Jahrmarkt-Kameras – oder: Die Tiefpunkte meiner Digitalkamera-Sammlung

Ein größeres Display, als die Anzeige zwischen "Mode" und Auslöser auf der Kameraoberseite sucht man bei der AIPTEK vergeblich. Auf deren Rückseite gibt es nur einen großen "Power"-/Ein-Aus-Schaltknopf. Die wenigen Einstellmöglichkeiten werden über "Mode" und Auslöser angewählt/geändert und auf dem winzigen Display der Kameraoberseite angezeigt. Diese Kameras sind eher was für die Ramschautomaten auf dem Jahrmarkt, wo man nach Münzeinwurf gewöhnlich vergeblich versucht den gebotenen "Edel-Schrott" fernöstlicher Herkunft per ferngesteuertem Greifer zu angeln. 

Ich möchte hier – als abschreckendes Beispiel – zwei Vertreter vorstellen:

AIPTEK Smart MegaCam

Gebaut um 2000. Fixfokus-Objektiv unbekannter Brennweite und Lichtstärke. Dürfte aber umgerechnet aufs 24x36 mm Kleinbildformat etwas zwischen 35 und 50 mm sein. Lichtstärke irgendwas wie f/2,8 oder f/4? Unendlich- und Naheinstellung am Objektiv. KEIN Digital-Zoom. Programmautomatik, Blitz an/aus. Sensor unbekannter Größe und Empfindlichkeit, 1280 x 960 Pixel = 1,3 MP Auflösung. 2 MB interner Speicher, Erweiterung durch Smartmediakarte. Aufnahme und Speichern als „H“ (High, Hoch) mit 1280 x 960 Pixel, wo etwa 6 Fotos in den internen Speicher passen. Alternativ Einstellung „L“ (Low, Niedrig) mit 640 x 480 Pixel. Die Komprimierung der JPEG-Dateien schwankt je nach Motiv zwischen 8:1 und 14:1

Im Gegensatz zur Vivitar wird die AIPTEK nach Anschluss über USB nicht als „Festplatte“ auf dem Desktop angezeigt. Da sich zumindest bestimmte AIPTEK-Modelle auch als Webcam betreiben lassen, gibt es einen passenden Mac OS 10 Treiber, mit dem ich auch die Fotos auf die Festplatte bekomme! Versuche, die AIPTEK Smart MegaCam als Webcam zu betreiben, quittiert „macam“ mit Absturz.

Windows-Treiber für die Smart MegaCam

Als englische Bedienungsanleitung wurde die einer höher auflösenden (1600 x 1200 Pixel = 2 MP), aber fast identischen, anderen AIPTEK zu Rate gezogen. Die Smart MegaCam gab es für 3 Euro auf dem Flohmarkt.

Vivitar ViviCam 3640

2,8/6 mm Fixfokus-Objektiv, 3-fach Digitalzoom in mehreren Stufen. Programmautomatik, diverse Presets, Blitz an/aus, Rote-Augen-Funktion. Sensor unbekannter Größe mit ISO 100 Empfindlichkeit, 1600 x 1200 Pixel = 2 MP Auflösung. Die 2048 x 1536 Pixel = 3 MP sind lediglich hochgerechnet (interpoliert). Interner 7 MB Speicher, erweiterbar durch Smartmediakarte. Der interne Speicher genügt für 25 s Video 320 x 240p, 7-"Super"-Fotos im JPEG-Format in 2028 x 1536 Pixel, 7 "Fein"-JPEGs in 1600 x 1200 Pixel Größe, 16 "Normal"-JPEGs a 1600 x 1200 Pixel, 27 "Fein"-JPEGs a 800 x 600 Pixel oder 60 "Normal"-JPEGs a 800x600. Wenn man die Vivitar denn benutzen möchte ;-) sollte man die 1600 x 1200 Pixel "Fein"-JPEG-Einstellung wählen. Erfreulicherweise wird die ViviCam einwandfrei als Laufwerk erkannt und auf dem Desktop angezeigt. Die ViviCam kostete 10 Euro.

Englisches Manual der ViviCam 3640

Der Eindruck

Das Bauprinzip dieser Kameras ist immer vergleichbar. Tatsächlich billiges oder zumindest billig wirkendes Plastikgehäuse, gewöhnlich ein mäßiges Fixfokusobjektiv kombiniert mit dem unsinnigen Digitalzoom. „Blutleere“ Kameras ohne Charakter. Vor 10 Jahren konnte man das noch als "Handschuhfachkamera" durchgehen lassen. Wo es egal war, wenn das Auto aufgebrochen und die Kamera geklaut wurde, wenn einem so was widerfuhr. Dank Smartphone ist die Mehrzahl dieser Kameras heute am besten in der Gitterbox für zu entsorgende Elektrokleingeräte der örtlichen Müllverwertung aufgehoben ;-)

Ralf Jannke

Zum Schluss wie immer noch ein paar Bildchen, aufgenommen 2015, beginnend mit der AIPTEK. Verbessert und geschönt so weit möglich durch EBV.

Hier eine Ladung Fotos, aufgenommen mit der Vivitar Vivicam 3640 beim Rundgang durchs Museum für deutsche Geschichte am Tage der Arbeit, 1. Mai 2015. Die beiden quadratischen Fotos sind 1 zu 1 600 x 600 Pixel Crops aus den 1600 x 1200 Pixel Aufnahmen der Vivitar. Der Rest wurde in der Mehrzahl un- oder ganz leicht nachbearbeitet auf 600 x 450 skaliert. Auch wenn die Vivicam 3640 deutlich besser abschneidet, als die AIPTEK, möchte ich damit nicht ernsthaft fotografieren ;-)

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