Fuji FinePix 1400Zoom 2026 von Christian Zahn

Diese recht frühe Kompaktkamera von Fujifilm hatte ich 2022 hier mit den meisten technischen Daten gezeigt. Leider war mein Exemplar defekt, darum konnte ich nur ein einziges Beispielbild zeigen, das ich auf der eingelegten Speicherkarte fand. Ralf hat eine funktionsfähige FinePix 1400 hier präsentiert. Inzwischen hat er eine zweite Kamera bekommen, die er mir überlassen hat. Vielen Dank dafür! Boris hat ebenfalls eine FinePix 1400 Zoom im Bestand, die er hier zeigt.

Besonderheiten

Die FinePix 1400 Zoom ist eine der ersten Fuji-Kompaktkameras im „klassischen“ Design, d. h., sie ähnelt einer Kamera für Kleinbildfilm. Die Modelle, die Fujifilm davor herausbrachte, unterscheiden sich von diesem etabliertem Design stark, teilweise waren die Kameras quadratisch, teilweise waren sie als Hochkant-Kamera entworfen worden, teilweise hatten sie eine Feldstecher-artige Bauform.

Da die Kamera relativ teuer war, konnte sie in Japan hergestellt werden, später lagerte Fuji ähnlich wie fast alle Mitbewerber die Produktion in Länder mit geringeren Lohnkosten aus.

Die Stromversorgung erfolgt mit 4 fast überall erhältlichen Mignonzellen, Die Typenbezeichnung „1400“ dürfte auf die 1,4 Megapixel Rohdaten des Sensors hinweisen, die aufgenommenen Bilder haben nur 1,22 Megapixel. Etwa ein halbes Jahr später erschien bereits der Nachfolger FinePix2400 Zoom mit 2,1 Megapixeln, allerdings verlangte Fuji 200 DM Aufpreis für die bessere Auflösung.

Die „Pixel-Hochmogelei“ machten damals alle Anbieter von Digitalkameras, die Auflösungen waren niedrig, da zählte jeder einzelne Pixel und deshalb wurde gerne die Rohdatenmenge des Sensors angegeben und nicht die effektiv benutzen Bildpunkte. Immerhin hat Fuji nicht so extrem übertrieben wie manch anderer Hersteller; in der Werbung, im Datenblatt und auf der Kamera steht „1,3 Megapixel“, aber auch das ist großzügig aufgerundet.

Die Kamera hat sowohl ein rückseitiges Display als auch einen sehr kleinen optischen Realbildsucher, der angedeutete Parallaxmarken und einen Kreis für den Bereich der AF-Zone hat. Wie üblich zeigt er weniger an, als später auf dem Foto sein wird, um „abgeschnittene Köpfe“ zu vermeiden. Das Display-Panel befindet sich hinter einer Schutzscheibe. Heutzutage wirkt die Auflösung fürchterlich grob und das Display winzig, im Jahr 2000 waren beides marktüblich. Ca. 150x120 Farbtripel waren „State of the Art“, nur wesentlich teurere Kameras hatten ein etwas größeres Display und glänzten mit der doppelten Zahl an Farbtripeln.

Das Bedienkonzept ist von anderen Fuji-Kompaktkameras her bekannt: Es gibt keine Zoomwippe und kein Steuerkreuz. Gezoomt wird mit einem vertikal beweglichem Hebel, die rechts und links daneben angeordneten Tasten dienen im Menu mit dem Hebel zusammen als ziemlich fummeliges Bedienelement, das ein Steuerkreuz ersetzen soll. Vier weitere Tasten dienen zum Aufrufen des Menüs, als OK- oder Abbruchtaste und zur Blitzkontrolle sowie schalten das Display an und ab.

Der Objektivschutz ist ein Schieber, der aber nicht wie bei Olympus gleichzeitig Kamera-Hauptschalter ist. Zum Benutzen muß der Schieber seitlich geöffnet werden und danach der Hauptschalter auf der Oberseite von „OFF“ auf das Kamerasymbol gestellt werden. Schaltet man die Kamera ein, ohne den Schieber zu öffnen, gibt die Kamera im Display eine Warnung aus. Zum Ausschalten müßen sowohl der Schieber geschlossen als auch der Hauptschalter auf „OFF“ gedreht werden. Das hat Olympus seinen damals verkauften Camedias eleganter gelöst, die Schieber ist gleichzeitig Hauptschalter, eine getrennte Bedienung ist nicht erforderlich. Warum Fuji dieses simple Konzept nicht übernommen hat, weiß ich nicht, vielleicht hatte Olympus damals ein Patent auf diese Funktion.

