KonicaMinolta Dynax 7D und ihre Probleme von Christian Zahn

Hier stelle ich die erste richtige digitale Spiegelreflexkamera von Minolta vor. Zwar hatte Minolta zuvor bereits zwei digitale Spiegelreflexkameras entwickelt, aber diese nutzten noch nicht das heutzutage übliche System aus Objektiv, Bajonett, Schlitzverschluss und einem Bildsensor in APS-C-Größe, sondern verwendeten jeweils zwei winzige Sensoren, die über komplexe Zwischenoptiken belichtet wurden. Es waren folgende Modelle:

Die Dynax 7D erschien nach der Fusion von Minolta und Konica im Jahr 2003, die versuchten, gemeinsam stärker zu sein und sich gegen die Konkurrenz zu wappnen, waren dabei aber erfolglos, so daß die Digitalkamerasparte 2006 an Sony veräußert wurde, die zunächst digitale Spiegelreflexkameras auf Minolta-Dynax-Basis weiterentwickelten und verkauften, bis sie mit ihren spiegellosen Systemkameras äußerst erfolgreich wurden und sogar die Platzhirsche Canon und Nikon in Schranken verwiesen.

KonicaMinolta baute 2005 noch eine aus der 7D abgeleitete „abgespeckte“ 5D für Aufsteiger (Link:https://www.digicammuseum.de/kameras/detailansicht/kamera/Kamera/show/dynax-5d-1/), die bereits in der Entwicklung befindliche Einsteigerkamera, die möglicherweise „3D“ genannt wurden wäre, landete bei Sony, die sie 2006 als Alpha 100 (Link:https://www.digicammuseum.de/kameras/detailansicht/kamera/Kamera/show/alpha-100/) auf den Markt brachten, wobei ihre Designsprache klar als ehemalige Minolta erkennbar ist. Auch klingen die alphas sehr deutlich nach Minolta, das Auslösegeräusch von 7D, a100, a200 usw. ist sehr ähnlich, weil sie auf nahezu baugleichen Komponenten beruhen.

Spezifikationen KonicaMinolta Dynax 7D:

  • Die Ende 2004 vorgestellte KonicaMinolta 7D ist 106 x 150 x 77 mm groß und wiegt mit Akku und Speicherkarte 850 Gramm.
  • Der APS-C große CCD-Sensor (23,5x15,7 mm) löst maximal 3008 x 2000 Pixel  = 6 Megapixel auf (6,3 Megapixel Rohdaten). Der Pixelpitch beträgt 7,8µm. Automatisch oder manuell sind 100 bis 3200 ASA einstellbar. Videos bzw. Live-View sind nicht möglich. Bilder werden als JPEG oder MRW (RAW) auf CompactFlash-Karten (max. 34 GB) gespeichert.
  • Das Objektiv-Bajonett ist das Minolta-AF-Bajonett (alpha-Bajonett)
  • Das Motiv wird über einen Spiegelreflexsucher angezeigt, zusätzlich ist ein 2,5“ TFT LCD Monitor mit 207.000 Subpixeln vorhanden, der auch die Menüsteuerung übernimmt.
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S), kontinuierlicher Autofokus (AF-C) oder manuelle Scharfstellung, Ermittlung durch Phasenkontrastsensor im Spiegelkasten, mittels teildurchlässigem Hauptspiegel und Hilfsspiegel abgegriffen. 9 Linien- bzw. Kreuzsensoren, alle AF-Felder im Sucher dauerhaft markiert, aktives Feld kurz rot aufleuchtend
  • Belichtungssteuerung durch Vollautomatik, Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik oder manuelle Nachführmessung, 14 Zonen-Matrixmessung, mittenbetont integrale oder an aktiven AF-Punkt gekoppelte Spotmessung. Belichtungszeiten 30s bis 1/4000 sek., Belichtungskorrektur +/-2 oder +/-3 Blenden, Selbstauslöser mit 2 oder 10 s Vorlaufzeit, Blitzbelichtungskorrektur +/-2 Blenden
  • ausklappbarer Blitz mit Leitzahl 12. Zusätzlich Minolta-Blitzschuh mit ADI-TTL-Zusatzkontakten
  • Weißabgleich automatisch oder manuell
  • Bildstabilisierung durch beweglich gelagerten Sensor
  • Energieversorgung durch Lithium-Akku

Besonderheiten

Die 7D basiert vom Menükonzept deutlich sichtbar auf der analogen Dynax 7 aus dem Jahr 2000. Die 7D wurde unterschiedlich bezeichnet, in den USA hieß sie Maxxum 7D, in Japan ????-7 Digital. Das machte Minolta seit der ersten Dynax, um Grauimporte zu verhindern.

