Canon EOS700 mit 35-80 Power Focus von Christian Zahn
In diesem Bericht geht es um die Verwendung eines ca. 35 Jahre alten Zoomobjektivs an digitalen Kameras mit drei verschiedenen Auflösungen und Sensorgrößen. Ralf Jannke hat Kamera und Objektiv hier bereits mehrfach gezeigt:
- 2020: CANON ZOOM LENS EF 35-80mm 1:4-5.6 POWER ZOOM (1990)
- 2020: Digicammuseum.de gratuliert – 2000: Canon EOS D30
- 2023: Das (wahrscheinlich) schlechteste Canon Zoom …
Das Objektiv wurde ab 1990 zusammen mit der Einsteiger-Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm EOS 700 als Kitobjektiv verkauft. Es gilt zu recht als das schlechteste Objektiv, das Canon je gebaut hat.
Canon EOS 700
Die 1990 erschiene EOS 700 richtete sich an Einsteiger, die nur wenig Geld ausgeben wollten. Canon sparte deshalb an allen Ecken und Enden, so ist beispielsweise das Bajonett von Kamera und Objektiv nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff, weil etliche Käufer das mitgelieferte Objektiv niemals gegen ein anderes austauschten. Selbst die normalerweise an EOS-Kameras vorhandene rote Objektiv-Ansatzmarke fehlt, sie wurde durch eine runde Markierung im Bajonett ersetzt, die kaum auffällt, so dezent ist sie.
Die EOS 700 hat keine Anzeigen außerhalb des Suchers und auch dort sind die Angaben äußerst sparsam, die Kamera gibt niemals preis, mit welcher Blende bzw. Belichtungszeit sie arbeitet, lediglich eine Unterbelichtungswarnung erscheint, sofern nötig. Der Blitz klappt elektrisch betätigt automatisch aus, wenn die Kamera das für nötig hält. Als einzige mir bekannte Spiegelreflexkamera zieht sie ihn auch wieder ein, wenn das Licht wieder für Aufnahmen ohne Blitz ausreichend ist, bei allen anderen Kameras in meinem Bestand muß man automatisch ausgeklappte Blitze von Hand einklappen.
Konsequenterweise hat die EOS 700 nur nur eine Vollautomatik und diverse Motivprogramme. Die Blendenautomatik mit Zeitvorwahl ist versteckt: Dazu muß die Scheibe im Moduswahlrad umgedreht werden. Diese wird durch eine geriffelte Schraube gehalten, wird diese gelöst, kann das Moduswahlrad umgedreht werden und die einstellbaren Belichtungszeiten erscheinen. Auch das dürften die wenigsten Benutzer jemals gemacht haben.
Die Umschaltung zwischen den beiden Skalenseiten erkennt die Kamera durch einen Schalter, bei den Belichtungszeiten-Seite ragt die Befestigungsschraube etwas weiter aus der Kamera hinaus und der Schalter wird nicht betätigt. Sind die Motivprogramme sichtbar, ist die Schraube bündig und der Schalter wird von ihr betätigt.
Falsch positioniert kann die Scheibe nicht werden: Die mit „L“ = Lock“ gekennzeichnete Position des Moduswahlrades dient als Einlegemarke für die Scheibe.
CANON ZOOM LENS EF 35-80mm 1:4-5.6 POWER ZOOM
Die Objektivbezeichnung lautet vollständig wie oben angegeben und auch genauso lang und in Großbuchstaben steht sie auf dem Objektiv. Vermutlich ist der Name deshalb so lang, damit das ansonsten fast völlig glatte Objektiv nicht so „nackt“ aussieht. Denn außer der imposanten Beschriftung sind lediglich zwei große Tasten angebracht, die zum elektrischem Verstellen der Brennweite dienen. Das geht übrigens recht laut und langsam vonstatten. Eine Rückmeldung der die eingestellte Brennweite gibt es nicht, das Einstellen der Zwischenwerte erfolgt nach „Gefühl“ bzw. durch die Ausschnittswahl im Kamerasucher. Somit kann beispielsweise die Normalbrennweite 50mm nur erraten werden. Manuell fokussiert werden kann überhaupt nicht, das hat Canon aufgrund der Zielgruppe nicht vorgesehen.
