Unbekannte AGFA Digitalkamera aufgetaucht…

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Für den 1. April musste ich noch das verräterische "Auto Windig" und die Objektivbrennweite – 28 mm – löschen ;-)

2005 wurde diese China Analog Billig-Plastikware so beworben:

"Mit der Fun Cam Slimline hält AgfaPhoto in diesem Frühjahr ein besonderes Aktionsangebot für den Fotohandel bereit: Die echte Kleinbildkamera mit automatischem Blitz, motorisiertem Filmtransport und gleich zwei (ISO 400) Vista Filmen für 54 Aufnahmen kann zum sensationell günstigen empfohlenen Preis von 9,99 Euro verkauft werden. Dafür erhalten die Kunden eine vollwertige Kamera für unkomplizierten Fotospaß, der auch das Bildergeschäft beleben kann." Ausschließlich Letzteres war wohl der Hintergedanke dieser Kamera und „AGFAs letzte Zuckung“.

Noch mal zur Erinnerung, was Ende 2005 passierte:

>> Wir sollten uns (...) keine Sorgen machen. (...) Sowohl qualitativ, als auch preislich steht die digitale Fotografie mindestens für zehn, zwanzig Jahre nicht in direkter Konkurrenz zu der klassischen. << Aus: „AGFA EXPERTENTRAINIG (19)96, Nr. 4 – Die Zukunftsperspektiven“ Eine Fehleinschätzung mit katastrophalen Folgen: Am 31. Dezember 2005 ist AGFA zahlungsunfähig und stellt die Produktion von Filmen und Fotopapier ein. Nur der Markenname AGFA lebt weiter...

Was einen Marketing-Mann in einem Interview 2005 nicht entblödete dieses im Zusammenhang mit der AGFA FunCam zu behaupten: 

„Das ist ein klarer Hinweis darauf, daß auch Digitalfotografen gerne noch einmal zum Film greifen, besonders wenn sie zum Beispiel am Strand ihre teure Digitalkamera keinen Gefahren aussetzen wollen.“ 

Was für ein Unsinn! Bereits 1999 ging meine 2 Megapixel Nikon Coolpix 950 geschützt in einem PE-Beutel mit PE-Reißverschluss mit an den Strand! Und 2005 bot beispielsweise die 165 Euro Nikon Coolpix L1 6 MP. Oder die extrem schicke 200 Euro Konica Minolta Dimage X1 8 MP. Beides Kameras, die etwas geschützt mit an den Strand konnten…

Was gibt es noch zur AGFA FunCam SLIMLINE zu sagen? Das 28 mm Weitwinkel soll ein asphärisches Element enthalten. Was ggf. auch nur eine Spritzguss-Kunststofflinse entsprechender Form (asphärisch) sein kann. Die Lichtstärke ist unbekannt. 

Belichtungssteuerung – Fragezeichen

Ich vermute eine feste Belichtungszeit von um 1/60. Die „automatische“ Belichtungssteuerung übernimmt der Farbnegativfilm, der Größenordnung 1 Stufe Unterbelichtung bis 3 Stufen Überbelichtung verkraftet. Primitiver geht’s nicht. 

Da es sich um eine Fixfokus-Konstruktion handelt, für die ein Schärfebereich von einem Meter bis Unendlich genannt wird und ISO 400 Filme eingelegt werden müssen, wird die Lichtstärke bei f/8 liegen. Leicht über einen Schärfentieferechner aus dem Internet zu errechnen. Auch die angegebene Blitzreichweite des sich bei wenig Licht automatisch zuschaltenenden Blitzers von 4 m deutet auf Lichtstärke 8. Blitzleitzahl (LZ) = Blende x Entfernung = 8 x 4 = 32. Runtergerechnet auf ISO 100 dürfte das Blitzerchen eine LZ von 16 haben. Der Filmtransport wird vom eingebauten Motor übernommen. 

Diese technischen Gegebenheiten in Kombination mit dem 28 mm Weitwinkel müssten eigentlich eine brauchbare Lomographie-Kamera ergeben. Aber gegen diese unsägliche AGFA-Ressourcenverschwendung ist die LOMO höchste Kamerafeinmechanik-Kunst! Ich weiß schon nicht mehr, wo ich die AGFA FunCam SLIMLINE eingelagert habe…

Ralf Jannke, 1. April 2019

 

 

 

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