Nikons Start in die digitale Fotografie begann 1999 mit Vorstellung der ersten eigenen DSLR der Firmengeschichte, der 2,7 Megapixel D1. Ein Jahr später folgte 2000 die zunächst einzige Möglichkeit digital mehr Bildwinkel mit Autofokus zu haben — mit dem Nikon AF NIKKOR 14mm 1:2.8 D. Auf dem 15x23 mm APS-C Sensor - bei Nikon als DX bezeichnet — und seinem Cropfaktor 1,5 KB-äquivalente 21 mm Brennweite.
Oben prinzipiell dargestellt mit der 6 Megapixel Nikon D50 und dem SIGMA AF 14mm 1:3.5, Hauptgegenstand dieses Beitrags.
Um meine Neugier zu zügeln, hatte ich das 14 mm Sigma direkt auf die oben gezeigte Nikon D50 montiert, um mit dieser Kombination vorab ein paar Fotos aufzunehmen. Hier im Praxisbericht nachzulesen.
Das Nikon AF NIKKOR 14mm 1:2.8 D (Stangenantrieb) wurde übrigens als SP AF 14mm 1:2.8 von Tamron selbst angeboten und auch für Nikon im Auftrag gerechnet und mit anderem Design entsprechend als Nikon Objektiv umgelabelt von Nikon vertrieben. Was vom einen oder anderen Nikon Fanboy vehement bestritten wurde. Das kann, darf doch nicht sein ;-) Bis zum Erscheinen der 12 Megapixel Vollformat Nikon D3 2007 soll Nikon übrigens die Philosophie vertreten haben, dass Vollformat doch gar nicht notwendig wäre …
Zum SIGMA AF 14mm 1:3.5
Diese Brennweite hat bei Sigma eine etwas über 30 Jahre dauernde Geschichte. Laut ChatGPT stellte Sigma 1980 sein erstes, manuell zu fokussierendes 14mm Ultra-Wide vor. Hier lag ChatGPT vollkommen daneben, denn für dieses Datum fand sich für mich kein Hinweis im Internet. Auch in der Sigma History gibt es keinerlei Erwähnung des 14ers zu diesem Zeitraum.
Richtig dagegen LENS-DB.COM
Dort wird ein SIGMA M(anual)F(okus) 14MM F/3.5 MULTI-COATED ZEN TYPE 1 gezeigt, was 1990 vorgestellt wurde. Gefolgt 1992 vom SIGMA MF 14MM F/3.5 MULTI-COATED ZEN TYPE 2. Eine der beiden manuell zu fokussierenden Varianten hatte ich kurzzeitig. Um dabei nach wenigen Fotos festzustellen, dass mein Exemplar eine unscharfe "Zitrone", ein "Montags-Objektiv" war, was schnellstens wieder abgestoßen wurde.
Parallel zu diesen beiden manuell zu fokussierenden MF Varianten gab es 1991 ein SIGMA AF 14mm 1:3.5 ZEN Type 1 und 1992 die Variante ZEN Type 2. Um letztere handelt es sich bei dem hier vorgestellten Exemplar.
Interessant noch die Erklärung zum ZEN Finish
ZEN ist ein Akronym, die Abkürzung für Zeitgeist, Enhancement (Verbesserung) und Nonglare (nicht glänzend). Mit der nichtglänzenden Urethan (genauer TPU — Thermoplastisches PolyUrethan) Oberfläche ersetzte Sigma 1989 die zuvor einfache, lackierte Metalloberfläche. Was sich nur wenige Jahre später als keine gute Idee erwies. Sigma behauptete zum ZEN-Start, dass das nicht reflektierende TPU hart, stark, antichemikalienbeständig, rutschfest, blendfrei und kratzfest sei. Tatsächlich neigt die TPU-beschichtet Oberfläche dazu, sich mit zunehmendem Alter abzulösen und klebrig zu werden. Was bei meinem Exemplar der Fall ist :-(
Übrigens sind nicht nur TPU-beschichtete Objektive betroffen. Meine nette Panasonic G1 habe ich zum Schluss nicht mehr angefasst. In der Angst, ich bekomme das klebrige Teil nicht mehr aus den Fingern ;-) Abhilfe ist ausführlich im Beitrag: "Panasonic G1 — Klebrigen Kunststoff reinigen" beschrieben.
Während ich bei der Panasonic G1 zu Orangenölreiniger greifen musste, genügte beim 14 mm Sigma simpler Nagellackentferner (Aceton), um die klebrige Schicht erfolgreich zu entfernen!
