In diesem Reparaturbericht geht es um die Umrüstung eines ca. 60 Jahre altem Blitzgenerators für ein Medical Nikkor 200mm erste Bauart. Ralf Jannke hat das Objektiv und den Generator hier bereits mehrfach gezeigt.
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Das Medical Nikkor 200mm ist ein Spezialobjektiv für wissenschaftliche Anwendungen, von der hier gezeigten ersten Version wurden von 1962 bis 1972 circa 6700 Exemplare gefertigt, von 1972 bis 1974 von der Version mit Generator für Monobatterien und dreipoligem Stecker ca. 1500 Stück. Dann wurde auf Mehrschichtvergütung umgestellt und bis 1979 ca. 12.000 Objektive hergestellt.
Von 1981 bis 1998 baute Nikon dann ein völlig neu konstruiertes Medical mit Innenfokussierung, so daß die Nahlinsen-Einschrauberei entfiel. Außerdem wurde die Offenblende auf 1:4 und die Brennweite auf 120mm geändert, davon wurden ca. 23.000 Exemplare verkauft.
Wie alle Nikkore bis etwa 1995 stammt das Medical Nikkor komplett aus Japan. Es hat einen Bajonett-Anschluß für Nikon-F-Kameras, als es entwickelt wurde, gab es nur das allererste dieser Modelle, die Nikon F.
Das gezeigte Objektiv wurde laut Seriennummer ungefähr 1970 gebaut, es ist somit einfachvergütet und hat den vierpoligen Anschluß an den Blitzgenerator. Von diesem gab es zwei Versionen, einen für Netzbetrieb und einen mit Batteriebetrieb. Nikon entschied sich, keinen Zerhacker bzw. keine Transistorschaltung zu verbauen, sondern eine Hochvoltbatterie mit 240 Volt Spannung zu verwenden. Diese wurde nur wenige Jahre hergestellt und hatte die Typenbezeichnung „Energizer 4912“. Technisch ist diese Batterie aus 160 kleinen 1,5-Volt-Batterie-Einheiten aufgebaut, die in Reihe geschaltet sind. Das gibt es mit wesentlich geringerer Spannung noch heute, die 9-Volt-Blockbatterien sind 6 kleine 1,5-Volt-Zellen in einem gemeinsamem Gehäuse.
Warum sich Nikon gegen eine Hochvolterzeugung aus normalen Batterien entschied und statt dessen diese damals teure und seltene Spezialbatterie einsetzte, mag daran gelegen haben, daß im Umfeld von Operationen keine störenden Geräusche, magnetische oder elektrische Felder entstehen sollten, denn in den 1960ern waren Blitzgeneratoren für Batteriebetrieb noch nicht so weit wie in den 1970ern.
Das Objektiv ist optisch mit dem Nikkor-Q 4/20cm baugleich, es hat 4 Elemente in 3 Gruppen und keinen Schneckengang zur Fokussierung, die Festlegung der unterschiedlichen Entfernungen erfolgt durch Einschrauben von Nahlinsen.
Eine Belichtungsmessung durch die Kamera ist nicht erforderlich, die Abstimmung erfolgt durch die „Leitzahlrechnerei“ der drei Einstellringe
Das Objektiv ist ca. 189 mm lang, hat einen Durchmesser von etwa 80 mm und wiegt 650 Gramm. Fast das gesamte Objektiv ist aus Metall gefertigt. Das Filtergewinde hat das exotische Maß 38 mm, eine Streulichtblende gab es nicht. Der Blendenring rastet nicht, aber genau so wie die anderen Einstellringe kann er mit einer Rändelschraube festgeklemmt werden eingespiegelt.
Über die Bildschärfe erlaube ich mir kein Urteil, denn ich habe keine originalen Nahlinsen. Ohne Nahlinse beträgt der Aufnahmeabstand ca. 3,5 Meter, eine Abbildung von Motiven in „unendlicher“ Entfernung ist nicht möglich.
Umbau des Medical Nikkor Generators / der Medical-Nikkor DC Unit
Wie erwähnt nutzt der Generator eine heutzutage nicht mehr erhältliche Spezialbatterie. Deshalb hat einer der Vorbesitzer einen Umbau vorgenommen, durch Einbau einer neuen Buchse konnte die Hochvolt-Energieversorgung durch einen Studioblitzgenerator erfolgen. Deshalb ist mir die originale Schaltung und Verkabelung nicht bekannt, Ralf und ich haben eine Weile überlegt, wie wir den Blitz wieder zum Leben erwecken können. Zunächst dachte ich daran, einfach die 230 Volt des Haushaltsstroms gleichzurichten und in die Elkos zu geben, wie es im Nikon-Netzteil damals auch erfolgte. Aber ein Bekannter brachte mich darauf, daß in Einwegkameras für Kleinbildfilm ein Blitzgenerator verbaut ist und er davon eine erhebliche Anzahl bevorratet hatte, weil er sich früher einmal einen Flächenblitz daraus bauen wollte. Danke für die Überlassung des Blitzerzeugers!
Dabei wurde klar, daß das Medical Nikkor intern die Zündung der Blitzröhre selbst vornimmt und von extern über die vier Anschlüsse zum einen 3 Volt für das Einstellichts und zum zweitem 240 Volt direkt von den Blitzelkos aus dem Generator bekommt.
In den 1960er Jahren gab es nur Zink-Kohle-Batterien mit niedriger Kapazität, deshalb hat Nikon zweimal zwei Monozellen eingesetzt, je zwei Batterien in Reihe und diese beiden Kreise parallel. Darum steht in der Bedienungsanleitung, daß bei Nichtbenutzung die Batterien entnommen werden sollen.
