mit dem Hot-Mirror kollidieren. Beachten Sie den Unterschied zwischen dem 1,4/50 mm AF Nikkor und dem 3,5-5,6/24-70 mm iX Nikkor. Diese Ausnahme ist angesichts der riesigen Zahl verfügbarer Nikon-Objektive und solchen mit Nikon F-Anschluss aber nicht von Bedeutung. Denn der IR-Sperrfilter der DCS 330 hat ja eine wichtige Funktion! Ohne ihn werden Fotos von einem magentafarbenen Schleier überzogen, der nicht mal eben per EBV weggefiltert werden kann. Man kann den Filter aber demontieren, um mit der Kodak DCS 330 IR-Fotos aufzunehmen.

Beachten Sie bitte auch das Spiegelbild der Mattscheibe der DCS 330 (links) mit ihrem Rahmen, der das Bildfeld des Sensors anzeigt, das wesentlich kleiner ist als das 16,7 x 30,2 mm APS-Format ist. 

Einziger Schwachpunkt der Kodak DCS 315/330: Es sind akkufressende Kameras ;-) Unter einem frischen Satz Akkus in der Kamera und weiteren, idealerweise 2 gefüllten (!) Akkuhaltern sollte man nicht losziehen.

Alle weiteren technischen Details können in der englischsprachigen Bedienungsanleitung zu beiden Kodak DCS 3xx-Modellen nachgelesen werden. Immer wenn es um (historische) DSLRs geht, muss auf diese großartige Internetseite hingewiesen werden.

Zum Ende der Kamerabeschreibung noch ein kleines Detail. Ich kann nicht sagen, ob der im Bild rot markierte "Fuss" der DCS 330 bei der 1998 vorgestellten DCS 315 einfach verloren gegangen ist. Es sieht nicht so aus. Auf jeden Fall war/ist es eine sinnvolle Modifikation der 1999 präsentierten DCS 330, die das Kippen der Kamera mit einem kürzeren Objektiv verhindert, zumindest minimiert...

Und damit kommen wir endlich zu Beispielbildern, aufgenommen mit der DCS 330 und DCS 315:

Kodak DCS 330

Nie dafür gedacht, wurde die DCS 330 ganz bewusst an die Grenzen gebracht: In der Basketballhalle, wo es auf hohe ISO-Empfindlichkeiten und einen schnellen und treffsicheren Autofokus ankommt!

Die Fotos stammen aus zwei unterschiedlichen Jahren und Aufnahmeorten. 2007 spielten die Bonner noch in der "Hardtberghalle", 2015 im "Telekom-Dome". Bei den Fotos aus 2007, wo "mehr drauf ist", kam vermutlich das 3,5-5,6/11-18 mm Tamron zum Einsatz. Hier wurde auch der kleine Gehäuseblitz aktiviert. ISO 125 bis 400. Die Spielszene wurde mit dem leicht auf f/1,8 abgeblendeten 1,4/50 mm AF Nikkor bei ISO 400 und Zeitautomatik aufgenommen. 2015 wurde ausschließlich mit dem 1,8/35 AF-S/DX-Nikkor bei ISO 400 und Zeitautomatik fotografiert. Übrigens: Der Sensor hat praktisch (m)FT-Abmessungen, woraus ein Cropfaktor von (gerundet) 2 resultiert. Die Brennweiten der genannten Objektive sind also alle zu verdoppeln. Was sich ebenfalls verdoppelt, das ist die Schärfentiefe. Ungeachtet des reinen Zahlenwerts, entspricht die Schärfentiefe bei Blende 1,8 einer von Blende 3,6. Der Autofokus stand im Nachführbetrieb – AF-C. Die bei den 2015 Aufnahmen übersehene -0,5 EV Korrektur, eigentlich, um ausgefressenen lichter zu minimieren, wurde übersehen. Was Dank 36 bit Farbtiefe, Lightroom und Photoshop kein Problem war. Aufgrund der Lichtverhältnisse wurde im Kodak-eigenen TIFF-Rohdatenformat gespeichert. Was entweder mit der Kodak-Software geöffnet werden muss oder eben wie hier mit Adobe Lightroom.

Und wieder erregte diese alte DSLR Aufsehen bei den älteren Kollegen, die sich lebhaft an ihre Anfänge mit Canon EOS1 oder Nikon F5-SLRs mit Kodak Sensor-Rückteil erinnerten.

Reproduktion des Original Kodak-Prospekts zur DCS330

Kodak DCS 315

Trotz noch mal neu installierter Firmware – die letzte Version, die Kodak zur Verfügung stellte –, weigert sich meine DCS 315 trotz Vorgabe partout im JPEG (best) Format zu speichern und speichert stattdessen „trotzig“ im Kodak TIFF-Rohformat. Was aber angesichts heutiger Speicherkosten keine Rolle spielt. Adobe Lightroom und Adobe RAW öffnen die Dateien dieser 17 Jahre alten Kamera problemlos. Außerdem haben die mit 36 bit Farbtiefe der unkomprimierten TIFF-RAW-Datei größere Reserven als das komprimierte 24 bit JPEG-Format.

