Canon PowerShot SX100 IS

Die in schwarz oder silber erhältliche Canon PowerShot SX100 IS wurde 2007 vorgestellt. Sie ist 109 x 71 x 47 mm groß und wiegt 286 g. Der 5,8 x 4,3 mm 1/2,5" SX100 IS CCD-Sensor löst maximal 3.264 x 2.448 Pixel = 8 Megapixel auf und hat eine Empfindlichkeit die automatisch oder manuell gewählt von ISO 80 bis ISO 1.600 verstärkt werden kann. Der Pixel-/Photodiodenabstand (Pixelpitch) liegt mit 1,8 µm weit unter dem von der Organisation 6mpixel.org als kritisch erachteten Wert von 3 µm. Beachten Sie dazu bitte die unten gezeigte, sehr aufschlussreiche ISO-Vergleichsreihe! Gespeichert werden die Fotos im komprimierten JPEG-Format in den Qualitäten Superfein, Fein und Normal. Um das Maximum besonders bei den hohen Empfindlichkeiten ISO 800/1600 aus den Fotos zu holen, MUSS im Rohformat gespeichert werden. Was die PowerShot SX100 IS serienmäßig NICHT bietet. Aber es gibt kostenlose und hochwirksame Abhilfe. Der Betriebssystem-Aufsatz CHDK, der die Firmware unberührt lässt (!), erweitert die Möglichkeiten der PowerShot SX100 IS entsprechend! Wie CHDK installiert wird, können Sie unten nachlesen. Videos von 1 min Dauer können mit maximal 640 x 480 Pixel Auflösung und 30 B/s Frequenz aufgenommen und als AVI gespeichert werden. Speichermedium in der Canon ist die SD-Karte. Auf die von mir eingesetzte 4 GB Karte passen 282 DNG-Rohdaten und 1094 JPEGs in voller 8 MP Auflösung in Superfein-Qualität.

Motiverfassung und Kameramenüsteuerung erfilgen übder einen 2,5" TFT LCD Monitor, der 173.000 Bildpunkte auflöst. Objektiv ist ein stabilisiertes (!) 2,8-4,3/6-60 mm (36-360 mm @KB) 10-fach Zoom. Für die Entfernungseinstellung besteht die Auswahlmöglichkeit manuell mit Entfernungsvorwahl, Makro für Nahaufnahmen, Einzel-Autofokus (AF-S) und für bewegte Motive kontinuierlicher AF (AF-C).

Belichtungsmessung mittenbetont, integral, über mehrere Felder (Matrix) oder punktförmig als Spot, Kopplung an den gewählten AF-Sensor. Belichtungssteuerung manuell oder per Programm-, Blenden- oder Zeitautomatik. Diverse Motivautomatiken und Bildeffekte. Belichtungskorrektur +/- 2 EV in 1/3 EV-Schritten. Belichtungszeiten 15 bis 1/2.500 s. Selbstauslöser mit 2 oder 10 s Vorlaufzeit. Serienaufnahmen mit maximal 1,3 Bilder/s bei höchster Auflösung. Der eingebaute Blitz reicht maximal 3 m weit und bietet die Funktionen an/aus, Automatik, Aufhellblitz, Rote-Augen-Reduktion. Weißabgleich manuall oder automatisch oder mit den Voreinstellungen: Wolken, Sonne, Leuchtstofflampe mit 2 Voreinstellungen, Glühlampenlicht. Energieversorgung mit zwei 1,5 oder 1,2 Volt Batterien/Akkus der Größe AA. Die hier gezeigte Canon hat 5,50 Euro gekostet. Viel Kamera für wenig Geld!

Deutsche Bedienungsanleitung zur Canon PowerShot SX100 IS

Software-Tuning mit CHDK

"Aufgebohrte" Canon PowerShot SX100 IS (oben), Bedienoberfläche "CardTricks", um eine Speicherkarte zur Aufnahme der richtigen Version von CHDK vorzubereiten.

