Analoge Fotografie

Die früheste Vorstufe der Fotografie war die Camera Obscura, auf deutsch Lochkamera genannt. Sie besteht aus einer dunklen Kiste, an deren einer Seite sich ein kleines Loch befindet. Die gegenüberliegende Seite ist eine Projektionsfläche, auf der ein verkleinertes, kopfstehendes Abbild der Szenerie jenseits des Loches zu sehen ist. Einen praktischen Nutzen hatte die Camera Obscura kaum, sie diente höchstens Malern als Hilfsmittel bei der Abbildung komplexer Szenen oder Astronomen bei der Beobachtung der Sonne. Dafür hat sich jedoch die Bezeichnung "Camera", was eigentlich Kammer bedeutet, bis heute gehalten. Die Camera Obscura war spätestens seit Anfang des 16. Jahrhunderts bekannt.

Gebäude der Sternwarte in Greenwich. Das Häuschen rechts ist eine Camera Obscura. In der Dachspitze ist ein Spiegel im 45°-Winkel und eine Linse eingebaut, die ein Abbild der Londoner Skyline auf einen weißen Tisch im Inneren des abgedunkelten Raumes projezieren. Durch die Linsenoptik ist diese Kamera Obscura schon ein fortschrittliches Modell.

Dreihundert Jahre später experimentierten dann - zunächst unabhängig von einander und später dann gemeinsam - die beiden Franzosen Joseph Nicéphore Nièpce und Louis Jacques Mandé Daguerre mit verschiedensten Substanzen, um ein projiziertes Bild festzuhalten. Dies gelang auch verschiedentlich, das Abbild war jedoch stets negativ und verflüchtigte sich nach kurzer Zeit wieder. Erst im Jahre 1822 gelang die Fixierung von Aufnahmen und vier Jahre später entstand die weltweit erste, bis heute erhaltenen Fotografie, von Nièpce "Heliographie" genannt. Sie zeigt einen Blick aus seinem Arbeitszimmer und wurde acht Stunden lang belichtet. Nach Nièpces Tod 1833 gelang Daguerre eine deutliche Verbesserung des Verfahrens, bei dem silberbeschichtete Kupferplatten für die Aufnahme verwendet wurden, die dann mit Quecksilber entwickelt und mit Natriumthiosulfat fixiert wurden. Er nannte die so entstandenen Bilder "Daguerrotypien".

Älteste erhaltene Heliographie von 1826, Blick aus dem Fenster von Niépces Haus in Le Gras. Ölgetränktes Bitumen. Belichtungszeit 8 Stunden.
Quelle: Wikipedia
Älteste erhaltene Daguerrotypie von 1837, "L'atélier de l'artiste".
Quelle: Wikipedia

Einfacher zu handhaben war die "Kalotypie", eine Erfindung, die William Henry Fox Talbot im Jahr 1841 patentieren ließ. Die Aufnahmen entstehen auf Jodsilberpapier. Sie werden mit Gallussäure und Silbernitrat entwickelt und mit Natriumthiosulfat fixiert. Da das Bild negativ ist, wird es mit Wachs durchsichtig gemacht und direkt auf ein weiteres Blatt Jodsilberpapier gelegt und belichtet. Letzteres zeigt dann nach Entwicklung und Fixierung ein haltbares Positiv. Der große Vorteil des Negativs ist, dass das Bild beliebig vervielfältigt werden kann.

Die Fotografie wurde nun rasch populär, blieb zunächst jedoch in den Händen des sich neu entwickelnden Berufsstandes der Fotografen. Schließlich war eine Fotoausrüstung horrend teuer. Die mäßige Lichtempfindlichkeit der Fotoplatten hatte zur Folge, dass die Fotomodelle minutenlang bewegungslos ausharren mussten. Alternativ konnte auch mit Blitzen gearbeitet werden, die durch die kontrollierte Explosion chemischer Substanzen funktionierten. Das war umständlich und leider auch gefährlich.

Weit verbreitet war die Ambrotypie. Dabei handelt es sich um Negativaufnahmen auf einer Glasplatte. Durch einen schwarzen Hintergrund erscheinen sie als Positive. Ambrotypien gab es etwa von 1856 bis 1880. Sie waren damals sehr verbreitet, weil sie der Fotograf selbst in kurzer Zeit entwickeln und dem Kunden gleich mitgeben konnte

Bilder einer jungen Frau und eines Kindes. Hergestellt in Kanada, vermutl. Ende der 1870er Jahre
Auf die Glasplatte mit dem Bild wurde erst ein Passepartout und dann eine weitere Glasplatte gelegt das ganze zur Verhinderung von Oxydation mit einem Papierstreifen außen herum weitgehend luftdicht verklebt. Mit einem Metallrahmen versehen und in ein Schächtelchen aus Presskarton eingesetzt konnte man seine Lieben immer mit sich herumtragen

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die fotografischen Verfahren immer weiter verbessert. Ab 1865 wurde auch an Verfahren zur Farbfotografie gearbeitet, allerdings noch ohne durchschlagenden Erfolg.

Erst nach der Jahrhundertwende wurden Fotoapparate preiswert und nach Einführung des Rollenfilms 1888 in George Eastmans "Kodak"-Kamera auch einfach handhabbar. Nun wurden auch private Fotoaufnahmen in großem Umfang gemacht. 1925 kam mit der Leica die erste Kleinbild-Kamera mit dem Filmformat 24 x 36 mm auf den Markt. 1933 brachte Agfa den ersten Farbfilm für Dias auf den Markt, ab 1941 konnten auch Farbfotos auf Papier abgezogen werden.

Die folgenden Jahre waren geprägt von der Weiterentwicklung der Fotoapparate. Bereits im Jahr 1929 war die zweiäugige Spiegelreflexkamera Rolleiflex auf den Markt gekommen, 1948 folgte die Spiegelreflexkamera von Victor Hasselblad mit Schlitzverschluss. 1959 führt Agfa mit der Optima eine elektrische Belichtungsautomatik ein und Voigtlänger entwickelt das erste Zoomobjektiv. 1963 zeigt Canon die erste Kamera mit automatischer Scharfstellung und bringt 1976 mit der AE-1 die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit Mikroprozessor auf den Markt. 1977 bringt Konica mit der C35-AF die erste Autofokus-Kompaktkamera auf den Markt, vier Jahre später gab es mit der Pentax ME-F erstmals eine Spiegelreflexkamera mit Autofokus.

Weitere Innovationen der 80er Jahre waren: Das Disc-System, TTL-Autofokus und Belichtungsautomatik (TTL = Through the Lens), Mehrfeld-Belichtungsmessung, motorischer Filmtransport und Computersteuerung mit LC-Statusdisplay. In den 90er Jahren ließ die Innovationsfreude bei den analogen Kameras etwas nach und gegen Ende des Jahrzehnts wurde deutlich, dass sich die Technik auf dem Rückzug befindet. 2001 wurde erstmals mehr Umsatz mit digitalen als mit analogen Kameras gemacht.

Tipp zum Weiterlesen: Kamerageschichte 2: Videotechnik