Canon EOS 3, EOS 33V und EOS 50E mit EF 24-84 USM und EF 28-135 IS USM und Defekte vieler analoger EOS-Kameras. Von Christian Zahn



In diesem Bericht geht es um die Verwendung von zwei ca. 25-30 Jahre alten Zoomobjektiven aus der analogen Ära, ausprobiert mit Schwarzweiß-Filmen an Canon-EOS-Autofokus-Kameras für Kleinbildfilm.
Beide Objektive habe ich hier bereits mehrfach gezeigt, an Vollformat beispielsweise:
Die Geschichte der analogen EOS-Kamera beschrieb ich hier.
Darum spare ich es mir, hier die technischen Daten der Objektive nochmals aufzuführen und handele die drei Kameras gemeinsam ab.
Defekte vieler analoger EOS-Kameras
Leider haben viele analoge EOS-Spiegelreflexkameras inzwischen zwei große Probleme. Das erste läßt sich nicht reparieren, nur das Auftreten vermeiden, das zweite muß behoben werden, weil die Kamera sonst nicht mehr funktioniert.
Der Schließmechanismus viele Einsteiger- und Amateurmodelle ist aus Kostengründen ein Spritzgußteil, dessen Kunststoff im Lauf der Jahre die zugesetzten Weichmacher verliert und darum hart und spröde wird, somit bei Belastung heutzutage einfach bricht. Die Belastung, die die Federn über die Kleinbildpatrone auf die Rückwand ausüben, reicht aus, um die Haltekammern abzureißen. Dieses Problem haben auch andere Hersteller, beispielsweise die Nikon F80 ist ebenfalls stark bruchgefährdet.
Meine EOS 33V ist nun defekt
Eigentlich war sie eine recht gute Aufsteiger-Kamera und für die ich einen Batteriegriff mit Hochformatauslöser habe, um statt der teuren Lithiumbatterien Mignonakkus zur Stromversorgung nutzen zu können. Die Kamera wurde von 2004 bis 2007 gebaut, ist also eine der jüngsten analogen EOS-Modelle. Ich habe sie 2018 gekauft und bis 2023 zwischen 40 und 50 Filme mit ihr belichtet, aus dieser Zeit stammen die Beispielbilder des 24-85. Damals hielten die Klammern noch, beim Einlegen des ersten Films für die nun geplanten Aufnahmen brach die Halteklammer im Kameragehäuse. Ob ein Verschließen der Rückwand mit starkem Klebeband helfen könnte, habe ich nicht probiert, denn auch die „Belederung“ aus TPU beginnt sich aufzulösen und ist klebrig geworden, somit: Kamera in Kunststoffbeutel und ab in eine Sammelbox!
Es ist erforderlich, die Kamera-Rückwand zu entlasten, damit die Federkraft nicht von den Halteklammern aufgenommen werden muß. Bei der EOS 50E habe ich es mit Hilfe diverser Kabelbinder gemacht, weil die Kamera so rundlich gestaltet ist, daß eine ins Stativgewinde geschraubte Konstruktion auf die Schnelle nicht möglich war.
Die Binder von der Gurtöse ziehen den um die linke Seite gezogenen Binder so zur Seite, damit er nicht verrutschen kann und üben zusätzlich Druck auf die Rückwand aus. Da diese Konstruktion beim Fotoausflug unpraktisch ist, habe ich nur einen Film mit der EOS 50E belichtet und alle anderen mit der EOS 3 gemacht, deren Rückwand-Schließklammern aus Metall sind und darum nicht brechen können. Außerdem ist dieses Modell schneller und hat mehr AF-Sensoren, leider fehlt mir der Hochformatauslöser für Mignonzellen und dessen Nachkauf ist heutzutage sehr teuer geworden, denn er ist ein gesuchtes Teil, weil er auch an das Profimodell EOS 1V paßt. Aktuell kostet der Griff weit mehr als das Doppelte von meinem 2020 bezahltem Obolus für die Kamera, die inzwischen selber auch deutlich im Kurs gestiegen ist (das Analogrevival fordert Tribut).
Das zweite Problem der Kameras ist ein verklebter Verschluss. Damit dieser nicht in die Endlage scheppert, wird er sanft abgebremst. Der verwendete Werkstoff war damals ein vielfach eingesetztes Material, es findet sich nicht nur in Canon-Verschlüssen, sondern die gesamte japanische Kameraindustrie setzte dieses schaumstoffartige Material beispielsweise als Lichtdichtung an der Rückwand ein, die Spiegeldämpfung beim Hochklappen ist fast immer daraus und sitzt im Spiegelkasten unterhalb der Mattscheibe.
