EOS 5D Mark III mit Canon EF 28-80 3,5-5,6 II Praxisbericht von Christian Zahn
In diesem Bericht geht es um die Verwendung eines ca. 25 Jahre alten Zoomobjektivs an einer digitalen Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor und 22 Megapixeln. Ich hatte das Objektiv bereits an der APS-H-Kamera EOS 1D Mark IV getestet und fand es nicht schlecht.
Das Objektiv wurde 2002 bis 2003 zusammen mit der Einsteiger-Spiegelreflexkamera EOS 3000N als Kitobjektiv verkauft, diese Kamera für Kleinbildfilm basiert größtenteils auf der von 1996 bis 1999 verkauften EOS 500N. Diese Kameras und das Objektiv waren auf niedrigste Herstellkosten ausgelegt, die 3000N wurde zusammen mit einem Schulterriemen, dem Objektiv und zwei Lithiumbatterien für 250 Euro verkauft. Eine andersfarbige Variante passend zum Silber des Kameragehäuses wurde vermutlich nicht angeboten.
Die „II“ in der Typenbezeichnung deutet darauf hin, daß es davor bereits eine andere Variante mit diesen Brennweiten von Canon gab. Vermutlich wurde es gegenüber den Vorgänger verbessert, nach 2000 konnten asphärische Linsen kostengünstig blankgepreßt gefertigt werden, diese Technologie ergab für Zooms meist einen Qualitäts-Schub.
Canon Zoom Lens EF 28-80mm 1:3,5-5,6 II
Das Objektiv ist konsequent auf Kostenreduzierung ausgelegt, es besteht fast vollständig aus Kunststoff und hat keinen USM-Antrieb, sondern einen recht lauten und langsamen normalen kleinen Elektromotor.
Der schmale Entfernungsring läuft bei manueller Fokussierung extrem leicht, denn er dreht sich beim automatischen Fokussieren immer mit. Die wenigsten Anwender dürften jemals die manuelle Fokussierung genutzt haben, sondern die Entfernungsermittlung ausschließlich der Kamera überlassen haben.
Die Naheinstellgrenze von ca. 0,4 Metern ist gut. Canon-EF-typisch ist kein Blendenring eingebaut, die Verstellung erfolgt immer durch die Kamera, es sind nur 5 Lamellen eingebaut. Der optische Aufbau besteht aus 10 Elementen in 10 Gruppen.
Das mitdrehende Filtergewinde beträgt 58 mm, das Objektiv hat einen Durchmesser von 66 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 75 mm und wiegt 220 Gramm. Beim Zoomen wird es ca. 10 mm länger. Die Streulichtblende EW-60C rastet in ein Bajonett und mußte extra gekauft werden. Die Streulichtblende ist baugleich mit derjenigen von vielen späteren Canon-Kitobjektiven für digitale Spiegelreflexkameras.
Das gesamte Objektiv macht keinen allzu hochwertigen Eindruck, es besteht äußerlich vollständig aus Kunststoff, sichtbar aus Metall sind nur die elektrischen Kontakte, auch im Inneren dürfte kaum Metall vorhanden sein. Der ausfahrbare Tubus wackelt deutlich, man sollte darauf achten, mit der Streulichtblende nicht irgendwo anzustoßen, dann dann können die empfindlichen Kunststoffführungen im Inneren brechen, der Tubus wackelt dann noch stärker und die Bildecken werden danach nie mehr alle gleichscharf sein.
Das Objektiv verzeichnet recht deutlich, je nach Motiv kann das stören, jedoch ist die Verzeichnung heutzutage sehr einfach digital „wegzurechnen“. Leider kennen nicht alle heutigen RAW-Konverter dieses Objektiv (noch), beispielsweise hat Canon DPP 4 kein Korrekturprofil, so daß die Beispielbilder keine Vignettierungs- und Verzeichnungkorrektur bekommen haben. Und meine Alternative Adobe Camera RAW Version 9 hat ebenfalls keine Korrekturprofile.
Die bei Offenblende vorhandenen chromatischen Aberrationen verschwinden auch bei Blende 8-11 nicht. Das wundert mich etwas, denn an der APS-H-Kamera EOS 1D Mark IV waren diese Bildfehler trotz größere Pixeldichte dann kaum noch erkennbar. Die Vignettierung ist bei weit geöffneten Blenden besonders im Weitwinkelbereich sichtbar, abgeblendet verschwindet sie größtenteils.
Die gesamte Bildschärfe ist bei Offenblende besonders im Weitwinkelbereich ziemlich schlecht, auf 8-11 abgeblendet ist sie durchaus brauchbar, wenn auch nicht immer hervorragend, das Objektiv neigt durch das Wackeln des Fronttubus zu teilweise unscharfen Ecken. Ist das Objektiv bei der Aufnahme unverwackelt gewesen, sind die vier äußeren Ecken durchaus scharf (Bildbeispiel 3 rechts oben, Bild 4 rechts mitte, Nr. 5 links oben, Bild 8 rechts unten).
Das Objektiv kostete neu zusammen mit einer filmbasierten EOS 3000N etwa 250 Euro, inzwischen ist es nur noch gebraucht erhältlich. Die Gebrauchtpreise schwanken je nach Zustand, Farbe und Lieferumfang zwischen 15 und 50 Euro. Zu beachten ist, daß es verschiedene Version gab, die Variante ohne „II“ ist älter, und es gibt mindestens zwei Varianten mit USM-Ultraschallmotor, diese beiden Objektive sind deutlich teurer.
Beispielfotos
Alle Beispielaufnahmen entstanden freihand mit Programm- und ASA-Automatik, wurden gespeichert als CR2, gewandelt mit Canon DPP 4 und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, Vignettierung und Verzeichnung jedoch nicht, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte einmontiert sowie die Aufnahmeparameter.
Fazit
Das EF 28-80 II hat mich positiv überrascht, ich hatte ein Objektiv in einer eher gemäßigten Liga erwartet. Zwar liefert das betagte kostenreduzierte Canon-Setzoom keine Wunderleistungen, die 22 Megapixel der Vollformat-Kamera werden nicht vollständig beliefert, das Objektiv und nicht die Kamera limitiert die Auflösung, aber für ein so preiswert hergestelltes Objektiv, das nie für digitale Kameras gedacht war, ist es durchaus als gut zu bezeichnen. Allerdings gilt das nur mindestens zwei Stufen abgeblendet, die Offenblende ist bei allen Brennweiten nicht sinnvoll nutzbar.
Und es fehlt ein eingebauter Bildstabilisator, so daß das Objektiv nur bei hoher Motivhelligkeit einsetzt werden sollte, es ist somit nur schönwettertauglich, nichts für dunkle Tage oder Innenräume. Ebenso dürfte bei etlichen Motiven die Verzeichnung im Weitwinkelbereich störend sein, sofern man nicht im RAW-Konverter eine manuelle Korrektur einstellen kann.
Christian Zahn, März 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 16.03.2026 |














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