Die Stromversorgung erfolgt durch einen Lithium-Akku NP-400. Er wurde bereits in einigen Minolta-Bridgekameras verwendet, beispielsweise der DiMAGE A1. Auch Pentax baute ihn in seine frühen digitalen Spiegelreflexkameras ein, z. B. die K10D und bezeichnete ihn als D-Li50.

Das „Benutzerinterface“ der 7D ist sehr gut, quasi analog. Für etliche Funktionen gibt es eigene Tasten, Hebel oder Räder. Manche davon sind gegen versehentliches Verstellen sogar verriegelt. Allerdings fehlt darum der Platz für ein Statusdisplay auf der Deckkappe, Parameter werden auf dem Farbdisplay hinten dargestellt. Auf Tastendruck simuliert es ein Statusdisplay.

Oben auf der Deckkappe sind angebracht: ein verriegeltes Belichtungskorrekturrad mit zwei möglichen Skalenwerten: +/- 2 Blenden in Drittelstufen sowie +/- 3 Blenden in Halbstufen, darunter das Drehrad für die Blitzbelichtungskorrektur +/- 2 Blenden. Vor dem Auslöser das Fingerrad, dessen Drehrichtung und Belegung geändert werden kann. Neben dem Sucherbuckel das verriegelte Moduswahlrad mit „P, A, S, M“, Vollautomatik und drei vom Benutzer programmierbaren Parametersätzen. Unter diesem Rad ein zweites für die Aufnahmebetriebsarten Einzelbild, Serienbild (3 Bilder pro Sekunde für 9 RAW oder ca. 25 JPEGs), Einzelbildbracketing, Serienbildbracketing und die beiden Selbstauslösermodi mit 2 und 10 Sekunden Vorlaufzeit, die gleichzeitig Spiegelvorauslösung sind. Rechts davon der Hebel für den Weißabgleich.

Hinten befinden sich neben dem Display fünf Tasten für Menu, Display, Bildvergrößerung, Löschen und Bildwiedergabe, darüber der Hauptschalter. Rechts vom Display das Steuerkreuz mit OK-Taste, darum herum der Wählhebel für freie AF-Feldwahl, AF-Feld-Verriegelung und automatische AF-Feldwahl. Darunter zwei Tasten für die Programmierung der drei Parametersätze und die Taste für die Empfindlichkeitsabwahl. Rechts davon der Schiebeschalter für den AntiShake. Oben rechts das ebenfalls umprogrammierbare Daumenrad, der Hebel für die Umschaltung zwischen Matrix-, mittenbetonter und Spotbelichtungsmessung sowie je eine Taste für AE-Lock und AF.

Zu guter letzt vorne um das Bajonett die Abblebddtase und ein Wählrad für die Umschaltung zwischen AF-C, AF-S, AF-A (dann wählt die Kamera selbst je nach Situation AF-C oder AF-S) und manuelle Fokussierung mit Fokusunterstützung durch die aufleuchtenden AF-Sensoren im Sucher.

Optional war ein Batteriegriff VC-7D mit Hochformatauslöser, zwei Drehrädern sowie einigen Tasten erhältlich, in ihn passen entweder zwei Akkus oder sechs Mignonzellen. Etliche Anwender beschwerten sich aber über das unterschiedliche Design von Kamera und Griff, die 7D ist in weiten Teilen aus Metall gefertigt, der Griff hingegen fast komplett aus Kunststoff. Auch unterscheidet sich die Tastenanordnung von Kamerarückseite und Griff, so daß beim Wechsel der Ausrichtung jedesmal „umgedacht“ werden muß.

