Eigentlich sollte meine Flohmarkt PORST autoflex NACH der kernigen Minolta ER drankommen
Der mit der ER belichtete Film erwies sich aber als unbelichtet! Warum auch immer. Bevor die ER erneut mit Film geladen wird, muss der Zentralverschluss und anderes überprüft werden. Es ist nicht vollkommen auszuschließen, dass der abgelaufene Film unbekannten Datums aus einer Einmalkamera schlicht hinüber war. Ich werde berichten!
Gemeinsamkeit der analogen Billig-Spiegelreflexkameras generell
Fest angebautes, nicht wechselbares Normalobjektiv und Zentralverschluss! Ja, "billig" oder etwas freundlicher "preiswert". Um Interessenten bezahlbare SLRs anzubieten, gingen beispielsweise Mamiya, Minolta und Nikon diesen Weg.
Eine seltene Spiegelreflexkamera
In den 1960er Jahren war die rechts im Foto gezeigte PORST autoflex die erste SLR aus der heute nicht mehr existierenden Kette Photo-Porst. Sie soll nicht in großen Stückzahlen verkauft worden sein. Die als PORST autoflex gelabelte SLR wurde von Mamiya gefertigt und und von Mamiya selbst als Mamiya Auto-Lux 35 verkauft.
Die PORST autoflex
- ist mit einem dreilinsigen SEKOR (die Mamiya Objektivbezeichnung) 1:2.8 f=48mm ausgestattet, Blendenwerte bis f/22
- hat einen Copal-Zentralverschlusszeiten B(ulb) und 1/15 bis 1/500 s
- kann ASA/ISO Filmempfindlichkeiten von 10-400 einstellen
- hat einen Blitzschuh mit Mittenkontakt, zusätzlich PC-Buchse am Gehäuse
- hat eine Nahdistanz von 0,8 m
- Und das Beste: Die autoflex ist mit einer batterielos selenzellen-gesteuerten Blendenautomatik für ihre Zeit sehr komfortabel ausgestattet, kann natürlich auch manuell gesteuert werden. Mit Belichtungsanzeige (Nadel) im Sucher!
Deutsche Informationen zur PORST autoflex HIER.
Englisches Manual zur baugleichen MAMIYA AUTO-LUX 35 HIER
Auch das ehemalige Versandhaus Quelle bot die MAMIYA AUTO-LUX als
Wie weit die Belichtungswerte stimmen, habe ich nicht kontrolliert. Nach mehreren Anläufen ist es mir auch endlich gelungen, den festgefressenen Filter zu entfernen. Dazu verbrachte die PORST unter anderem in Folie verpackt eine Nacht in der Gefriertruhe. Und nach einer weiteren Nacht – das Gewinde mit "STAHLWERK ROSTLÖSER EXTRA STARK" zur chemischen Entfernung von Rost eingesprüht – ließ sich der Filter endlich abdrehen. Mit "Rost" verbinde ich zwar Eisen, aber es könnte wohl doch auch aufs Aluminium des Filters gewirkt haben … Mit einer schonenden Filterzange fürs empfindlichere Objektiv und einer Rohrzange für den Filter war der Filterrest dann schnell rausgedreht. Denn das war die Voraussetzung, um einen Weitwinkel- oder Televorsatz ins 40,5 mm Filtergewinde zu montieren.
Im Foto ist der Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6 auf die PORST geschraubt, der den Bildwinkel auf Größenordnung 60º erweitert, was ungefähr einem 35 mm Kleinbildweitwinkel entspricht. Der NIPPON KOGAKU JAPAN NIKKOR-Tele 1:4 85/48 Vorsatz ist ebenfalls montierbar, ich bevorzuge aber Weitwinkel. Links im Foto die CHIYODA KOGAKU MINOLTA ER mit dem NIKKOREX Televorsatz. In der Mitte ins Foto montiert meine MAMIYA FAMILY.
Von den drei Kameras hat ganz klar die Minolta mit ihrem vierlinsigen MINOLTA ROKKOR-TD 1:2.8 f=45mm, Typ Tessar ("Adlerauge") das beste Objektiv. Die PORST ist mit einem dreilinsigen (Mamiya) SEKOR 1:2.8 f=48mm bestückt, das Objektiv der Family ist mit MAMIYA-SEKOR T. 1:2.8 f=48mm graviert.
Während ich die Minolta und die Porst noch hier zuhause mit einem Farbnegativfilm laden konnte, muss das bei der MAMIYA FAMILY noch warten. Die liegt 1000 km weg ausgelagert. Für die nehme ich den NIKKOREX-Wide 1:5.6 Vorsatz auf den Ostertrip. Sollte die Family noch funktionieren und ebenfalls ein 40,5 mm Filtergewinde aufweisen, werde ich auch der einen Farbnegativfilm spendieren!
Fürs letztlich primitive dreilinsige (MAMIYA) SEKOR 1:2.8 f=48 mm der PORST autoflex akzeptabel und brauchbar!
Nicht zu übersehen und bewusst nicht entfernt!
Randabschattung, Vignettierung durch den zur Nikon NIKKOREX 35 gerechneten Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6 (35 mm) Weitwinkelvorsatz. Der harmoniert auf der PORST autoflex mit ihrem braven Dreilnser aber besser als auf dem 48 mm Sechslinser meiner NIKKOREX/NIKON AUTO35!
Spannend wird, wie sich der 35 mm Weitwinkelvorsatz später auf der MINOLTA ER verhält. Wenn sie keinen Defekt hat, was der nächste Film zeigen wird!
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Qualität hatte ich eigentlich keine erwartet
Umso überraschter war ich, was der simple 2,8/48 mm Dreilinser der PORST autoflex automatisch belichtet (!) geliefert hat. Das dürfte engagierte Hobbyfotografen der 1960er Jahre, die sich diese, ihre erste Spiegelreflexkamera gönnten, ganz sicher zufriedengestellt haben.
Ob ein besser gerechneter oder exakter fürs Objektiv vorgesehener Weitwinkelkonverter Fotos ohne Vignettierung hinbekommen hätte? Wer weiß. Und doch hat es in Zeiten von perfekten Highend-Systemdigitalkameras Spaß gemacht mit dieser Steinzeit-/Primitivfototechnik ein paar Fotos aufzunehmen. Ich werde die Porst gelegentlich wieder einsetzen. Dann aber bevorzugt mit selbst zu verarbeitendem SW Film.
Das war mit der PORST autoflex jetzt nach der deutschen CONTAFLEX III mit dem Carl Zeiss Pro-Tessar 1:4 f=35 mm Vorsatz der zweite Einsatz dieser Art von Brennweitenerweiterung. Wie angekündigt folgt noch die Minolta ER, eine Mamiya Family und später meine CONTAFLEX Alpha mit dem noch weitwinkligeren PANTAR 1:4 f=30mm.
Ralf Jannke, März 2026
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| Autor: | Ralf Jannke |
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| Erstellt: | 1.03.2026 |


























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