Minolta DiMAGE E323 von Christian Zahn

Hier stelle ich eine der letzten Kameras vor, die Minolta vor der Fusion mit Konica auf den Markt brachte. Teilweise wurde sie als Minolta, teilweise als KonicaMinolta verkauft, die heutzutage herunterladbaren Anleitungen sind ebenfalls teilweise mit Minolta und mit KonicaMinolta als Hersteller gekennzeichnet.

Seitenbetreiber Boris hat eine Minolta, Ralf Jannke besitzt ebenfalls eine „reine“ Minolta. Die hier gezeigte Kamera hat den KonicaMinolta-Aufdruck auf dem Karton und der Anleitung, nicht auf dem Gehäuse; auf dem Typenschild steht KonicaMinolta.

Spezifikationen:

  • Die 2003 vorgestellte DiMAGE E323 ist 99 x 62 x 35 mm groß und wiegt ohne Akku und Speicherkarte 145 Gramm.
  • Der 1/2,7“ (5,4 x 4,0 mm) große CCD-Sensor (Cropfaktor 6,4/Pixelpitch 2,6 µm) löst maximal 2048 x 1536 Bildpunkte (4:3) = 3,2 Megapixel auf. Automatisch oder manuell sind 50 bis 200 ASA auswählbar. Kurze Videos sind in 4:3 Format mit 320 x 240 Pixel möglich. Bilder werden als JPEG auf MMC-/SD-Karte (max. 2 GB) gespeichert.
  • Das Motiv wird über einen abschaltbaren 1,6“ TFT LCD Monitor mit 84.960 Subpixeln angezeigt, der auch die Menüsteuerung übernimmt, zusätzlich ist ein optischer Realbildsucher vorhanden.
  • Das Objektiv ist ein 5,6-16,8mm/1:2,8-4,9 (36-108 mm @KB) Zoom, 7 Elemente in 6 Gruppen
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S)
  • Belichtungssteuerung durch Programmautomatik oder Motivprogramme, Belichtungszeiten 2 s bis 1/2000 s, kombinierter mechanischer und elektronischer Verschluß,  Selbstauslöser mit 10 s Vorlaufzeit
  • Blitz mit ca. Leitzahl 5 (ISO 100) und den üblichen Funktionen: Ein/Aus, Automatik, Langzeitsynchronisation, Rote-Augen-Reduktion
  • Weißabgleich manuell oder automatisch mit diversen Vorwahlen wie Sonne, Wolken, Glühlampenlicht usw.
  • keine Bildstabilisierung
  • Energieversorgung durch zwei Mignonzellen

Besonderheiten

Die 3-Megapixel-Kompaktkamera mit damals durch aus üblichem Zoombereich ragt aus der Masse der Marktumfeldskameras durch ein mit hellblauen Querstreifen versehenes Zierelement auf, ansonsten ist sie nichts besonderes. Höchstens erwähnenswert, daß das Zoomobjektiv beim Abschalten komplett im Gehäuse verschwindet und nicht daraus herausragt.

Zur Stromversorgung nutzt die Kamera handelsübliche Mignonzellen, sowohl Alkaline-Batterien als auch NiMH-Akkus können verwendet werden. Das gezeigte Exemplar „krankt“ wie viele Kameras an brechenden Halteklammern des Batteriefachs, der Kunststoff versprödet im Lauf der Zeit, dann halten die Klammern dem Federdruck nicht mehr stand und brechen ab. Wer die Kamera heutzutage benutzt, sollte eine Blitzschiene unterschrieben, ansonsten werden noch intakte Halteklammern sofort zerbrechen.

Daß das gezeigte Exemplar die Batterien ohne Hilfsplatte stabil halten kann, liegt am Vorbesitzer. Er hat mit feinwerklichen Geschick, drei Schrauben und zwei Blechplättchen neue Halterungen angebracht, in die die Klappenklammern eingreifen. Chapeau!

Gespeichert werden Bilder und Videos auf eine MMC-Karte, auch SD-Karten bis maximal 2 GB können benutzt werden.

