Nikon Z5 mit Enna Porst Tele MC Auto 2,8/135 Praxisbericht von Christian Zahn
In diesem Erfahrungsbericht geht es um ein etwa 50 Jahre altes Manuellfokusobjektiv adaptiert an die spiegellose 24-Megapixel-Systemkamera Nikon Z5. Ich hatte es bereits in der von Foto Quelle vertriebenen baugleichen Variante hier vorgestellt.
Sowohl Foto Quelle als auch Foto Porst ließen es bei Enna in München herstellen. Beide Exemplare in meinem Besitz erforderten eine Reinigung, vielleicht liegt es an der jahrzehntelangen Ausdunstung der verwendeten Kunststoffe der Spritzgußfassung, daß die Glaslinsen innen beschlagen, oder beide Tele-Objektive wurden unsachgemäß gelagert.
Zu diesem Objektivtyp, dem Hersteller und Verwandten mit anderen Brennweiten aber gleicher Bauweise gab es mehrere Beiträge:
Porst Tele MC Auto 2,8/135
Das Objektiv ist um 1975 gebaut worden, denn es ist ein fast vollständig in Kunststoff gefasstes Objektiv. Diese Technik hatte ISCO aus Göttingen bereits 1963 vorgestellt, die Enna-Werke in München begannen erst 1970 mit dieser Technologie zur Herstellung sehr preiswerter Objektive, um dem japanischen Konkurrenzdruck standhalten zu können. Aus Metall sind nicht viele Teile, beispielsweise der M42-Gewindeanschluß besteht daraus. Allerdings ist er nicht wie üblich aus verchromtem Messing gefertigt, sondern nur aus unbehandeltem Aluminium.
ENNA wurde 1920 von Alfred Neumann gegründet, ENNA steht für die gesprochenen Anfangsbuchstaben seines Namens in bayrischer Reihenfolge (man sagt dort „der Neumann Alfred“ statt „Alfred Neumann“). Nach 1945 übernahm der Schwiegersohn Dr. Werner Appelt das Werk, das später unter „Enna-Werk Dr. Appelt GmbH und Co. KG“ firmierte.
Das gezeigte 2,8/135mm ist ein mehrfachvergütetes Objektiv, die Gravur lautet „Lens Made in W-Germany“. Die optische Rechnung basiert vermutlich auf den Exemplaren aus den 1950er und 1960er Jahren und hat 5 Elemente.
Verkauft wurde es von Foto Quelle als Revuenon, im Foto-Quelle-Katalog von 1977 kostet es nur 119 DM, für ein besseres in Metall gefaßtes Objektiv von Chinon mußten 139 DM bezahlt werden. Foto Porst ließ es auch herstellen, die „Umlabelung“ erfolgte kostengünstig, denn die Beschriftung sind allesamt nur aufgedruckt und nicht eingraviert. Im Foto-Porst-Katalog von 1980 ist das 135er mit 99 DM gelistet. Daß beide Fotohäuser bei Enna bezogen, dürfte an der Tatsache gelegen haben, daß die Objektive billiger als die japanischen Varianten waren und trotzdem ein werbewirksames „Lens Made in W-Germany“ tragen konnten.
Mitgeliefert wurde kein teuer zu fertigender Kunstlederköcher, sondern eine zweiteilige Spritzguß-Aufbewahrungsdose, in die das Objektiv eingeschraubt wird, deshalb mußte auch kein Objektiv-Rückdeckel mitgeliefert werden. „Porst“ ist als gedruckter Papieraufkleber an der Unterseite der Dose angebracht, auch hier: Kostenreduktion durch einheitliche Spritzgußform für alle Weiterverkäufer.
