Kodak DCS 420, Vorstellungsjahr 1994

In der englischen „The DCS Story – 17 years of Kodak Professional digital camera systems 1987-2004“ hat Jim McGarvey alle je von Kodak gebauten DSLRs, ihre Vorgänger und Digital-Rückwände gelistet. Die hier kostenlos runterzuladende PDF gehört in jede Digitalkamerasammlung! 

Eine immer wieder phantastische Quelle zum Thema ist die englische Seite „Photography in Malaysia“. Ein Füllhorn ohne Ende!

Selbstverständlich sind dort die Kodak-DSLRs ausführlich beschrieben:

A brief info on Kodak DCS-Series Digital Still SLR cameras – Kurze Informationen zu den digitalen Spiegelreflexkameras der DCS-Serie von Kodak

A brief info on Kodak DCS-Series Digital Still SLR cameras Part II - DCS-400 Series with Nikon N90(s)/F90(x) body Chassis – Kurze Informationen zu den digitalen Spiegelreflexkameras der DCS-Serie von Kodak Teil 2

Auch das Digicammuseum.de hat einigen Kodak-DSLRs ausführliche Praxisbeträge gewidmet. Und Praxis ist wortwörtlich gemeint! Statt die alten Schätze nur zu horten und zu zeigen wurde mit den alle noch funktionierenden Kameras fotografiert!

Angefangen mit der „Kodak DCS200, die zweite 1992 serienmäßig produzierte DSLR der Welt“ die noch auf der analogen Nikon N8008s (in Europa F801s) basiert, das Konzept der DCS 4xxx-Reihe aber schon vorwegnimmt.

Die DSLRs der DCS 4xx Reihe basieren auf der Nikon N90s (F90X in Europa)

Trotz der horrenden Kamerakosten wünschten sich Reportage- und Sportfoto-Profis Mitte der 1990er Jahre „Sofortbilder“ aus ihren Spiegelreflexkameras. Und die Zutaten lieferte Kodak. In Zusammenarbeit mit der amerikanischen Presseagentur Associated Press (AP!) entstand die 1,3 Megapixel NC2000e. Entscheidender Unterschied zur DCS410/420-Reihe: ein 16,4 x 20,5 mm großer Sensor, der die Brennweite des angesetzten Nikon-Objektivs nur um den Faktor 1,5 verlängert und eine Sensorempfindlichkeit von ISO 200 bis 1600. Und einen größeren Arbeitsspeicher in der Kamera, der 2,8 B/s ermöglicht!

Die Kodak DCS 4xx-Reihe und ihr Vorgänger DCS 200

Während Kodaks erste in einer Serie von etwa 1000 Exemplaren gebaute DCS 100 noch auf die Nikon F3 ohne Autofokus setzte, ist die oben im Foto ganz links stehende DCS 200 bereits im neuen Konzept gebaut. Bei der DCS 100 muss die F3 nach Montage der Digitalrückwand per Kabel mit einer über 10 kg schweren Speichereinheit, die Festplatte und Monitor enthält, verbunden werden.

Bericht 1 zur Kodak DCS 100

Bericht 2 zur Kodak DCS 100

Details zur Kodak DCS 100

Wieviel handlicher ist dagegen der Nachfolger DCS 200, wo die Rückwand mit dem Bildsensor gleich die Speicherfestplatte in einem Gehäuse enthält.

Wenn man die verschiedenen Versionen für Farb-, SW- und Infrarotfotografie weglässt, besteht die Kodak DCS 4xx-Reihe aus vier Modellen: DCS 410, DCS 420, DCS 460 und der AP N2000e. Letztere fällt von der Namensgebung raus, gehört aber mit in diese Reihe.

Was ist mit der (im Foto) fehlenden DCS 460?

Das war Kodaks erste mit 6 Megapixel hochauflösende DSLR. Wie die anderen DCS 4xx-Modell auf Basis der analogen Nikon N90s/F90X, aber mit einem größeren APS-H Sensor, der ca. 19 x 27 mm misst und einen Cropfaktor von nur 1,3 hat. Die Kamera war aber nur für Studios mit entsprechend starker Beleuchtung (Blitzanlage) interessant, denn die Sensorempfindlichkeit der Farbkamera-Version der DCS 460 liegt bei nur ISO 80. Und sie kann nur ein Bild alle ca. 2 Sekunden aufnehmen. Also absolut nichts für Reportage. Der Grund, dass Kodak zusammen mit der amerikanischen Presseagentur Associated Press (AP) die in jeder Hinsicht schnelle Kodak AP N2000e entwickelte: Sensorempfindlichkeit bis ISO 1600, 2,8 Bilder pro Sekunde Bildfrequenz.

