In diesem Sommer (2026) endlich sattelfester im Entwickeln von SW- und Farbfilmen und der anschließenden Digitalisierung geworden, wird jetzt immer mal wieder eine schöne Analogkamera mit Film geladen und damit fotografiert. Von 13x17 mm Pocket über 16,7x30,2 mm APS und weiter 24x36 mm Kleinbild inklusive 28x28 mm Instamatic, 4x4 cm 127er Rollfilm bis 6x6/6x9 cm auf 120er Rollfilm war alles dabei.
Was Pocketfilm angeht, wird da noch ein gefundener Film belichtet und digitalisiert. Es gäbe problemlos Nachschub, aber dieses Format für „Trash“ und „Kunscht“ tue ich mir nicht mehr an. Das trifft auch für APS zu, wobei dieses Format definitiv „tot“ ist. Es gibt nur noch völlig überteuerte, abgelaufene und überlagerte Filme und keine Möglichkeit alte APS-Filmkassetten mit frischem Film zu füllen.
Kleinbild lebt!
Und bietet die Möglichkeit neben den angestammten Kameras vermutlich in Millionenzahl weltweit auch die Möglichkeit putzigen Kodak Instamatic Kassetten mit frischem Film zu befüllen. Wahrscheinlich ließe sich auch beim 4x4 cm Rollfilm etwas mit Kleinbildfilm improvisieren.
Und 6x6/6x9 cm Mittelformat? LEBT!
Nur noch mal schnell meine aktuellen Mittelformat-Favoriten:
Jetzt zum Haupt-Thema der großartigen Minolta V2
Es ist 8 Jahre her, da wurde diese Kleinbild Weltrekord-Sucherkamera nur im Zuge der Geschichte: „2018: 90 Jahre Minolta“ gewürdigt. Immerhin mit dem eigenen Kapitel:
1958: Minolta V2 mit Weltrekord
Bei der Minolta V2 handelt es sich um eine hochwertige Messsucherkamera. Im Gegensatz zu Modellen, die mit fest eingebauten Objektiven einen Zentralverschluss mit maximal 1/500 s Verschlusszeit haben, schafft der V2-Zentralverschluss 1/2000 s! Der Nachfolger V3 schraubt den Weltrekord noch etwas höher! 1960 erreicht die V3 1/3000 s!
Die 1/2000 s der V2 wird allerdings mit der Einschränkung der nutzbaren Lichtstärke erkauft. Mit den damaligen Materialien war es nicht möglich, die beweglichen Teile des Verschluss’ so zu beschleunigen, dass sie bis zur Lichtstärke des fest eingebauten 2/45 mm Rokkors innerhalb der 1/2000 s komplett geöffnet und wieder geschlossen werden können. Der Verschluss öffnet bei 1/1000 und 1/2000 s nicht vollständig, was für 1/2000 eine maximale Blendenöffnung f/8 bedeutet und bei 1/1000 s f/4, was am Objektiv entsprechend farblich markiert ist.
Um mir selbst ein Bild zu machen, wie weit der Minolta V2-Verschluss bei 1/500, 1/1000 und 1/2000 s öffnet, wurde der Verschlussablauf mit einer Casio Exilim Digitalkamera gefilmt – ich weiß nicht mehr welches Modell –, die über eine High-Speed-Movie-Funktion von bis zu 1000 B/s verfügt. Es war richtig "Arbeit" in den Videos Einzelbild für Einzelbild zu durchsuchen, um den maximal geöffneten V2-Verschluss zu erwischen. Aber er hat funktioniert. Die Videos wurden dann per Adobe Premiere Elements in drei Spuren übereinandergelegt, um die Unterschiede zu zeigen. Davon ein Screenshot, fertig war das Ganze. Und wirklich: Nur bei 1/500 s öffnet der V2-Verschluss vollständig. Vernachlässigt man bei 1/1000 s und 1/2000 s die Sternspitzen über der runden Öffnung, entspricht das eben Blende 4 bzw. 8.
Dann wollte ich noch wissen, ob dieser Spezial-Zentralverschluss nach so vielen Jahren noch die schnellen Zeiten 1/500 s, 1/1000 s und 1/2000 s bildet. Tur er! Natürlich kann ich nicht messen wie schnell der Verschluss tatsächlich ist, wie genau die Zeiten eingehalten werden. Am Rotor eines kleinen Ventilators ist aber deutlich zu erkennen, wie die zunehmend schnelleren Verschlusszeiten die Rotorblätter immer sichtbarer machen. Zum kompletten Einfrieren reichte die 1/2000 s allerdings noch nicht aus…
Diese Ventilatorfotos und der Verschlussöffnungs-/Blendentest wurden übrigens mit meinem ersten Exemplar einer V2 gemacht. Die ziemlich ramponiert war/ist und mittlerweile in Christian Zahns Sammlung ist, der sie überholen möchte. Er hat die Fähigkeiten und die benötigten Werkzeuge!
Im Erscheinungsjahr wurde die Minolta V2 in den USA zu 99,95 Dollar angeboten. Nach Umrechnung des damaligen Dollar-/DM-Kurses und der dazugehörigen Kaufkraft wären das heute rund 711 Euro, ein stolzer Preis! 1960 war sie vermutlich durch das Nachfolgemodells V3 zu 72 Dollar zu haben.
Obwohl Minolta bis in die 1990er Jahre zahlreiche Sucherkameras baute, war die Fertigung der V2/V3 vermutlich besonders aufwändig. Möglicherweise brauchte Minolta in der beginnenden Ära der hochwertigen Spiegelreflexkamera mit ihren Ausbaumöglichkeiten Kapazitäten zur Fertigung der 1958 vorgestellten SR-2.
Qualitäts-und sonstiger Eindruck
Das war jetzt erstmal ein reiner Funktionstest — ohne die Rekordverschlusszeit. Eine 1/2000 s ist ja heute nichts Besonderes mehr. Was noch fehlt, wäre ein kleiner Blitztest mit dieser durch den Zentralverschluss möglichen Synchronzeit von 1/2000 s. Zum Thema Blitzen mit Verschlusszeiten jenseits der 1/125 1/250 s, die jahrelang Standard in der Spiegelreflexkamera waren, haben wir mehrere Beiträge verfasst:
- Nikon D70, D1: Die vergessenen Blitz-Wunderkameras
- Nikon D50 Highspeed Blitzen jenseits der 1/500 s Synchronzeit
- Nikon D50 und D70s Ultra-Kurzzeitblitzen mit Metz 40 MZ-2 von Christian Zahn
Einen Vorteil hat der Zentralverschluss der V2. Er ist fast flüsterleise! O.K. an den fast unhörbaren Tuchverschluss einer Leica kommt er nicht dran, ist aber wirklich dezent! Durchaus Kirchen-, Theater-, Opern-tauglich. In die Oper – in die ich sowieso nicht gehe ;-) – werde ich die V2 sicher nicht nehmen. Aber ein zwei Color-/SW-Negativfilme möchte ich mit der V2 schon noch belichten!
Zum Thema schneller Zentralverschluss gibt es übrigens noch einen Kandidaten, die ostdeutsche Werra. Auch die muss natürlich noch mit Film geladen werden, um dann zu probieren, wie sich 1/750 s mit Blitz "anfühlen". Demnächst in diesem Kino ;-)
Ralf Jannke, September 2026
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| Autor: | Ralf Jannke |
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| Erstellt: | 20.09.2026 |











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