KonicaMinolta war der Pionier für die Stabilisierung durch beweglich gelagerten Bildsensor, einige Dimage-Bridgekameras hatten das bereits. Die 7D war die allererste dSLR auf dem Weltmarkt mit einer im Gehäuse verbauten Stabilisierung, die Mitbewerber bauten diese in die Wechselobjektive ein. Alle Objektive kommen bei der 7D in den Genuss der Stabilisierung, bei den Kameras der Konkurrenten nur diejenigen, die einen Stabi eingebaut haben.

Im Sucher ist rechts eine mehrstufige Skala vorhanden, die den aktuellen Status der Kamerabewegungen zeigt. Erst bei Überschreiten der letzten Stufe erfolgt die Verwacklungswarnung durch ein Extrasymbol in dem unter dem Sucher angeordnetem Display, dieses blinkt auch bei abgeschalteter Stabilisierung.

Der Bereich, in den der Sensor bewegt werden kann, beträgt in X- und Y-Richtung jeweils ca. 10mm. Die Effektivität der Stabilisierung st abhängig von der Objektivbrennweite, je weitwinkliger das Objektiv ist, desto besser kann die Kamera die Verwacklungen korrigieren, je größer die Brennweite ist, desto eher gelangt der Sensor an eine maximalen Verstellwege. Damalige Anwender berichten, daß ungefähr zwei bis maximal drei Blendenstufen gegenüber der Umkehrregel möglich sind. Ein Beispiel: Objektivbrennweite 200mm, mit dem Cropfaktor 1,5 entspricht sie 300mm bei Kleinbild. Also sollte die Belichtungszeit ohne AS nicht länger als 1/300s sein, mit eingeschaltetem AS ist es durchaus möglich, auch bei 1/75s bis 1/40s brauchbare Aufnahmen zu bekommen. Dabei hilft es natürlich auch, daß die Sensorauflösung von nur 6 Megapixeln nicht so hohe Anforderungen an die Bildschärfe stellt wie heutige Kameras, die bis zu 60 MP haben.

Das Bajonett der 7D ist das Minolta-AF-Bajonett, das 1985 zusammen mit der ersten Serien-Autofokus-SLR des Weltmarktes eingeführt wurde (der Minolta 7000). Die Kamera hat den AF-Motor im Gehäuse eingebaut, die Kopplung erfolgt über die auch von Nikon und Pentax her bekannte „Schraubenzieherklinge“, die in einen drehbaren Schlitz im Objektiv eingreift. Objektive mit eingebauten AF-Motor werden ebenfalls unterstützt, genauso wie „Powerzoom“-Objektive mit elektrischer Brennweitenverstellung.

Minolta hatte das Bajonett als „A“-Bajonett bzw. alpha-Bajonett bezeichnet, darum übernahm Sony diesen griechischen Buchstaben als Kennzeichnung ihrer dSLRs.

Die Belichtungsmessung erfolgt mit einer 14-Zonen-Matrixmessung, die Fokussierung durch einen oder mehrere von 9 AF-Sensoren, die allerdings nur einen kleinen Teil des Bildes abdecken. Nur der mittlere AF-Punkt ist ein Kreuzsensor, die andern 8 sind Liniensensoren, wobei die diagonal an den vier Ecken angebrachten Sensoren unter 45° angeordnet sind und somit sowohl horizontale als auch vertikale Strukturen gleichgut scharfstellen können.

Die Anwahl der 9 Sensoren erfolgt bequem mit dem Steuerkreuz, die zentrale Taste wählt das mittlere Feld an und die 8 Richtungen die 8 Sensoren außen. Bis man die diagonalen Sensoren „trifft“, bedarf es etwas Übung, aber wenn die Stellen „erlernt“ sind, an denen das Kreuz diagonal gedrückt ist, dann gelingt die Sensoranwahl „blind“ ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen. Gegen ungewollte Verstellungen läßt sich die AF-Feld-Auswahl auch abschalten oder ein Modus aktivieren, in der die Kamera das aktive Feld selbst auswählt. Wie allgemein üblich stellt sie dann auf die nächstgelegenen Motivdetails scharf.