Das Objektiv erschien 1990 zusammen mit der EOS 700. Einzeln gekauft wurde es vermutlich nicht, sondern nur als „Kitobjektiv“ im Set. Trotzdem soll es getrennt erhältlich gewesen sein und die UVP soll 215 Euro betragen haben. Ein weiteres Power Zoom für EOS-Kameras hat Canon nicht auf den Markt gebracht, vermutlich hat es sich nicht gelohnt, weil die Anwender lieber mit direkter haptischer Rückmeldung an einem Ring drehen wollten statt Knöpfe zu drücken.
Warum hat Canon überhaupt ein elektrisch verstellbares Zoomobjektiv für Spiegelreflexkameras gebaut? Weil es so etwas von andren Herstellern damals auch gab, beispielsweise von Minolta bzw. Pentax? Weil man hoffte, Aufsteiger von motorisch verstellbaren Kompaktkameras ins Spiegelreflexsegment zu „ziehen“? Um zu beweisen, daß es geht? Der Grund kann heute nicht mehr ermittelt werden, vielleicht war es auch eine Kombination aus allen drei Vermutungen.
Das Objektiv ist konsequent auf Kostenreduzierung ausgelegt, es besteht fast vollständig aus Kunststoff und hat keinen leisen USM-Antrieb, sondern einen lauten und langsamen kleinen Elektromotor. Dieser wird möglicherweise doppelt verwendet und durch Umschalten des Getriebes sowohl zum Verstellen der Fokussierung und der Brennweite benutzt worden sein. Das laute Geräusch bei beiden Verstellungen klingt zumindest fast gleich. Interessanterweise kann nach dem Scharfstellen wieder gezoomt werden und dabei darf man auch Auslösen. Wird gezoomt und die Kamera hat vorher nicht scharfgestellt, unterbricht sie den Zoomvorgang und stellt scharf, bevor sie auslöst.
Als Bedienelemente gibt es lediglich die beiden großen Tasten zum Zoomen. Canon-EF-typisch ist kein Blendenring eingebaut, die Verstellung erfolgt immer durch die Kamera, es sind 5 Lamellen vorhanden. Der optische Aufbau besteht aus 7 Elementen in 7 Gruppen. Die Naheinstellgrenze beträgt 50 cm. Eine Gegenlichtblende bot Canon nicht an, es mußte eine ES-62 gekauft werden und dann noch eine Reduzierung von 62 auf 52mm. Oder gleich eine passende billigere Variante der Zubehörindustrie mit 52mm.
Das nicht mitdrehende Filtergewinde beträgt 52 mm, das Objektiv hat einen Durchmesser von 68 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 72 mm und wiegt 205 Gramm. Beim Zoomen wird es nicht länger.
Das gesamte Objektiv macht keinen allzu hochwertigen Eindruck, es besteht äußerlich vollständig aus Kunststoff, sichtbar aus Metall sind nur die elektrischen Kontakte, auch im Inneren dürfte kaum Metall vorhanden sein. Immerhin gibt es nichts, was wackeln könnte, denn alle Linsenbewegungen finden im Inneren statt. Wie bereits erwähnt erfolgen sowohl das Zoomen als auch das Fokussieren langsam und von lauten „sägenden“ Motorgeräuschen begleitet.
Das Objektiv kostete in Japan 1900 26.000 Yen, was damals umgerechnet etwa 290 DM entsprochen haben, wie erwähnt soll es in Deutschland nur 215 Euro gekostet haben. Die Gebrauchtpreise schwanken je nach Zustand und Lieferumfang zwischen 15 und 50 Euro, weil es recht selten ist, kostet es mehr, als es eigentlich wert ist. Zu beachten ist, daß es etliche andere 35-80 Zooms für EF mit identischen Werten für Brennweiten und Offenblenden gibt, die keinen elektrischen Zoom aufweisen und optisch besser sind.
Benutzt habe ich je eine Kamera mit Vollformat, APS-H- und APS-C-Sensor, also mit Cropfaktoren von 1,3 bzw. 1,6
Alle Aufnahmen entstanden freihand mit Programm- und ASA-Automatik, wurden gespeichert als CR2, gewandelt mit Canon DPP 4 und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten wurden korrigiert, Vignettierung, Schärfe und Verzeichnung jedoch nicht, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte einmontiert sowie die Aufnahmeparameter.
Canon EF 35-80 Powerzoom auf der 22-Megapixel Vollformat EOS 5D Mark III
Die bei Offenblende vorhandenen chromatischen Aberrationen „verschwinden“ in der Unschärfe. Die Vignettierung ist bei weit geöffneten Blenden besonders im Weitwinkelbereich sichtbar.
