Nikon D50 Funktionstest 2026 mit AF-S Nikkor 70-200 2,8 G VR II von Christian Zahn

Diese digitale Nikon-Spiegelreflexkamera für Einsteiger hatte ich Anfang 2021 mit allen technischen Daten vorgestellt. Wie sie als Infrarot-Kamera benutzt wird, habe ich auch gezeigt. Nach fast fünf Jahren habe ich die Kamera nun kurz wieder in Betrieb genommen. Als Objektiv verwende ich ein Spitzen-Nikkor, das auch schon wieder zu lange in einer Bereitschaftstasche „geschlummert“ hat.

Ralf Jannke hat seine D50 immer mal wieder benutzt:

Nikon AF-s 70-200 2,8 G VR II

Das Vollformat-Objektiv wurde von 2009 bis 2016 gebaut und danach abverkauft, weil es dann eine neuere Version mit Fluorgläsern und elektrischem Blendenantrieb gab.

Das Objektiv ist vom „G“-Typ, d. h., es hat keinen Blendenring, die Blende wird immer an der Kamera eingestellt. Der eingebaute Bildstabilisator kann abgeschaltet oder auf einen „Mitziehmodus“ umgestellt werden, bei der nur das Objektivwackeln nach oben und nach unten ausgeglichen wird, Bewegungen links/rechts jedoch nicht. Diesen Modus benötigt man, wenn man quer zur Kamera laufende Tiere, Sportler oder Fahrzeuge verfolgt und den Bildausschnitt parallel zu ihnen bewegt, so daß der Hintergrund bewegungsunscharf ist, während das Motiv scheinbar stillzustehen scheint und darum scharf abgebildet werden kann, ohne daß es Bewegungsunschärfe zeigt. Die „VR“ = „Vibration Reduction“ reduziert laut Handbuch Verwacklungen maximal 3,5 Blendenstufen gegenüber Freihandbenutzung ohne VR.

Das Objektiv ist aufwendig aus 21 Linsen in 16 Gruppen aufgebaut, davon sind 7 Linsen aus ED-Glas mit und etliche haben eine spezielle Nikon Nano-Mehrschicht-Vergütung. 9 abgerundete Blendenlamellen ergeben eine fast kreisrunde Blendenöffnung. Das Zoomen erfolgt mit einem Ring, der manuelle Fokusring ist ein Encoder, der den Ultraschallmotor der Fokusgruppen elektrisch steuert. Die Entfernungsskala befindet sich geschützt hinter einem kleinem Fensterchen. Die Stativschelle ist um 360° frei drehbar, der abnehmbare Stativfuß hat zwei Gewinde, um leichtere DX-Cropkameras (beispielsweise D90) oder schwere FX-Profikameras (beispielsweise D4) auf dem Stativ „in die Waage“ bringen zu können, beispielsweise bei der Tierfotografie mit einem Gimbal. Die minimale Entfernung kann mit einem Schalter begrenzt werden, entweder durchfährt der Autofokus die gesamte mögliche Distanz von 1,4 Metern bis Unendlich oder nur von 5 Metern bis Unendlich, das spart wertvolle Bruchteile von Sekunden beim Verfolgen von entfernten Objekten.

Das Objektiv hat einen Durchmesser von 87mm, eine Länge von 209mm und wiegt 1540 Gramm. Weder beim Zoomen noch beim Fokussieren verändert es seine Länge. Die sehr wirksame blütenförmige Streulichtblende wird in ein Bajonett eingerastet, der Filterdurchmesser beträgt 77mm. Im Lieferumfang war ein Soft-Köcher und die Streulichtblende enthalten, beides mußte nicht extra nachgekauft werden.

Die Bildschärfe ist über alle Zweifel erhaben, das VR II galt als Referenzobjektiv. Die Verzeichnung bei 70mm ist mit 0,6% tonnenförmig kaum zu erkennen, bei 200mm kann die kissenförmige Verzeichnung von 1,4% bei Architekturaufnahmen je nach Motiv stören, bei Sport, Action und Tierfotos fällt sie hingegen meist nicht auf. Die Vignettierung bei Offenblende beträgt bei allen Brennweiten weniger als eine Blendenstufe, bei Arbeitsblende 8 ist sie kaum noch erkennbar. Die Bildecken sind bei Offenblende nicht so scharf wie die Mitte (aber immer noch als gut bis sehr gut zu bezeichnen), abgeblendet auf 4-5,6 erreicht die Bildmitte die maximale Schärfe, danach sinkt sie beugungsbedingt ab. Bei den äußersten Bildecken ist es ähnlich, hier liegt das Schärfenmaximum bei 5,6, um bei größeren Blendenzahlen durch die Beugung bedingt zurückzugehen. Sofern es die Schärfentiefe nicht erfordert, sollte 1:4,8-5,2 als Blende genutzt werden, dann erreicht das Objektiv seine höchste Schärfeleistung.

Aufgrund der Innenfokussierung hat das Objektiv leider ein kleines Manko: Je näher man fokussiert, desto kleiner wird die Brennweite. Bei 200mm eingestellter Brennweite und Nahfokussierung sinkt die effektive Brennweite auf 135mm. Aber für Nahaufnahmen ist das Objektiv sowieso nicht gedacht. 

Die UVP betrug ca. 2500 Euro, der aktuelle Gebrauchtpreis beträgt je nach Zustand und Lieferumfang etwa 500 bis 1000 Euro, die Preisspanne ist enorm, weil es zum einen im Profi-Einsatz deutlich abgenutzte Objektive gibt, aber auch Exemplare, die quasi Ladenneu aussehen und nur selten verwendet wurden.

