Völlig in Vergessenheit geraten war (bei mir) eine sehr interessante Kamera aus Ostdeutschland, die PENTINA M. Die nicht als Spiegelreflexkamera zu erkennen ist! Im Gegensatz zu den gleich gelisteten Kameras bietet die PENTINA SLR echte Wechselobjektive!
Der Spiegelreflexkameraklasse mit Zentralverschluss und fest verbauten Objektiven von 50 mm Normalbrennweite und eingeschränkten Möglichkeiten der Brennweitenänderung wurden hier zahlreiche Beiträge gewidmet:
- Minolta Geschichte: Analog-SLR Modell ER, 1963
- CHIYODA KOGAKU MINOLTA ER mit Nippon Kogaku (Nikon) NIKKOREX-Wide 1:5.6 35 mm Weitwinkelvorsatz
- Nikon Z6/7 48 mm Nikkor und Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6
- MAMIYA family mit Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6 – Nachtrag
- Familienfoto Minolta ER, Mamiya family, PORST autoflex (= Mamiya Auto-Lux 35) mit Nikon/NIKKOREX Weitwinkelvorsatz
- TOPCON PR II – Es hat nicht sollen sein :-(
Etwas dichter von den Objektivwechselmöglichkeiten ist die ostdeutsche PENTINA M an der westdeutschen CONTAFLEX. Bei der bleibt alledings immer die Hinterlinse samt Blende im Kameragehäuse. Ausgetauscht wird jeweils der vordere Teil des Objektivs.
- Vom Flohmarkt-Fragment zur vollständigen ZEISS IKON CONTAFLEX
- ZEISS IKON CONTAFLEX Alpha mit Pantar 1:4 f=30 mm Vorsatzobjektiv
- Zeiss Ikon CONTAFLEX III und Vorsatzobjektive
- ZEISS IKON CONTAFLEX III mit 85 und 115 mm Televorsatz, Teil 1 85 mm
Bei der PENTINA M werde ich mich auf das vorhandene 30 mm Lydith beschränken, was von der Brennweite als deutlicher Weitwinkel eh interessanter ist als ein braves 50 mm Normalobjektiv …
Spezifikation PENTINA M
- Produktionsjahre 1961 - 1965
- Abmessung/Gewicht: 131x88x60 (81) mm, 688 (806) g (ohne/mit Objektiv)
- Einäugige Spiegelreflexkamera, im Sucher keine weiteren Anzeigen, kein Rückschwingspiegel
- Crestor-00 (Hinterlinsen)-Zentralverschluss 1 s -1/500 s und B mit Kupplung zum Nachführ-Belichtungsmesssystem
- Blitzschuh ohne Kontakte, Synchronbuchse, Hebel zum Umstellen zwischen X und M.
- Batterielose Belichtungsmessung durch Selenzelle, Anzeige auf der Kameraoberseite, ISO 9-1600 (6-33 DIN)
- Filmtransport über Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel.
- sonst. Ausstattung: Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Zubehörschuh, Merkscheibe für Filmart, Selbstauslöser, Leitzahlrechner, Bajonett für Okularzubehör, Trageösen.
Objektive für das so genannte Pentina Steckbajonett
- Meyer Lydith 1:3,5/30 mm,
- Carl Zeiss Jena Tessar 1:2,8/50 mm
- Carl Zeiss Jena Cardinar 1:2,8/85 mm
- Meyer Domigor 1:4/135 mm
Meine PENTINA kam mit dem Meyer-Optik Görlitz Lydith 3.5/30
Im Digicammuseum ist dieses Objektiv Unbekannter! Mehrfach eingesetzt auch als baugleiches PENTACON 3.5/30 – alle mit M42 Schraubanschluss:
- 2021: Nikon Z6 mit dem Meyer-Optik Görlitz Lydith 3,5/30mm und dem Nippon Kogaku NIKKOR-P Auto 1:2.5 f=105mm
2024: Fuji X-T10 Meyer-Optik Görlitz Lydith 3.5/30 – Kurzcheck
September 2025: PENTACON 3.5/30 und Olympus OM-D E-M5, Schnell-Check
- Herbst 2025: Nikon Z6/7 PENTACON 3,5/30
- Herbst 2025: Das "Dreigestirn", der klassische Objektivdreiersatz 35 mm, 50 mm und 135 mm, hier etwas mit dem 30 mm Pentacon modifiziert
- Juni 2026: Nikon Z5 mit Meyer Optik/Pentacon 30mm Lydith von Christian Zahn
Aus dem Text von "100 Jahre Nikon":
1964 endete die Nikkorex-Reihe mit der "Auto", ausgerüstet mit einem fest verbauten 2/48 mm Nikkor. So wie weiter oben im Beitrag zur Nikon F, wo vermutet wurde, dass Nikon bei der Ideenfindung, der Entwicklung der F zur ostdeutschen Praktina zumindest mal geschaut hat, halte ich bei der Nikkorex Auto 35 eine, sagen wir, „Inspiration“ durch die ebenfalls ostdeutschen Pentina nicht für ausgeschlossen. Wenn man die Machart und Abmessungen der Pentina und Nikkorex 35 Auto ansieht, liegen die Kameras nicht so furchtbar weit auseinander. Die Pentina ist 140 x 90 x 95 mm groß und wiegt 816 g. Die Nikkorex Auto 35 misst 144 x 93 x 74 mm und wiegt 860 g.
