Geht's qualitativ noch tiefer als APS?
Ich konnte nicht widerstehen, diese Rollei A110 für 5 Euro mitzunehmen. Wobei die Folgekosten deutlich höher ausfallen. Die Batterie kostete 8,95 Euro und ein frischer Pocket 110 Film kostet für SW wie Farbfotos rund 9 Euro 12 plus 5,90 Euro Porto. Dazu kommen noch die Entwicklungskosten … Die exakteren Kosten nenne ich ganz zum Schluss dieses Beitrags.
Bevor es weitergeht: "Geht's qualitativ noch tiefer als APS?"
Ja, es ging tatsächlich noch tiefer!
Damit ist nicht die legendäre Minox gemeint, eine Präzisions-Minikamera, die 8x11 mm Negative oder Dias erzeugte. Die Rede ist vom Kodak Disc Format und den dazugehörigen Kameras. In "2018: 90 Jahre Minolta" als Minolta disc-s und disc-7 gezeigt. Das Disc-Format war mit 8x10,5 mm zwar fast identisch zur Minox, das System ist aber längst verschwunden. Disc-Filme wurden ausschließlich als Farb-Negativ-Materialien mit einer Empfindlichkeit von ISO 200/24 DIN und 15 Aufnahmen pro Film, Pardon Disc angeboten. Denn das zu belichtende Filmmaterial war kreisförmig auf einer Scheibe — englisch Disc — angeordnet. Es gab auch kein Dia- und Schwarzweißmaterial. Die Qualität selbst einfacherer Kleinbildkameras und -filme wurde nie erreicht. Kodak stellte die Produktion der Disc-Filme 1998 ein. Damit will ich mich auch nicht länger aufhalten und verweise auf Wikipedia.
Eins muss im Zusammenhang mit Pocketkameras, Pocketfilmen aber unbedingt noch erwähnt werden: das 16 mm Filmformat. Kameras trugen eine "16" in ihrer Modellbezeichnung! Wie die ebenfalls in "2018: 90 Jahre Minolta" unter anderem gezeigten Modelle minolta-16 MG von 1966 und minolta 16QT von 1972. Die Edixa 16 und Rollei 16 belichteten auf einseitig perforierten 16 mm breiten Film eine Fläche von 12 mm × 17 mm. Dieses Format fand allerdings keine große Verbreitung und geriet mit dem Erscheinen des Pocketfilms wieder in Vergessenheit. Dies lag daran, dass Kodak keine Filmpatronen dafür anbieten wollte.
So weit die Geschichte
Gekauft habe ich zum Probieren, zum Pocketfilm-Start einen 2009 abgelaufenen Fujifilm Fujicolor Superia 200 für 12,99 Euro mit kostenlosem Versand. Ein Risiko, aber der Fuji kam aus der verschlossenen Aluminiumfolientüte. Vergleichbar den zwei APS Filmen Ablaufdatum 2005, die vielleicht deshalb noch funktionierten, weil sie aus den fast luftdicht verschlossenen Behältern kamen.
Spezifikation der Rollei A110
- Produktionsjahre Deutschland 1974 - 1978, Singapur 1978 - 1981
- Abmessungen/Gewicht: Länge x Breite x Höhe: 84/100 x 44 x 30 mm, 185 g
- Filmtyp 13 x 17 mm Pocketfilm Typ 110 – ASA/ISO 64-100 320-500
- Optik Rollei Tessar 1:2,8/23 mm, 4 Linsen in 3 Gruppen
- Belichtungsmessung CdS gesteuerte Programmautomatik mit Zentralverschluss: Blende f/2,8 4 s bis Blende f/16 1/400 s
- Manuelle Fokussierung nach Meterskala oder Symbolen, Nahdistanz 0,95 m
Deutsche Bedienungsanleitung der Rollei A110
Im Vergleich zu den unzähligen Plastik-Pocketkameras, die es zu Hochzeiten dieser Kameras gab, ist die Rollei A110 ein Präzionsinstrument in Metallbauweise bestückt mit einem hochwertigen Tessar-Objektiv!
Meinen letzten Pocketfilm habe ich vor über 40 Jahren verschossen
In der Minolta Weathermatic 110. Dass die Qualität gut war, lag an der Minolta und dem Film. Denn es war ein Kodachrome, der seinerzeit schärfste Diafilm!
