Canon EOS-1D Mark IV Praxisbericht von Christian Zahn

Hier stelle ich eine der vielen digitalen Spiegelreflex-Kameras von Canon vor, die EOS-1D Mark IV. Wie schon bei den analogen EOS-Kameras kennzeichnet die „1“ eine Profikamera. Sie ist das letzte Modell der Profiklasse mit APS-H-Sensor, mit ihr lief dieses Sensorformat aus. Außerdem ist sie die erste Canon-Profikamera mit einer ASA-Automatik, so etwas hatte es zuvor nur in Amateur- und Semiprofi-Bodies von Canon gegeben.
 

Spezifikationen

  • Die 2009 vorgestellte Canon EOS-1D Mark IV ist 156 x 157 x 80 mm groß und wiegt mit Akku und Speicherkarte 1155 Gramm.
  • Der APS-H CMOS-Sensor (28,7 x 19,1 mm) mit Pixelpitch 5,8µm löst maximal 4.896 x 3.264 Pixel = 16 Megapixel auf (Cropfaktor 1,3; Rohdaten 17 Megapixel). Manuell sind 100 bis 12800 ASA einstellbar (auf 50 und 102400 ASA erweiterbar). Full-HD-Videos und Live-View sind möglich. Bilder werden als JPEG oder CR2 (RAW-Format) auf CF-Karten Typ I oder II (max 64 GB) sowie SD-/SDHC-Karten (max. 32 GB) gespeichert.
  • Das Objektiv-Bajonett ist das EF-Bajonett, Amateur-EF-S-Objektive für das Halbformat können nicht benutzt werden.  
  • Das Motiv wird über einen Pentasprismasucher mit 100% Abdeckung der Sensorfläche angezeigt, in dem zwei hinterleuchtete LCD-Displays für viele Bildparameter eingespiegelt sind sowie das aktive AF-Feld kurz rot aufleuchtend markiert wird. Ein abschaltbarer 3“ TFT LCD Monitor mit 920.000 Subpixeln dient der Bildkontrolle nach der Aufnahme, der Monitor übernimmt auch die Menüsteuerung. Zwei SW-Statusdisplays auf der Kameraoberseite bzw. unterhalb des Hauptdisplays zeigen viele Bild- und Kameraparameter an.
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S) oder kontinuierlicher Autofokus (Ai-Servo gleichbedeutend mit AF-C) sowie manuelle Fokussierung mit Fokusunterstützung, AF-Ermittlung durch passiven Phasensensor (mittels teildurchlässigem Hauptspiegel und Hilfsspiegel abgegriffen), 45 AF-Felder, AF-Hilfslicht
  • Belichtungssteuerung durch Vollautomatik, Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik oder manuellen Modus. Matrixmessung (63 Zonen), mittenbetonte Integralmessung oder an das aktive AF-Feld koppelbare Spotmessung. Belichtungszeiten 30s bis 1/8000 sek., Selbstauslöser mit 10 s Vorlaufzeit, maximal 10 Bilder pro Sekunde
  • Norm-Blitzschuh mit TTL-Kontakten für Canon E-TTL II, seitliche PC-Buchse für Studioblitze
  • Weißabgleich automatisch oder manuell mit diversen Vorwahlen wie Sonne, Wolken, Glühlampenlicht usw.
  • keine Bildstabilisierung im Gehäuse, jedoch werden Objektive mit eingebauter Stabilisierung unterstützt
  • Energieversorgung durch Lithium-Akku LP-E4

Besonderheiten

Die Canon EOS-1D Mark IV wendete sich an Reportage, Sport- und Tierfotografen, die hohe Serienbildraten benötigen und durch den mit Cropfaktor 1,3 versehenen APS-H-Sensor quasi eine „Brennweitenverlängerung“ eingebaut haben, ohne daß es wie bei einem Telekonverter zu Reduzierung der Lichtstärke kommt. Sie ist „Made in Japan“.

Äußerlich gleicht die Kamera ihrem Vorgängermodell so sehr, daß man Mark III und Mark IV nebeneinander stellen muß, um die Unterschiede zu erkennen. Innerlich hingegen hat Canon nur wenig von der Mark III übernommen, alle wichtigen Teile sind neu konstruiert worden.