Der gewaffelte Entfernungsring läuft inzwischen aufgrund der Schmiermittelalterung viel zu stramm. Der Einstellweg ist mit etwa 330° erfreulich lang. Die Naheinstellgrenze ist mit 1,4 Metern zeittypisch. Der Blendenring rastet halbstufig, es sind 6 Lamellen eingebaut. Die Streulichtblende wird in das nicht mitdrehende Filtergewinde 52mm eingeschraubt. Die Springblende kann zwischen „A“ Automatik und „M“ manuell umgestellt werden; für den Betrieb an einem Balgengerät ist ein Gewinde für einen Drahtauslöser angebracht, damit die Blende vor dem Kamera-Auslösen geschlossen werden kann.
Das Objektiv hat einen Durchmesser von 65 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 89 mm und wiegt 280 Gramm. Beim Fokussieren auf die Nahgrenze wird es ca. 14 mm langer.
Das gesamte Objektiv macht keinen hochwertigen Eindruck, es ist fast vollständig aus Kunststoff hergestellt und recht leicht. An der Entfernungs-Skala sind Tiefenschärfemarkierungen vorhanden, ein Index für die Infrarotfotografie fehlt.
Das Objektiv ist am Vollformatsensor der Z5 und Offenblende unscharf und vignettiert sichtbar, außerdem überstrahlt es etwas. Abblenden auf 8 steigert die Schärfe nur in der Bildmitte, für beste Bildschärfe der Bildränder muß auf 11-16 abgeblendet werden. Die bei Offenblende vorhandenen geringen chromatischen Aberrationen verschwinden ab Blende 5,6 vollständig.
Das Objektiv ist heutzutage sehr günstig zu bekommen, je nach Zustand und Zubehör liegt es zwischen 2 und 30 Euro, jedoch ist es recht selten, die aus Japan bezogenen Foto Porst-Objektive werden häufiger angeboten und kosten fast immer mehr als die „Plasteobjektive“ und auch die baugleichen Enna-Revuenone scheinen häufiger aufzutauchen. Ich bekam das hier gezeigte Exemplar Anfang 2026 geschenkt, vielen Dank dafür!
Alle Beispielaufnahmen entstanden freihand bei ASA-Automatik, Zeitautomatik, mit eingeschaltetem Bildstabilisator und bei Blende 8, gespeichert als NEF, gewandelt mit Nikon Capture NX-D und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert.
Reparatur
Ich mußte das Objektiv zerlegen und reinigen, vier Linsen hatten Beschlag bzw. pilzähnliche Strukturen auf den Linsenflächen. Jedoch reichte es aus, sie gründlich mit Isopropanol zu putzen, die Glaspilze hatten sich nicht in die Vergütung hineingefressen.
Beim Zerlegen sieht man deutlich, wie stark die Konstruktion „kostenoptimiert“ wurde: fast alles besteht aus Spritzgußteilen ohne jegliche Nachbearbeitung, Schrauben sind selbstschneidend in Löcher hineingedreht, es gibt keine Ausgleichsringe, um Fertigungstoleranzen auszugleichen usw. Die inneren Linsen sind vermutlich nur einschichtvergütet und sehr dünn, um teures Glas zu sparen. Auch wurden nicht alle Linsen reflexmindernd am Rand schwarz lackiert.
Wie üblich: bei der Montage muß darauf geachtet werden, in welcher Reihenfolge und Richtung die Teile montiert wurden. Die Hinterlinsenbaugruppe erfordert das Abschrauben des M42-Gewinderinges nicht, jedoch kann man den Kunststoffring, der die Linsengruppe fixiert, dann besser lösen. Die Frontlinsengruppe ist komplett eingeschraubt, um sie weiter zu zerlegen, muß zunächst ein ins Filtergewinde eingeschraubter Zierring herausgedreht werden.
Fazit
Ich werde das Objektiv nicht mehr benutzen, ich habe optisch bessere 135er im Bestand. Und weil das Enna-Porst unter „Pilzverdacht“ steht, kommt es in einen luftdicht verschließbaren Kunststoffbeutel.
Christian Zahn, März 2026
Neuen Kommentar schreiben
| Autor: | Christian Zahn |
| Mail senden | |
| Erstellt: | 10.03.2026 |














Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!