Diafilm im 110 Pocketformat und insbesondere Kodachrome gibt es nicht mehr. Im Gegensatz zum 2011 eingestellten APS-Film aber frische Pocketfilme für SW und Color!
Obwohl wir ein Digitalkamera-Museum sind und bleiben, gibt es zum Pocket-Filmformat zahlreiche Beiträge. Genauer zu den Objektiven, die für die Pentax Auto 110 Super gebaut und von uns auf zahlreiche spiegellose Systemkameras der unterschiedlichsten Sensorgrößen adaptiert wurden. Mit hohem Fun-Charakter ;-)
- 2020: Pentax Auto 110 Super, Christian Zahn
- 2018: Pentax Optio i-10
- 2020: 2,8/24 mm Pentax 110
- 2022: Fujifilm X-E2 mit Pentax 110-Manuellfokusobjektiven von Christian Zahn
- 2023: Olympus OM-D E-M5 mit Pentax 110 Objektiven
- 2024: Wiedergefunden! Das PENTAX-110 1:2.8 24mm auf der Olympus OM-D E-M5
- 2024: Erfolgreicher Flohmarkt! Zwei schöne Objektive, Stückpreis 10 Euro
- 2024: Fuji X-T20/Fuji X-E1 PENTAX-110 1:2.8 24mm
- 2024: Fuji X-T10 und ASAHI OPT. CO. JAPAN PENTAX-110 1:2.8 70mm
- 2025: Olympus OM-D E-M5 PENTAX-110 1:2.8 24mm und 1:2.8 70mm
- 2025: Olympus OM-D E-M5 PENTAX-110 ZOOM 1:2.8 20-40mm – kleines Finale
- 2025: Fuji X-E1 PENTAX-110 1:2.8 70mm und 1:2.8 20-40mm – Finale der PENTAX-110 Objektive
Wenn ich das so studiere, fordert das ja geradezu zum Erwerb einer Pentax Auto 110 Super auf!
Jetzt muss aber erstmal die Rollei A110 genügen. Und bis zum Sommer ist ja noch Zeit in eBay und auf Flohmärkten die Augen offen zu halten ;-) Wobei ich auf meinem Stamm-Flohmarkt bis auf die Rollei noch keine andere Kamera für Pocketfilm gesichtet habe. Was aber nichts macht, da ich bereits zwei weitere interessante Kandidaten für ganz wenig Geld erworben habe …
Brennweitenumrechnung 13x17 mm Pocket 110 Filmformat auf 24x36 mm Kleinbildformat
Da brauche ich doch gar nicht weit zu schauen! Das sind doch genau die Abmessungen der FourThirds-/microFourThirds-Sensoren: 13 x 17 mm. Cropfaktor 2!
Also: Alle Pocketkamera-Brennweiten müssen mit 2 multipliziert werden
Pocketfilm-Kandidat Nr. 1 kann bald auf Funktion getestet werden, auf Kandidat Nr. 2 muss ich bis zum Juli warten
Kandidat Nr. 1 ist die 1978 vorgestellte Pocket FUJICA 350 Flash
Als Besonderheit hat sie ein weitwinkligeres FUJINON WIDE20mm PAN FOCUS 1 m ~ ∞ Objektiv, KB-äquivalent 40 mm Brennweite. Der Rest der Pocketkamerawelt hat 23/25 mm Brennweite, 46/50 mm @KB.
Kandidat Nr. 2 ist die Pocket FUJICA 350 Zoom von 1976
Objektiv ist ein aufwändiges Zoom, bestehend aus 7 Linsen in 6 Gruppen, 5,6/25-42 mm KB-äquaivalent 50-84 mm Brennweite
Die Verschlusszeit ist dort fest: 1/125 s, Belichtungssteuerung über Wetter-Symbole (Schnee) Sonne "stark", Sonne "schwach, bewölkt. Mit dieser "Belichtungssteuerung" möchte ich eigentlich keinen Farbnegativfilm belichten. Das wird SW Film sein!
Viel, viel lieber hätte ich mit dieser Pocketkamera fotografiert!
Ich hatte die 1976 als erste Spiegelreflexkamera für das110/Pocketformat vorgestellte MINOLTA 110 ZOOM SLR 2017 zur Illustrierung von "2018: 90 Jahre Minolta" erworben. Sie war aber schon damals "tot". Für alle Fälle jetzt nochmal mit frischen Knopfzellen bestückt – NICHTS :-(
Ein zweites, funktionierendes Exemplar werde ich nicht kaufen.
