Abenteuer Argus C-3 US Messssucherkamera

Ausgangspunkt für den "Einstieg" bei Argus war ein unscheinbares 35 mm Weitwinkel ... Deklariert als M42 Objektiv, stellte sich umgehend heraus, dass dessen Gewinde viel kleiner war als M42 und noch kleiner als Leica M39. Tatsächlich um 33 mm. Mit dessen langer Beschriftung — Enna-Werk München U.S. Zone Germany Argus Sandmar Wide-Angle 35mm F4.5 — war dann klar, für welche Kamera das 35er war. Für die amerikanische Messsucherkamera Argus! Das 35er wurde dann auf die Vollformat Nikon Z6 adaptiert und erfolgreich damit fotografiert. HIER der dazugehörige Erfahrungsbericht.

So auf Argus aufmerksam geworden, wurde wenige Tage später eine Argus C-3 angeboten, die ich für 37 Euro ersteigert habe. Was kam, war ein schweres Paket. Inhalt nicht eine, sondern gleich zwei Argus C-3 Kameras. Der Besitzer wollte sie wohl loswerden. Die eine komplett, die zweite nicht ganz vollständig, aber beide funktionierend!

Die Funktion war mit Hilfe der amerikanischen Bedienungsanleitung schnell herausgefunden, erlernt.

Bei diesem Ziegelstein-ähnlichen Ungetüm handelt es sich um eine in den USA produzierte, preiswerte Kleinbildfilm-Messsucherkamera. Von 1939 bis 1966 wurden 2,2 Millionen Exemplare gebaut. Durch ihr Aussehen hatte sie sofort den Spitznamen "Brick" — Ziegelstein weg. Die Japaner nannten die Argus "Lunchbox" — Butterbrotdose.

Spezifikation

  • Abmessungen/Gewicht 132 x 83 x 67 mm, 755g
  • Verschlusszeiten Bruchteile der Sekunde: 10, 20, 30, 50, 100, 200, 300
  • Optischer Aufbau des ARGUS COATED CINETAR f/3.5 50MM ist unbekannt. Vermutlich ein einfacher Vierlinser
  • Kleinste Blende f/16
  • Nahdistanz 3 Fuß = 91 cm

Die spannende Geschichte der Argus ist in englischer Sprache in Wikipedia nachzulesen.

Weitere Informationsquellen:

Geladen mit frischem Kodak 200 Farbnegativfilm wurde die Argus C-3 auf eine kurze Bootsfahrt durch die südschwedischen Schären zur Marinestadt Karlskrona mitgenommen. Die Belichtung wurde mit dem bewährten SEKONIC STUDIO DELUXE II gemessen. Entwickelt wurde mit dem unkomplizierten CineStill C41 2-Badverfahren.

Unterwegs mit MS Axel

In Karlskrona

Die Fotos auch im Facebook gezeigt, hatten schnell über 250 Klicks. Die "warme" Analoganmutung ist eben doch ganz anders, als die "kalte", technisch perfekte Wiedergabe aus Digitalkamera oder Smartphone. Und wenn man sich drauf einlässt, sieht man, was man mit dem ordinären 50 mm Normalobjektiv alles "anstellen" kann — wenn man muss und nur das zur Verfügung hat …

Digitalisierung

Der für Mittelformat Rollfilme bis 6x9 cm Negativgröße vorgesehene reflecta x66-Scan erwies sich für die Kleinbildnegative der Argus C-3 als vollkommen unbrauchbar. Miserable Farben, total unscharfe Negative. Grund? Nicht erkennbar …

Konnte das sein?

Ich hatte schon den Minolta Dimage Scan Dual II AF-2820U bereitgestellt, als mein Blick auf den bewährten JAY-tech Combo-Scanner PS970 fiel, der einst für 5 Euro vom Flohmarkt kam.

Der dann ein gutes Ergebnis lieferte. Den JAY-tech ließ ich gleich in der vermutlich nativen Auflösung von 5 Megapixel statt der interpolierten 10 MP digitalisieren. Scan-Ergebnisse siehe oben.

Reflecta und JAY-tech sind keine echten Scanner, sondern nur "Abfotografierer". Deren Charme: Vergleichsweise blitzschnelles Digitalisieren einer größeren Anzahl Filme. Das zeilenweise Abtasten mit einem echten Filmscanner wie dem oben genannten Minolta Dimage Scan Dual II AF-2820U dauert dagegen Ewigkeiten. Ja die Digitalisierungsqualität dürfte besser sein.

Für meine Bedürfnisse und die wiedergefundene Freude an analoger Fotografie reichen Refeflecta und JAY-tech aber vollkommen.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Da ist Motivauswahl-mäßig und technisch qualitativ sicher noch Luft nach oben!

Aber um nichts möchte ich diese Runde mit der Argus C-3 missen. Nur mit dem Normalobjektiv fotografieren? Unglaublich, wie das übt. O.K. bei Blende f/11-16 gab es nicht so viel zu fokussieren. Der Extra-Sucher mit dem Schnittbildentfernungsmesser funktioniert aber auf jeden Fall. Und dann nach jedem Foto: Doppelbelichtungssperre schieben und halten, Film transportieren, Sperre loslassen und bis zum deutlichen Widerstand fertig transportieren. Und dann nicht vergessen den Verschluss zu spannen! Sonst ist das gewünschte Motiv schnell weg ;-) Was den Filmtransport betrifft. Der hat nicht die Präzision moderner Analogkameras. An den unterschiedlich breiten Stegen zwischen den Einzelfotos zu erkennen. Aber keine Überschneidungen!

Und dann natürlich wie früher die Spannung nach dem Entwickeln und Wässern der Filme "Ist was drauf?"

Die Argus soll keine einmalige Angelegenheit bleiben! Wenn ich das 35 mm Enna Argus Weitwinkel mit entsprechender Wärmeeinwirkung aus dem M42-/Nikon Z-Helicoid lösen kann, werde ich auch mal auf die Argus C-3 montieren. Ein 35 mm Aufstecksucher ist vorhanden, die Montage- und Justieranleitung in der Bedienungsanleitung nachzulesen. Vielleicht ein kleines Projekt für die kurzen Herbstferien?

Ralf Jannke, August/September 2026

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben