Nikon D50 und D70s Ultra-Kurzzeitblitzen mit Metz 40 MZ-2 von Christian Zahn

Ralf Jannke hatte hier über das Kurzzeitblitzen mit einigen alten Nikon-Digitalkameras berichtet, die mit sich selbst steuernden Blitzgeräten bis zu 1/4000s aufhellblitzen können. Darum habe ich das auch mal ausprobiert.

Besonderheit der Nikon D70/D70s/D50 / D1

Diese Kameras sind sich alle sehr ähnlich, ihr Sensor und ihr Verschluss sind weitgehend identisch. Ihre mechanischen Komponenten stammen größtenteils von der analogen F75 ab, deren Blitz-Synchronzeit nur 1/90s beträgt. Damit ein Bild geblitzt werden kann, muß der Verschluss das Bildfenster komplett freigeben, d. h., die ersten Verschlußlamellen müssen den Sensor komplett freimachen, dann kann geblitzt werden, bevor die zweiten Lamellen den Sensor wieder abdecken. Weil der APS-C-Sensor der D70 kleiner ist als das Vollformat, konnte Nikon bei identisch gebliebenem Verschluss die mechanische Synchronzeit der D70 auf 1/125s verkürzen.

Die kürzeren Belichtungszeiten realisieren die meisten anderen dSLRs, in dem die zweiten Lamellen bereits geschlossen werden, bevor die ersten das Bildfenster völlig freigegeben haben. Dadurch entsteht ein mehr oder minder breiter Schlitz, dessen resultierende Belichtungszeit kürzer ist als die Synchronzeit. Dieser Schlitz ist der Namensgeber des „Schlitzverschlusses“.

Bei der D70 hat Nikon eine Besonderheit des Sensor genutzt, er ist in der Lage, einen „elektronischen Verschluss“ zu bilden. Die Sensorelektronik sammelt das einfallenden Licht ständig, kann aber für einen vorher definierten Zeitraum „zwischenspeichern“, so daß die danach ausgelesene Lichtmenge nur der gewünschten kurzen Belichtungszeit entspricht. Diese Technik wurde ursprünglich für Videokamerasensoren entwickelt, die ja prinzipbedingt keinen mechanischen Verschluss haben. Zunächst wurde diese Technik in digitalen Kompaktkameras verwendet, deren Zentralverschluß deshalb billiger sein konnte, weil er nur die langen Belichtungszeiten realisieren mußte, während die Herstellung eines Zentralverschlusses für kurze Zeiten aufwendig und teuer ist und für Ultrakurzzeiten (1/2000s bis 1/4000s) quasi unmöglich. In den technischen Datenblättern dieser Kameras steht dann oft ein Satz wie „kombinierter mechanischer und elektronischer Verschluss“.

Theoretisch kann die Nikon D70 bis zur kürzesten elektronischen Belichtungszeit von 1/4000s blitzen, Nikon hat diese Synchronzeit aber auf 1/500s beschränkt. Die Kamerafirmware erlaubt bei der Verwendung von Nikon-Systemblitzgeräten nur eine maximale Belichtungszeit von 1/500s. Das liegt daran, weil bei noch kürzeren Belichtungszeiten die Verzögerung der Auslösung des Blitzes eine Rolle spielt, da ein Elektronenblitz den Zündimpuls der Kamera umsetzen muß, um die Blitzröhre zu zünden. All die dazwischengeschaltete Elektronik hat Auswirkungen auf diese Verzögerung, so daß Nikon vermutlich in Tests während der Entwicklung der D70 festgestellt hat, daß es unterhalb der 1/500s zu ungleichmäßig beleuchteten Blitzbildern kommen wird, denn bei Vollastabgabe leuchtet ein Blitz dann länger als die Belichtungszeit der Kamera betragen kann.

Die Nikon D1 hat einen ähnlich aufgebauten Sensor, auch dieser kann dank seines elektronischen Verschlusses kürzere Zeiten als die des mechanischen Verschlusses erzeugen. Als Profikamera schafft sie sogar 1/16.000s!