Die 1D Mark IV punktet mit einem extrem robustem Gehäuse aus leichtem Magnesium mit eingebautem Hochformatauslöser (inkl. dritter Gurtöse für Portraitfotografen, die Kamera hängt dann im Hochformat vor der Brust) und einer damals durchaus als hoch geltenden Serienbildrate. 10 Bilder pro Sekunde für etwa 30 RAW-Aufnahmen in Folge und weitaus mehr JPEGs, die in den internen Schreibpuffer passen, das reicht bei AF-Verfolgung fast immer für das „goldene“ Bild, also dasjenige, bei dem das abgelichtete Objekt perfekt im Umfeld positioniert ist bzw. lebendige Motive die beste Pose zeigen. Es ist schon fast  Filmen, was die 1D Mark IV abliefert!
Es dauerte etliche Jahre, bis die Serienbildrate von Nachfolgemodellen mit Spiegel signifikant erhöht werden konnte, beispielsweise bei der 1D X Mark III aus dem Jahr 2020 auf 16 Vollformataufnahmen pro Sekunde.

Um die hohe Serienbildrate zu schaffen, hat die Kamera zwei Bildprozessoren, die die Bilder parallel bearbeiten, d. h., sie wechseln sich bei der Aufbereitung der Sensordaten ab, mit nur einem Prozessor wäre die Kamera erheblich langsamer. Außerdem erfolgt der Antrieb des Spiegels und des Verschlusses durch je einen eigenen Motor, bei den meisten anderen Spiegelreflexkameras treibt ein einzelner Motor beides gemeinsam an. Deshalb hat die 1D Mark IV eine Sucherdunkelpause von nur 80 Millisekunden, d. h., in 0,08 Sekunden klappt der Spiegel hoch, der Verschluss löst aus und der Spiegel kehrt in die Ausgangslage zurück. Bei 10 Bildern pro Sekunde verbleiben dann allerdings nur 20 Millisekunden, in denen das Sucherbild sichtbar ist und der AF erneut fokussieren kann. Glücklicherweise ist das menschliche Auge recht träge und dadurch erscheint die Hellphase länger, als sie in Wirklichkeit ist.

Das Display ist fest eingebaut und für eine Profi-Spiegelreflexkamera von 2009 angemessen. Hatte die 1D Mark III mit nur 230.000 Subpixel ein grob auflösendes Display, so sind 921.600 Subpixel (640x480 Farbtripel = VGA-Auflösung) der 1D Mark IV mehr als die dreifache Pixelanzahl und mit bloßen Auge kaum noch erkennbar. Die 1D Mark IV hat zusätzlich zwei beleuchtbare Statusdisplays, eines für Aufnahmeparameter auf der Schulter, eines hinten unter dem Farbdisplay, auf dem immer der aktuelle Speicher-Ordner angezeigt wird und auf welche der beiden Karten was geschrieben wird sowie die aktuelle Bildzählernummer.
Alle Displays sitzen hinter Schutzgläsern, die kratzunempfindlich sind, außerdem sind sie reflexmindernd entspiegelt und beim großem Farbdisplay ist zwischen Displaypanel und Schutzglas eine Zwischenschicht eingebaut, so daß das fest verbaute Display auch von der Seite und in heller Umgebung gut eingesehen werden kann.

Der Sensor ist eine Canon-Eigenentwicklung vom CMOS-Typ exklusiv für die 1D Mark III. Die Abmessungen wurden gegenüber den Vorgänger um Zehntelmillimeter kleiner, der gerundete Cropfaktor blieb bei 1,3. Die Auflösung wurde von 10 auf 16 Megapixel gesteigert, der Pixelabstand sank dadurch, der Raum zwischen den einzelnen Pixeldioden wurde verringert, weil die Leiterbahnen verkleinert werden konnten.

Die maximale Empfindlichkeit der Mark III war mit 6400 ASA recht bescheiden, die Mark IV läßt sich auf über 100.000 ASA einstellen. Bei der 1D Mark III gab es keine ASA-Automatik, die Canon seit langem in Amateuer- und Semiprofimodellen einbaute; eine Empfindlichkeits-Automatik gab es mit der 1D Mark IV erstmals in einer Canon-Profikamera. Im Vorfeld hatte der Hersteller tausende Fotografen befragt, was sie sich in einer neuen Kamera wünschten und diese Automatik gehörte zu den Features, die aufgrund der Befragung implementiert wurden. Allerdings ist das Einstellen des oberen und unteren Grenzwertes der ASA-Automatik nicht getrennt von der generellen Beschränkung der möglichen Empfindlichkeiten möglich, stellt man die ASA-Automatik auf Werte von 400 bis 3200 ASA ein, lassen sich auch manuell nur diese Werte anwählen, beispielsweise 100 oder 12800 kann dann nicht ausgewählt werden! Das bedeutet, daß ein schnelles Auswählen einer hohen Empfindlichkeit zunächst einen Ausflug ins Kameramenu erfordert, um die Grenzwerte anzupassen, glücklicherweise kann man sich einen benutzerdefinierter Menüreiter zusammenstellen, so daß die Grenzwert-Einstellung schnell erreicht werden kann. Man darf nur nicht vergessen, anschließend die Grenzwerte wieder zurückzustellen, denn sonst kann die Automatik ja auch die hohen Werte anwählen!