Ich habe mein Exemplar Anfang 2010 erworben, damals hatte ich gerade von der Cropkamera Nikon D200 auf die Vollformat-Spiegelreflex D700 gewechselt und wollte ein Tele-Zoom mit eingebautem Stabilisator. Mein älteres AF-Nkkor 2,8/80-200 letzte Bauart (mit Blenden- und Zoomring), das ich um 2004 herum gebraucht gekauft hatte, konnte ich mit nur geringem Wertverlust verkaufen, so daß die Neuanschaffung des AF-s Nikkors für einen Straßenpreis von 2049 Euro nicht ganz so extrem „ins Kontor schlug“. Ich nutzte das Objektiv auch gerne mit dem Nikon-Telekonwerter TC-14E II, so daß ich an der D700 und später der D800 auf eine Brennweite von 98-280mm und einer Offenblende von 1:4 kam. Allerdings muß man ein „Ofenrohr“ mit Lichtstärke 2,8 herumtragen…

Seit ich 2011 die Nikon 1 V1 mit dem Setzoom 30-110mm (KB-äquvalent 81-297 mm) und die Olympus OM-D E-M5 mit dem Set-Telezoom 40-150 (80-300mm) im Bestand hatte, kamen die D800 und das Nikkor 70-200 VR II immer weniger zum Einsatz. Laut meiner Bild-Datenbank war der bislang letzte Ausflug des Objektivs eine Wanderung mit der Z5 im Sommer 2021.

Besonderheiten D50

Die D50 ist ein „abgespecktes“ Schwestermodell der D70, sie ist etwas kleiner und verwendet keine CompactFlash-Karten mehr. Außerdem wurden einige Bedienelemente und Features weggelassen, um den Verkaufspreis niedriger ansetzen zu können. 

Die Speicherung erfolgt erstmals bei einer Nikon-dSLR auf SD-Karten. Das RAW-Format NEF wird immer leicht verlustbehaftet komprimiert gespeichert. Auf Wunsch werden parallel zu den NEFs auch zusätzlich JPEGs (aber nur in der schlechten Komprimierungsstufe „Basic“) gesichert. Als die D50 vorgestellt wurde, gab es noch keine SDHC-Karten; ein Firmwareupdate, um diese größeren Karten verwenden zu können, hat die Kamera nicht erhalten. Somit passen nur 2GB-Karten, diese Karten gibt es neu praktisch nicht mehr zu kaufen, nur noch als gebrauchte Exemplare oder bislang unverkauften „New Old Stock“.

AF-Objektive ohne eingebauten Motor werden unterstützt, da ein AF-Motor in der D50 eingebaut ist (vermutlich letztmalig in einer Nikon-Einsteiger dSLR). AF-S-Objektive mit eingebautem Motor können ebenfalls benutzt werden, AF-G-Objektive ohne Blendenring auch, die neuen AF-P-Objektive mit Pulsmotor und elektrisch angetriebener Blende können jedoch nicht verwendet werden. Objektive mit eingebautem Bildstabilisator (VR) funktionieren.

Objektive ohne CPU (also z. B. alte Nikkore mit Ai bzw. Ai-S) können zwar angesetzt werden, da die D50 aber keinen Blendenmitnehmer hat, ist lediglich die manuelle Belichtungssteuerung möglich. Es gibt auch keine Nachführmessung, so daß die Belichtung mit einem externen Belichtungsmesser gemessen werden muß oder anhand des Histogramms der gerade gemachten Aufnahme vom Fotografen nachgeregelt werden muß. Immerhin leuchtet bei manuellen Objektiven der Schärfenindikator unterhalb des Bildfeldes im Sucher bei korrekt eingestellter Entfernung auf. 

Für viele Aufnahmeparameter ist auf der Kamera-Oberseite ein kleines SW-LCD-Display vorhanden. Dieses Feature wurde in allen späteren Nikon-Einsteiger- und Amateurkameras (D40, D60, D3x00, D5x00) weggelassen und blieb der D7x00- bzw. Dx00-Klasse vorbehalten.

Der UVP der Nikon D50 betrug etwa 750 Euro. Anfang 2026 kann man sie für etwa 20 bis 40 Euro je nach Zustand und Lieferumfang erwerben.

Die beiden Beispielaufnahmen entstanden bei 200 ASA, gespeichert als NEF, gewandelt mit Nikon Capture, bearbeitet mit mit Photoshop CS4. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde bearbeitet.

Fazit 2026

Die D50 startete ohne Probleme. Akku und 2 GB-Karte einlegen, Datum einstellen. Losfotografieren. So habe ich es gerne!

Weil die Auflösung der Kamera aber mit nur 6 Megapixel arg begrenzt ist und ich Infrarotaufnahmen inzwischen mit der höher auflösenden Fuji X-E2 mache, kommt die D50 wieder für mehrere Jahre zurück in die Aufbewahrungsbox.

Mit dem Objektiv hingegen will ich diese Jahr wieder einmal einen Rundgang machen, an der Z5 ist es mit dem FTZ-Adapter dank Ultraschallantrieb mit Autofokus benutzbar. Hoffentlich kommt nichts dazwischen, ich habe mir für 2026 eine umfangreiche „solltest Du mal wieder benutzen“-Liste aufgeschrieben…

Christian Zahn, Januar 2026

 

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