CHDK? Canon Hack Development Kit

Wikipedia schreibt: Das Canon Hacker Development Kit (CHDK) ist ein unabhängiger Firmware-Aufsatz für digitale Kompaktkameras des japanischen Unternehmens Canon mit DIGIC-II, -III-, -IV-, -V- oder VI-Prozessor.

Und nicht nur die, denn mit Hilfe von CHDK wurde aus einer EOS 350D DSLR – fast – eine 20D!

Wie weit das jetzt für einen Anwender interessant ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Als gelernter Techniker haben gekonnte Firmware-Hacks für mich aber ihren Reiz. Bei aktuellen Kameras ist das vermutlich kaum noch interessant, aber mit CHDK ein altes (Flohmarkt-) Schätzchen „aufbohren“: Warum nicht?

Das Fachmagazin c't Digitale Fotografie schrieb seinerzeit: "Raw-Formate für Ixus und Powershot mit CHDK". Was aber fast nur einen Bruchteil der Möglichkeiten von CHDK ausmacht. Einfach mal reinschauen.

Wer sich ernsthaft dafür interessiert, sollte im ersten Schritt diesen Link anklicken, um in der Liste nachzuschauen, ob die eigene Canon aufgeführt ist! Dieser Link zeigt eine Liste der Canons die NICHT von CHDK unterstützten Canon-Modelle. Anschließend sucht man die deutsche CHDK-Seite auf, um dort den Link: "CHDK-Handbuch - immer aktuell" anklicken, und das aktuelle CHDK-Handbuch (PDF) in deutscher Sprache runterzuladen und zu studieren. Ich habe die 168 Seite NICHT studiert, mir genügten wenige Hinweise in „Kapitel 3: Erste Schritte“, was ich mit welcher Canon tun muss. 

Ohne in die Tiefe zu gehen, ein ganz wichtiger Hinweis zu Beginn

Damit die jeweilige Canon automatisch das neue Betriebssystem startet, muss die Speicherkarte, die das neue System enthält, lt. CHDK-Handbuch bootfähig gemacht werden, wenn das neue System automatisch starten soll. Das suggeriert, dass es (bei manuellem Start) auch ohne dieses bootfähig machen geht. Das ist nach meinen Erfahrungen nicht richtig. Die Speicherkarte für die jeweilige Kamera muss IMMER bootfähig gemacht werden. Sonst funktioniert es – zumindest bei mir – nicht! 

Und das Procedere geht unter Windows (bei mir Windows 7 unter Mac OS 10/11 in der VirtualBox) am komfortabelsten mit CardTricks 1.44. CardTricks formatiert die Speicherkarte nicht nur im richtigen Format und macht sie bootfähig, sondern entpackt auch gleich die zuvor unter http://mighty-hoernsche.de/ für die jeweilige Canon und die in der Kamera vorhandene Firmware gesuchte und runtergeladene CHDK-Version, um sie auf der vorbereiteten Speicherkarte zu installieren.

Und bei SD-Speicherkarten mit größeren Volumen – ich hatte es mit einer 1 und einer 4 GB SD-Karte probiert – muss der Schreibschutz der SD-Karte aktiviert werden. Dann läuft die Karte mit dem CHDK-Betriebssystem einwandfrei. Ohne aktivierten Schreibschutz "merkt" die jeweilige Kamera nichts vom CHDK-Betriebssystem! Und trotz Schreibschutz werden Bilder auf die Karte geschrieben, bis selbige voll ist. Ein Verhalten, das ich mir nicht erklären kann, was aber funktioniert!

Diese Speicherkarte in die „aufzubohrende“ Canon gesteckt, stehen dann alle neuen Möglichkeiten zur Verfügung. Auch wenn ein gewisses Restrisiko nie völlig auszuschließen ist – bei mir ist noch nie etwas schiefgegangen –, kann eigentlich nichts passieren. Das Einzige, was man nicht tun sollte, ist ein Formatieren der behandelten Speicherkarte. Dann ist das aufgesetzte Betriebssystem weg. Was dem Fotografieren mit dieser Karte keinen Abbruch tut, die Karte funktioniert dann wie jede gewöhnlich Speicherkarte. Aber eben OHNE die erweiterten CHDK-Möglichkeiten. Die Canon mit einer anderen, unbehandelten Speicherkarte betrieben, passiert – gar nichts. Denn CHDK verändert die installierte Kamerafirmware nicht! Auf die beschriebene Weise habe ich mal eben (m)eine lang unbeachtet rumliegende Canon PowerShot S90 „getunt“ und einer Canon Digital IXUS dazu verholfen unter anderem im nicht vorgesehenen Roh-Format zu speichern. 

Viel Spaß beim „Aufbohren“ der eigenen (alten) Canon ;-)

Ralf Jannke, Dezember 2016

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