Beispielfotos aus der Rollei A110 geladen mit dem FUJICOLOR SUPERIA 200 Ablaufdatum 2009 …
… gab es keine!
Vom Labor kam die Nachricht, dass auf dem in der Rollei A110 belichteten Film nichts drauf war.
Für den Fehler gibt es nur zwei Möglichkeiten
- Die nette Rollei ist defekt, was schade wäre
- Der Film war trotz Originalverpackung hinüber
Letzteres wäre dann das zweite Mal, dass sich ein unbelichteter Film offensichtlich so totgelegen hat, dass er nicht mehr belichtbar ist.
Oder ist doch die die Flohmarkt-Rollei defekt?
Genau das war, ist es! Was ein simpler Test, den ich dann natürlich zu spät erst hinterher machte, sofort gezeigt hätte. Einfach ohne Film mit geöffneter Kamera-Rückwand mal im Zimmer, mal draußen bei Tageslicht auslösen. Wenn alles funktioniert, sollte drinnen bei geöffnetem Verschluss die Blende ganz auf sein, draußen bei viel Licht etwas geschlossen. Die Rollei A110 klickte, aber der Verschluss öffnete sich nicht. Also Totalschaden …
Genau mit diesem Klicken wird bei eBay sogar geworben. Was aber eben gar nichts über die Funktionsfähigkeit der Rollei aussagt. Aus diesem Grund werde ich auch in keine zweite Rollei investieren. Auch nicht beim gewerblichen Anbieter, wo ich eine defekte Kamera zurücksenden könnte.
Das Rollei-Experiment ist damit beendet!
Auch wenn Winfried Warnke, Kolumnist und freier Autor die Rollei A110 im fotoMAGAZIN wohlwollend beschrieben hat: VINTAGE VIBES: Rollei A110 – die „kleinste ernsthafte Kamera der Welt“ In der Serie „Vintage Vibes“ stellen wir Ihnen analoge Kult-Kameras vor, die nicht nur nostalgischen Wert haben, sondern auch heute noch beeindruckende Ergebnisse liefern. Diesmal die Rollei A110.
Den gleichen, einfachen Test an der POCKET FUJICA 350 FLASH durchgeführt, zeigte auf Anhieb einen funktionierenden Verschluss. Zumindest öffnete und schloss er beim Auslösen. Also wurde die Fujica mit dem frischen Pocketfarbfilm geladen, der noch in der Rollei steckte. Weil ich ja zunächst angenommen hatte, dass der in der Rollei abgelaufene Film kaputt war … Tatsächlich ist die nette Rollei nur noch Dekoration :-(
Jetzt also in der POCKET FUJICA 350 FLASH
Die POCKET FUJICA 350 FLASH hat allerdings den Nachteil einer sehr primitiven Belichtung. Im Internet fand sich die oben abgebildete, aus dem Japanischen übersetzte Beschreibung. Danach hat die FUJICA 350 FLASH also nur zwei Verschlusszeiten: 1/100 und 1/400 s. Das würde bei Tageslicht und einem ISO 200 Pocketfilm so eben hinhauen. Nach der Regel ISO-Empfindlichkeit gleich Verschlusszeit bei Blende f/16. Also 1/200 s bei f/16. Da würde die 1/100 bzw. 1/400 s ja passen.
Tatsächlich nutzten in der Pocketfilm-Ära primitive Pocket-Kameras zur Belichtung den großen Belichtungsspielraum der Negativfilme als "Belichtungsautomatik". Kein Wunder, dass bei Primitiv-Knipsen keine wirklich ansprechenden Resultate rauskamen …
Egal, der vorhandene LOMOCHROME CLASSICOLOR 200 wurde in der Fujica belichtet und beim Stammfotohändler abgegeben. Nur zur Entwicklung OHNE Digitalisierung. Offensichtlich gibt es keinen Automatik-Scan fürs alte Pocketformat. Der Film würde beim Händler für teures Geld von Hand digitalisiert. Das übernehme ich dann doch selbst kostengünstig!