Dennoch gestaltete sich der Umgang mit den Bild-Daten der DCS 315 nicht so unproblematisch, wie mit denen der höher auflösenden 3 MP DCS 330. Da war die EBV wirklich gefordert!

Um den Klatschmohn im grünen Getreidefeld so hinzubekommen – OK, vielleicht etwas übertrieben –, musste mächtig an den Reglern von Lightroom und Photoshop gedreht werden. Zumindest, was die Farbe der Mohnblüte angeht. Beachten Sie die farblich unbrauchbare einmontierte Originaldatei! 1:1 Ausschnitt aus der 1528 x 1016 Pixel Kodak DCS 315 Aufnahme. OK, das Grün konnte man gelten lassen, entsprach aber nicht meinem (subjektiven) Sehen.

Fotografiert wurde mit dem 3,5-5,6/20-60 mm iX Nikkor. Auch wenn das Plastik-Zoom sicher nicht im Verdacht steht ein Premium-Nikkor zu sein, liefert es eine ordentliche Leistung. Umgerechnet auf den kleinen Sensor mit Cropfaktor 2,6 wird das Zoom zum 52 - 156 mm Objektiv.

Dazu gesellte sich eine störende Moiré-Neigung, möglicherweise durch den fehlenden Hot Mirror Filter? Den aber für einen Preis erwerben, der über dem der DCS 315 – es waren mit Versand aus den USA etwas um 70 Euro – liegt? Gott sei Dank fiel mir der fast vergessenen Tip ein, derartige Moirés mit Hilfe der Umwandlung vom RGB- in den Lab-Modus bekämpfen, minimieren zu können! Diese Vorgehensweise war ungleich effektiver, als mit Lightroom oder Adobe-RAW zu versuchen das vermeintliche Farbrauschen, das Moiré durch den Regler "Farbe" unter "Rauschreduzierung" wegzubekommen.

Beachten Sie die Farbstörung in den Halmen und Ähren. Und im Anschluss die "Reparatur" dieses Fehlers:

Im ersten Schritt wird das Foto, die Datei vom RGB- in den Lab-Modus umgewandelt. Und von den Kanälen dann der b-Kanal mit dem Gauß'schen Weichzeichner Radius 5 behandelt. Wenn man will, kann man bei dieser Gelegenheit auch in den L-Kanal wechseln und nur diesen mit der Unscharfmaskierung schärfen. Ist man mit diesen Arbeiten fertig, wird das Foto vom Lab- wieder in den RGB-Modus umgewandelt – fertig. Ich habe in diesem Fall das fertige Bild noch ganz leicht nachgeschärft. Am einmontierten Photoshop-Bildgrößendialog, können Sie leicht erkennen, dass dieses 1,5 Megapixelfoto auch 30 x 20 cm A4-groß gedruckt oder auf Fotopapier belichtet werden kann.

Oben der Versuch das Moiré mit Adobe-RAW durch den Regler "Farbe" unter "Rauschreduzierung" wegzubekommen. Es funktioniert, aber die Vorgehensweise mit dem Lab-Modus ist effektiver!

Im Gegensatz zur 3 MP Kodak DCS 330 sollte man bei der DCS 315 die Finger von hohen Empfindlichkeiten lassen. Idealerweise bleibt man bei ISO 100, ISO 200 habe ich nicht weiter probiert, aber ISO 400 nicht mal im Notfall. Das folgende Foto wurde versehentlich mit ISO 400 aufgenommen. Da überlagern sich vermutlich Moiré und Rauschen. Um diese "Buntheit" wegzubekommen, wurde wieder wie schon oben beschrieben mit dem Lab-Modus und Weichzeichnen nicht nur des b-, sondern diesmal auch a-Kanals gearbeitet. Muss aber nicht sein. Mit der Kodak DCS 315 einfach nicht mit ISO 400 fotografieren...

Bei ISO 100 fühlt sich die Kodak DC 315 wohl:

Grenze für die DCS 315 ist ISO 320, mit denen die Bilder der Wasserpflanzen im Botanischen Garten Bonn aufgenommen wurden. Noch einen Tick besser wäre es vermutlich mit ISO 200/250 geworden. Beim nächsten Mal ;-) Um für diese Fotos mehr Brennweite zur Verfügung zu haben, wurde kurzerhand das 2,8/10,5 mm DX Fisheye-Nikkor montiert. So gab es ein kräftig verzeichnendes 27 mm Weitwinkel, wo nur der mittlere Teil der Fisheye-Aufnahme abgebildet wird. Damit komme ich zum Ende dieses Beitrag, die beiden alten "Schätzchen" dürfen sich jetzt wieder ausruhen ;-) Nummer eins in diesem "Wettbewerb" ist nicht nur aufgrund der Auflösung die Kodak DCS 330. Was ein (Entwicklungs-)Jahr ausmacht! Und doch hat es großen Spaß gemacht, diesen historischen DSLRs ein paar Bilder abzuringen. Was sind dagegen schon 24 Millionen Bildpunkte ;-)

Ralf Jannke

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