Das Bedienkonzept ist zeittypisch, auf der Oberseite sitzt neben dem Hauptschalter der Auslöser, auf der Rückseite gibt es eine Zoomwippe, einen Schiebeschalter für Aufnahme, Wiedergabe und Sucherbenutzung, das Steuerkreuz mit zentraler OK-Taste und zwei weitere Knöpfe. Die meisten Einstellungen erfolgen mit Hilfe des Menüs, nur Blitz, Makromodus und die Blitzfunktionen werden direkt durch eine Taste aufgerufen.

Die auf der Vorderseite vorhandene runde matte Scheibe ist kein Spielchen für „Selfies“, sondern soll der Greifhand etwas Stabilität geben. Das scheitert allerdings an der Tatsache, das die Scheibe viel zu glatt und nicht genug vorgewölbt ist, um die Haltung wirklich verbessern zu können.

Das winzige und grobpixelige Display kann nur zum Anpeilen des Motivs genutzt werden, eine Schärfenbeurteilung ist damit völlig unmöglich, es ist zur Motivkomposition bei hellem Sonnenlicht kaum geeignet, da es dann nicht hell genug ist. Der optische Sucher ist ebenfalls sehr klein, wie üblich zeigt er weniger, als auf dem späteren Bild aufgenommen wird. Das eigentliche Display-Panel hat zum Schutz gegen Beschädigungen eine durchsichtige Plastikscheibe, diese ist aber kratzempfindlich und sollte mit einer Schutzfolie aus dem Zubehörhandel gesichert werden.

Das Kameramenü ist mehrstufig, zunächst gelangt man in eine Einstellebene, in der Aufnahmeparameter wie Blitzfunktion und Auflösung usw. eingestellt werden, eine weitere Ebene ist dann das Systemmenü.

Die kombinierte USB-/Videobuchse erfordert ein Spezialkabel, die Netzteilbuchse hingegen nicht.

De Kamera speichert zwar Details in den MakerNotes der EXIFs in jedem aufgenommenen Bild, aber die mir vorliegenden Programme können sie nicht auswerten. In die meisten der damals genormten EXIF-Felder werden Werte eingetragen, die Belichtungszeit wird nicht gerundet notiert, sondern die echten „krummen“ Werte.

Die UVP betrug ca. 350 Euro, ich bekam das gezeigte Exemplar im Frühjahr 2026 von einem Leser dieser Website geschenkt, vielen Dank an M. Tomazic für die Überlassung der Kamera! Der aktuelle Zeitwert beträgt etwa 5 bis 10 Euro je nach Zustand und Zubehör.

Beispielaufnahmen

Alle Beispielaufnahmen entstanden bei ASA-Automatik, gespeichert als JPG, bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Bilder wurden nicht verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde nicht bearbeitet, es sind also fast unveränderte Bilder „Out of the Cam“. Belichtungszeiten- und Brennweiten-Angaben sind in die Bilder eingefügt.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse macht keinen hochwertigen Eindruck, es besteht größtenteils aus Kunststoff, aber das war zum Verkaufszeitpunkt völlig normal. Auf das Problem der abbrechenden Halteklammern des Batteriefachs habe ich oben bereits hingewiesen.

Die Bildqualität ist trotz der geringen Sensorauflösung als gut zu bezeichnen, ich habe Kameras im Fundus, die schlechtere 3-Megapixel-Aufnahmen abliefern. Trotzdem merkt man der Kamera das Alter an, der Kontrastumfang ist wesentlich geringer als heutzutage. Außerdem erscheinen mir die gezoomten Aufnahmen unschärfer als die Weitwinkel-Fotos.

Der Autofokus ist aus heutiger Sicht langsam und träge, damals galt er als klassentypisch.

Die Verzeichnung des Objektivs ist bei 36mm deutlich sichtbar, je nach Motiv sogar störend. Auch die chromatischen Aberrationen sind je nach Motiv erkennbar.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch etwas interessante Kamera (weil aus der Masse dank hübschen Design herausragend), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen jedoch nicht mehr geeignet.

Christian Zahn, Mai 2026

 

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