Im Sucher befindet sich unterhalb der eigentlichen Mattscheibe eine grün hinterleuchtete LCD-Anzeige. Dort finden sich Angaben zu Blitz, Belichtungszeit, ASA-Wert, Blende, Lichtwaage, etliche Bildparameter, Fokuskontrolle uvm. Die Mattscheibe ist sehr hell. Der Sucher hat eine Bildfeldabdeckung von ca. 95%, das Okular besitzt eine Dioptrienkorrektur. Das Pentaprisma ist aus Glas, keine billige und düstere Pentaspiegelkonstruktion.

Die Speicherung erfolgt auf CompactFlash-Karten Typ I und II. Der CF-Schacht ist „umgedreht“, die Karten werden mit der unbeschrifteten Rückseite zum Fotografen hin zeigend eingeschoben.

Das Raw-Format MRW (vermutlich als Abkürzung für „MinoltaRawFormat“) wird immer komprimiert gespeichert. Auf Wunsch werden parallel zu den ARWs auch zusätzlich JPEGs gesichert. Wenn das nicht erfolgt, erzeugt die Kamera eine „THM“-Datei, ein kleines „Thumbnail“, eine daumennagelgroße winzige JPG-Datei mit 160x120 Pixeln. Wird das MRW auf dem Kameradisplay angezeigt, so stellt die 7D dieses kleine JPG dar, in das nicht gezoomt werden kann. Das liegt daran, daß der Bildprozessor nicht nachträglich mit dem RAW-Bild „gefüttert“ werden kann, um es dann auf dem Monitor anzuzeigen. Bei vielen dSLRs anderer Hersteller geht das auch nicht, diese betten in das RAW dann fast immer ein für den Nutzer nicht sichtbares JPEG-Vorschaubild ein, das die Kamera statt des eigentlichen RAWs bei der Bildwiedergabe anzeigt.

Die Sensor-Grundempfindlichkeit beträgt 100 ASA. Der Sensor dürfte dem in der Nikon D100 / D70 / D50 bzw. Pentax *ist D eingebautem CCD sehr ähnlich sein und von Sony stammen.

Der Gehäuseblitz ist fest eingebaut, er klappt rein handbetätigt recht weit nach oben aus heraus und muß auch manuell wieder eingeklappt werden. Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt TTL mittels Vorblitzen. Der Blitzschuh ist der 1988 mit der Dynax 7000i eingeführte iISO-Schuh, quasi ein „umgedrehter“ Normschuh. Er sollte damals als stabilere und automatisch rastende Verbindung zwischen Kamera und Blitz dienen, er verhinderte für einige Jahre die Benutzung von Fremdblitzen an Minolta-Gehäusen. In der 7D ist er um die digitale Vorblitztechnik „ADI“ = Advanced Distance Integration“ erweitert.

Blitzgeräte, die von KonicaMinolta für ihre digitalen Kameras entwickelt wurden, können verwendet werden und wurden von Sony noch eine Weile unter anderer Bezeichnung weitergebaut. Blitzgeräte für aktuelle Sony-Systemkameras können benutzt werden, benötigen allerdings einen nur noch gebraucht erhältlichen Adapter.

Der eingebaute Blitz kann auch als „Sender“ für TTL-gesteuerte entfesselte Blitze dienen, dazu werden digital codierte Blitzsalven ausgesendet, die die frei im Raum verteilten Blitze auswerten und sich so von der Kamera in der Intensität steuern lassen.

Ein Anschluß für einen elektrischen Fernauslöser ist vorhanden, er ist kompatibel zu den Auslösern von Minolta. Die Abdeckung ist eine kleine Schiebeklappe.

Das Display kann weder gedreht noch geschwenkt werden. Das eigentliche Display ist durch eine Kratzschutzscheibe MPF-1000 vor mechanischer Beschädigung geschützt. Ähnlich wie Nikon seit der D100 und bis ca. zur D300 ist die Schutzscheibe aufgeklipst und kann leicht gewechselt werden. Im Gegensatz zu den Nikonscheiben gibt es heutzutage keinen Ersatz, auch nicht von Fremdanbietern.