Leider ist das Material nicht langzeitstabil, sondern es zersetzt sich im Lauf der Zeit, nach zehn bis zwanzig Jahren ist es kein nachgiebiger Schaumstoff mehr, sondern eine klebrige teerartige schwarze extrem klebrige Masse, die bei Zimmertemperatur eine honigartige Konsistenz hat und sich darum im Inneren der Kamera überall hinbewegt, wo sie stört.
Die Verschlußdämpfung des Canon-Schlitzverschlusses ist ein ziemlich kleines Stück, weniger als einen halben Zentimeter dick und auch kaum so breit und lang. Es ist unterhalb des Filmfensters im Inneren der Kamera angebracht, setzt sich auf den Verschlußlamellen fest und verklebt diese miteinander, so daß die Kamera einen Fehler meldet, weil der Verschlußablauf gestört ist.
Es gibt mehrere Methoden der Reinigung, eine erfordert die fast vollständige Zerlegung, um das Teil durch ein neues zu ersetzten. Die zweite muß mit handwerklichem Geschick und geeignetem Werkzeug durchgeführt werden, eine gut bebilderte Anleitung findet sich im Digicamclub-Forum.
Die dritte Methode ist einfacher, dauert aber auch erheblich länger. Mit Isopropanol getränkte Wattestäbchen werden von der Kamerarückwand vorsichtig über die Verschlußlamellen der auf der Bodenplatte stehenden Kameras bewegt, so daß die Flüssigkeit zwischen die Lamellen gelangt, dabei können die einzelnen Lamellen auch ganz vorsichtig etwas eingedrückt werden, sie sind durchaus stabiler als ihr Ruf. Statt Wattestäbchen können auch in Isoprobanol oder Aceton getränkte schmale Löschpapierstreifen verwendet werden, sie sind so dünn, daß man sie zwischen die Lamellen schieben kann, um der schwarzen Schmodder herauszubekommen. Diese Prozedur muß viele Male wiederholt werden, und zwar so lange, bis am herausgezogenem Streifen keine Flecken mehr zu sehen sind. Ist dann aller Alkohol verdunstet, kann die Kamera mehrfach ausgelöst werden und danach die Reinigung weiter fortgesetzt werden, denn neue Schmiere dürfte sich auf ihnen absetzt haben.
Hinweis: Diese Reparatur erfolgt auf eigenes Risiko und ist nichts für Grobmotoriker, denn ist dabei eine Lamelle verbogen oder sonstwie beschädigt worden, ist die Kamera „Schrott“. Und eine zweite Anmerkung: Auch wenn man von hinten nur einen Verschluss sieht, gibt es zwei davon, die sich nacheinander öffnen, um zwischen ihnen den Belichtungsschlitz zu realisieren. Es kann also durchaus nötig sein, die Reinigung auch an dem Verschluß hinter dem Spiegel durchzuführen, das ist umständlicher, denn der Spiegel muß hochgeklappt und mit einem geeignete Stück Kunststoff oben gehalten werden, damit man an die Lamellen herankommt.
Beispielaufnahmen
Alle Beispielaufnahmen entstanden freihand mit Programm-Automatik, wurden analog auf Fomapan „gespeichert“, entwickelt mit Tetenal Ultrafin Plus 1+4, digitalisiert mit Nikon Coolscan LS-50 ED / LS V ED und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind die mir bekannten Aufnahmeparameter eingefügt, Brennweite, Blende und Belichtungszeit sind aufgrund der analogen Speicherung nicht bekannt gewesen.
Fazit
Während beide Objektive am digitalem Vollformat nicht überzeugend sind, wobei das 24-85 an der 12-Megapixel-Kamera EOS 5D in den Bildecken schlechter abschnitt als das 28-135 an der 22-Megapixelkamera EOS 5D Mark III.
Die stark schräg einfallenden Randstrahlen werden vom Film wesentlich besser bewältigt als von den Bildsensoren mit ihrem dicken Schutzfilter und ihren Mikrolinsen, denn die bildaufnehmende Schicht eines SW-Films ist nur etwa 5 bis 25 µm dick, also 0.005 bis 0,025mm. Zum Vergleich: Menschliche Haare sind zwischen 40 und 120 µm dick, die Filmemulsion ist also dünner.
Trotzdem ist das 24-85 auch am mit ca. 6 Megapixel auflösendem 400-ASA-Film an den Ecken bei großen Blenden nicht wirklich scharf, das 28-135 überzeugt bei 100 ASA-Filmen und ca. 20 Megapixeln Scanauflösung in den Ecken nicht immer, würde den 400-ASA-Film jedoch ausreizen.
Christian Zahn, April 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 5.04.2026 |












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