Ganz durchdacht ist die Empfindlichkeits-Automatik nicht, denn beim Blitzbetrieb stellt sich die Mark IV immer auf 400 ASA, egal was die Umgebungsbeleuchtung benötigen würde. Und man kann der Automatik auch keine weiteren Grenzwerte vorgeben, wie es beispielsweise bei vielen Nikon-Kameras üblich ist. Somit ist es bei der 1D Mark IV nicht möglich, die längstmögliche Verschlußzeit vorzugeben, beispielsweise eine 1/250s, so daß die Automatik die Empfindlichkeit erhöht, wenn die Belichtungszeit darunter fallen würde, sie scheint sich an der 1/Objektiv-Brennweite-Regel zu orientieren.
Letztlich läuft es darauf hinaus, daß der Fotograf doch wieder manuelle Vorgaben machen muß, um vernünftige Belichtungswerte zu erzielen, entweder indem er in „P“ die Empfindlichkeit manuell einstellt oder im „Tv“-Modus eine gewünschte Belichtungszeit oder im „Av“-Modus eine Blende vorwählt.

Das AF-Modul im Spiegelkasten ist im Vergleich zur Konkurrenz mit 45 AF-Punkten etwas bescheiden, denn bereits die analogen Kameras EOS 1V von 2000 oder die EOS 3 von 1998 hatten 45 AF-Felder. Die Mitbewerber boten in ihren Kameras mehr AF-Einzelsensoren, z. B. die Nikon D300 von 2007 hatte schon 51 Felder. Immerhin können alle Felder in der 1D Mark IV manuell angewählt werden, beim Vorgängermodell konnte der Fotograf von deren 45 Feldern nur 19 selbst aussuchen, die anderen standen lediglich der automatischen AF-Feldwahl zur Verfügung. 39 der AF-Felder sind Kreuzsensoren, die bis Objektiv-Offenblende 1:5,6 funktionieren, die restlichen 6 Felder sind Liniensensoren. Bei Objektiv-Offenblende 1:8 arbeitet nur noch das zentrale AF-Feld, alle anderen sind dann inaktiv. Die AF-Felder decken nicht das gesamte Bildfeld ab, sondern nur den mittleren Teil.

Mit vielen Custom Functions kann der Autofokus an die fotografischen Anforderungen angepaßt werden, die meisten davon stellen die Art und die Schnelligkeit der AF-Verfolgung im Ai-Servo-Betrieb ein. Viele davon werden im Systemmenü nicht gut erklärt, die Bedienungsanleitung muß unbedingt zu Rate gezogen werden, damit die Verfolgung sich bewegender Motive korrekt funktioniert, weil man sich den AF schnell „verkonfigurieren“ kann, so daß er nicht wie gewünscht arbeitet.

Die EOS-1D Mark III war für ihre schlechte AF-Leistung im Ai-Servobetrieb berüchtigt, das Autofokusmodul der Mark IV, der AF-Auswerteprozessor und die gesamte Mechanik aus Spiegel und Hilfsspiegel wurde neu konstruiert und im Vorfeld ausgiebig getestet, aufgrund der Mark III hatte Canon viele Profi-Kunden an die Nikon D3-Serie verloren und konnte sie nicht zurückerobern. Die Mark IV war wieder auf dem AF-Niveau der Mark II bzw. übertraf diese sogar.

Weil spätere Canon Vollformat-Profimodelle trotz größerer Auflösung höhere Bildraten als die 1D Mark IV schafften, war der Vorteil des APS-H-Modells durch die höhere Bildrate gegenüber Vollformat nicht mehr gegeben, so daß dieses Sensorformat 2012 mit dem Erscheinen der EOS-1D X (Vollformat, 12 bis 14 Bilder pro Sekunde, 18 Megapixel) und dem Abverkauf der 1D Mark IV auslief.

Im Live-View stellt die Kamera nicht durch einen langsamen Kontrast-AF mittels mehrfachen Auslesens des Bildsensors scharf, sondern klappt kurz den Spiegel herunter, um die normalen AF-Sensoren zum Ermitteln der Entfernung zu nutzen. Die Auslösung erfolgt dann mit hochgeklapptem Spiegel, im Single-AF-Serienbildmodus bleibt er dann oben, die Kamera ist dadurch beim Auslösen wesentlich leiser.

