Aktuell gibt es einen Beitrag: "Nikon D2Hs mit PENTACON auto 2.8/29 M42 plus Adapter"/"Die "krummen" Weitwinkel-Brennweiten aus Ost-Deutschland: 29 und 30 mm", wo Ralf Jannke das 29mm PENTACON auf die Halbformat Nikon D2Hs adaptiert hat. Im Text wurden alle vergangenen Beiträge zu den 29 und 30 mm PENTACON/Lydith-Objektiven verlinkt.
Im nebenstehenden Fotos verschiedene Versionen des 30 mm Objektivs
Das 30 mm wurde vor einigen Jahren neu aufgelegt, der Name „Meyer Optik Görlitz“ wurde von einem neuem Unternehmen übernommen, die Objektivrechnung aus den 1960ern übernommen, die Vergütung verbessert und das Fassungsdesign modernisiert.
Dieser Objektivtyp hat ein einzigartiges „Bokeh“, also die Abbildung unscharfer Details im Hintergrund. Sie werden „seifenblasen-artig“ und mit leichtem „Swirl“, also einer Art Drehung, dargestellt. Dieser Effekt tritt allerdings fast ausschließlich nur bei Offenblende auf, abgeblendet hingegen nur sehr gering.
Das hier gezeigte Exemplar schlummerte Jahrzehnte in seinem Köcher, davon etwa 15 Jahre im Braunkohlendunst der ehemaligen DDR. Darum waren alle inneren Linsenflächen beschlagen, ich habe es im Rahmen eines Objektiv-Bastelworkshops zerlegt und gereinigt. Übrigens sieht man im Bildbeispiel 4 einige der Werkzeuge zur De- und Remontage: die grauen Silikonringe dienen zum Lösen von Zierringen ohne Nuten, das wie ein „#“ aussehende Metallwerkzeug am rechtem Tischrand zum Lösen von Ringen mit Nuten bzw. Löchern.
Pentacon 3,5/30mm // Meyer Optik Görlitz Lydith 3,5/30
Das Objektiv wurde Anfang der 1960er Jahre für die Pentina von Meyer Optik in Görlitz entwickelt, einer damals neuartigen Kleinbild-Spiegelreflexkamera des VEB Pentacon mit Zentralverschluß und Blendensteuerung im Gehäuse. Deshalb bekam die später auf den Markt gebrachte Version mit M42 keine Springblende, sondern eine Vorwahlblende. Das bleib so bis zum Produktionsende, auch als das Fassungsdesign in den 1970ern modernisiert und der Hersteller auf Pentacon umbezeichnet wurde. Vermutlich hatte es Kostengründe, denn das 3,5/30mm-Objektiv mit seinen 5 einzelnen Elementen war günstiger im Verkauf als das aufwendigere 2,8/29mm Pentagon-Weitwinkel mit Springblende. In der Variante für die Pentina kostete es 142 Mark (DDR), in der Version mit M42 150 Mark (DDR).
Das gezeigte Objektiv ist nach 1975 gebaut worden, denn es hat die Kreuzrändelung des Fokusringes, die damals eingeführt wurde.
Der recht schmale Entfernungsring läuft inzwischen ein wenig zu stramm, das liegt an der Schmiermittelalterung. Der Einstellweg ist mit etwa 160° ausreichend lang. Die Naheinstellgrenze ist mit 0,33m kurz. Der ebenfalls sehr schmale Blendenvorwahlring rastet halbstufig, der eigentliche Blendenring ist stufenlos. Es sind 10 Lamellen eingebaut, die ein Vieleck mit gewölbten Kanten ergeben. Die Streulichtblende wird in das nicht mitdrehende Filtergewinde 49 mm eingeschraubt.
Das Objektiv hat einen Durchmesser von 58 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 39 mm und wiegt 180 Gramm. Beim Fokussieren auf die Nahgrenze wird es ca. 6 mm langer. Alle Linsenflächen sind einfachvergütet.
Das gesamte Objektiv macht einen hochwertigen Eindruck, es ist vollständig aus Metall hergestellt, aber recht leicht, was auf Aluminium als Werkstoff schließen läßt. Die silberne Fase des Blendenvorwahlrings entstand durch das nachträgliche Abdrehen der schwarzen Eloxalschicht des Aluminiumrings.
Das Objektiv verzeichnet etwas (siehe Gitterstruktur Bildbeispiel 1), je nach Motiv stört dieser Objektivfehler. Das Objektiv ist am Vollformatsensor der Z5 und Offenblende erwartungsgemäß unscharf, Abblenden auf 8 steigert die Schärfe der Bildmitte, aber auch bei Blende 16-22 werden die Ecken jedoch nicht scharf. Das liegt aber am Filterstack vor dem Sensor (Stichwort Corner Smearing durch die kleine Hinterlinse und deshalb schrägen Randstrahlen). Nutzt man das Objektiv mit Film, sind die Bildecken schärfer, da analoges Filmmaterial schräge Strahlen besser verträgt. Die chromatischen Aberrationen sind bei Offenblende schon gering, bei Blende 8-11 kaum noch sichtbar.
Beispielaufnahmen
Alle Aufnahmen entstanden freihand bei ASA-Automatik, Zeitautomatik, mit eingeschaltetem Bildstabilisator und bei Blende 3,5 bzw. 8, gespeichert als NEF, gehandelt mit Nikon NX Studio und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert.
Fazit
Man muß das Seifenblasen-Bokeh des Objektivs bei Offenblende mögen, aber es ist nicht einfach, Motive für diese spezielle Art der Unschärfen-Darstellung zu entdecken, zum Einen muß mit Offenblende fotografiert werden, zum Zweiten müssen im Hintergrund geeignete Motivdetails vorhanden sein, idealerweise sind es starke Hell-Dunkel-Kontraste, beispielsweise Licht, daß durch Blätter strahlt oder von der Sonne angestrahlte helle Tautropfen auf dunklen Pflanzen. Als normales Weitwinkelobjektiv der „28mm-Klasse“ ist es durch die unscharfen Ecken an der Z5 für mich für die dokumentarische Fotografie nicht nutzbar, ich möchte dann Bilder aufnehmen, die komplett scharf sind. Benötige ich hingegen „traumhafte“ Fotos, die einen scharfen Spot in der Mitte und „duftige Ränder“ haben, werde ich es durchaus nutzen.
Christian Zahn, Juni 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 8.06.2026 |















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