Alle Schnittstellen sind hinter unverlierbaren Abdeckungen verborgen, es sind allerdings Spezialkabel für den Fernauslöser und den kombinierten USB-/Video-Anschluß erforderlich. Netzteil und Studioblitze können mit handelsüblichen Kabeln verbunden werden. USB und Fernauslöser sind mit einem Schieber verdeckt, Netzteil und Blitze hinter einer Gummiklappe angebracht. Die USB-Buchse sitzt hinter der Klappe für das Kartenfach, darum ist dieser Schieber auch in der Klappe angebracht und nicht im Gehäuse direkt.

Die ARWs-Dateien enthalten etwas mehr Pixel, als die meisten Konverter ausgeben, um Reservepixel des Randbereichs zur Korrektur der Objektiv-Verzeichnung nutzen zu können. Freie Konverter geben bis zu 3016 x 2008 Pixel aus.

Die Kamera schreibt viele interessante Details in den MakerNotes-Teil der EXIFs:

den Weißabgleich, die Belichtungskorrektur, viele Bildparameter, das aktive AF-Feld, die Selbstauslöser-Vorlaufzeit, die Anzahl noch möglicher Aufnahmen auf der Speicherkarte, uvm. Die Zahl der Auslösungen steht nicht in den EXIFs, sie konnte nur vom Service aus der Kamera gelesen werden. Zwar wird ein Feld geschrieben, daß „Bildnummer“ heißt, aber das ist nur die Zahl im Dateinamen, nicht die Zahl der Auslösungen.

Die EXIFs sind etwas „zickig“, manches heutige Auslesetool kann sie nicht oder nicht korrekt anzeigen, beispielsweise kann nicht jede Version des GraphicConverter mit den EXIF-Daten gleich gut umgehen, so daß die Hochformat-Bilddrehung nicht bei jedem Bild funktioniert, obwohl die Kamera die Orientierung in jedem Foto hinterlegt.

Daten zur Korrektur der Objektivfehler wie Vignettierung, chromatischen Aberrationen oder der Verzeichnung sind nicht in den EXIFs der RAWs enthalten, alle RAW-Konverter auf dem Computer haben dazu ihre eigene Datenbank.

Beim Marktstart gab es keine Minolta-AF-Objektive, die nur für den Bildkreis des APS-C-Sensor gerechnet waren. Aufgrund des Cropfaktors 1,5 mutieren Zooms der 28-xxx-Klasse zu „zahmen“ Zooms, die mit umgerechnet 42mm Brennweite beginnen. Um auf den Bildwinkel eines 28mm-Kleinbildobjektivs zu kommen, mußte das 2,8-4/17-35mm Zoom gekauft werden. Dieses ist übrigens kein Minolta-eigenes Objektiv, sondern wurde von Tamron entwickelt und hergestellt (auch mit Anschlüssen für Canon, Nikon und Pentax). Lediglich die elektronischen Komponenten, die mit der Kamera kommunizieren, sind bei der Minoltaversion von Minolta selbst beigestellt worden.

Der UVP der Dynax 7D betrug 1599 Euro. Der aktuelle Gebrauchtpreis ist schwer ermittelbar, die Zahl der verkauften Kameras ist zu gering, um eine Einschätzung abgeben zu können.

Ich bekam mein Exemplar voll funktionsfähig vom Editor dieser Zeilen geschenkt, vielen Dank dafür! Im Laufe der Fotoausflüge für die Bebilderung dieses Berichts fiel zunächst der Blendenantrieb und dann die Stabilisierung aus, somit ist meine 7D nun ein reines Ausstellungsstück geworden.

​​​​​​​Technische Probleme der 7D

Anfangs fielen nach relativ kurzer Zeit viele Dynax 5D/7D-Exemplare aus, sie zeigen „Error 58“ im Display. Erst nach Verkauf der Kamerasparte an Sony tauchte der Grund im Internet auf: Ein Bauteil wurde bei der Konstruktion zu schwach ausgelegt. Die Reparatur während der Garantiezeit war zu KonicaMinolta-Zeiten kostenlos, danach kostete sie ca. 150 bis 200 Euro.