Der Verschluss wurde auf 300.000 Auslösungen ausgelegt, das ist beim „Dauerfeuer“ mit 10 B/s auch nötig! An einem Rennwochenende auf einer Pferderennbahn können beispielsweise in wenigen Stunden bereits Tausende von Auslösungen zusammenkommen, ich habe beim Ausprobieren der gebraucht erworbenen Kamera beim Nachverfolgen der Straßenbahn fast 1000 Bilder in einer Stunde auf die Karte geschrieben. In einem zeitgenössischem Test wurde bemängelt, daß die 300.000 Klicks rein rechnerisch in etwa 9 Stunden entstehen, wenn die Kamera ununterbrochen auslöst. Das war sicherlich nicht ganz ernstgemeint, denn wer fotografiert schon einen halben Tag lang ohne Pause. Und außerdem bricht ja die Serienbildrate bei gefülltem Schreibpuffer stark ein, so daß die 10 B/s im Dauerbetrieb gar nicht möglich sind, es sei denn, man nimmt nur kleine JPEGs auf.

Gegen das laute Rattern des Spiegels und des Verschlusses gibt eine Abhilfe: einen „Silentmodus“ für Museen, Kirchen, Klassikkonzerte oder ähnliches. Der Spiegel klappt dann langsamer als normal hoch und bleibt nach der Auslösung solange oben, wie der Auslöser gedrückt bleibt. In die Ruhelage wird er noch langsamer als beim Hochklappen bewegt, so daß das Kamerageräusch insgesamt recht leise ist, aber natürlich immer noch lauter als bei heutigen Systemkameras ohne Spiegel. Diese „stille“ Betriebsart ist bei der !D Mark IV nur mit Einzelbildern möglich, erst spätere Modelle wie die EOS 5D Mark III können ihn auch im langsamem Serienbildmodus nutzen.

Der LP-E4 Akku wurde von der 1D Mark III übernommen, Aufsteiger mußten keine neuen Akkus erwerben. Im Akku ist ein Chip verbaut, der Infos über den prozentgenauen Ladezustand und die mit dem Akku seit der letzten Aufladung gemachten Auslösungen an die Kamera abgibt. Außerdem meldet er seinen „Gesundheitszustand“, also wieviel seiner nominellen Kapazität durch Alterung bereits verloren gegangen sind.
Der Akku wird nicht in eine Klappe in die Kamera eingelegt oder in einer ausziehbaren Schublade untergebracht, sondern am Akku ist ein Teil des Gehäuses befestigt, das sorgt für einen sehr schnellen Akkuwechsel in wenigen Sekunden. Im Lieferumfang der Kamera war ein Doppelschacht-Ladegerät für zwei Akkus, die nacheinander geladen werden. Der Zweitakku mußte allerdings extra gekauft werden, er kostete damals circa 200 Euro.
Merkwürdigerweise hat Canon keine Netzteilbuchse eingebaut, die 1D Mark IV erfordert einen Akkudummy mit Netzteil ACK-E4, das kennt man eigentlich nur von Amateurmodellen.

Laut Handbuch hält der LP-E4 etwa 1500 Aufnahmen durch, ich habe keinen originalen, sondern einen Nachbau-Akku, über dessen Alter und Ladezyklen ich keine Infos habe. Er meldet an die Kamera einen „guten“ Zustand, ich weiß aber nicht, ob der Zustand korrekt durch die akkuinterne Elektronik ausgewertet wird, ich habe bei anderen Kameras schon deutlich „abgerockte“ Nachbau-Akkus mit nur kurzer Lade- und Entladedauer erlebt, die sich trotzdem als „Neu“ bei der Kamera meldeten.
Mein Akku hält nicht nur 1500 „Klicks“ durch, sondern viele mehr, insbesondere im Serienbildmodus ohne Bildwiedergabe auf dem Farbdisplay schafft er enorm viele Aufnahmen. Am ersten Testwochenende habe ich ca. 2600 Auslösungen mit einer Restladestandsanzeige von 75% gemacht, hochgerechnet müßte er somit um die 10.000 Bilder schaffen. Die automatische Bildwiedergabe „saugt“ den Akku sichtbar leer, längere Ausflüge ins Kameramenu machen sich durch mehr als 1% Restkapazitätsverlust bemerkbar, auch ausgiebige Bildwiedergabe-Phasen belasten den Akku ebenso wie Objektive mit eingebautem Bildstabilisator. Live-View sorgt für einen sich schnell leerenden Akku, laut Handbuch sind in dieser Betriebsart nur etwa 230 Aufnahmen möglich.

