Im Zuge des Niedergangs der deutschen Fotoindustrie in den 1960er/70er Jahren sollte verstärkter Kunststoffeinsatz beim Objektivbau Kosten senken helfen. Am Ende erfolglos.
Da ich aktuell zahlreiche M42 Objektive auf Spiegereflex- und spiegellose Systemkameras adaptiert habe, fiel die Wahl natürlich auch auf westdeutsche Produkte. Die Betonung auf "westdeutsche" Objektive wurde bewusst gewählt, weil die im Unterschied zu den ostdeutschen Objektiven besonders durch schlechte Fertigungs- und dadurch Abbildungsqualität auffielen. Das trifft aus unseren Erfahrungen bisher aber nur auf die späten ENNA München und ISCO Göttigen Billig-Objektive zu! Ganz im Unterschied zu hochwertigen Objektiven von Kilfitt, Leitz, Rodenstock, Schneider, Voigtländer und Zeiss – wenn ich keinen vergessen habe. Für eine Statitik reicht es bei ENNA PORST REVUENON nicht, aber auffällig war es schon!
Angefangen hat es mit dem M42 PORST Super Tele auto 1:4.5/240mm auf der Cann EOS 550D.
Der Hersteller PORST?
Den hat es nie gegeben! Das ist nur das Label! Im Auftrag produziert und beschriftet hat das Enna Werk München. Entsprechend ähnlich sehen auch meine beiden anderen Teles aus, die mit REVUENON gelabelt sind. Enna fertigte auch fürs ehemalige Versandhaus Quelle, deren Fotoprodukte den Namen REVUE trugen! Hier der dazugehörige Beitrag: "Zwei 135 mm Tele, ein 300 mm Tele, eine Gemeinsamkeit"
Oben abgebildet zwei 135 mm Enna-Tele, im Auftrag gefertigt für die 2002 in Insolvenz gegangene Laden-Kette Photo Porst und das 2009 on Insolvenz gegangene Versandhaus Quelle, dessen Fotoprodukte den Namen REVUE und die Objektive REVUENON trugen. Bis auf das unterchiedliche Design des Entfernungsrings praktisch indentisch.
Nicht zu übersehen der Belag einer inneren Linse. Ohne Entfernung dieses Belags gibt es nur flaue Bilder!
Christian Zahn hat sich im Frühjar 2025 erstmals dieser Probematik angenommen. Er schreibt:
Das Objektiv ist um 1975 gebaut worden, denn es ist ein fast vollständig in Kunststoff gefasstes Objektiv. Diese Technik hatte ISCO Göttingen bereits 1963 vorgestellt, die Enna-Werke München jedoch erst 1970. Grund: die preiswerte Herstellung von Objektiven, um dem japanischen Konkurrenzdruck standhalten zu können. Aus Metall sind in den Objektiv nicht viele Teile, nur der M42-Gewindeanschluß und wenige Teile im Inneren für die Blendensteuerung bestehen daraus. Der M42 Schraubanschluss ist nicht wie üblich aus verchromtem Messing gefertigt, sondern nur aus unbehandeltem Aluminium.
Ich mußte das 135 mm REVUENON Objektiv zerlegen und reinigen, zwei Linsen hatten pilzähnliche Strukturen auf beiden Linsenflächen. Jedoch reichte es aus, sie gründlich mit Isopropanol zu putzen, die Glaspilze hatten sich nicht in die Vergütung hineingefressen. Beim Zerlegen sieht man deutlich, wie stark die Konstruktion „kostenoptimiert“ wurde: Fast alles besteht aus Spritzgußteilen ohne jegliche Nachbearbeitung, Schrauben sind selbstschneidend in Löcher hineingedreht, es gibt keine Ausgleichsringe, um Fertigungstoleranzen auszugleichen usw. Die inneren Linsen sind vermutlich nur einschichtvergütet und sehr dünn, um teures Glas zu sparen.
Wie oben schon geschrieben ließen Foto Quelle (REVUENON) als auch Foto Porst bei Enna in München fertigen. Beide Exemplare in meinem Besitz erforderten eine Reinigung, vielleicht liegt es an der jahrzehntelangen Ausdunstung der verwendeten Kunststoffe der Spritzgußfassung, daß die Glaslinsen innen beschlagen, oder beide Tele-Objektive wurden unsachgemäß gelagert. Soweit Christian Zahn.
Die beiden oben abgebildeten 135er sind weitere Exemplare im Bestand!
Mit genau dem gleichen Serienfehler: Linsenbelag! Während sich die REVUE-Variante relativ problemlos reinigen ließ, kommt beim Porst noch miserable Fertigungstoleranz dazu!
Christian Zahn hat die Reparatur beschrieben und bebildert:
Problem
Während sich die beiden Hinterlinsen im REVUENON problemlos entfernen ließen, klemmt die zu reinigende Linse in der PORST-Variante so, dass sie bisher nicht rauszunehmen war. Sprich ein paar Hunderstel Millimeter zu groß, bei Fertigung mit sanfter Gewalt reingedrückt und jetzt nicht wieder rauszuholen. Ich merke, wie die Linse "klickt", sich etwas bewegt, aber der eingesetzte Sauger ist zu schwach. Bisher habe ich nur die Ersatzsauger für meine harten Kontaktlinsen zur Verfügung. Beim REVUNON haben sie problemlos funktioniert … Für einen nächsten Versuch mit dem PORST habe ich Sauger mit etwas größerem Durchmesser geordert.
Wenn die Linse nicht rauszubekommen ist, ist es auch kein Unglück, weil ich diese ENNA-Derivate nicht mehr einsetzen werde.
Aber Enna war nicht allein mit seinem "Plastik"-Einsatz
Oben bereits erwähnt: ISCO Göttingen
ISCO Göttingen setzte lange vor ENNA München "Plastik" im Billg-Objektivbau ein! Zwei ISCO-Objektive in Billig-Bauweise:
- Ein weiterer Dreilinser: ISCO-GÖTTINGEN ISCONAR 4/135 auf der Vollformat Nikon Z
- Für 8 Euro vom Flohmarkt: ISCO-GÖTTINGEN ISCONAR 1:4/100 Nikon Z7
Nach dem Gemecker: Enna München und ISCO Göttingen konnten auch anders – in ihren guten Anfangszeiten. Von besserer Qualität ist mein ENNA-München Tele-Ennalyt 1:3.5 f=13,5cm sowie das im Sommer ausgiebig zu "bespielende" Enna München Lithagon 1:3.5/28mm. Und das gerade wiederentdeckte ISCO GÖTTINGEN WESTANAR 1:4.5/180!
Ralf Jannke, Juni 2026
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| Autor: | Ralf Jannke |
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| Erstellt: | 15.06.2026 |









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