Spiegel- und Verschlußantrieb sind eng miteinander verbunden, ausgetauscht werden mußte die Verschlußbaugruppe und die „AF Charge Baseplate“. Ob die zu schwache Auslegung bei der Entwicklung der 7D aus den analogen Dynax-Kameras passierte oder ob schlicht deren Spiegelkasten- und Verschlußantriebsmechanik mehr oder minder unverändert übernommen und nur an den kleineren Spiegel angepaßt wurde, läßt sich heutzutage nicht mehr ermitteln. Laut damaligen Umfragen in Userforen fiel möglicherweise jede vierte 5D/7D aus und mußte repariert werden.

Photoscala schrieb November 2011: Hohe Ausfallquote? Digitale Dynax-Kameras und der „Error 58“

Der zweite Serienfehler aller Minolta-Dynaxkameras (analog und digital) ist der Blendenantrieb. Während Nikon und Pentax auf eine „schlagende“ Antriebsart setzten, wobei der kameraseitige Blendenantriebshebel linear bewegt wird, wollte Minolta einen möglichst großen Hebelweg, um die Objektivblende präzise steuern zu können. Aus Platzgründen bleibt dann nur eine drehende Bewegung des Hebels im Kameragehäuse. Der Hebel ist an einem drehbar gelagertem Ring angebracht, dieser ist durch 4 Gleitführungen gelagert. Der Antrieb erfolgt durch Verzahnung des Ringes und ein Antriebsritzel. Dieses wird durch einen Motor und ein mehrstufiges Getriebe in Drehung versetzt. Der Schwachpunkt der Mechanik ist das Motorritzel, das ein auf die runde Motorwelle aufgepreßtes Kunststoffteil ist. Im Lauf der Jahrzehnte altert der Kunststoff und versprödet, das Ritzel bricht dann, deshalb hält es nicht mehr fest auf der Welle. Die Folge: Der Motor dreht frei, der Blendenring kann nicht mehr von der Kamera bewegt werden, es ertönt nur noch ein surrendes Geräusch aus dem Kamerainnerem, dann stellt die 7D den Betrieb ohne Fehlermeldung ein.

Je mehr Bandenlamellen das Objektiv hat und je größer diese sind, desto höher ist die Gefahr der Überlastung des Ritzels. Am besten ist es, heutzutage fast nur noch mit Offenblende zu fotografieren!

Der Blendenring kann im Defektfall per Hand ohne nennenswerten Widerstand gedreht werden, er muß bis zum Anschlag gegen den Uhrzeigersinn in Grundstellung gebracht werden. Wird die Kamera nun auf „A“, also Blendenautomatik gestellt und die Objektivoffenblende gewählt, kann weiter fotografiert werden. Prinzipbedingt dann nur mit Objektivoffenblende. Es ist möglich, den objektivseitigen Blendenhebel durch Einkleben eines Stücks Moosgummi o. Ä. ein wenig zu schließen, wobei ausprobiert werden muß, ab welchem Blendenwert das modifizierte Objektiv den Kamerahebel so weit bewegt, daß die 7D ihn nach dem Objektivansetzen in Grundstellung bringen möchte, was ja nicht mehr geht und den Betrieb einstellt. Beim gezeigtem 2,8/50 Makro war es etwa Blende 4, die ich erreichen konnte.

Der Austausch des defekten Ritzels ist komplex, denn es sitzt tief im Inneren der Kamera, dazu muß die Kameraabdeckung abgebaut werden und noch viel mehr. Der Ausschnitt aus dem Servicemanual zeigt die analoge Dynax 7, bei der digitalen 7D ist der Blendenantrieb quasi gespiegelt, denn Verzahnung und Getriebe befinden sich nicht wie bei der 7 auf der linken, sondern der rechten Seite des Bajonetts. Bei späteren Sony-Modellen wurde die Position des Getriebes nochmals geändert, bei der alpha 65V und der Alpha 580 beispielsweise nach links unten.