Zur Puffern von Datum und Uhrzeit beim Akkuwechsel ist oben im Akkufach eine CR2025-Batterie mit 3 Volt eingebaut, ihre Abdeckung muß mit einem kleinen Kreuzschlitzschraubendreher gelöst und befestigt werden.

Die 1D Mark IV hat zwei Kartenschächte, einmal für CompactFlash-Karten Typ I oder II bis 64 GB, einmal für SD-/SDHC-Karten bis 32 GB. Mit der letzten verfügbaren Firmware unterstützt die Kamera UDMA-6, also Schreibraten bis 133 MB/Sekunde. Darum bricht die Auslösegeschwindigkeit bei gefülltem Schreibpuffer „nur“ auf etwa 3 RAW-Bilder pro Sekunde ein, beim Schreiben auf SDHC-Karten kommt die Kamera auf ungefähr 1 Bild pro Sekunde, wenn der Puffer gefüllt ist, weil die modernen und schnellen SDXC-Karten nicht unterstützt werden und die schnellsten mir vorliegenden SDHC-Karten mit 32 GB etwa 30 MB Dauerschreibrate aufweisen.

Auf Wunsch können RAWs auf einer Karte und parallel dazu JPEGs auf der anderen gespeichert werden, auf beide Karten kann aber auch dasselbe Bild (z. B. als Sicherheits-Backup) oder beide Karten nacheinander beschrieben werden.

Die Bilder der 1D Mark IV werden als JPEG und/oder im Canon-RAW-Format CR2 aufgezeichnet. Um die Dauer-Serienbildrate zu erhöhen, gibt es den m-RAW bzw. s-RAW-Modus. Die Bilder haben dann nur noch ca. 9 bzw. 4 Megapixel, aber die Serienbildgeschwindigkeit bricht fast nicht ein, weil auch bei maximaler Aufnahmefrequenz der Bildpuffer bei schnellen Speicherkarten nicht gefüllt wird. Diese RAWs werden aber nicht von allen RAW-Konvertern unterstützt, teilweise sind nicht alle Funktionen der jeweiligen Software mit ihnen möglich.

Die 1D Mark IV kann nur EF-Objektive benutzen, die für das KB-Vollformat gerechnet sind, die für den kleineren APS-C-Sensor ausgelegten EF-S - Objektive können nicht montiert werden, ihre Hinterlinsen würden mit dem für Vollformat gebautem Schwingspiegel kollidieren.

Profilike ist kein interner Blitz oberhalb des Prismas verbaut, sondern nur ein Norm-Blitzschuh mit Zusatz-Kontakten für das Canon E-TTL / E-TTL-II - System. Die Kamera hat einen AF-Illuminator, um im Dunkeln fokussieren zu können, kann aber auch den von einem Systemblitz mit eingebautem Hilfslicht nutzten , auch ohne daß dieser beim Aufnehmen gezündet werden muß. Bei kompatiblen Canon-Systemblitzgeräten können dessen Individualfunktionen an der Kamera im Menu eingestellt werden und müssen nicht auf dem wesentlich kleinerem Blitzdisplay und dessen wenigen Tasten umgestellt werden.

Die Bedienung der Kamera lehnt sich an das von den analogen Profi-Boliden her bekannte System an, die 1D Mark IV hat viele Tasten und Hebel, es gibt ein Daumenrad, ein Finger-Rad und einen Joystick mit zentraler OK-Taste (die gleichzeitig eine umdefinierbare Funktionstaste ist). Der Hauptschalter sitzt unterhalb des Fingerrades (er schaltet auch die ständige Belichtungskorrekturmöglichkeit durch das Rad zu oder ab). Es gibt kein Moduswahlrad, die Umschaltung zwischen P, M, Tv und Av geschieht nach Drücken einer Taste durch Drehen eines Rades.
Manche Tasten haben eine Doppelbedeutung, beispielsweise die AF- und Drive-Taste, beide Parameter werden durch Drehen des Finger- oder Daumenrades umgeschaltet. Zum Verstellen des Bracketings müssen sogar zuerst die Mode- und die AF-Drive-Taste gleichzeitig gedrückt werden, danach können die Zahl der Bilder und die Spreizung zwischen den Aufnahmen mit Finger- und Daumenrad verstellt werden.

Aufsteiger von der Mark III mußten sich kaum umgewöhnen, die Anordnung der Bedienelemente wurde fast nicht verändert. Dadurch fehlt der Mark IV allerdings eine dedizierte Video-Start-Taste, entweder wird zuerst Live-View durch Druck auf die „Set“-Taste in der Mitte des hinteren Rades aktiviert und dann das Video gestartet oder der Video/Start-Stopp wird auf die neben dem Auslöser liegende „FEL“-Taste umprogrammiert, dann kann allerdings keine „Flash-Exposure-Lock“-Funktion mehr ausgeführt werden, bei der die Kamera die Blitzbelichtung einmalig ermittelt und für die folgenden Aufnahmen speichert, um eine gleichmäßige Blitzbelichtung von Serienbildaufnahmen zu gewährleisten.

