Nikon 1 V1 (2011)

Innere Werte...

Die Farbkombination Gehäuse/Objektiv ist etwas gewöhnungsbedürftig ;-) Daher die „inneren Werte“ der Überschrift… In der Zwischenzeit kam noch ein einfacher Nachbau-Handgriff dazu.

Der Schluss-Satz im Praxisbericht der spiegellosen Nikon 1 J1 lautete: „Ausbauen werde ich mein spiegelloses Nikon "System" eher nicht. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn der Letze aufs Smartphone umgestiegen ist und seine V1 (mit E-Sucher!) verramscht...“

Das ging jetzt viel, viel schneller als gedacht! Und erfüllt meine neu erstellte  "DSLR-Kaufregel", die auf ältere spiegellose Systemkameras übertragen werden kann: „Keine DSLR/DSLM zum dreistelligen Euro-Betrag!“ Als eine Nikon 1 V1 für 69 Euro zu haben war, habe ich trotz der ungewollten Gehäusefarbe weiß direkt zugegriffen.

An das erste, 2011 neu gekaufte Exemplar einer Nikon 1 J1 erinnere ich mich mit Grausen. Seinerzeit schnell auf parkende Autos vor der Haustür gehalten, zeigte dieses Exemplar schon bei ISO 400 ein einziges Rauschen. Ganz schlimm in den Metallic-Silber bis Metallic-Anthrazit lackierten Autos. Bunte Pixel ohne Ende. Diese J1 ging umgehend zurück!

Aber das zweite Exemplar hat sich Frühjahr 2019 so wacker geschlagen, dass die V1 auf jeden Fall noch in die Reihe sollte. Hat sie gegenüber der J1 den für mich riesigen Vorteil des E-Suchers! Dafür nehme ich den Nachteil des fehlenden Gehäuseblitzers und einen anderen Akku als in der J1 gerne in Kauf.

Die Daten der Nikon 1 V1 und die der J1 sind weitgehend identisch, daher begnüge ich mich mit dem Zeigen der „bunten“ Kombination aus weißem Body und rotem Zoom. Und dem Link zur deutschen Bedienungsanleitung, die alle Details enthält.

Vor dem Start mit der V1 wurde die Firmware auf die installierte Version kontrolliert und ggf. aktualisiert.

Nikon 1 V1: Von Full HD bis Super-Slowmotion/Hochgeschwindigkeitskamera

Nur mit Hilfe einer Videokamera, die höchste Bildfrequenzen schafft, ist es möglich die Öffnung des Weltrekord-Zentralverschluss' der Minolta V2 von 1958 zu zeigen

Im Gegensatz zu Modellen, die mit fest eingebauten Objektiven einen Zentralverschluss mit maximal 1/500 s Verschlusszeit haben, schafft der V2-Zentralverschluss 1/2000 s! Der Nachfolger V3 schraubt den Weltrekord noch etwas höher! 1960 erreicht die V3 1/3000 s!

Die 1/2000 s der V2 wird allerdings mit der Einschränkung der nutzbaren Lichtstärke erkauft. Mit den damaligen Materialien war es wohl nicht möglich, die beweglichen Teile des Verschluss' so zu beschleunigen, dass sie bis zur Lichtstärke des fest eingebauten 2/45 mm Rokkors innerhalb der 1/2000 s komplett geöffnet und wieder geschlossen werden können. Der Verschluss öffnet bei 1/1000 und 1/2000 s nicht vollständig, was für 1/2000 eine maximale Blendenöffnung f/8 bedeutet und bei 1/1000 s f/4, was am Objektiv entsprechend farblich markiert ist. Dabei ist das Bild, die Öffnung des Verschluss' nicht kreis- sondern sternförmig. Denkt man sich die Zacken des jeweiligen gebildetetn Sterns weg, oder verrechnet man deren Fläche mit dem Rest entspricht das einer kreisrunden Öffnung von Blende f/8 oder f/4. Das nachzuweisen, darzustellen ist nur mit einem Video möglich, das höchste Bildfrequenzen gestattet. Im Fall der Minolta V2 war das eine schrottreife Casio, die aber noch Video mit irgendetwas um 1000 B/s konnte. Damit wurde der Verschlussablauf der Minolta gefilmt. Um aus dem Video die entsprechenden Einzelschüsse zu ziehen und in ein Bild zu montieren…

Das würde auch die Nikon 1 V1 bieten!