Beispielfotos aus der POCKET FUJICA 350 FLASH, die 13x17 mm Negative mit 3.600 dpi gescannt, Endgröße 2.400 Pixel
So ungefähr hatte ich es erwartet
"KUNSCHT" ;-)
Immerhin: Es war etwas drauf. Wobei die Scans mit Einbezug der Filmbezeichnung LOMOCHROME CLASSIC 200, die ich dann bewusst dringelassen habe, am künstlerischten rüberkommen. Die technische Filmqualität war miserabel. Was aber auch an der primitiven Belichtungs-"Automatik" der POCKET FUJICA 350 FLASH liegen kann. Nachgeschärft wurde mit Lightroom nichts, aber das grobe Korn wurde erfolgreich mit Topaz Photo AI reduziert. Es war eine arge Fummelei, die Pocket-Filme im 24 x 36 mm Negativhalter des Plustek 7200 Filmscanner "im Zaum" zu halten. Aber es ging!
Ich habe jetzt noch zwei weitere LOMO TIGER 110 POCKET (Farb) FILM 200 ISO, die ich mit der gleich beschriebenen MINOLTA AUTOPAK 470 belichten werde. Dazu zwei LOMO ORCA BLACK AND WHITE 110 Pocket Film.
Die Reihenfolge ist damit klar!
- Erst ein SW Film zur Belichtungskontrolle in der MINOLTA AUTOPAK 470. Den Film werde ich selbst entwickeln und falls es sich lohnt, digitalisieren ;-)
- Sollte da alles in Ordnung sein, werden die zwei Pocket-Farbfilme mit der MINOLTA AUTOPAK 470 ver-fotografiert. Auch da Selbstentwicklung und -digitalisierung versuchen. Ansonsten gehen die belichtetet Film zurück nach Deutschland und später zum Stammhändler.
- Der übriggebliebe SW Pocketfilm geht dann bevorzugt in die POCKET FUJICA 350 ZOOM, wenn deren Verschluss funktioniert! Ansonsten die POCKET FUJICA 350 FLASH
Auf der Suche nach Ersatz für die defekte Rollei A110 wurde ich fündig
MINOLTA AUTOPAK Pocketfilmmodelle gibt es reichlich. Die Wahl fiel schließlich auf die AUTOPAK 470.
Wichtigstes Argument: Ein gutes Objektiv und eine Belichtungsautomatik!
Wie die Rollei A110 besitzt die AUTOPAK 470 ein vierlinsigens Objektiv nach der bewährten Zeiss Tessar "Adlerauge" Formel! Ein 3,5/26 mm Rokkor, KB-äquivalent 52 mm. Dazu eine Programmautomatik, die Verschlusszeiten von 2 bis 1/1000 s nutzt. Bei Offenblende f/3,5 und Blende f/9. Und als nette Beigabe noch eine einschiebbare Nahlinse mit der ich 90 cam dicht ans Motiv komme. Im Set noch das Blitzgerät POCKET FLASH 110. Der dann wenige Minuten nach Einlegen einer frischen 1,5 Vollt AA Batterie anfing zu arbeiten. Sprich: Der Blitz blitzt ;-) Den werde ich aber voraussichtlich nicht benutzen …
Bei der AUTOPAK 470 wurde zügig geprüft, ob der Verschluss arbeitet. Im Foto oben mit dem roten Kreis markiert. Im Zimmer ausgelöst: Verschluss öffnet, Blende ist sichtbar ganz auf. Draußen ausgelöst: Verschluss deutlich schneller, Objektivblende etwas geschlossen. Das sagt jetzt narürlich nichts über die Genaugkeit/Richtigkeit der zu erwartenden Filmbelichtung, ist aber ein wichtiger Hinweis.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Ganz klar steht der Spiel-/Experimentiertrieb im Vordergrund!
SW werde ich definitiv selbst entwickeln und digitalisieren. Farbe nach erneutem Test einer einfacher zu handhabenden Chemie versuchen! Als Alternative für Farbe. geht noch die Color-Chemie von FOTOIMPEX mit!
Einen Vorteil hat die Fotografie mit den hier gezeigten Pocketkameras. Damit nimmt dich keiner ernst! Die sind noch kleiner als ein Smartphone. Was je nach Situation sehr nützlich sein kann …
Hier ist erstmal Schluss mit Pocket, ab Mitte Juli geht es weiter!
Ralf Jannke, Juni/Juli 2026
Neuen Kommentar schreiben
| Autor: | Ralf Jannke |
| Mail senden | |
| Erstellt: | 20.06.2026 |















Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!