Die „Joystick“ hinten dient der Verstellung des aktiven-AF-Punkts, durch Druck auf ihn wird der mittlere AF-Punkt angewählt, zweifacher Druck schaltet zwischen automatischer AF-Wahl und manueller Feldauswahl um. Weil der Joystick so angebracht ist, daß er im Querformat gut mit dem rechtem Daumen verstellt werden kann, liegt er bei Verwendung der Kamera im Hochformat weit weg vom Daumen, neben dem Hochformatauslöser ist kein zweiter AF-Feld-Wähler angebracht, es bleibt dann nur der Druck auf die zweite AF-Feldwahltaste und anschließendes Drehen am hinterem Verstellrad.

Ein Hochformatauslöser ist fest eingebaut, er ist abschaltbar, um ungewollte Aufnahmen im Querformat durch seine Berührung zu verhindern. Einige Tasten in der Nähe des normalem Auslösers sind um den zweiten Auslöser herum ebenfalls nochmals vorhanden: Blitzbelichtungsmessungsspeicherung, Belichtungsmessungsspeicherung, AF-Start und AF-Feldauswahl, auch sie sind bei gesperrtem zwotem Auslöser ohne Funktion. 
Die Abblendtaste sitzt am Bajonett und ist so groß und vorstehend, daß sie jederzeit ohne die Kamera vom Auge absetzen zu müssen, ertastet werden kann.
Die SET-Taste im Daumenrad ist als umprogrammierbare Funktionstaste nutzbar, ab Werk dient sie zur Aktivierung des Live-View.

Das Kameramenü ist ausufernd, beispielsweise gibt es mehr als 50 Individualfunktionen. Leider hat die Kamera keine eingebaute „Onlinehilfe“, so daß viele Menüpunkte nicht selbsterklärend sind und einen Blick ins Handbuch erfordern, um ihren Sinn zu verstehen.
Fast alle Einstellungen der Kamera können auf eine Speicherkarte geschrieben werden, der Dateiname ist frei wählbar. Hat man verschiedene Parametersätze mit unterschiedlichen Einstellung auf der Karte gesichert, kann die Kamera fast komplett durch Laden der passenden Datei umprogrammiert werden.

Die Belichtungsmessung verwendet entweder eine 63-Zonen-Matrixmessung, eine mittenbetont integrale Messung, eine Selektiv- oder eine optional an das aktive AF-Feld gekoppelte Spotmessung.

Die Kamera schreibt enorm viele interessante Angaben in die EXIFs jedes aufgenommenen Bildes, in den Canon-MakerNotes finden sich unter anderem: Selbstauslöser, Blitzmodus, Bildqualität und -Größe, Objektiv inkl. kleinster und größter Brennweite und Blende, Kamera-Temperatur, Blitzleitzahl, Kamerafirmwarestand, Seriennummer von Kamera und Objektiv, Name des Besitzers (sofern mit einem Computer-Programm eingegeben, er kann nicht im Kamera-Menu verstellt werden), die Sensorbreite und -Höhe in Zoll, alle Bild-Aufnahmeparameter, der gewählte AF-Punkt, die in der Fokusebene liegenden AF-Punkte, die Einstellung jeder einzelnen Individualfunktion uvm.

Die Canon-RAW-Software und die meisten käuflichen RAW-Konverter geben nur die nominellen 4.896 x 3.264 Pixel Pixel aus, freie Konverter können 4916 x 3273 Sensorpixel auslesen. Die „fehlenden“ Randpixel werden üblicherweise zur Korrektur der Objektivverzeichnung verwendet.
Nominell hat der Sensor sogar 5120x3313 Bildpunkte (17 Megapixel), während der Kameraproduktion wird in jedes Exemplar individuell der nutzbare Ausschnitt von 4916 x 3273 Bildpunkten einprogrammiert, so daß die Sensormontage mit geringerer Genauigkeit erfolgen kann, die Festlegung des exakten Bildausschnitts hinter dem Bildfenster erfolgt durch vier Parameter im Bildprozessor für die linke obere sowie rechte untere Bildecke. Diese Parameter kann nur der Service ändern, der Anwender nicht. In meinem Exemplar ist beispielsweise links oben auf 152/50 und rechts unten auf 5047/3313 gesetzt.