Ulrakurzzeitblitzen mit D70s und D50

Wie erwähnt, kann die D70(s) und somit die von ihre abgeleitete D50 offiziell nur bis zur 1/500s aufhellblitzen. Nutzt man jedoch die Kamera im „M“-Modus, stellt Belichtungszeit sowie Blende selbst ein und nutzt zusätzlich einen Aufsteckblitz, der sich selbst steuern kann, so kann man durchaus auch bei 1/4000s aufhellblitzen, denn die Kamera weiß vom aufgesetztem Blitz überhaupt nichts und sperrt deshalb die kürzeren Zeiten nicht.

Wichtig ist, daß man keinen Nikon-Systemblitz verwendet, sondern einen, der lediglich einen Mittenkontakt hat. Jeder Nikon-Systemblitz meldet der Kamera über Zusatzkontakte, daß er eingeschaltet ist und die Kamerafirmware begrenzt dann die Synchronzeit auf die 1/500s.

Bei diesen Spielereien außerhalb der Spezifikation git es keinerlei Belichtungsmessung durch die Kamera, man muß also nach der Aufnahme das Histogramm des Fotos prüfen und die Blende sowie die Belichtungszeit anpassen. Der Blitz muß sich entweder selbst steuern können, beispielsweise über einen eingebauten Sensor, der das vom Motiv reflektierte Licht mißt oder er sollte in seiner Leistung regelbar sein, also neben der vollen Blitzleistungsabgabe auf 1/2, 1/4, 1/8 usw. einstellbar sein.

Kann er sich selbst regeln, so genügt es, Empfindlichkeit und Blende der Kamera auf den Blitz zu übertragen, während die Belichtungszeit und die Blende der Kamera so eingestellt wird, daß das Motiv schon recht korrekt belichtet aufgenommen wird und der zusätzliche Blitz dann nur noch die Schattenpartien des Motivs aufhellt. Die Stärke der Aufhellung kann dann über die am Blitz eingestellte Blende korrigiert werden, soll der Anteil des Blitzlichtes weniger dominant sein, stellt man am Blitz beispielsweise statt der Kamerablende 8 eine Blitzblende 5,6 ein, so wird das Blitzlicht weniger stark sein.

Beim Blitzen mit Einstellung der Blitzstärke reduziert beispielsweise die Reduktion von 1/8 auf 1/16 das abgegebene Blitzlicht um die Hälfte, auch so kann der Blitzlichtanteil an das Umgebungslicht angepaßt werden.

Bei der D50 und D70 machen Belichtungszeiten zwischen 1/250s und 1/4000s keinen Unterschied in der Belichtung, sofern der Anteil des Umgebungslichtes wesentlich geringer ist als das Blitzlicht. Sind beide ähnlich hell oder ist gar das Blitzlicht geringer als das Umgebungslicht, so wirken sich die Änderungen der Belichtungszeit aus, genauso wie es ein nicht geblitztes Bild ja auch ergeben würde, sofern die Blende gleich bleibt und die Belichtungszeit sich verändert.

Wichtig ist, daß die Blitzleuchtdauer kürzer ist als die Kamerabelichtungszeit, ansonsten wird ein Teil des abgegebenen Blitzlichtes „abgeschnitten“.

Als Beispiel dient ein Nikon SB-800:

  • Leistung 1/1     - Leuchtdauer ca. 1/1000s
  • Leistung 1/2     - Leuchtdauer ca. 1/1100s
  • Leistung 1/4     - Leuchtdauer ca. 1/2500s
  • Leistung 1/8     - Leuchtdauer ca. 1/6000s
  • Leistung 1/16   - Leuchtdauer ca. 1/11000s
  • Leistung 1/32   - Leuchtdauer ca. 1/18000s
  • Leistung 1/64   - Leuchtdauer ca. 1/30000s
  • Leistung 1/128 - Leuchtdauer ca. 1/40000s

Daraus folgt, daß bei einer Belichtungszeit von 1/400s der Blitz maximal 1/6 seiner Leistung abgeben kann, der Rest wird von Sensor nicht registriert. Bei der 1/16.000s ist die maximale Blitz-Nutz-Leistung auf 1/32 reduziert. Und man sieht, warum Nikon die 1/500s gewählt hat, denn dann paßt der Blitz mit Vollast sicher in die Belichtungszeit hinein.

