Nikon D300 – 2007

2018 lautete die Überschrift eines Praxisbeitrags:

"Auf in die Zukunft, zurück in die Vergangenheit: Nikon D300/s… Oder halt: Nikon D90"

Da war unter anderem zu lesen: Warum statt einer neuen 20 MP und 4 K Video 8 B/s schnellen Nikon D7500, die 2018 für 900 Euro offeriert wurde, nicht eine „nur“ 12 MP auflösende und nur 1.280 x 720p HD-Video bietende Nikon D300s mit 7 B/s von 2009 für Größenordnung 350 Euro! Wobei ich an Video wenig interessiert bin. Also eine Nikon D300s – oder doch nicht? Andreas Krappweis hatte D300 und D90 wie folgt verglichen: „Meine D300 ist nur teilweise in meiner persönlichen Top Liga. Pro: Bildlook, Handling/Ergonomie. Neutral: Der AF ist nicht schlechter aber auch nicht besser als bei der D200. Kontra: Sie hat als einzige Nikon eine spürbar verzögerte Auslösung. Bei steigender ISO stürzen die Bilder echt ab, nicht nur Rauschen, sondern auch Farbverlust bis zu zu monochrom. Meine D90 kann dasselbe, hat aber nicht den schönen Body der D300 und die daraus resultierenden Ergonomie, aber nicht die Kontras der D300.“

Diese Ansichten/Überlegungen führten im Frühjahr 2018 nach der 10 Megapixel Nikon D200 zum Erwerb einer etwas moderneren D90. Vom Profi-Anbieter mit Rückgaberecht, rund 11.000 Auslösungen für 150 Euro.

Und jetzt doch eine D300?

Zu Beginn gleich das gewichtigste Argument: „Geiz ist geil“. Eine so hochwertige DSLR wie die D300 für 70 Euro nehme ich doch gern an Bord! Aber nicht nur die schnöde Geldfrage führte zum Kauf. Dass der Autofokus der D300 nicht besser sein solle, als der der D200, dagegen spricht auch meine interne AF-Tauglichkeitstabelle. Da erreicht die durchaus gute D200 einen Wert von 42, die D300 aber 91! Die D300 hat das gleiche AF-Modul Multi-CAM 3500DX mit 51 AF-Sensoren, wie die Nikon D3 und D700.

Nikon DSLR-Zeitstrahl:

  • 2003 Nikon D2H, 4 MP
  • 2004 Nikon D2X, 12 MP
  • 2005 Nikon D2Hs, 4 MP
  • 2005 Nikon D200, 10 MP
  • 2006 Nikon D2Xs, 12 MP
  • 2007 Nikon D300, 12 MP
  • 2007 Nikon D3, 12 MP Vollformat
  • 2008 Nikon D700, 12 MP Vollformat
  • 2008 Nikon D90, 12 MP
  • 2009 Nikon D300s, 12 MP

So wie 2008 die 12 MP Vollformat Nikon D700 der gleichauflösenden D3 von 2007 ein Jahr später das Leben mindestens schwermachte, ja die D3 fast kannibalisierte, schob auch die mit Batteriegriff MB-D10 8 B/s schnelle 12 MP D300 die 4 MP D2Hs (8 B/s) und 12 MP D2X/s (5 B/s, 8 B/s mit Crop 2, 7 Megapixel) aufs Abstellgleis. Mit der Bezeichnung „semiprofessionelle DSLR“ ist die D300 nur unzureichend beschrieben!

Papier ist geduldig. Jetzt also nach 2010 10 Jahre später aufs Neue: Nikon D300

Was für 70 Euro ins Haus kam, war eine angeranzte, reinigungsbedürftige, aber einwandfrei funktionierende D300. Die Anzahl der Auslösungen – 200.611 – passt zum Zustand.

Und eigentlich dürfte diese D300 nicht mehr funktionieren. Laut "Nikon D300 Shutter Life" liegt die durchschnittliche Lebensdauer des Nikon D300 Verschluss zwischen 90.359 und 118.359 Auslösungen, bevor er kaputt geht. In der Statistik werden aber auch Exemplare gelistet, deren Verschluss 250.000 und 500.000 Auslösungen aushalten. 

Alle Daten zur D300 können in der deutschen Bedienungsanleitung nachgelesen werden  

Wie bei jeder in die Sammlung aufgenommenen Kamera wurde auch die Firmware der D300 kontrolliert und upgedated.