CHDK? C(anon) H(ack) D(evelopment) K(it)!

Wikipedia schreibt: Das Canon Hacker Development Kit (CHDK) ist ein unabhängiger Firmware-Aufsatz für digitale Kompaktkameras des japanischen Unternehmens Canon mit DIGIC-II, -III-, -IV-, -V- oder VI-Prozessor. Bei aktuellen Kameras ist das nicht mehr noch interessant, aber mit CHDK ein altes (Flohmarkt-) Schätzchen wie diese PowerShot SX100 IS „aufbohren“: Warum nicht?

Das Fachmagazin c't Digitale Fotografie schrieb seinerzeit: "Raw-Formate für Ixus und Powershot mit CHDK". Was aber fast nur einen Bruchteil der Möglichkeiten von CHDK ausmacht. Einfach mal reinschauen.

Wer sich ernsthaft dafür interessiert, sollte im ersten Schritt diesen Link anklicken, um in der Liste nachzuschauen, ob die eigene Canon aufgeführt ist! Dieser Link zeigt eine Liste der Canons die NICHT von CHDK unterstützten Canon-Modelle. Anschließend sucht man die deutsche CHDK-Seite auf, um dort den Link: "CHDK-Handbuch - immer aktuell" anklicken, und das aktuelle CHDK-Handbuch (PDF) in deutscher Sprache runterzuladen und zu studieren. Ich habe die 168 Seite NICHT studiert, mir genügten wenige Hinweise in „Kapitel 3: Erste Schritte“, was ich mit welcher Canon tun muss. 

Ein wichtiger Hinweis zu Beginn

Damit die jeweilige Canon automatisch das neue Betriebssystem startet, muss die Speicherkarte, die das neue System enthält, lt. CHDK-Handbuch bootfähig gemacht werden, wenn das neue System automatisch starten soll. Das suggeriert, dass es (bei manuellem Start) auch ohne dieses bootfähig machen geht. Das ist nach meinen Erfahrungen nicht richtig. Die Speicherkarte für die jeweilige Kamera muss IMMER bootfähig gemacht werden. Sonst funktioniert es – zumindest bei mir – nicht! 

Und das Procedere geht unter Windows (bei mir Windows 7 unter Mac OS 10/11 in der VirtualBox) am komfortabelsten mit CardTricks 1.44. CardTricks formatiert die Speicherkarte nicht nur im richtigen Format und macht sie bootfähig, sondern entpackt auch gleich die zuvor unter http://mighty-hoernsche.de/ für die jeweilige Canon und die in der Kamera vorhandene Firmware gesuchte und runtergeladene CHDK-Version, um sie auf der vorbereiteten Speicherkarte zu installieren.

Und bei SD-Speicherkarten mit größeren Volumen – ich hatte es mit einer 1 und einer 4 GB SD-Karte probiert – muss der Schreibschutz der SD-Karte aktiviert werden. Dann läuft die Karte mit dem CHDK-Betriebssystem einwandfrei. Ohne aktivierten Schreibschutz "merkt" die jeweilige Kamera nichts vom CHDK-Betriebssystem! Und trotz Schreibschutz werden Bilder auf die Karte geschrieben, bis selbige voll ist. Ein Verhalten, das ich mir nicht erklären kann, was aber einwandfrei funktioniert!

Diese Speicherkarte in die „aufzubohrende“ Canon gesteckt, stehen dann alle neuen Möglichkeiten zur Verfügung. Auch wenn ein gewisses Restrisiko nie völlig auszuschließen ist – bei mir ist noch nie etwas schiefgegangen –, kann eigentlich nichts passieren. Zumal es bei dieser 5,50 Euro Canon nichts zu überlegen gab!