Die Uhrzeit wird beim Akkuwechsel mit einer internen Batterie oder einem kleinem Akku gepuffert. Ist diese leer bzw. der Akku defekt, muß nach dem Akkuwechseln Datum und Uhrzeit neu eingestellt werden. Das Bauteil ist nicht für den Benutzer zugänglich, eine Teildemontage der Kamera ist notwendig, um es auszutauschen.

Ein weiterer Schwachpunkt ist das System der Aufhängung des Sensors. Bei jedem Einschalten bewegt die Kamera den Sensor bis in alle vier Extrempositionen links, rechts, oben und unten. Schafft sie es nicht, eine der vier Positionen zu erreichen, versucht sie es erneut, indem sie den Sensor in die Gegenrichtung bewegt und dann nochmals zum gewünschtem Punkt. Das wiederholt sie dann ca. 2-3 Sekunden lang, dabei vibriert sie deutlich und macht laute Geräusche. Anschließend blinken die Anzeigen für die Kamerabewegung rechts vom Sucherbild und die Restbildanzeige unterhalb des Suchers steht auf „0“, es können keine Bilder aufgenommen werden. Schaltet man nun die Stabilisierung ab, so hört das Blinken der Anzrigebalken auf, aber es können immer noch keine Fotos aufgenommen werden, die Kamera ist „Edelschrott“ geworden. Dieses Problem trat bereits in den Jahren 2004 bis 2006 so oft auf, daß die notwendigen Ersatzteile damals aufgebraucht wurden. Seitdem ist eine Reparatur nicht mehr möglich.

Es kann helfen, die Kamera mehrere Stunden ausgeschaltet zu lassen, bei manchem Anwender reichte es, die Kamera im Hochformat einzuschalten. Allerdings wiederholt die Kamera die oben genannte Prozedur nach jedem Aufwachen aus dem Standby, so daß es erforderlich ist, das Standby komplett abzustellen, um nicht unterwegs in die „AS-Fault“ = „AntiShake-Defekt“-Falle zu geraten.

Bei der Verwendung großer Speicherkarten ist Vorsicht angeraten, nach meinen Erfahrungen funktionieren 16GB problemlos, 32GB sind problematisch. Zeigt die Kamera bei der Rückschau das letzte Bild an, jedoch bei den davorliegenden lediglich „Datei kann nicht angezeigt werden“, so wurden diese Bilder nicht gespeichert. Das kann bei einer ausgiebigen Fototour „mittendrin“ passieren, von etwa 1000 Bildern waren bei mir ca. 700 lesbar, die restlichen unrettbar defekt, weil zwar im Dateisystem angelegt, aber ohne Bildinhalt.

Ein weiteres Warnzeichen ist die Tatsache, daß man zwar Hunderte von Bildern macht, aber die Restbildanzeige sich kaum verändert. Das liegt daran, daß die Speicherkarte kaum gefüllt wird, weil die defekten Bilddateien fast keinen Platz beanspruchen.

​​​​​​​Beispielaufnahmen

Alle Aufnahmen entstanden bei 100 ASA, gespeichert als MRW, gewandelt mit AdobeCameraRAW, bearbeitet mit mit Photoshop CS4. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde bearbeitet.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der Dynax 7D ist eine Kombination aus Metall und Kunststoff und teilweise mit gummiartiger Belederung überzogen. Sie macht einen professionellen Eindruck, dazu tragen auch die vielen Hebel und satt rastenden Räder bei.

  • Die Handhabung sowie die Menüstruktur erscheint KonicaMinolta-Fotografen sofort vertraut, für Neu-Einsteiger ist alles etwas ungewöhnlich.

Die Kamera gehört zur Klasse der digitalen Aufsteiger-Spiegelreflexkameras mit APS-C-Sensor. KonicaMonolta wollte die Kamera aus Profiwerkzeug verstanden haben, als Nachfolgerin der in dieser Klasse angesiedelten analogen Dynax 7. Der Preis war für die damalige Profiliga der Konkurrenz eine deutliche Ansage, die Nikon D100 kostete anfangs 400 Euro mehr, die EOS 20D war preisgleich, hatte zwar ca. 2 Megapixel mehr, aber keinen eingebauten Stabilisator.