In den "Produktfotos" ist die da noch unbehandelte und eklige Kleb-Oberfläche noch leicht zu erkennen. Die ist jetzt glatt und klebfrei! O.K. die Reinigung hat zwar auch den Aufdruck SIGMA AF 14mm 1:3.5 verschwinden lassen, aber ich weiß ja, dass ich mit einem 14er fotografiere ;-)
Nach den beiden 14 mm MF-/AF-Objektiven kam 1998 noch das Sigma 14 mm F2.8 EX Aspherical HSM, gefolgt von den superlichtstarken und entsprechend voluminösen Sigma 14 mm F1.8 DG HSM Art von 2017, was 1,17 Kilogramm wiegt und je nach Anschluss 1100-1200 Euro kostet und Sigma 14 mm F1.4 DG DN von 2023 für rund 1.600 Euro und 1,16 Kilogramm schwer.
In Anbetracht der 70 Euro inkl. Porto, die ich für mein SIGMA AF 14mm 1:3.5 gegeben habe, absolut keine Option, die modernen, superlichtstarken 14er. Auch wenn ich in meinen Südschwedenferien gerne den Sternhimmel mit Fisheye und Superweitwinkel ablichte. Dafür setze ich mittlerweile preiswerte und sehr gute "China-Ware" ein. Beispielsweise:
- 7Artisans 4mm F:2.8 für Fuji X
- Meike 4K 190 Grad 2,0/6,5 für microFourThirds
- TTArtisan 2/7,5 mm Fisheye Nikon Z
- 7Artisans 24mm F1:1.4 Nikon Z
Die beiden Z-Objektive sind nur für den kleinen 15 x 23 mm APS-C-Sensor — bei Nikon DX — gerechnet, was mich aber nicht daran hindert beide Objektive im Vollformat einzusetzen. Natürlich wird das Format nicht ausgezeichnet, aber es gibt ein paar mehr Reserven, wenn später ein 3:2 Sternspuren (Startrails) Foto generiert oder auf ein 16:9 Zeitraffer-/Timelapse-Video auf 1.920 x 1.080 FullHD gecroppt werden soll.
Spezifikation SIGMA AF 14mm 1:3.5
- Vorstellungsjahr 1992
- Abmessungen/Gewicht Ø 75 mm, Länge 69 mm, Filter Ø entfällt, Steckfilter? 446 g
- Optischer Aufbau 13 Linsen/Elemente in 11 Gruppen
- Anzahl Blendenlamellen 6, kleinste Blende f/22
- Nahdistanz 0,18 m
Zugegeben etwas sehr dick "aufgetragen" – meine Nachbearbeitung. Da hat mich das "Kodachrome 25/64-Fuji Velvia-Ich belichte-mal-"etwas"-unter-Polfilter-Pferd" geritten ;-) Hat aber großen Spaß gemacht, den Fuji-Farben der S3 Pro noch einen draufzusetzen! Und die Reflexe, Übertrahlungen, Blendensterne? Phantastisch und von mir genauso gewollt! Das vorhandene Nikon DX VR AF-P NIKKOR 10-20mm 1:4.5-5.6 G dürfte da vermutlich besser abscheiden, aber bei diesem Motiv bevorzuge ich die gezeigte Darstellung. Wie immer reine Geschmackssache!
Die D300 am Limit! Aus der jährlich wiederkehrenden Perseiden-/Sternschnuppennacht im August 2025
ISO H 1.0 = 6.400, Offenblende f/3,5, 5 s Belichtungszeit 5 s. Massive Nachbearbeitung, speziell Entrauschen
Funktioniert perfekt!
Natürlich ohne Autofokus, da das Sigma den Stangen-/Schrauben-AF hat, der zum Antrieb einen Motor im Kameragehäuse benötigt.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
In Facebook lautete ein Kommentar von einem Gruppen-Experten zum zum SIGMA AF 14mm 1:3.5: "God I hated that lens. What a piece of crap." — "Gott, wie habe ich dieses Objektiv gehasst. Was für ein Schrott". Oh ja, ein wahrer "Experte". Mag ja sein, dass er eins der miserablen MF-Varianten hatte. Ich habe mit dem 70 Euro 14er Sigma für mich ein Spitzen Preis-/Leistungsteil erwischt. Sicher werden/müssen nicht jedem die "Störungen" bei Gegenlicht gefallen, ich finde sie sehr interessant und in gewissen Grenzen steuer- und minimierbar. Und der fehlende AF auf dem FTZ im Nikon Z-Vollformat? So gut wie nebensächlich. Bei gewählter Blende 8 oder 11 präzises Fokussieren bei Offenblende f/3,5. Einwandfreie Belichtungssteuerung bei mir bevorzugt in kombinierter Zeit- und ISO-Automatik.
Die unübersehbare Vignettierung im Vollformat habe ich immer dringelassen. Deren Entfernung wäre für Lightroom & Co. kein Problem! Auch könnten gewisse Reflexe unsichtbar weggelöscht werden. Ich mag es so, wie es ist!
Ralf Jannke, August 2025
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Autor: | Ralf Jannke |
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Erstellt: | 27.08.2025 |
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