Neben 1.920 x 1.080p Full HD kann die V1 aber auch Super-Zeitlupe: 400 Bilder pro Sekunde bei 640 x 480 Pixel Videoauflösung oder 1.200 Bilder bei 320 x 120 Pixel. Auch mit der V1 hätte ich den Weltrekord-Zentralverschluss der Minolta V2 filmen können!

Ausbau

Ob es zum braven 3,5-5,6/10-30 mm Zoom, das massenweise angeboten wird, irgendwann noch ein zweites Objektiv gibt, hängt ganz von der Preisentwicklung ab. Ich investieren keine 150/300-500 Euro in ein 30-110/10-100 mm Zoom für ein totes System und schon gar keine fast 500 Euro für das superlichtstarke 1,2/32 mm…

Wir adaptieren…

Gegönnt habe ich der V1 noch einen simplen Nikon F-/Nikon 1-Adapter ohne jegliche Datenübertragung, denn ich kann es mir ganz reizvoll vorstellen dem 5,6/400 mm ED Nikkor einen "2,7-fach Telekonverter" zu verpassen, der keine Lichtstärke kostet. Um per Crop-Faktor 2,7 aus dem 400er ein 5,6/1080 mm Monstertele zu machen. Der für 22 Euro (inkl. Porto) gebraucht erworbene ist allerdings eine reine Spielerei.  Außer der mechanischen Verbindung von Objektiv und Kamera bietet diese Kombination – NICHTS. OK, ich kann Fotos aufnehmen. Dass es mit dem rein mechanischen Adapter die Belichtung erraten und per Trial-and-Error "eingegabelt werden muss, bewerte ich viel weniger als die fehlende Fokushilfe. Dass man das auch besser machen kann, zeigen Fuji, Olympus und Sony: Belichtungsmessung, bei Bedarf Zeitautomatik und Fokushilfe! Es soll einen gechipten Nikon F-/Nikon 1-Adapter geben, aber da investiere ich nichts weiter. Und schon gar nicht in den "dedicated" Nikon-Adapter FT-1, der mit AF-S Nikkoren Belichtungsmessung und Autofokus auf der V1 bietet. Bei 160 Euro für den FT-1 und 69 Euro für die V1 besteht ein zu großes Missverhältnis…

1080 mm Brennweite (2 MP)

NEIN…

… das ist nicht meine Welt. Meine Augen sind absolut ungeeignet, um die Kombination Nikon 1 V1 und dem 5,6/400 mm ED Nikkor ohne elektronische Entfernungs-Einstellhilfe sicher manuell zu fokussieren. Von 10 auf 2 Megapixel reduziert, geht es einigermaßen. Bei voller Auflösung ist aber nicht zu übersehen, dass die Schärfe auf dem Pferdeschwanz und nicht auf dem Kopf liegt.

Unterwegs mit der V1

Wie beschrieb die weltbekannte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (Pipi Langstrumpf) in einem weiteren Klassiker Michel von Lönneberga (im Schwedischen Emil von Lönneberga) die Auktion von Backhorva: Wenn die Leute ihren Krimskrams verkaufen wollen, machen sie eine Auktion. Damit andere Leute dort hinkommen und Krimskrams kaufen... Krimskrams in Form alter Kameras fand sich nur wenig, aber zur Kombination aus Flohmarkt und Auktion Größenordnung 100 Jahre nach Michels Abenteuern in Småland Sommer 2019 im südschwedischen Gnistan/Förkärla Volkspark in der schwedischen Provinz (vergleichbar einem deutschen Bundesland) Blekinge gelegen, wurde zur Motivjagd kurzerhand die Nikon 1 V1 mitgenommen...

Zu den Auktionen in Michel/Emil von Lönneberga-Zeiten fuhr man mit einer Pferdestärke und heute…

Beispielfotos aus der Nikon 1 V1, 1,5 Megapixel

"Beute"

Da ich die Canon DIGITAL IXUS 70 bereits zwei Mal habe, habe ich das (dann) dritte Exemplar auf dem Flohmarkt liegen lassen. Nicht liegen gelassen habe ich die Olympus 35 EC, die dieses Jahr 50. Geburtstag feiert. Sie wurde 1969 vorgestellt. Die Praktica IV FB habe ich bereits als fast identische IV B, aber auf dem jetzigen Flohmarkt-Exemplar steckte ein lichtstarkes 2/50 mm Jena Pancolar mit M42-Schraubanschluss, das mein Interesse weckte. Mit der Olympus mju II kommt dann der analoge Urahn der digitalen Olympus Camedia C-220 oder C-900 Zoom in die Sammlung.