Auf den ersten Blick nicht gleich als SLR zu erkennen, fallen bei beiden Kameras die Riesenfenster der Belichtungsmessung auf. Die Rückspulkurbeln sind versenkt, die Filmtransportverschlussspannhebel "versteckt". Die Pentina ist allerdings vergleichsweise kantig, die Nikkorex Auto35 eleganter, "lieblicher", runder. Während die Nikkorex ein lichtstarkes, aber fest eingebautes 2/48 mm Objektiv, Blendenautomatik mit Zeitvorwahl und einen Rückschwingspiegel bietet, bleibt der Sucher der Pentina bis zur Betätigung des Filmtransport-/Verschlussspannhebels dunkel. Dafür punktet die Pentina mit vier Wechselobjektiven! Bei der Nikkorex 35 Auto kann die Brennweite nur durch zwei Vorsatzobjektive zum 35 mm Weitwinkel oder 85 mm Porträt-Tele erweitert werden.
Von der NIKKOREX AUTO35 habe ich zur Erinnerung nur die Kameraoberkappe behalten. Bis auf das sehr gute 48 mm Objektiv wurde der restliche Kamera-Totalschaden verschrottet!
Ein absolutes MUSS ist das Studium der Internetseite "Pentina"
Dort ist auch die Erklärung des Buchstaben "M" in der Modelbezeichnung PENTINA M zu finden. Das "M" steht für Meßkeile. Damit ist der Schnittbildindikator in der Bildmitte gemeint, der das Einstellen der Schärfe erleichtern ...
Zu meiner Freude funktioniert auch der Selenbelichtungsmesser noch. Seine Werte sind jedenfalls plausibel! Sehr gewöhnungsbedürftig sind der Filmtransporthebel und der Auslöser. Beide auf der linken Kameraseite angeordnet. Man ist beliebt zu scherzen, ob das eine SLR für Linkshänder ist ;-)
Und für eine Sache musste ich über meinen Schatten springen. Die PENTINA hat zwei merkwürdige Ösen. Die könnten vermutlich für einen speziellen Kamerariemen gedacht gewesen sein. Mit einem Klickmechanismus zur schnellen und sicheren Befestigung oder Abnahme des Kamerariemens. Ein derartiger Riemen war aber nicht zu finden. Also habe ich für 12 Euro die schweinslederne, zur PENTINA passende "Fotografier-Verhinderungs-" — Pardon — Bereitschaftstasche erworben. Zur sicheren Aufnahme der PENTINA. Das Frontteil wird kurzerhand abmontiert. Weil speziell das spontanes Fotografieren wirksam verhindert …
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
An der Abbildungsqualität des Meyer-Optik Görlitz Lydith 3.5/30 im 24 x 36 mm "Vollformat" auf Kleinbildfilm gibt es nichts auszusetzen. Was die noch funktionierende batterielose Selenbelichtungsmessung der PENTINA M angeht, die hätte etwas nach Minus korrigiert werden können. Abgesehen davon war das Wetter mit dem fast konturlosen Himmel nicht gerde förderlich.
Die PENTINA werde ich nicht mehr benutzen. Die ungewöhnliche Anordnung von Schnellschalthebel und Auslöser — links — und der gefühlt hakeliger werdende Filmtransport machen keinen Spaß. Und an zwei, drei Fotos ist ja zu erkennen, dass der Transport zum Filmende hin nicht mehr 100 Prozent in Ordnung ist. Am schlimmsten war aber das Rückspulen des Films. Mit dem winzigen Ausklapphebel eine Qual für die Finger … Schön, dass die PENTINA noch einen Film durchgehalten hat. Sie geht jetzt in den verdienten Ruhestand.
Ralf Jannke, September/Oktober 2026
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| Autor: | Ralf Jannke |
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| Erstellt: | 28.09.2026 |














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