Statt der DCS 460 kann unsere Internetseite aber die Kodak DCS 1c präsentieren. Mit gleichen technischen Daten, aber auf Basis der Canon EOS 1n.

Mehr gibt es nicht – an Bild-/Sensorfläche…

Schon "erschreckend" wie wenig von der 24 x 36 mm Fläche des Kleinbildformats in der Kodak-DSLR übrigbleibt. Entsprechend markiert auf der speziellen, zur Kodak DCS 420 gehörenden Suchermattscheibe.

Zu diesen Kameras gesellt sich jetzt noch eine Ende Juni 2019 erworbene DCS 420

Wie die DCS 410 löst die 420 1524 x 1012 Bildpunkte = 1,5 Megapixel auf. Der Sensor hat allerdings nur eine Größe von 13,8 x 9,2 mm. Siehe oben! Daraus resultiert ein Crop-Faktor von 2,6. Ein 20 mm Superweitwinkel verhält sich auf der DCS 420 wie ein 52 mm Normalobjektiv auf einer Vollformatkamera. Im Gegensatz zur DCS 410 mit ihren festen ISO 100 bietet die DCS 420 ISO 100, 200 und 400, und sie kann 2 B/s aufnehmen.

Übrigens: 13,8 x 9,2 mm misst der DCS 420 Sensor. Auf eine ähnliche Fläche kommt der Seneor einer spiegellosen Nikon DSLM 1 V1: 13,2 x 8,8 mm.

Warum auf die DCS 420 für 75 Euro Startgebot niemand höher bot, hat mich gewundert

Ja, die Kamera war ehrlicherweise mit „Achtung nicht getestet. – Ich kann nichts zum Zustand sagen weil keine Batterie verfügbar. – Eventuell für Bastler auf jeden Fall ein Sammlerstück für die Vitrine.“ deklariert. Wenn dann Phantasiepreise in Größenordnung 200, 300 Euro gefordert werden, bekomme ich Pickel ;-) Ser Startpreis von 75 Euro war absolut fair. Ich hätte aufgrund der Seltenheit der Kamera aber mit einem dreistelligen Preis gerechnet. Tatsächlich bekam ich für 82 Euro den Zuschlag.

Inbetriebnahme

Im ersten Anlauf wurde die vorhandene DCS 410 versuchsweise geladen, exakt der Akku, der auch in die DCS 420 passt. Um dabei festzustellen, dass der altersschwache Akku nach dem letzten Einsatz 2015 nicht genug Pflege erfahren hat und definitiv hinüber ist und sich nicht mehr laden lässt. Wobei es auch nicht sicher ist ob, eine Aufladung pro Quartal in den letzten Jahren den Akkublock am Leben erhalten hätte. Nach Abschrauben der Bodenplatte, war der alte Akku schnell vom Steckkontakt getrennt und entnommen.

Und was nun?

Unser Leser Ricardo Silva Höllger hat hier ausführlich beschrieben, wie der Kodak-Akkupack, der aus mehreren zusammengeschlossenen und -geklebten Einzel-Akkus besteht, zu demontieren und aus neuen Einzel-Akkus wieder aufgebaut werden kann.

Kodak Energieversorgung

Ich habe mich aber für eine mir simpler erscheinende Methode entschieden, die ausführlich im Abschnitt: "Akku-Austausch in der Kodak NC2000e (oder DCS410)" des Praxisberichts zur Kodak AP NC2000e beschrieben ist. Da mit der DCS 420 sicher nicht intensiv fotografiert wird, kann ich problemlos damit leben, dass zum Akkutausch die Bodenplatte entfernt werden muss, um die acht 1,2 Volt AAA-Akkus extern zu laden. Um das zu vermeiden, kann man noch zur ins Bild montierte Variante greifen, die erfolgreich bei der Kodak DCS 200ci zum Einsatz kam. Für die DCS 4xx-Serie müssten es aber acht 1,2 Volt Akkus der Größe AA sein und natürlich ein dazu passender Akku-Halter.

Wählerisch!

Super ist, dass sich die Kodak DCS 420 mit einer CompactFlash-Speicherkarte im PCMCIA-Adapter zufrieden gibt. Keine Selbstverständlichkeit. Einzige Einschränkung: Eine Karte mit 256 MB oder 128 MB Fassungsvermögen quittiert die DCS 420 gleich oder nach zwei, drei Fotos mit einer Error-Meldung. Die DCS 420 akzeptiert auch nicht jede 64 MB Karte. Auf eine 64 MB CF passen 38 1,5 MP DCS 420 TIFF-RAW-Dateien. Eine in der Kamera und zwei in der Tasche sind dann wirklich ausreichend für einen kleinen Fotoausflug mit der DCS 420.

