Sony Mavica MVC-FD95 Kurzbericht von Christian Zahn

Hier stelle ich eine der frühen digitalen Kameras von Sony vor. Sie hat eine Besonderheit: statt auf Speicherkarten legt sie die Bilder auf 3,5“-Disketten ab. Leider ist mein Exemplar defekt, darum zeige ich keine Beispielaufnahmen. Ralf Jannke hat diese Kamera hier bereits vorgestellt.

Spezifikationen:

  • Die Mitte 2000 vorgestellte Sony Mavica MVC-FD95 ist 126 x 124 x 184 mm groß und wiegt mit Akkus und Speicherkarte 970 g.
  • Der 1/2,7“ (5,4x4 mm) CCD-Sensor mit Pixelpitch 3,2µm löst maximal 1600 x 1200 Pixel  = 2,1 Megapixel auf. Die Empfindlichkeit ist unbekannt. 15-Sekunden-Videos sind mit 320x240 Pixeln möglich, bei 160x120 Bildpunkten ca. 60 Sekunden. Bilder werden als JPEG oder GIF auf HD-Disketten (1,44 MB) mit vierfacher Geschwindigkeit gespeichert.
  • Zur Bildkontrolle ist ein 2,5“ LCD Monitor mit 123.200 Subpixeln vorhanden, der auch die Menüsteuerung übernimmt. Zusätzlich ist ein Videosucher mit 180.000 Subpixeln eingebaut.
  • Das Objektiv ist ein 1:2,8 / 6-60mm 10-fach Zoom (39-390 mm @KB)
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S) für Standbilder bzw. kontinuierlicher Fokus (AF-C) für Videos, Ermittlung durch Kontrasterkennung des Bildsensors
  • Belichtungssteuerung durch Vollautomatik, Matrixmessung. Belichtungszeiten 1s bis 1/4000 sek., Selbstauslöser mit 2 oder 10 s Vorlaufzeit
  • eingebauter Blitz mit ca. Leitzahl 10
  • Weißabgleich automatisch oder manuell
  • optische Bildstabilisierung mittels beweglicher Linsengruppe
  • Energieversorgung durch Lithiumakku, zusätzlich eingebauter Vanadium-Lithium-Akku zur Pufferung der Echtzeituhr

Besonderheiten

Mavica bzw. MVC bedeutet Magnetic Video Camera. FD steht für das Speichermedium Floppy Disk. Optik und Bildsensor sowie der Akku stammen von der Sony Camcorder-Sparte, sie wurden ursprünglich für einen tragbaren Hi8-Rekorder mit eingebauter Kamera entwickelt.

Das Display ist mit 2,5“ für das Jahr 2000 recht groß, aber aus heutiger Sicht extrem grobpixelig, so daß nur der Bildausschnitt gewählt werden kann, eine Schärfenbeurteilung ist kaum möglich. Der Videosucher ist etwas schärfer, wirkt aber aus heutiger Sicht immer noch recht grob aufgelöst. Er hat Dioptrienausgleich und eine große Gummi-Augenmuschel.

Die Kamera gehört zur zweiten Generation der Mavicas, die erste zeichnete die Bilddaten analog auf eine spezielle 2,5 Zoll-Videodiskette auf, seit 1997 baute Sony die im Computerbereich verbreitete 3,5“-HD-Diskette in die Mavicas ein. Sony hatten diesen Diskettentyp und die dazugehörigen Laufwerke in den 1980er Jahren entwickelt und Anfang der 2000er Jahre war in vielen allen aktuellen Computern noch ein 3,5“-Laufwerk mit 1,44 MB Kapazität eingebaut.

Leider reicht der Platz auf der Diskette nicht einmal für ein einziges unkomprimiertes Bild in voller Auflösung, darum mußte Sony die Bilder stark komprimieren, damit jedes Bild nur ca. 400 KB groß ist und somit immerhin etwa 4-5 Aufnahmen in höchster Auflösung auf eine Diskette passen. Trotzdem dauert die Speicherung jeder Aufnahme recht lange, obwohl Sony die Diskette in der FD95 mit vierfacher Geschwindigkeit wie in den PC-Laufwerken drehen läßt.
Außerdem ist die Bildqualität aufgrund der hohen Kompression eher bescheiden.

Die FD95 hat einen Aufnahmemodus für Dokumente, dann erfolgt die Speicherung im GIF-Bildformat in Schwarzweiß ohne Graustufen.

Sony warb damit, daß der interne Speicher so groß sei, daß eine Diskettenkopie ohne „Diskjockey-Fähigkeiten“ möglich sei. Vorgängermodelle erforderten dafür eine zweimaligen oder viermaligen Diskettenwechsel, weil die 1,4 MB der Diskette nicht komplett in den Speicher der Kamera paßten und somit nur die Hälfte oder ein Viertel pro „Durchgang“ kopiert werden konnte.

Mit Hilfe eines optional erwerbbarem Adapter kann die FD95 auch MemorySticks bis 128 MB verwenden, warum Sony nicht gleich eine Schnittstelle für diese Speicherkarte eingebaut hat, dürfte eher weniger durch fehlenden Bauraum in der Kamera begründet sein.

Sony wählte die Diskette als Datenträger, weil sie 2000 sehr preiswert war (ca. 10 DM für einen Zehnerpack passend vorformatierten Floppys war günstigster Kurs für NoName-Disketten, Markenfloppys konnten aber auch mehr als das dreifache kosten). MemorySticks mit 4 bis 128 MB Kapazität gab es zwar schon, aber gerade die größeren Karten kosteten Hunderte von DM und die Geräte, mit deren Hilfe diese Karten am Computer ausgelesen werden konnten, waren noch teurer.