Nikon D300 12 Megapixel

Nikon D300 1,5 Megapixel

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Nikon-mäßig eben. Wie eigentlich alle Kitzoom-Objektive der Mitbewerber, muss sich das stabilisierte Nikon DX VR AF-S 18-55mm 1:3.5-5.6 G II bis auf die Lichtstärke von der Abbildungsleistung her nicht verstecken. Und im Nikon Portfolio sind ja überreichlich Objektive für jeden Geldbeutel vorhanden. Was die Kamera angeht, ist es mir heute egal, ob ich zu einer Canon- oder Nikon DSLR aus der Sammlung greife. Nach vielen Jahren weiß man/Frau, was ganz nach Faulheit (Belichtungs-/ISO-Automatik) oder komplett manuell wo eingestellt wird. Der D300 Autofokus ist bei Bedarf absolut sporttauglich.

Ralf Jannke, Sommer 2020

 

Kommentare (3)

  • Christian Zahn
    Christian Zahn
    vor 3 Wochen
    Eine Frage zu den Beispielbildern: Wie kommen die Kreise auf den beiden Bildern der Sportwagen zustande? Sensorfehler oder Kunst durch EBV-Filter?

    Meine Anmerkung zu Herrn Krappweis' Vergleich D300/D90:

    Die angesprochene Auslöseverzögerung der D300 war mir vor dem Lesen Ihres Berichts nicht störend aufgefallen. Aber ein direkter Vergleich D200, D300, D800 jeweils mit Micro-Nikkor 2,8/40 AF-S G brachte es an den Tag: Die D300 hat tatsächlich eine erhebliche Verzögerung, nicht nur meßbar, sondern deutlich merkbar. Zwar bei meinen Motiven bislang nicht von Belang, aber jetzt (wo ich darum weiß) ein Störfaktor.
  • Ralf Jannke
    Ralf Jannke
    vor 3 Wochen
    Lieber Christian Zahn

    „Wie kommen die Kreise auf den beiden Bildern der Sportwagen zustande? Sensorfehler oder Kunst durch EBV-Filter?“

    Das ist „Kunst“ – von Können ;-) Meinetwegen auch „Wunst“ – von Wollen ;-) Pxlr-o-matic hat für die Verfremdung gesorgt …

    Auslöseverzögerung der D300

    Wenn ich Andreas richtig verstanden habe, bekomme ich diesen Effekt nur bei Speicherung in RAW/NEF 14 bit. Da geht die D300 furchtbar in die Knie. In meiner aktiven Basketballfotografiezeit habe ich unzählige Aufnahmen mit der D300 geschossen. Ohne je eine störende Auslöseverzögerung bemerkt zu haben. Nach der D200. Ich will aber nicht ausschließen, dass man sich instinktiv darauf eingestellt hatte und eben rechtzeitig aufs „Knöpfchen“ drückte. Außerdem habe ich in dieser Zeit nur als JPEG gespeichert …

    Heute interessieren mich gefühlte oder echte Auslösungsverzögerungen nur ganz am Rande. Ich habe die D300 gerne auch aus nostalgischen Gründen an Bord genommen, fotografiere aber fast nur noch mit der spiegellosen Nikon Z50. Wenn ich für Kurzeinsätze schleppe, dann ist es die D4.

    Nikon hat ja gerade die Vollformat Z5 präsentiert. „Meine“ Kamera – im Januar/Februar 2021, wenn evtl. Kinderkrankheiten durch sind, und sich fürs Z5-Gehäuse ein mir genehmer Straßenpreis eingestellt hat …
  • Christian Zahn
    Christian Zahn
    vor 3 Wochen
    Herr Jannke, Ihr Hinweis
    "Wenn ich Andreas richtig verstanden habe, bekomme ich diesen Effekt nur bei Speicherung in RAW/NEF 14 bit. Da geht die D300 furchtbar in die Knie."
    ist korrekt. Durch Herunterschalten auf 12 Bit Farbtiefe im NEF oder auf JPEG verwandelt sich die D300 quasi in eine andere Kamera, die Auslöseverzögerung ist ähnlich wie bei der D200/D800 usw. Auch die Serienbildrate geht deutlich nach oben, und die Dunkelpause des Spiegels erscheint mir geringer. Da wird wohl die gesamte Elektronik durch die 2 Bit mehr Farbtiefe kräftig ausgebremst.
    Nun kann ich mir aussuchen: eine D300 mit "Gummituch über dem Auslöser und gebremstem Schaum", dafür mit vollen Sensordaten, oder eine schnell reagierende mit etwas weniger Helligkeitsstufen im RAW.

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