Die Anzahl der Kamera-Auslösungen steht im Gegensatz zum Vorgängermodell nicht mehr in jedem aufgenommenem Bild, sondern wie bei fast allen anderen Canon-Kameras muß dazu ein Computerprogramm bemüht werden, daß die Auslösung aus der per USB angeschlossenen Kamera ausliest.

Der Sucher zeigt das ganze aufgenommene Bild (100% Bildfeldabdeckung). Ein Okularverschluß ist vorhanden und auch bei aufgesetzter Augenmuschel bedienbar, zur Dioptrienkorrektur muß diese aber abgenommen werden, da sie das Korrektur-Einstellrad verdeckt. Das Prisma ist ein verspiegeltes Pentaprisma aus Glas, unter ihm und rechts von ihm sitzen zwei hinterleuchtete LCD-Displays für viele Aufnahmeparameter, für die Belichtungskorrektur und die Blitzbelichtungskorrektur werden rechts zwei getrennte Skalen angezeigt. Brillenträger haben je nach Fehlsichtigkeit leider Probleme, den Sucher und beide Displays gleichzeitig zu sehen.

Die Mattscheibe kann vom Anwender getauscht werden, wobei der eingewechselte Typ teilweise unbedingt im Kameramenu eingetragen werden muß, da es sonst zu Fehlbelichtungen durch unterschiedliche Lichtdurchlässigkeit der Scheiben kommen wird. Der Grund dafür ist, daß die Belichtungsmessung im Sucher sitzt und das durch die Mattscheibe fallende Licht auswertet.

Die Belichtungsmessung neigt bei Kameraeinstellung mit den Werte bei Auslieferung zum Überbelichten, helle Motivdetails verlieren dann Zeichnung. In den Custom Functions kann dagegen eine Tonwertpriorität C.FN II - 3 eingeschaltet werden, die Kamera belichtet dann etwas dunkler und JPEGs bekommen eine weichere Gradation. 50 und 100 ASA können dann weder manuell noch automatisch angewählt werden, die niedrigste Empfindlichkeit beträgt 200 ASA.
Sollten die Bilder hingegen generell oder Motivabhängig zu dunkel ausfallen, kann C.FN II - 4 „Automatische Belichtungsoptimierung“ von Standard auf „Stark“ umgestellt werden. JPEGs werden dann automatisch aufgehellt, RAWs nur durch den Canon-eigenen Konverter DPP, weil die meisten anderen RAW-Konverter diese Einstellung in den RAW-Parametern des Bildes ignorieren und auf eigene Algorithmen zur Bildverbessrung setzen.

Eine generelle Belichtungskorrektur kann mit C.FN I - 16 vorgenommen werden, die generelle Belichtungsmessung kann +/- 1 Blende in 1/8-Blendenstufen feinangepaßt werden. Diese Belichtungskorrektur erfolgt dann immer, die Anzeige der individuellen Belichtungskorrektur ist davon unabhängig! Ist diese Custom Funktion irrtümlich verstellt worden, beispielsweise auf -1 Blende, belichtet die Kamera immer unter, auch wenn die Kamera keine Belichtungskorrektur in den entsprechenden Anzeigen ausgibt!

Die Schnittstellen befinden sich hinter drei unverlierbaren Gummiabdeckungen. USB 2.0, Mini-HDMI und PC-Buchse verwenden genormte Kabel, die Buchse für einen elektrischen Fernauslöser und den Videoausgang sind Canon-proprietär, aber kompatibel zu vielen anderen Canon-Profi- und Semiprofi-(d)SLRs.

Um die Kamera in einem WLAN oder einem drahtgebundenen Netzwerk zu betreiben und die Bilddaten direkt auf einem Server ablegen zu können, mußte ein Extragerät gekauft werden, der WFT-E2 II (Wireless File Transfer). Er wird in eine seitliche mehrpolige Buchse geschraubt und hat eine USB-Buchse, an die externe Festplatten gesteckt werden können, sie erfordern aber eine eigene Stromversorgung, beispielsweise über einen USB-Hub mit Netzteil.
Über diese USB-Buchse können auch GPS-Empfänger betrieben werden, die aktuellen GPS-Koordinaten werden dann in jedes aufgenommene Bild geschrieben. Mit einer Canonsoftware kann die Kamera auch „tethered“ betrieben werden, d.h., man kann am Rechner auslösen.