Übrigens: Heutzutage gibt es die Möglichkeit, mit passenden Blitzgeräten und Kameras Ultrakurzzeit zu Blitzen, das heißt bei Nikon beispielsweise „HSS“ High Speed Sync. Damit der Blitz lange genug leuchtet, um den wandernden Schlitz des Verschlusses zu belichten, gibt der Blitz in rascher Folge viele kurze Blitzimpulse ab, er flackert sozusagen. Dadurch sinkt seine Leitzahl, denn pro Einzelblitz kann ja nur ein kleiner Teil der maximalen Blitzleistung abgegeben werden, ansonsten wäre der Blitzkondensator schneller leer, als der Verschluss für eine „Reise“ benötigt.

Meines Wissens nach war die OM707 in Verbindung mit dem F280 Blitzgerät (Vorstellungsjahr 1986) die erste Kamera, die Kurzzeitblitzen beherrscht, Olympus nannte es „Super FP“ = „Super Focal Plane“ = „Super Schlitz Verschluss (Blitzen)“. Bei Nikon konnte die F90 zusammen mit dem SB-25 von 1992 erstmals HSS-Blitzen.

Blitzaufnahmen Nikon D50 mit Metz 40 MZ 2

Blitzaufnahmen Nikon D70s mit Metz 40 MZ 2

Alle Beispielaufnahmen entstanden im manuellen Modus mit fester Blende sowie Empfindlichkeit und veränderter Belichtungszeit. Der verwendete Blitz war ein Metz 40 MZ 2 mit Eigensteuerung, Empfindlichkeit und Kamerablende war identisch zur an der Kamera eingestellten Werten bzw. die am Blitz eingestellte Blende wurde angepaßt, um das Blitzlicht in der Stärke zu regeln.

Bei D50-Bildbeispiel 1 bis 5 des Weihnachtsmannes sieht man, wie der Umgebungslichtanteil immer geringer wird und das Blitzlicht dominanter wird, weil aber das Umgebungslicht von Anfang an geringer war als das Blitzlicht, bleibt der Helligkeitseindruck fast unverändert. Bei Bildbeispiel 7 bis 10 habe ich den Unterschied des angeblitzten und des geblitzten Bildes nebeneinandergestellt.

Bei D70s-Bildbeispiel 1 und 2 sieht man, daß das Umgebungslicht eine Belichtungszeit von 1/50 erfordert, so daß bei 1/250s die Aufnahme schon reichlich unterbelichtet ist. Bei Bild 3 bis 7 des Weihnachtsmannes wird deutlich, daß sich die Helligkeit kaum ändert, auch wenn die Belichtungszeit immer kürzer wird.

Somit kann der Metzblitz auch bei 1/4000s die Nahszene perfekt ausleuchten und die D50/D70s das Blitzlicht komplett „einfangen“. Bei der D1 und noch kürzeren Zeiten ist es schwieriger bei Tageslicht aufhellzublitzen, denn die maximal mögliche Blitzleistung ist dann stark reduziert, so daß das Dauerlicht oftmals stärker sein wird als der Blitzlichtanteil.

Fazit

Die D70(s) sowie die D50 können mit kürzeren Synchronzeiten blitzen als von Nikon offiziell vorgesehen, sofern der Blitz kürzer leuchtet als die eingestellte Kamerabelichtungszeit beträgt. Allerdings muß alles von Hand eingestellt werden: Belichtungszeit, Blende, Blitzleistung.

Der von heutigen Digitalkameras her bekannte Komfort, daß aufhellgeblitzte Bilder fast immer perfekt von der Automatik ausgeleuchtet werden, den gibt es leider nicht: also nichts für schnelle Actionmotive, sondern nur für statische Motive, bei denen es möglich ist, etliche „Testaufnahmen“ zu machen, bis die Belichtung des Bildes das gewünschte Ergebnis hat.

Christian Zahn, Juli 2026

 

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