Diese Kamera stellte ich 2020 mit allen technischen Daten vor. Also war es nach 5 Jahren wieder einmal an der Zeit, sie kurz in Betrieb zu nehmen.
Besonderheiten
Die Stromversorgung kann neben dem Lithium-Akku DB60 auch mit zwei überall erhältlichen Mikrozellen erfolgen. Diese halten allerdings nur wenige Aufnahmen, bis sie ersetzt werden müssen. Der Akku ist nicht Ricoh-spezifisch, er wurde von Panasonic als CGA-S005E und DMW-BCC12 sowie von Fuji als NP-70 bezeichnet und unter anderem in der Lumix FX07, Lumix LX3, Caplio R4, usw. eingesetzt.
Der Sensor mit 1/1,75“ ist etwas größer als der üblicherweise in Kompaktkameras verbaute. Die Speicherung der Bilder erfolgt auf SD-/SDHC-Karten bis 32 GB. Das Bildformat für JPEGs kann eingestellt werden, 3:2, 4:3 und 1:1 ist möglich.
Das Objektiv ist für den Zeitpunkt der Kameravorstellung sehr weitwinklig (24mm KB-äquivalent), reicht aber nur in den kurzen Telebereich von 72mm. Leider ist das Objektiv der GX100 eigentlich nur in der Weitwinkelstellung nutzbar, je mehr es in den Telebereich gezoomt wird, desto weicher und schwammiger wird das Bild. Vielleicht hätte Ricoh besser eine Festbrennweite eingebaut als die Zoomoptik, die in der Weitwinkelstellung auch noch stark tonnenförmig verzeichnet.
Das RAW-Format ist Adobe DNG. Diese werden immer parallel mit einem JPEG aufgenommen, was allerdings sehr lange dauert, da die Kamera keinen allzugroßen Pufferspeicher hat. Im RAW-Modus ist konsequenterweise die Serienbildfunktion nicht anwählbar. Action- oder Sportfotografie ist unmöglich, die GX100 ist eine Kamera für Wanderungen. Auch die Einschaltzeit ist recht lang, zwar wird das Objektiv recht flott ausgefahren und der Monitor angeschaltet, aber die erste Aufnahme ist erst nach einer mehrsekündigen Denkpause der Kamera möglich.
Der Autofokus arbeitet hybrid: neben der klassentypischen Kontrastermittlung durch den Bildsensor gibt es die von den filmbasierten Kompaktkameras her bekannte aktive Infrarottechnik: Eine IR-Diode sendet einen Strahl auf das Motiv, die Laufzeit bis zum Eintreffen des reflektierten Licht in der daneben angeordneten IR-Empfangsdiode wird gemessen, daraus kann die Motiventfernung errechnet werden.
Es gibt einen elektronischen Aufstecksucher mit Dioptrienausgleich und automatischer Verriegelung beim Aufsetzen in den Blitzschuh. Für niedrige Aufnahmestandorte kann er bis zu 90° nach oben geklappt werden. Er ist kein normaler LCD-Sucher, sondern benutzt ein reflektives CMOS-Element mit ferroelektrischer LC-Anzeige. Die Umschaltung zwischen Display und LCD erfolgt mangels Annäherungssensor manuell durch eine Taste an der Kamera.
Am Gehäuse gibt es zwei Ösen für die Gurtbefestigung, eine für die Trageschlaufe, eine für die Objektivdeckelbefestigung. Von Drittanbietern gab es Kameratragegurte für beide Ösen, so daß die GX100 wie eine Spiegelreflex- oder Systemkamera getragen werden konnte.
Die UVP betrug ca. 550 Euro ohne Aufstecksucher, das Kit mit VF-1 kostete etwa 100 Euro mehr. Heutzutage muß man je nach Zustand und Lieferumfang ca. 75 bis 200 Euro für eine gebrauchte Kamera bezahlen, das obere Ende der Preisspanne wird meist nur erreicht, wenn der Aufstecksucher dabei ist oder die Kamera „mint“, also fast unbenutzt ist.
Die Beispielaufnahme entstand bei 100 ASA, gespeichert als JPG und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Verzeichnung konnte aufgrund des Motivs unkorrigiert bleiben, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert.
Fazit 2026
Das Gehäuse der 2007 gebauten GX100 ist eine Kombination aus Metall, Kunststoff und Gummi, es fühlt sich recht wertig an und liegt dank des Akkubuckels und der gummierten Daumenauflage recht gut in der Hand, zumal das Kameragewicht einsatzbereit nicht allzuhoch ist. Die verwendeten Materialen sind trotz „Made in China“ auch nach fast 20 Jahren gut erhalten, der berüchtigte „Gummiauflagenschwund“ oder das „Verkleistern“ aufgespritzter Gummierungen anderer Kamerahersteller ist (zumindest bei meinem Exemplar) bislang nicht aufgetreten.
Akku und Speicherkarte einlegen, Datum einstellen und Fotografieren, mehr war nicht nötig. Also eine problemlose Wiederinbetriebnahme. Vorbildliches Verhalten!
Lediglich einer meiner Akkus trübte ein wenig das Vergnügen, er ist seit dem letztem Aufladen vor einem Jahr inzwischen so „aufgebläht“, daß er nicht mehr in die Kamera hineinpaßt. Solche Akkus entsorge ich sofort und lade sie nicht mehr!
Auch die kleine GX100 habe für einen Fotoausflug 2026 vorgemerkt. Hoffentlich komme ich wirklich dazu, sie erneut einzusetzen.
Christian Zahn, Januar 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 8.01.2026 |



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