Das Objektiv hat einen für eine Digitalkamera des Jahres 2000 durchaus imposanten Brennweitenbereich, allerdings war extremes Tele damals bereit in Camcordern durchaus üblich. Es ist optisch stabilisiert, eine bewegliche Linsengruppe wirkt dem Wackeln der Kamera bei Freibandaufnahmen entgegen. Diese Technik ist von außen deutlich erkennbar, um die vordere Objektivkante herum ist ein klobiger Kasten herumgebaut, in dem sowohl die Bewegungssensoren als auch der Antrieb für die Linsenverschiebung angebracht sind.

Der Blitz muß manuell ausgeklappt werden, die Blitzbelichtungsmessung erfolgt durch eine Meßzelle neben der Blitzröhre. Im Menü kann die Blitzleistung herauf- und herabgeregelt werden. ein heutzutage nur noch selten anzutreffenden externer Blitz kann über ein dreipoliges Kabel angeschlossen werden, normale Blitzgeräte können leider nicht verwendet werden, einen Mittenkontakt hat Sony in den Blitzschuh nicht eingebaut.

Die Mavica hat recht viele Tasten und Bedienelemente, viele Funktionen werden nicht über das Menu verstellt, sondern haben eine Taste oder Schalter. Beispielsweise die Makrofunktion, die Umschaltung von manuellem auf Autofokus, der Stabilisator, Weißabgleich, Spotbelichtungsmessung, uvm.

Die Stromversorgung erfolgt mit einem InfoLithium-Akku NP-F330 oder NP-F550, der auch in vielen Sony-Camcordern zu Einsatz kam und viele Aufnahmen „durchhielt“, obwohl das Diskettenlaufwerk ziemlich stromverbrauchend ist. Eine Ladeschale wurde nicht mitgeliefert, das beigelegte Netzteil lädt den Akku in der Kamera auf, kann aber auch zur dauerhaften Stromversorgung dienen.
Der mitgelieferte Akku hat eine relativ geringe Kapazität, optional konnte ein NP-F550 hinzugekauft werden, dieser ist mechanisch baugleich, hat aber weit mehr als die doppelte Kapazität.

Der Akku zum Puffern von Datum und Uhrzeit ist fest eingebaut und kann nicht gewechselt werden, laut Anleitung kann die Uhrzeit etwa 6 Monate ohne eingelegten Hauptakku weiterlaufen. Um den internen Akku zu laden, muß die Kamera mindestens einen Tag mit Strom versorgt werden.

Die Kamera hat zwei Schnittstellen: eine spezielle Buchse für Sony-Aufsteckblitz HVL-F1000, einen Video-Ausgang mit Tonübertragung sowie eine Netzteilbuchse (seltsamerweise im Objektivtubus angebracht).

Die Werbeaufkleber haben die Vorbesitzer nicht entfernt. Das ist für Sammler erfreulich, weil die Kamera somit so aussieht, wie sie aus dem Karton kam, aber trotzdem recht unverständlich, weil die Aufkleber eigentlich nur für das Bewerben der Kamera in der Vitrine des Fotogeschäftes gedacht waren. Aber ggf. war man damals stolz auf die Features, die Sony auf den Stickern hervorhob, diese sind:

  • MPEG-Filmaufzeichnung
  • 20facher Zoom (10x optisch, 2x digital)
  • 2,1 Megapixel Auflösung
  • MemoryStick kompatibel (inkl. dem Hinweis, daß der Adapter extra erworben werden muß)
  • optischer Bildstabilisator
  • Anschluß für Zusatzblitz
  • InfoLithium-Technik mit bis zu 2,5 Stunden Laufzeit bzw. 1600 Fotos 

Die UVP der Mavica MVC-FD95 betrug ca. 2500 DM / 1250 Euro. Ich bekam mein Exemplar von Ralf Jannke geschenkt, vielen Dank für die Überlassung!

Ich kann leider keine Beispielfotos zeigen, mein Exemplar hat einen Wasserschaden hinter sich, die Kamera muß in einen Tümpel oder eine recht tiefe Pfütze gefallen sein, das Wasser war stark lehmhaltig, innere Teile sind auch noch nach Jahren verschmutzt und im Objektiv ist das Wasser immer noch deutlich zu sehen, es „gluckert“ zwischen einzelnen Linsen herum. Eine Reparatur ist unwirtschaftlich und sinnlos. Selbst wenn das eingedrungene Wasser und Dreck beseitigt würde, der Sensor hat durch das Wasser einen Kurzschluss bekommen, kann also niemals wieder Fotos aufnehmen.

Eine Ahnung, wie die 2 Megapixel Fotos aus der Mavica FD-95 ausgesehen haben könnten, gibt es hier: Die Sony Mavica MVC CD 250 löst ebenfalls 2 MP auf

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der FD95 besteht fast komplett aus Kunststoff, auch die silbernen Teile sind aus schwarzem lackiertem Plastik, nur wenige Anbauteile sind aus Metall. Die Mavica gehört in die Klasse der recht frühen Digitalkameras. 

Ein Urteil über die Bildqualität kann ich nicht abgeben, sie dürfte in der Klasse der 2 Megapixelkameras um 2000 rangieren. 

Fazit: eine digitalkamerahistorisch interessante Kamera (ein Modell, das auf Floppys aufnimmt, gehört in jede Sammlung!), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen nicht mehr geeignet, da die Auflösung zu gering ist.

Christian Zahn, August 2026

 

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