Schwachstelle des Schiebers ist die Rastung in geöffneter Stellung, diese leiert durch häufige Benutzung aus, beim Fotografieren muß dann darauf geachtet werden, daß die Schieber ganz offenbleibt, ansonsten fährt die Kamera das Objektiv ein.

Für die Schnittstellen sind teilweise Spezialkabel erforderlich, USB nutzt eine spezielle Buchse, für die Stromversorgung ist eine Hohlsteckerbuchse vorhanden.  

Als Speichermedium dienen SmartMedia-Karten bis 64MB, die größeren Karten mit 128 MB werden in der Anleitung nicht erwähnt. Im Lieferumfang war eine 4MB-Karte, größere mußten extra erworben werden. In bester Qualität passen auf die 4MB-Karte etwa 6 Bilder, bei reduzierter Auflösung sind es wesentlich mehr. Die Anleitung warnt davor, auf eine Speicherkarte mehr als 1000 Aufnahmen zu speichern, was bei 640x480 Pixeln und „Basic“-Kompression möglich ist, denn ein Bild hat in diesem Modus etwa 50 KB, somit könnten circa 1200 Aufnahmen gespeichert werden.

Der Gehäuseblitz ist fest eingebaut. Die Blitzbelichtung erfolgt nicht TTL durch das Objektiv, sondern über eine klassische Blitzmessung mit eigener Meßzelle. Möglicherweise ist diese auch für die normale Belichtungsmessung zuständig.

Der Sensor nutzt ein übliches Schachbrett-Farbmuster, die Fujispezialität „Super CCD“ mit bienenwabenartiger Pixelanordnung kommt nicht zur Anwendung. Auch finden sich in den MakerNotes der EXIFs nur wenige Angaben wie Bildqualität, Bildschärfeneinstellung,  Fokusparameter und der Blitzmodus. Die im Jahr 2000 genormten EXIF-Felder werden ebenfalls geschrieben, also sind Belichtungszeit, Blende, Empfindlichkeit, Blitzmodus, Brennweite usw. für jedes Bild nachvollziehbar.

Die UVP der FinePix 1400Zoom betrug ca. 1000 DM, der aktuelle Gebrauchtpreis ist mit ca. 1 bis 20 Euro je nach Zustand und Lieferumfang anzusetzen.
Ich bekam die erste hier gezeigte Kamera im Herbst 2022 geschenkt. Da bei diesem Exemplar dem Vorbesitzer die Batterien ausgelaufen waren und die Elektronik irreparabel geschädigt hatten, war sie defekt. Anfang 2026 bekam ich ein funktionierendes Exemplar von Ralf Jannke, da er sie doppelt hatte.

Alle Beispielaufnahmenentstanden bei 125 ASA, gespeichert als JPEG „Fine“, bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Größe, Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde nicht bearbeitet, es sind also fast unveränderte Bilder „Out of the Cam“. Die Aufnahmeparameter sind in den eingefügten Rand eingebettet.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der FinePix 1400 Zoom ist größtenteils aus Kunststoff, auch das Stativgewinde. Metallisch glänzende Teile wie die Frontseite oder der Auslöser sind lediglich silbern lackierter bzw. verchromter Kunststoff. Die Kamera gehört zur Klasse der Einsteigerkameras, sie war zum Vorstellzeitpunkt recht günstig, viele andere Kameras kosteten damals weit über 2000 DM. Aus heutiger Sicht erscheint die Kamera für Ihre Leistung zu teuer, aber damals war ihr Preis-/Leistungs-Verhältnis angemessen, Digitalkameras waren damals ein Luxusgut und werden erst einige Jahre später billiges Allgemeingut, das es auch bei Lebensmittel-Discounter zu kaufen gab.