Die kameraintern erzeugten JPEGs werden durch den Bildprozessor „geschönt“, Verzeichnung, Vignettierung und chromatische Aberrationen vieler Canon-Objektive werden in den durch die Kamera erzeugten JPEGs fast komplett eliminiert (auf Objektive begrenzt, die der Kamerafirmware bekannt sind, somit nur bis ca. 2013 hergestellte Objektive). Der zusammen mit der Kamera gelieferte bzw. der heute kostenlos herunterladbare RAW-Konverter Canon Digital Photo Professional korrigiert diese Objektivfehler noch besser als die Kamera-interne Korrektur.

Die UVP der EOS-1D Mark IV betrug ca. 4700 Euro, der heutige Gebrauchtpreis liegt bei etwa 300-750 Euro je nach Zustand, Zahl der Auslösungen und Lieferumfang. Ich erwarb meine Kamera Anfang 2026 bei einem Fotohändler mit etlichen Filialen in Deutschland für 200 Euro. Die Zustandsbeschreibung war „C“ = „stark gebraucht“, weil etliche Stellen des Gehäuses bis auf das blanke Metall abgescheuert sind und es tiefe Kratzer in den Schnittstellenabdeckungen gibt. Ansonsten war der äußere Zustand aber recht gut, der Vorbesitzer hatte nur ca. 50.000 Bilder gemacht, was für eine Profikamera quasi „nichts“ ist. Ich hatte bei der Zustandsbeschreibung auf weit mehr Auslösungen geschätzt und war angenehm überrascht, daß nur etwas mehr als 15% der normal möglichen Auslösungen „verbraucht“ waren.

Alle Beispielaufnahmen entstanden bei Programm- und ASA-Automatik (teilweise mit Tonwertpriorität), verwendet habe ich die Objektive 1,8/50 STM 28-135 USM IS; gespeichert als CR2, konvertiert mit Canon DPP 4, bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte und die Aufnahmeparameter einmontiert.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der EOS-1D Mark IV ist größtenteils aus einer leichten und trotzdem stabilen Magnesium-Legierung, viele Teile sind mit „beledert“. Die verwendeten Materialien sind nach mehr als 15 Jahren noch gut erhalten, auch die Abdeckungen über den Schnittstellen sind noch nicht versprödet, wie es bei meiner 1D Mark III der Fall war, so daß die Dichtungen zerbröselten und abfielen. Die 76 verbauten Dichtungen gegen Staub und Spritzwasser haben sich bei meinem erstem Fotoausflug bewährt, weil ein im Wetterbericht nicht angekündigtes ausgiebiges Regengebiet meinen Fotostandort durchzog. 

Die Treffsicherheit der Belichtungsmessung ist gut und der Preisklasse angemessen. Der Sensor der 1D Mark IV neigt teilweise zum „Ausbrennen“ der hellen Stellen, so daß nur bei Motiven mit großem Kontrastumfang per Belichtungskorrektur eingegriffen werden muß. Je nach Motiv belichtet die Matrixmessung zu deutlich auf die Schatten, dann muß per Belichtungskorrektur manuell gegengesteuert werden.

In den dunkleren Bildpartien rauscht der Sensor relativ wenig sichtbar, die Schatten können erträglich per EBV aufgehellt werden. Jedoch gilt das nur für etwa 2 bis 3 Blendenstufen Anhebung, bei größerer Anpassung der dunklen Motivdetails ist das Rauschen stärker und bei 100%-Ansicht deutlich bemerkbar. Bei höheren ASA-Zahlen rauscht der Sensor, 800 und 1600 sind noch recht problemlos, darüber wird es immer unansehnlicher, 6400 ASA sind schon recht verrauscht.

ISO 102.400 ist ein reiner Notbehelf, bei denen bunte Pixel das Bild übersähen. Der Einsatz einer heutigen KI-basieren Entrauschung ist nötig, um die Aufnahmen oberhalb von ca. 6400 ASA zu retten.

Die Bildqualität der 1D Mark IV ist auch heutzutage noch als gut zu bezeichnen, sofern der Kontrastumfang der Motive nicht allzugroß ist. Bei 16 Megapixeln und ISO 100 bis 1600 gibt es an den Bildern nur wenig auszusetzen.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch interessante Kamera (eine von den „Einsermodellen“ gehört in jede Kamerasammlung), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen noch gut geeignet, sofern man bis maximal 1600 ASA fotografiert. 16 Megapixel reichen auch heutzutage noch für etliche Anwendungen aus, lediglich das ratternde Geräusch im Serienbildmodus dürfte heutzutage oftmals als störend empfunden werden, da inzwischen spiegellose Kameras allgemein üblich geworden sind, bei denen man meist nur den Verschluss hören kann und häufig nicht einmal diesen, weil die Kameras einen elektronischen Verschluss haben und keinen mechanischen mehr benötigen.

Christian Zahn, Februar 2026

 

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