Bildschärfe ist bei Offenblende eigentlich nicht vorhanden (ein halbwegs erträglicher runder Bereich in der Bildmitte wird vom „matschigem“ Rest herabgewürdigt), auf 11-16 abgeblendet ist nur die Mitte so halbwegs brauchbar, die Ränder und die Ecken werden bei 35mm niemals scharf, sondern bleiben „Pixelmüll“. Bei 54mm und Blende 16 ist der Schärfenabfall von Mitte zu Rändern geringer, aber nur, weil alles in der Beugungsunschärfe „verschwindet“.
Bei 80mm wiederum ist der Schärfenabfall von Mitte zum Rand wieder stärker, so daß auch bei Blende 16 die Ecken wieder „matschig“ sind. Rechts sogar stärker als links, was auf eine Dezentierung einer oder mehrere Linsen hinweist.
Canon EF 35-80 Powerzoom auf der 16-Megapixel APS-H Sensor (Crop 1,3) Canon EOS 1D Mark IV
Ich kann eigentlich die Bemerkungen vom Vollformat wiederholen, zwar werden die äußersten Ecken gnädig weggeschnitten, aber es ist noch genug unscharfer Rand vorhanden und die Auflösung der Kamera entspricht einem 1,3-Ausschnitt aus einer Vollformatkamera mit 27 Megapixeln, also einer höheren Auflösung als ich an Vollformat genutzt habe.
Bildschärfe ist bei Offenblende eigentlich nicht vorhanden, auf 11-16 abgeblendet ist nur die Mitte so halbwegs brauchbar, die Ränder und die Ecken werden niemals scharf, sondern bleiben „Pixelmüll“. Unterhalb von Blende 16 ist das Objektiv unbrauchbar.
Canon EF 35-80 Powerzoom auf der spiegellosen APS-C (Cropfaktor 1,6) 24 Megapixel Canon EOS M5
Ich hätte eine meiner diversen digitalen 18-Megapixelkamera-EOS-Modelle nehmen können (7D, 100D, 650D usw.), habe mich aber für die einzige 24-Megapixel Crop-1,6-EOS in meinem Bestand entschieden, die spiegellose EOS M5. Daran konnte ich nur eine Brennweite nutzen, die Zoomverstellung funktioniert nicht. Ob das an meinem nicht originalem Adapter EOS-EF-auf EOS-M liegt oder an einer Inkompatibilität des Zoomantriebs zu EOS-M allgemein, kann ich nicht sagen.
Zwar werden die Ecken und Ränder gnädig weggeschnitten, aber es ist noch genug unscharfer Rand vorhanden und die Auflösung der Kamera entspricht einem 1,6-Ausschnitt aus einer Vollformatkamera mit 61 Megapixeln, das Objektiv wird somit auch in der Bildmitte hoffnungslos überfordert.
Bildschärfe ist eigentlich nicht vorhanden, auf 11-16 abgeblendet ist sie nur in der Mitte so halbwegs brauchbar, die Ränder und die Ecken werden bei 35mm niemals scharf, sondern bleiben „Pixelmüll“, die Mitte ist nur „normal unscharf“. Das Objektiv ist somit unbrauchbar.
Fazit
Das EF 35-80 Power Fokus gilt als Canon schlechtestes Objektiv, das gezeigte Exemplar bestätigt dieses abwertende Urteil. Ob es zusätzlich auch noch ein besonders schlechtes Exemplar ist, das fehlerhaft zusammengebaut war, kann ich nicht beurteilen, die Beispielbilder im Netz jedenfalls sind auch größtenteils unscharf. Allerdings vermute ich eine Dementierung einer oder mehrere Linsen, da rechts die Unschärfe stärker ist als am linken Rand.
Zwar muß man bedenken, daß das Objektiv für den „Albumknipser“ gemacht wurde, die Fotos wurden fast ausschließlich in Größe 7x11 bis 9x13 cm vergrößert und in Fotoalben eingeklebt, so daß die schlechte Qualität nicht so deutlich auffiel wie heutzutage, wo 20 Megapixel-Kameras das Objektiv hemmungslos überfordern, aber Canon konnte durchaus in dieser Preis- und Anwenderklasse bessre Objektive bauen. Die geringe Qualität liegt wahrscheinlich in der Bauweise begründet, im Objektiv mußte Platz für die Motorik geschaffen werden, so daß die Linsen möglicherweise kleiner sind als bei den anderen EF-Objektiven.
Christian Zahn, August 2026
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| Autor: | Ralf Jannke |
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| Erstellt: | 27.07.2026 |

















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