ISO Belichtungsreihe

Links das Ausgangsfoto, daneben die Adobe RAW Rauschreduzierunseinstellung, rechts der direkte Vergleich ISO 1600 JPEG gegen die DNG Rohdatei. Bitte auf die Bilder klicken/tippen. Ganz klar lässt sich bei Speichern im Rohdatenformat die Qualität noch stark verbessern. Wie weit man an den Reglern Luminamz, Farbe und Schärfen schiebt, ist sicher auch motivanhängig und eine Geschmacksfrage.

ISO 400, 800, 1600 im JPEG Dateiformat

Vom Stativ aus wurde mit gleicher Brennweite und Blende, aber bei den von der Canon PowerShot SX100 IS zur Verfügung gestellten ISO-Empfindlichkeiten: 80, 100, 200, 400, 800 und 1600 eine Testreihe fotografiert. Gespeichert wurde komprimiert in der besten JPEG-Qualität „Superfein“ und dank CHDK unkomprimiert als DNG-Rohdatei. 

Auf die ISO 80, 100 und 200 Abbildung wurde aus Platzgründen verzichtet. Bis ISO 400 tut es das JPEG-Speicherformat. ISO 800 werden mit Nachbearbeitung der DNG-Rohdatei stark verbessert, und ISO 1600 sind nur mit DNG-Roh möglich!

Dieses "Schmieren" besonders bei ISO 1600 ist mit dem zu kleinen Pixel-/Photodiodenabstand (Pixelpitch) von 1,8 µm zu erklären, der weit unter dem von der Organisation 6mpixel.org als kritisch erachteten Wert von 3 µm. Mit der gleichen 8 MP Auflösung auf einem größeren Sensor, wäre auch die ISO 1600 unproblematischer! 

Beispielfotos, aufgenommen mit der Canon PowerShot SX 100 IS in voller Auflösung (8 MP) JPEG out-of-the-cam

Beachten Sie bitte besonders das Astwerk im Foto mit dem Riesenstamm – das letzte Foto –, wo auf den Jahresringen entsprechende Geschichtsdaten vermerkt sind. Die Farbsäume wurden bewusst nicht durch Bearbeitung reduziert! Was möglich ist, wie gleich gezeigt.

Aufbereitung mit Adobe RAW/Photoshop

Rohdatei vs. JPEG out-of-the-cam

Links mit Adobe RAW aus der DNG-Rohdatei "entwickelt". Der an der Dachkante deutlich sichtbare Farbsaum wurde mit der Photoshop-Funktion "Objektivkorrektur". Rechts die JPEG-Datei, wie sie die Canon PowerShot SX1000IS direkt in der Kamera erzeugt. Nach diesen Versuchen würde ich das Rohformat auf Fotos ab ISO 800 Sensorempfindlichkeit reduzieren, wobei es bei der in diesem Fall eingelegten 4 GB SD-Karte kaum eine Rolle spielt. Laut Anzeige passen 264 DNG-Rodateien plus 1022 JPEGs auf die Karte... Teleaufnahmen mit längere Brennweite waren nicht möglich, dafür hat die Kamera zu sehr gelitten. Bis zu einer mittleren Brennweite ist alles scharf, bei vollem Tele wird's unscharf. Offensichtlich wurde mit der Kamera so unachtsam umgegangen, dass auch das fragile Objektiv einen Schlag zu viel abbekommen hat. Trotz des fehlenden Suchers und kleiner Schwächen durch den geringen Sensorabstand nehme ich diese 5,50 Euro Kamera gerne in die Liste "Auch heute zum Fotografieren brauchbare (alte) Digitalkameras" auf. Das Foto des wunderbar restaurierten alten Hauses spricht von Farbe, Kontrast und Schärfe einfach für sich!

Gerne darf es ein besser erhaltenes Exemplar dieser Canon sein! Auch wenn die Kamera mit Produktionsbeginn 2007 eigentlich schon außerhalb meines Sammelgebiets liegt, habe ich sie gerne in die Sammlung aufgenommen!

Ralf Jannke, Februar 2017

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