Der Sensor schlägt sich bei 100 bis etwa 800 ASA recht gut, helle Bildpartien neigen nur wenig zum „Ausbrennen“; auch Farben und Schärfe sind gut. Oberhalb von 1600 ASA ist die Dynax 7D meiner Meinung nach nur möglichst selten zu benutzen. Der Bildstabilisator ist für den Herstellzeitpunkt recht effizient, und da er im Body eingebaut ist, können alle alten Objektive damit genutzt werden.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch sehr interessante Kamera (weil erste richtige Minolta-dSLR), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen eher nicht mehr geeignet. 6 Megapixel reichen zwar für manche Anwendungen noch aus, aber die Kamera ist heutzutage nur noch etwas für seltene Einsätze, da sie jederzeit teilweise oder komplett den Betrieb einstellen kann, weil sie sehr störungsanfällig ist.

Der Gebrauchtkauf sollte immer mit der Möglichkeit des baldigen Totalschadens im Hinterkopf erfolgen, so daß aus einer heute noch funktionsfähigen Kamera schon morgen ein reines Vitrinen-Exemplar werden kann. Das gezeigte Exemplar hat nur ca. 7000 Auslösungen hinter sich. Jede heutige Auslösung und selbst jedes Einschalten kann die Dynax 7D unbrauchbar machen!

Christian Zahn, Juni 2026

Nachtrag von Ralf Jannke

Neben der KonicaMinolta Dynax 7D sollen auch die Dynax 5D und frühe Sony Alphas die noch auf Minolta basieren von den gleichen Problemen betroffen sein

Was das betrifft, habe ich bis jetzt Glück!

Zum Jahreswechsel 2025/2026 arbeitete die KonicaMinolta Dynax 5D einwandfrei!

Noch im Mai (2026) absolvierte die jetzt defekte KonicaMinolta Dynax 7D ein erfolgreiches Checkup!

Als ich Ende Mai – also fast gestern ;-) – auf meinem Stammflohmarkt eine Dynax 7D für 25 Euro fand, habe ich sie sofort mitgenommen. Um sie unverzüglich erfolgreich durchzutesten.

Durch Christians Bericht aufmerksam geworden, habe ich dann doch mal in eBay nach Preisen geschaut. Die Anzahl Dynax 7D-Angebote reicht sicher nicht für eine Statistik und doch: Für 150 bis 300(!) Euro wird die Dynax 7D angeboten und für 100 bis 200 Euro tatsächlich auch verkauft/gekauft …

Der Flohmarkt Dynax 7D Nr. Zwei habe ich aber überweigend nur "Altglas" adaptiert.  Unter anderem ein KONICA HEXAR AR 28mm F3.5 und diese MINOLTA-Objektive mit dem alten MD-Bajonett adaptiert:

  • AUTO W.ROKKOR - HG 1:2.8 f=35mm
  • MINOLTA ROKKOR-TC 1:4 f=135 mm
  • MINOLTA ZOOM ROKKOR 1:5.6 100-200mm

Wobei die alten Objektive den Vorteil haben, dass vom Dynax 7D Gehäuse keine Blende gesteuert werden muss. Es wird mit Arbeitsblende fotografiert, die am Objektiv eingestellt wird.

Was einen ausgefallene Sensorstabilisierung betrifft, konnte man das auch professioneller regeln.

Meine preiswert mit vom Verkäufer nicht verschwiegenen Stabilisierungsdefekt erworbene Sony Alpha 58 zeigt auf dem Monitor durch hektisches Blinken der Verwacklungswarnung, das etwas nicht stimmt, die Stabilisierung ausgefallen ist. Die A58 fotografiert aber unverdrossen einfach weiter … Auch bei meiner Oly PEN E-P1 ist die Stabilisierung hinüber. Trotzdem läuft und läuft die PEN E-P1.

In den Sommerferien werde ich die ausgelagerte KonicaMinolta Dynax 5D unverzüglich erneut kurz testen. Wobei bei deren Ausfall eine funktionierende Sony ⍺ (SLT) 33 bereit liegt …

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben