Canon EOS 1D Mark IV mit Tamron 28-105 von Christian Zahn
In diesem Kurzbericht geht es um die Verwendung eines ca. 25 Jahre alten Zoomobjektivs an einer digitalen Spiegelreflexkamera mit APS-H-Sensor. Das Objektiv stammt aus der analogen Ära. Ich hatte es 2023 bereits an der Vollformatkamera EOS 5D ausprobiert und fand es gar nicht so schlecht wie befürchtet.
Tamron 28-105 mm 1:4-5,6 (IF)
Dieses Objektiv erschien möglicherweise 1999, es wurde als „Kitobjektiv“ für sparsame Käufer entwickelt, denen die entsprechenden Objektive der Kamerahersteller zu teuer waren. Passend zur Farbe der Kameragehäuse wurde es in silber und dem hier gezeigtem „Profischwarz“ angeboten. Es wurde mit diversen Kamerabajonetten angeboten, die EOS-Version ist die einzige mit eingebautem AF-Antrieb, alle anderen Versionen (unter anderem für Nikon, Pentax und Minolta) wurden durch den Kamera-AF-Motor angetrieben. Pentax vertrieb das 28-105 mit leicht geänderten Aussehen als „eigenes“ Objektiv.
In der Typenbezeichnung steht „IF“, es hat also eine Innenfokussierung. Der optische Aufbau ist aufwendig und hat 15 Elemente in 12 Gruppen. Der schmale Entfernungsring läuft bei der manuellen Fokussierung sehr leicht, er dreht sich beim automatischem Fokussieren mit und der AF-Motor ist sehr laut. Die Naheinstellgrenze von ca. 0,5 Metern ist gut (bezogen auf den Verkaufspreis). Eine Bildstabilisierung ist nicht eingebaut.
Das beim Fokussieren nicht mitdrehende Filtergewinde beträgt 62mm, das Objektiv hat einen Durchmesser von 71 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 76 mm und wiegt 310 Gramm. Beim Zoomen wird es etwa 27mm länger, beim Fokussieren verändert es sich nicht in der Länge. Die Streulichtblende rastet in ein Bajonett und war im Lieferumfang enthalten. Weil sich das Bajonett beim Fokussieren nicht mitdreht, hat die Blende Blütenform und ist darum sehr wirksam. Die Blende hat 6 Lamellen.
Das gesamte Objektiv macht einen recht wertigen Eindruck, das Bajonett ist aus Metall, die Kunststoffe der Fassung wirken durchaus nicht „billig“.
Das Objektiv nutzt eine falsche Objektivkennung, gegenüber der Kamera gibt es sich als „EF 28-105 / 1:3,4-4,5 USM“ aus, dieser Text steht dann auch in den EXIFs und die RAW-Konverter wollen Korrekturdaten für dieses Canon-Objektiv verwenden, was natürlich nicht richtig ist.
Das Objektiv verzeichnet recht viel, je nach Motiv störend. Am Cropsensor der 1D Mark IV und Offenblende ist das 28-105 (IF) über das gesamte Bild recht unscharf und flau, Abblenden auf 5,6-8 steigert die Schärfe, danach kommt es bereits zu Beugungseffekten. Die bei Offenblende vorhandenen chromatischen Aberrationen verschwinden auch bei Blende 8-11 nicht bei allen Brennweiten vollständig. Die Vignettierung ist nicht besonders ausgeprägt, denn die Objektivbildränder werden von der Kamera nicht benutzt.
Das Objektiv hatte um 2002 eine UVP von vermutlich ca. 190 bis 250 Euro, um 2005 herum soll es Abverkäufe für 80 bis 120 Euro gegeben haben. Der heutige Zeitwert ist auf 10 bis 30 Euro je nach Zustand, Lieferumfang und Bajonettanschluß gefallen. Ich „fischte“ im Sommer 2023 das hier gezeigte und kaum benutzte Exemplar aus der „5-Euro-Grabbelkiste“ eines Gebraucht-Fotohändlers.
Beispielfotos
Alle Beispielaufnahmen entstanden freihand, wurden gespeichert als CR2, gewandelt mit Canon DPP4 und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte einmontiert sowie die Aufnahmeparameter.
Fazit
Das Tamron 28-105 IF wollte ich solange an der 5D verwenden, bis ich ein besseres Objektiv fand. Inzwischen habe ich ein 28-135 IS USM erworben, das ähnlich alt ist, aber einen eingebauten Bildstabilisator hat.
Während die optischen Fehler des EF 28-135 IS USM durch den Canon-RAW-Konverter DPP4 gut korrigiert werden, treten die Fehler des Tamrons deutlich zu Tage, die geraden Träger der Oberleitung sind deutlich „verbogen“ und sie haben auch sichtbare Farbsäume. Somit: Ab in die Sammelbox für nur selten verwendete Canon-AF-Objektive!
Christian Zahn, Mai 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 4.05.2026 |










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