Japanische SLRs aus der "zweiten Reihe" der 1960er Jahre. Fotografiert mit der Nikon 1 V1, 10 Megapixel

Kopenhagen (2 MP)

Alle Kopenhagen-Fotos L. Thiel

Während sich beim "Mädels-ganz-ganz-kurz-Kopenhagen-Trip" zwei Cousinen aufs Smartphone beschränkten - wie riesige Heerscharen von Touristen im Kopenhagener Nyhavn auch -, konnte ich meiner Frau die Nikon 1 V1 "aufschwatzen" ;-) In Voreinstellung: Programm- und ISO-Automatik über den vollen Bereich (ISO 200-3200), AF-A Einstellung und automatischer AF-Messfeldwahl. Von der Seite konnte also kaum was schief gehen. Und mit dem 10-30 mm Nikkor dann doch etwas mehr Bildwinkelauswahl. Und das Ganze in Rohdatenform gespeichert. Was bis auf die Brennweitenverstellung am Zoom dann aber zu meinem "Entsetzen" gegenüber dem Smartphone keinen wirklichen Vorteil brachte.

Die spiegellosen Nikon 1 Systemkameras sollen angeblich in Asien ein größerer Erfolg gewesen sein. Davon ist heute nicht nur in Kopenhagen zu sehen nichts mehr übrig. Das Smartphone hat auch die bereits 2015/2017 eingestellte Nikon 1 Serie obsolet gemacht.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Die beiden bei ISO 100 mit der V1 abgelichteten Kamerareihen kann man problemlos in voller 10 Megapixelauflösung (bzw. 1:1 Crops) zeigen. Aus diesem Grund habe ich die Bildchen vom Gang über den Flohmarkt auch platzsparend auf 1.500 x 1.000 Pixel reduziert.

Ich habe überlegt, wie ich die V1 bewerten soll. Das Prädikat "nett" trifft es wohl am besten. Man kann mit der V1 fotografieren ;-) Aber ich sehe keine wirklichen Stärken. Kompaktheit? Dafür steht die V1 von den Gehäuseabmessungen einfach zu dicht an der Fuji X-E2. Die X-E2 ist 129 x 75 x 37 mm groß und wiegt 370 g, die V1 113 x 76 x 44 mm bei 383 g. Und die Fuji ist der Nikon V1 in allen Belangen haushoch überlegen! Auch E-Sucher und Monitor der V1 können mit der Fuji nicht mithalten. Ich will nicht ausschließen, dass es geht, aber ich habe bei der V1 auf Anhieb auch keine gewünschte Verschiebung des gewählten Fokusfelds oder gezielte Kombination von AF-Feldern gefunden.

Irgendwie wollte "der Funke einfach nicht überspringen", werde ich mit der Nikon 1 V1 einfach nicht "warm"… Auch mit der Gehäusefarbe weiß bleibt die V1 das "Hässliche Entlein", um den weltberühmten dänischen Dicher und Märchenerzähler Hans Christian Andersen zu zitieren. Und wenn ich zwischen der Olympus OM-D E-M5 und der Nikon 1 V1 wählen soll, fällt die Wahl auf die Olympus… Dennoch habe ich die J1 wie V1 als "nette" und erste spiegellose Systemkameras von Nikon gerne in meine Sammlung aufgenommen.

Außerdem nimmt der kleine Sohn gerne die J1/V1 für gelegentliche LEGO-Shots ;-)

(Der Papa und Pixlr-o-matic haben da ein bisschen mitgeholfen…)

 

Versöhnlicher Abschluss!

Also wenn das keine "Nikon-Japan-Farbwiederholung" ist, dann weiß ich es nicht! Die weiße Nikon 1 V1 mit dem roten 10-30 mm Zoom und mein passender Japan-Teller…

Ralf Jannke, Sommer 2019

 

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