Voigtländer Vitoret 73

Es ist fast gelungen die Wirtschaftswunderjahre in Form potthässlicher Autos, grässlicher Möbel („Nierentisch“), einfallslosem „schwerem“ Essen und rundlichen Kameras – Jahrzehnte später in eine belanglose Digitalkamera zu übertragen... Der Reiz dieser im Auftrag produzierten "Voigtländer" liegt allein in der gewissen Seltenheit.

Technische Daten der Voigtländer Vitoret 73

Die 95mm x 60mm x 29mm große Vitoret 73 wiegt 141g. Der 1/2,5 Zoll CCD-Sensor löst maximal 3.072 x 2.304 Bildpunkte = 7,1 MP auf und hat eine Empfindlichkeit von ISO 64, 100, 200 und Automatik. Aufgezeichnet wird in 24 bit Farbtiefe als komprimierte JPEG der Qualitätsstufen „Sparsam“ (*), „Normal“ (**) und „Fein“ (***). Abgelegt werden kann intern auf 22 MB Speicher, der zum Beispiel Platz für 18 3 MP Bilder in der Qualität Normal bietet oder (fast unbegrenzt) auf SD-Karte. 4 GB werden problemlos akzeptiert. Fotos vom internen Speicher können in der Kamera auf die Speicherkarte kopiert werden. Bei Bedarf können Fotos in der Kamera auch von den Pixelmaßen und der Qualität verkleinert werden. Videos mit Ton sind mit 320 x 240 Pixel und 30 B/s möglich. Dateiformat: AVI. 

Objektiv ist ein 2,8-4,8/5,8-17,4 mm (34-102mm @KB) 3-fach Zoom. Die Vitoret 73 hat keinen optischen Sucher. Motiverfassung und Kameraeinstellung laufen über ein 3 Zoll Display mit 230.000 Bildpunkten. Die Belichtung wird ausschließlich per Programmautomatik gesteuert und kann im Bereich +/- 2EV in 1/3 EV-Stufen korrigiert werden. Verschlusszeiten: 1 bis 1/2000 s. Dazu kommen Motiv-Automatiken.

Messcharakteristik mittenbetont, die allerdings mehr nach Matrix-/Mehrfeldmessung aussieht oder Spot. Weißabgleich automatisch, Tageslicht (Sonne), wolkig, Glüh(lampen)licht, Kunstlicht (Neon). Blitz mit den üblichen Einstellungen, aus, ein (Aufhellen), Automatik, Rote Augen... Energieversorgung über 2 1,5/1,2 V Mignon-AA-Batterien oder Akkus.

Voigtländer Geschichte

Die Geschichte des 1756 von Johann Christoph Voigtländer in Wien gegründeten Unternehmens ist in Wikipedia nachzulesen.

In Kürze: Viel ist außer dem Namen Voigtländer davon heute nicht mehr übrig. 1971 wurde das Voigtländer-Werk geschlossen. Nur drei Jahre später musste auch die Auffanggesellschaft Optische Werke Voigtländer aufgeben, aus der die Voigtländer Vertriebsgesellschaft mbH entstand. In Singapore wurden Voigtländer-Kameras produziert – analoge OEM-/ODM-Fertigung! Der Name Voigtländer wurde schließlich 1983 für 100.000 DM an die Plusfoto GmbH & Co verkauft. Heute bietet Voigtländer diverse Produktgruppen für den Amateurfotomarkt an: Digital-Kompaktkameras, Speicherkarten, digitale Bilderrahmen etc. Unter dkamera – DAS DIGITALKAMERA-MAGAZIN sind allerdings nur noch für die Jahre 2007 und 2008 Digitalkameras gelistet, darunter die hier vorgestellte Voigtländer Vitoret 73. Digitalkamera.de listet unter Voigtländer noch 8 Digitalkameras, deren letztes Modell, die 12 MP X-120 von 2009 ist...

Die Voigtländer Vitoret 73 ist der Ricoh Caplio RR770 baugleich. So wie die „Voigtländer“ ist auch die „Ricoh“ keine selbst produzierte Digitalkamera. Beide wurden im Auftrag vom taiwanesischen Hersteller Foxconn gefertigt. Der diese Kamera auch unter eigenem Namen als DC-7375 anbot.

Digitalkameras, wie die Voigtländer oder Ricoh produziert Foxconn heute nicht mehr. Der Auftragsfertiger vom (Apple) iPhone und iPad hat 2012 200 Millionen Dollar in GoPro investiert, den Erfinder der Hero Action-Kamera-Linie. Quelle: http://www.zdnet.de/88137082/foxconn-erwirbt-anteile-an-us-kamerahersteller-gopro/

Drei Megapixel, Qualität 2 Sterne/"Normal", ein Versehen...

Jetzt "isser" weg, der Bunker. Nach dem ersten Besuch mit der Olympus C-720 und später noch mal mit der Sanyo VPC AZ 3 abgelichtet, hatte ich jetzt die Voigtländer eingesteckt. Um dann zu Hause festzustellen, nur 3 statt 7 MP Auflösung gewählt zu haben und vom Rumtesten, wieviel Fotos in den internen Kameraspeicher passen, auch nur Qualität 2-Sterne eingestellt zu haben...

Trotzdem war der Rundgang aufschlussreich. Die wirklich gute Schärfe dürfte nicht nur an der reduzierten Auflösung liegen, sondern auch "elektronisch" erzeugt sein. Was aber gar nicht gefällt: Bei ISO 80 Nennempfindlichkeit hohes Rauschen in dunklen bis unterbelichteten Motivpartien:

Jetzt aber: 7 Megapixel und Qualität 3 Sterne/"Fein"

Qualität 3 Sterne?? "Fein"?? Nicht zu erkennen! Stattdessen wieder übermäßiges Rauschen in dunklen Motiv-Partien. Etwas unfair auf 200 % vergrößert, aber so wird es deutlicher. Komplett auf dem großen Monitor ist es auch bei 1:1/100 % Wiedergabe nicht zu übersehen! Und das bei ISO-Automatik 80!

Ob dem mit ISO 64 Nennempfindlichkeit und leichter + 2/3 EV Überbelichtung beizukommen wäre? Siehe oben! Ich kann nur Herbert Grönemeyer zitieren: "Was soll das?" OK, es rauscht weniger! Aber zu welchem Preis? ISO 40 Sensornennempfindlichkeit. Ausschließlich Sonnenscheinfotografie. Nein Danke! Beachten Sie die matschige Stelle im ziegelgemauerten Kamin! Und die wiederholte Aufnahme mit dem maximalen Tele auf den Kirchturm :-( Schöner Halo um den Turm, als würde eine Nachschärfung versuchen, da irgend etwas zu retten...

Wieder bewahrheitet sich die Meinung/Warnung der Organisation "Beste Bildqualität mit 6 Megapixeln!": "Der beste Kompromiss für eine Kompaktkamera ist ein Sensor mit 6 Millionen Pixeln oder besser eine Pixelgröße von > 3µm". Mit nur 1,9 µm liegt die Voigtländer weit drunter, die "Ergebnisse" zeigen es schonungslos! Und jetzt reicht's mir auch. Mit so einer Kamera geh' ich nicht mal mehr Knipsen!

Ralf Jannke

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