Bis auf den originalen massiven Hauptschalter und die Nikon-Blitzbuchse baute ich alles an Elektrik aus, der Bereich, wo früher die Elkos saßen, wurde für den neuen Generator vorgesehen. Das vom Vorbesitzer gebohrte Loch für die ausgebaute Buchse habe ich verschlossen.
Die Angabe in der Nikkor-Anleitung beträgt „60 Wattsekunden“ Leistung, die verbauten Elkos hatten 2x 800 = 1600 µF Kapazität. Ein heutiger Aufsteckblitz hat bei 100-200mm Brennweite oft eine Leitzahl von 40 bis 80. Im Nikon SB-800 beispielsweise ist ein Kondensator mit 1400µF verbaut, aufgrund der technischen Fortschritte ist er erheblich kleiner als die beiden Kondensatoren im Medical-Generator. Der SB-800 hat bei 105mm eine Leitzahl von 56, bei 35mm nur 38.
Das Nachrechnen der Leitzahlautomatik ergab hingegen eine ungefähre Leitzahl von 7,5 bei 100 ASA. im oben gezeigtem Einstellbeispiel wurde 0,45 Meter als Entfernung gewählt, dadurch stellt das Nikkor ungefähr Blende 1:16 ein. (7,5 geteilt durch 0,45 ergibt 16,67). Also glaubte ich, daß ein Generator aus einer Einwegkamera durchaus geeignet sei, auch wenn er nur 120µF hat, denn die Einwegkameras hatten eine circa-Leitzahl von 8 bis 12.
Der Bllitzeinschalter der Einwegkamera war nicht notwendig, er wurde überbrückt, da das Einschalten durch den Nikonschalter außen am Gehäuse erfolgen würde. Das Elkofach habe ich mit eingeklebten Pertinax-Leerplatinen elektrisch isoliert, damit die 300-Volt-Hochspannung nicht ans Gehäuse gelangen kann. Die ursprüngliche Blitzröhre der Kamera hätte ich ausbauen können, da sie aber gar nicht mehr benötigt wird, habe ich sie nicht entfernt, genauso wenig wie die Lade-Kontroll-LED.
Die beiden miteinander verbundenen Batteriekreise habe ich getrennt, der eine versorgt weiterhin die Einstelllämpchen mit 3 Volt, der zweite Kreis wurde halbiert, denn die Generatorschaltung hatte in der Einwegkamera nur mit eine Mignonzelle. Die Anschlüsse für die Hochvoltbatterie sind überflüssig und entfernt.
Beispielfotos
An der Nikon Z5 mit dem originalen FTZ-Adapter kann dank Fokus-Peaking und der frei verschiebbaren Sucherlupe gut fokussiert werden, wobei die Scharfeinstellung durch Vor- und Rückwärtsbewegung von Kamera oder Motiv erfolgen muß. Alternativ ginge es mit einem Balgengerät, aber dann funktioniert die Einbelichtung der Daten nicht mehr, denn durch den zusätzlichen Auszug wird die Bildfläche größer, die Kamera nutzt dann nur noch einen Ausschnitt des ursprünglichen Bildes und die Leitzahlrechnerei des Objektivs paßt auch nicht mehr.
Bei einem Vergrößerungsmaßstab von ungefähr 1:2 ergibt sich ein Bildfeld von ca. 72x48mm, somit stellte ich das Objektiv identisch zu dem oben gezeigtem Beispiel ein und adaptierte meine nicht originale Nahlinse 55mm und 2 Dioptrien. Es ergab sich, daß Blende 16 dann etwas zu dunkel wurde, bei Blende 11 stimmt die Belichtung in etwa, so daß meine Lösung nur etwas zu schwach dimensioniert ist. Ich hätte einen zweiten Elko parallel zum ersten löten können, um die Blitzleistung zu verdoppeln, habe mich aber entschieden, zukünftig einfach die Empfindlichkeit zu verdoppeln. Also gilt nun 200 ASA an der Kamera bei Einstellung des Medicals auf 100 ASA.
HINWEIS
Aufgrund der simplen Schaltung im Objektiv funktionieren keine optischen Tochterblitzauslöser und keine Funk-Sender bzw. -Empfänger. Die Zündschaltung benötigt einen Schalter mit 0 Ohm am Blitzkontakt. Dort liegen aber die 300 Volt des Elko an, somit darf die Zündung auf gar keinen Fall mit einer aktuellen Digitalkamera erfolgen, diese wird dadurch zerstört! Ich habe mir beholfen, die Kamera auf „B“ zu stellen und dann den Blitz von Hand zu zünden. Auch da gilt: am Blitzkabel liegen 300 Volt an, keinesfalls anfassen! Weil ich das Motiv in mein unbeleuchtetes Ministudio stellte, wurde das Umgebungslicht gut abgeschirmt, die Belichtung erfolgte somit nur durch den Medical-Ringblitz.
Fazit
Der Umbau hat funktioniert, das Nikkor kann wieder blitzen, den Generator sende ich an Ralf Jannke zurück, der mir sein zweites Nikkor freundlicherweise überlassen hat und nun sein Exemplar mit Blitzeinsatz nutzen kann.
Die besondere Montage eines Blitzgeräts über die Rpückspulkurbel von Nikon F und F2. Hier die Nikon F2 mit dem Nikon Systemblitz SB-2
Nikon F, F2 und die F3 besaßen diese Montage spezieller Nikon- und Metz- Blitzgeräte über der Rückspulkurbel. Canon ging bei seiner F1 auch diesen Weg. Zum zusätzlichen X-Kontakt.
Die Kontakte der Rückspulkurbel offen gelassen, liegen da beim Medical Nikkor 300 Volt an! Wer da auf eigene Gefahr spielen und experimentieren will: isolierende Gummihandschuhe tragen!
Christian Zahn, Mai 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 13.05.2026 |




































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