"Denn sie wissen nicht was sie tun“...

... hieß Nicolas Rays Spielfilm von 1955 mit James Dean in der Hauptrolle. Ich auch nicht... Ich wusste auch nicht, was ich da tat, als ich mit der schicken Sony Cybershot DSC H3 zu einem Knips-Kurztrip loszog.

Bei meinen Kameras mit Sensordefekt kann der Monitor praktisch immer benutzt werden. Um im Menü gewünschte Einstellungen vorzunehmen, das Motiv anzuvisieren und dann bei der Bildkontrolle festzustellen: Alles schwarz, farbstichig monochrom oder mit bunten Mustern verziert.

Zur Abwechslung gibt es jetzt mal den umgekehrten Fall, einen "Blindflug" mit der Sony Cybershot DSC H3

Beim Einschalten fährt das Zoomobjektiv aus seiner Ruheposition, aber der Monitor bleibt komplett schwarz. Die Kamera nimmt aber auf, was sich nach Kontrolle des Sony-Memorysticks im Rechner schnell herausstellte. Kamera deshalb wegwerfen? Nö, spielen wir halt blinde Kuh, machen wir Lomografie pur. Garantiert ohne Sucherbenutzung ;-)

Um überhaupt eine Chance zu haben, dass auch ein bisschen "was drauf ist", wurde mit der kürzesten Brennweite des Zooms 6,3 mm entsprechend 38 mm @KB und Vollautomatik geknipst. Laut Exif variierte die ISO-Empfindlichkeit zwischen 100 und 400, Blende und Belichtungszeit wurden passend gesteuert. Es wurde in voller Auflösung gespeichert und lt. der JPEG-Datei-Größe mit einer Komprimierung von etwa 10:1 und stärker. Viel Spaß mit den digitalen "Lomogrammen" weiter unten...

Die Sony Cybershot DSC H3

Die 2007 vorgestellte DSC H3 ist 106 x 68 x 48 mm und wiegt 380 g. Der 5,8 x 4,3 mm 1/2,5" CCD-Sensor löst maximal 3.264 x 2.448 Pixel = 8 Megapixel auf und hat eine Empfindlichkeit von ISO 80 bis „sehr sportlichen“ 3.200. Der Fotodioden-/Pixelabstand (Pixelpitch) beträgt 1,8 µm und liegt damit deutlich unter der als unkritisch angesehenen Grenze von 3 µm. Gespeichert wird in 24 bit Farbtiefe komprimiert als JPEG in den Qualitäten "Fine" und "Standard". Videos können mit maximal 640 x 480 p (VGA-Auflösung) und 30 B/s Bildfrequenz aufgenommen und als MPG gespeichert werden. Speichermedium ist der interne Speicher mit 31 MB und der Sony-übliche Memory Stick (Duo, Duo Pro)

Objektiv ist ein stabilisiertes 3,5-4,4/6,3-63 mm (38-380 mm @KB) 10-fach Zoom. Die dafür verfügbare Gegenlichtblende sowie der 0,7-fach Weitwinkelkonverter VCL-DH0758 und der 1,7-fach Telekonverter VCL-DH1578 sind vollkommen uninteressant, weil die aktuellen Zubehörpebrauchtpreise den Wert der 10 Jahre alten Sony weit übersteigen. 

Das Motiv wird per Liveview über einen 2,5" TFT LCD Monitor mit 115.000 Bildpunkten anvisiert. Entfernungseinstellung manuell mit zu schätzenden aus einer Liste vorgewählten Entfernungen oder automatisch per Multi-, Center oder Spot-AF. Belichtungsmessung mittenbetont, integral, über mehrere Felder (Matrix) oder punktförmig als Spot. Belichtungssteuerung manuell oder durch Programmautomatik. Belichtungskorrektur +/- 2 EV in 1/3 EV Schritten. Diverse Motiv-Automatiken. Belichtungszeiten (30) 1 - 1/2.000 s. Der eingebaute Blitz reicht maximal 7 m weit und bietet die Einstellungen: an/aus, Automatik, Langzeitsynchronisation, Rote-Augen-Reduktion. Serienaufnahmen mit 2 B/s. Selbstauslöser mit 2 oder 10 s Vorlaufzeit. Auslöseverzögerung inkl. Fokussierung 0,3 s. Weißabgleich manuell, automatisch oder mit den Einstellungen: Wolken, Sonne, Blitzlicht, Leuchtstofflampe mit 3 Voreinstellungen, Glühlampenlicht. Energieversorgung über Sony NP-BG1 Li-Ion-Akku.

Es gab die DSC H3 auch in einer Chrom-Variante

Deutsches Handbuch zur Sony Cybershot DSC H3

"Lomogramme", aufgenommen mit der Sony Cyber-shot DSC H3 – 3/8 Megapixel

Erscheinungen

Null Chance auf einem derartigen (DSC H3) Menü etwas im Blindflug raten zu wollen :-(

Beim Rundgang mit der Sony hatte ich dann je nach Position der Kamera gewisse "Erscheinungen". Nach dem Auslösen zeigte sich etwas auf dem Monitor, was ich zunächst als Reflektion auf dem Monitor einordnete. Tatsächlich war aber das eben aufgenommene Foto schemenhaft, ganz dunkel zu erkennen. Der Monitor ist also nicht komplett kaputt, die Hintergrundbeleuchtung ist defekt. Mit dem Wissen lässt sich unter bestimmten Blickwinkeln auch das Menü erahnen. Aber alles ist so mühselig, dass ich drauf verzichtet habe, da zu versuchen etwas gezielt einzustellen...

Kamera reparieren?

Ob ich es in einer stillen Stunde mal wage, die DSC H3 zu öffnen? Wenn ich mir das Gehäuse mit fehlenden Seitenteilen und Schrauben ansehe, muss das schon mal jemand versucht haben. Offensichtlich erfolglos. Immerhin wurde das Ding nicht ganz kaputt "repariert". Oder doch entsprechend beschädigt?  Wenn beim Abziehen von Gehäuseteilen zwar nur gesteckte, aber empfindliche Leiterbahnen zerbrochen, zerrissen werden, ist mangels Ersatz sofort Schluss. Möglicherweise ist so etwas beim Versuch des Öffnens passiert. Im günstigsten Fall hat nur der Monitor auf der Kamerarückseite seine Verbindung zum Rest verloren. Aber das rauszufinden ist nichts für schönstes Sommerfotowetter, das ist was für einen verregneten Novembertag...

Ralf Jannke, Sommer 2017

Sie finden diesen Beitrag besonders gelungen, vollkommen verunglückt oder möchten noch etwas ergänzen? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion!

Dieser Beitrag wurde noch nicht kommentiert.

Kommentar schreiben