Rodaten-Konvertierung, Bildbearbeitung

Der Dateityp *.tif täuscht darüber hinweg, dass die DCS 420-Fotos nicht als gewöhnliche, von jeder EBV, von jedem Bildbetrachtungs-/Katalog-Programm lesbare TIFF-Datei speichert. Tatsächlich handelt es sich um ein Rohdatenformat. Als am geeignetsten zur Entwicklung der Rohdaten schien Adobe RAW unter Photoshop zu sein, das beim Doppelklick auf die DCS 420 TIFF-Datei Photoshop und dann sofort Adobe RAW starten lässt. Der Original Kodak-TWAIN, gestartet unter Window 2000 und Photoshop 6 zeigte seine wahren Künste erst im zweiten Anlauf! Siehe unten! Kodaks Software Photodesk kann mit den DCS 420-TIFFs nichts anfangen. Das trifft auch auf Mac GraphicConverter, RawTherapee , GIMP (UF-RAW) XnConvert zu. Die regieren gar nicht oder mit Fehlermeldung. Adobe Lightroom 5.7.1 entwickelt die TIFFs, bringt aber keinen echten Vorteil gegenüber Adobe RAW.

Hot Mirror – Heisser Spiegel

Was mir aber unter Adobe RAW wie Lightroom sofort auffiel, das war der heftige Einsatz diverser Schieberegler, um das Foto je nach Licht passabel hinzubekommen. Eine Erklärung bei den ersten Versuchen mit komplett funktionierender DCS 420 könnte im Fehlen des so genannten Hot Mirror Filters liegen!

Beim "Hot Mirror" handelt es sich um einen Filter, der den Magentaschleier verhindert, mit dem Fotos aus frühen Kodak DCS-Kameras je nach Lichtmenge/-qualität überzogen sein kann, wenn der Filter nicht auf dem jeweiligen Objektiv sitzt.

Langer Rede kurzer Sinn, es musste ein Hot Mirror Filter her. 1997 hatte ich den mit 52 mm, 58 mm und 77 mm Durchmesser für die auf der 1,3 MP Kodak/Canon EOS 1n/DCS 3c eingesetzten Objektive. Aber wo sind die Filter abgeblieben? Immerhin fand sich der 77 mm Hot Mirror Filter wieder, der 1997 150 DM gekostet hat. Am Preis hat sich kaum etwas geändert, heute kosten die Filter 50 bis 75 Euro. Der fürs 4/20 mm Nikkor und 52 mm Filtergewinde benötigte Adpter 52/77 mm war schnell im Internet gefunden und wurde für vier Euro bestellt.

Der Filter an sich fällt beim flüchtigen Hinsehen genausowenig auf wie ein UV- oder Skylightfilter. Erts wenn man schräg, wie oben im Foto gezeigt, draufsieht, zeigt der Hot Mirror seine magentaähnliche Farbe.

Wermutstropfen vermeintlicher Sensorfehler

So wie oben sahen die ersten Versuche mit der Kodak DCS 420 aus :-(

Fehlersuche

Zur Fehlersuche musste in die Vergangenheit, 2015 geschaut werden. Die Kodak AP NC2000e produzierte Bild für Bild den schlimmen im linken Foto gezeigten Fehler, der auf einen Sensorfehler schließen ließ. Tatsächlich sind die Kodak DCS-Kameras empfindlich, was die Spannungsversorgung angeht! Der Unterschied vom linken und rechten Foto besteht in einem simplen Akku-Tausch. Nach Tausch des vermeintlich noch ausreichend Spannung liefernden Kodak-Akkublocks gegen einen besseren, vermutlich neueren Blocks war Ruhe!

Bei dieser Gelegenheit: In dieser grauenhaften Basketballhalle wurde der AP NC2000e alles abverlangt: ISO 1600, 1,4/50 mm AF Nikkro bei Offenblende. Zurück zur DCS 420.

Der letzete verbleibene Kodak-Akkubock war über die Jahre natürlich auch hinüber. Mein oben ausführlich beschriebenes Provisorium, bestehend aus acht 1,2 Volt AAA-Akkus funktionierte – ABER.

Beim Neuladen der Akkus fiel auf, dass von den acht Akkus einer offensichtlich zumindest fehlerhaft ist und im Vergleich zu den anderen sieben Akkus nicht, bzw. ewig lange zum Laden brauchte. Den einen Akku zum nächsten Fotorundgang gegen einen offensichtlich besseren ersetzt, war endlich Ruhe!

