Kodak Instamatic: Das von der Bildfläche verschwundene Filmformat …

Viele Hersteller machten mit — beim quadratischen 28,6 x 28,6 mm Instamatic-Film/Format. Und bauten passende Kameras für die Kodak-Kassette. Nikon "enthielt sich der Stimme" ;-) Es gibt keine Nikon für das Instamatic-Format. Ganz nett die Karrikatur in der linken Abbildung rechts unten, wo die für machen Knipser unsägliche Fummelei bei Einlegen eines gewöhnlichen  Kleinbildfillms schon eine unüberwindliche Hürde war ;-) Wie simpel dagegen die Kodak Instamatic Kassette.

Welche Filmformate sind denn jetzt noch übrig?

Wenn man die Großformate ab 9x12 cm weglässt, bleiben nach 24x36 mm Kleinbild, 6x6 bis 6x9 Mittelformat (Rollfilm), dem ausgestorbenen APS und dem 13x17 mm Pocket 110 Format nur noch das quadratische 28,6x28,6 mm Kodak Instamatic- und das ebenfalls quadratische, „kleine“ 4x4 Rollfilmformat übrig.

Nachdem Sammlerkollege und Mitautor Christian Zahn seine "Drohung" wahrgemacht hat und mir zwei 2003 abgelaufene Instamatic-126er Farbfilm-Kassetten von Agfa mitgeschickt hat, habe ich mit dem speziellen Kleinbildformat und seinen Kameras befasst. Die mitgeschickten Filme lagerten immerhin tiefgefroren! Und in ihrer beschichteten Aluminium-Schutzhülle. Sie solten also noch belichtbar sein!

Bevor ich zum Instamatic-126er-Format komme, habe ich in meinen Pool geschaut, ob denn überhaupt eine Kamera im Bestand ist

Aus der Illustrierung des Beitrags „2018: 90 Jahre Minolta“ sind eine Minolta AUTOPAK 550 und eine AUTOPAK 700 und das Foto einer KONIPAK 300 übrig geblieben. Eine "richtige" Instamatic habe ich nicht … Die AUTOPAK 550 ist nicht mehr ans Laufen zu bringen, aber die sowieso wertigere AUTOPAK 700 ist in Manuellbetrieb – Verschlusszeit und Blende – einsetzbar. Die einst gebotene CdS-Programmautomatik funktioniert nicht mehr. Aber Verschlusszeit und Blende sind verstellbar! Wie weit die Verschlusszeiten noch stimmen, kann nicht gemessen werden. Vom Ablaufgeräusch und beim Blick von hinten in die AUTOPAK 700 wirken die Verschlusszeiten plausibel, sprich deutlich unterschiedlich. Und im Gegensatz zu den primitiven Plastik-Instamatic-Kameras mit Objektiven, die aus einer Plastik-Linse bestanden, bietet die AUTOPAK 700 ein anständiges MINOLTA ROKKOR 1:2.8 f=38mm. Vierlinsig auf bewährter Zeiss Tessar Basis!

Kodak Instamatic Geschichte

Wikipedia schreibt – stark eingekürzt:

Der Hauptgrund für diesen Film dürften die Schwierigkeiten für eine große Zahl Gelegenheitsfotografen gewesen sein, einen gewöhnlichen Kleinbildfilm in die Kamera einzulegen. Das ging sogar soweit, dass der unbedarfte Knipser seine Kamera mit dem vollen Film zum Fotohändler brachte, der den Film entnahm und dem Kunden gleich einen neuen einlegte ;-)

Dieser Vorgang wurde mit Vorstellung des Instamatic-Films und den dazugehörigen Kameras quasi idiotensicher.

Im Unterschied zum 35 mm breiten doppelt perforierten Kleinbildfilm mit seinem 24 x 36 mm Format war der ebenfalls 35 mm Instamaticfilm nur einfach perforiert und hatte ein quadratisches 28,6 x 28,6 mm Format. Womit soch beim Fotografieren auch die Frage nach Quer- oder Hochformat nicht mehr stellte … Im Unterschied zu den viele Jahre gewöhnlich 36 Aufnahmen des Kleinbildfilms hab es den Instamaticfilm mit 12, später auch 20 oder 24 Aufnahmen. So passierte es weniger, dass auf einem 36 Aufnahme Kleinbildfilm die Weihnachtsfeier, Ostereiersuchen, Urlaub am Meer und das Oktoberfest festgehalten waren, bevor der Film endlich entwickelt wurde ;-)

Die Instamatik- oder Pakfilme gab es mit Empfindlichkeiten von ISO 64/19 DIN bis ISO 400/27 DIN. Zu Beginn auch als SW-Film, der aber dann verschwand. Vorteil: Er konnte selbst problemlos mit einer gewöhnlichen Spule für Kleinbildfilm entwickelt werden. Dazu etwas Umkehr-/Diafilm aber in Mehrheit Farbnegativ.