Das Zoomen ist durch die Wippe nicht präzise durchführbar, da die senkrechte Anordnung ungewöhnlich und das Bedienelement etwas zu klein konstruiert ist, sicher trifft man beim Zoomen eigentlich nur die beiden Endstellungen. Die Geschwindigkeit ist zeittypisch, im Jahr 2000 waren Fokussierzeiten von 1 bis 2 Sekunden normal, auch die recht gemächliche Geschwindigkeit, mit der die Kamera die Aufnahmen auf die Karte schreibt. Glücklicherweise hat die Kamera einen Bildpuffer für mehr als eine Aufnahme, so daß man ohne „gefühlte“ Pause knipsen kann, denn das Fokussieren des nächsten Bildes dauert meist länger als das Abspeichern des vorherigen.

Die Menüstruktur erscheint umständlich, zumal die Bedienung teilweise inkonsequent erfolgt. Mal muß ein Unterpunkt durch die „OK“-Taste angewählt werden, meistens aber mit der „Rechts“-Taste. Und ein Umschalten der Menüsprache ist nicht möglich, damals war der Systemspeicherplatz für so etwas zu klein. Das universelle Englisch mußte in Europa ausreichen, möglicherweise gab es im Heimatland Japan eine „native“ Menüführung. Ebenso kann der Anwender keine Firmware-Updates durchführen, das mußte damals der Service kostenpflichtig erledigen.

Das Objektiv verzeichnet im Weitwinkelbereich deutlich sichtbar, damals war die Leistungsfähigkeit des Bildprozessors noch nicht hoch genug, um diesen Bildfehler zu korrigieren, wie es heutige Kameras und Smartphones machen. Das Bildrauschen hält sich in Grenzen, bei der einzig möglichen Empfindlichkeit von 125 ASA ist in einfarbigen Flächen nur leichtes Farbrauschen erkennbar.

Die Bildschärfe ist abhängig von der Kamera-Einstellung, nur bei „Fine“ sind alle Bilddetails erkennbar, die JPG-Kompression liegt bei ca. 1:4, dann sind keine Artefakte erkennbar. Bei „Normal“ (1:8) werden erste leichte Artefakte sichtbar, bei „Basic“ (1:16) sind die Bilder unansehnlich weichgezeichnet. Heutzutage gibt es keinen Grund mehr, eine andere Einstellung außer „Fine“ zu nutzen, damals waren die Speicherkarten mit 16 MB schon ziemlich teuer, eine 64 MB-SmartMedia-Karte kostete ungefähr halb so viel wie die FinePix 1400! Darum wurde früher meist mit „Normal“ fotografiert, so habe ich es beispielsweise mit meiner ersten Digitalkamera 2002 auch gemacht.

Der 1/2,7“ Bildsensor gehört mit Cropfaktor 6,4 zu den kleinsten, die in Digitalkameras verbaut worden sind, da die Auflösung aber nicht groß ist und der Pixelpitch 4,1µm beträgt, wirken sich auch starke Abblendungen noch nicht so schlimm aus wie heutzutage, wo in Kompaktkameras meist nur Offenblende sinnvoll ist, weil ansonsten die Beugung das Bild weichzeichnen und darum die maximal möglich Bildschärfe beim Abblenden nicht mehr erreicht wird.

Natürlich ist der Kontrastumfang keinesfalls mit heutigen Sensoren zu vergleichen, aber selbst bei Gegenlichtaufnahmen hat die Kamera gut belichtet, so daß weder Schatten noch Lichter extrem fehlbelichtet wurden.

Die Farben werden gut wiedergegeben, so daß die FinePix 1400 Zoom zu den besseren Kompaktkameras mit 1,3 Megapixeln zählt, manche später erschienene Kamera mit dieser Auflösung von OEM-Anbietern erreicht die Bildqualität der Fuji nicht.
 
Fazit: eine digitalkamerahistorisch durchaus interessante Kamera (weil frühe Fuji-Kompakt-Kamera und erste im klassischem Design), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen nicht mehr geeignet, die die Auflösung der Aufnahmen nicht einmal für Webfotos ausreichend ist.

Christian Zahn, Januar 2026

 

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