Um das Thema Energieversorgung abzuschließen: Der Original Kodak Akkublock besteht aus acht 1,2 Volt Akkus einer Größe die dem AA-Akkus nahekommt, aber nicht identisch ist. Die Gesamtkapazität beträgt 1,85 Ah. Das können die schlanken AAA-Akkus nicht leisten. Für den erneuten Rundgang müssen es sieben AAA-Zellen mit 800 mAh und eine mit 750 mAh tun. Da ich nicht vorhabe mit der Kodak DCS 420 intensiv zu fotografieren, muss das reichen. Sollte ich 2020 mal wieder Lust auf die Kodak AP NC2000e bekommen, spendiere ich viellicht Zellen mit 1100 mAh. Mehr ist aktuell bei AAA-Zellen nicht verfügbar… Es sei denn, man greift zur oben abgebildeten Energieversorgung, die bei der Kodak DCS 200ci zum Einatz kam. Erweitert um zwei weitere Akkus der Größe AA, die es mit Kapazitäten deutlich der 2500 mAh = 2,5 Ah gibt.

Die ersten Fotos mit funktionierender Energieversorgung!

Während das linke Foto in der Aufbereitung unproblematisch war, musste bei der rechten Aufnahme mächtig an den Adobe Raw Reglern geschoben werden, um das Foto einigermaßen hinzubekommen. Der Grund: Der möglicherweise fehlende Hot Mirror-Filter. Was sich beim nächsten Fotorundgang zeigen wird. Die linke Aufnahme wurde versuchsweise von Adobe RAW von 1,5 auf 2,8 Megapixel hochskaliert. Mit gutem Ergebnis, wie ich finde.

Das war zwei Mal richtig Arbeit: Beim Fotografieren mit der DCS 420 und noch mehr bei der Nachbearbeitung der Kodak-Fotos

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Dass ich es bei einigen Fotos bei einer SW-Version belassen habe, lag zunächst an der Unmöglichkeit die Fotos farblich ansehbar hinzubekommen. Hantiert - so muss man es schon beschreiben - wurde nicht besonders gut mit Adobe RAW, Lightroom und Photoshop. Selbst Weissabgleichsversuche mit Aufnahme eines vermuteten Grauwerts per Pipette in Lightroom brachten kein überzeugendes Farbergebnis. Immer einen Tick daneben, wie eine farblich miserabel gedruckte Postkarte.

Bild-"Reparatur" und Ehrenrettung der Kodak DCS 420!

Wie war das möglich? Welches "Wunderwerkzeug" kam da zum Einsatz?

Beachten Sie bitte besonders das grüne "Etwas" im Bildtableau und die daneben abgebildete "richtige" Version. Extremer könnte der Unterschied nicht sein! Links jeweils die Adobe Lightroom/RAW-Version, rechts der Kodak TWAIN.

Es half alles nichts, zurück in die Vergangenheit vors Jahr 2000 mit dem Original Kodak TWAIN, um die mit der DCS 420 aufgenommenen Fotos anständig zu dekodieren. Also Windows 2000 gestartet, Photoshop 6.0 und eben das Kodak-Import-Modul (TWAIN) aktiviert, und schon war es gut – siehe oben. Dass die DCS 420 bei bestimmten Motivstrukturen Probleme hat und mit bunten Störmustern (Moiré) reagiert, ist einfach dem Alter der Kamera geschuldet. Aber die Farbumsetzung: viel, viel, ja entscheident besser! Mit entsprechender Photoshop-Hilfe konnte der/die BildoperatorIn dann Mitte der 1990er Jahre das Maximum aus der Kodak holen.

Für die beiden Fotos aus dem U-Bahndurchgang wurde die Kodak DCS 420 von ISO 100 (alle Außenaufnahmen!) auf ISO 400 hochgedreht.

Etwaige Verzeichnungen gehen auf das Konto des 0,45x Weitwinkelvorsatz', der zeitweise auf das 20 mm Nikkor geschraubt wurde. Nochmal zur Erinnerung: Die DCS 420 hat einen Cropfaktor von 2,6. Das 20er wirkt also wie ein 52 mm Normalobjektiv. Mit dem 0,45x Vorsatz habe ich dann 23,4 mm Weitwinkelbrennweite.

Auf keinen Fall möchte ich den Gang mit der 25 Jahre alten Kodak DCS 420 missen. Das lehrt wirklich Demut, wenn man auf die heute mögliche technische Bildqualität schaut.

Ralf Jannke, Sommer 2019

 

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