Wikipedia: >> Das Instamatic-System hielt sich bis in die 1980er Jahre. Dann erlaubte die fortgeschrittene Mechanik, Kleinbildkameras mit vollautomatischer Filmeinfädelung und vollautomatischem Filmtransport zu bauen, so dass sich diese nun ebenso einfach bedienen ließen. Dadurch verlor Instamatic seine Existenzberechtigung und geriet zunehmend in Vergessenheit. Instamatic-Kameras wurden bis etwa 1988 hergestellt, Kodak selbst stellte die Filmproduktion zum 31. Dezember 1999 ein, Agfa folgte kurz darauf. Der letzte Hersteller, Ferrania in Italien, produzierte bis April 2007. <<

Man beachte den handschriftlichen Vermerk des Datums auf dem Film!

Kameras für den Instamatic- oder auch PAK-Film oder Typ 126 gab es von primitivsten Plastikknipsen mit einlinsigen Objektiven mit Plastiklinse (!) ohne Belichtungsmessung bis hin zur hochwertigen Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven.

Brennweiten

Rechnet man die Formatdiagonalen vom 24x36 mm Kleinbild- und vom quadratischen 28,6x28,6 mm PAK-Film, bekommt man fast gleiche Zahlen: 43,3 mm bzw. 40,4 mm. Die 43,3 mm des Kleinbildformats wurden über die Jahrzehnte großzügig zum 50 mm Normalobjektiv hochgerundet. Das kann man auch fürs Instamaticformat gelten lassen. Die primitive Instamatic hat ein 43 mm Objektiv.

Eine sehr "schräge" Spezialität für den Instamatic 126 Film, die Keystone 725 EFL

Elektronenblitz mit eingebauter Kamera – lautete die Überschrift zum Blogeintrag. Diese Keystone ist mittlerweile bestens in Christian Zahns Optiksammlung aufgehoben. Zusammen mit der sehr ähnlichen Keystone EVERFLASH 20.

Wie oben angekündigt, ist die Minolta AUTOPAK 700 vorerst die Kamera der Wahl für die beiden Instamatic Filme

Nach Kontrolle war klar, dass die Programmautomatik nicht mehr arbeitet. Was nichts macht, wird eben mit Handbelichtungsmesser gearbeitet und manuell Blende und Verschlusszeit an der AUTOPAK 700 eingestellt. Nach Studium der englischen Bedienungsanleitung kam auch raus, dass es mindestens zwei verschiedene Versionen der AUTOPAK 700 gegeben hat.

Spezifikation

  • Vorstellungsjahr 1966
  • Abmessungen/Gewicht: 125x78.5x61 mm, 520 g
  • Instamatic Film, 126er Format 28,6 x 28,6 mm, Empfindlichkeiten: ASA/ISO 25-400, DIN 15 - 27
  • Belichtungsmessung mit CdS-Zelle, Programmautomatik von EV 8 bis 17, Blende f/2.8 bis f/22, Seiko LA Verschluss mit Zeiten von 1/30 bis 1/250 s, B und Selbstauslöser
  • Heller Rahmensucher mit gekuppeltem Schnittbildentfernungsmesser und Parallaxenkorrektur
  • Objektiv Minolta Rokkor 38mm F/2.8, 4 Linsen in 3 Gruppen Zeiss Tessar Formel
  • Nahdistanz 0.8m

Ans Werk!

Zu den zwei von Christian geschenkten Original AGFA HDC plus PAK 200/24 von 2003 kommt frischer Nachschub! Denn es gibt einen mit 24,99 Euro nicht gerade preiswerten Adapter, der genau die Form und Abmessungen der Instamaticfilm-Kassette hat. Vermutlich per 3D-Druck hergestellt. Der kann mit gewöhnlichem Kleinbildfilm geladen werden! Was ich in den Ferien machen werde. Zum Test der minolta AUTOPAK 700 erst mit SW-Film geladen, dann Farbe …

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

NACHSCHUB!

Alles diesen Sommer ab 2. Julihälfte

Auf eine richtige Kodak Instamatic habe ich verzichtet – fast. Gefühlt reichlich Plastik-Einsatz bis möglicherweise hin zur Objektivlinse. Aus meinen Untiefen tauchte dann noch eine zweite Keystone 725EFL auf. Eine gruselige Kamera mit einer spannenden Sache. Die Keystone hat einen eingebauten Elektronikblitz! Der bei diesem Exemplar sogar noch funktioniert! Der werde ich aber allenfalls einen SW-Film verpassen …

Und SLRs für Kodak Instamatic Kassetten?

Uninteressante Vitrinenstaubfänger zu Sammlerpreisen …

Zur Minolta AUTOPAK 700 gesellen sich noch die oben abgebildeten CANOMATIC C30 und CANOMATIC M70. Beide Kameras bieten eine Belichtungsautomatik. Sollte die nach Trockentests noch funktionieren, habe ich zum Spielen drei Kameras ;-)

Die (englischen) Manuals

Die Automatik der Minolta funktioniert nicht mehr, aber vielleicht "gehen" die der Canons noch…

Ralf Jannke, Juni/Juli 2026

 

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