Noname Maze / Fashion Cam Digital Camera

     

Liebe Besucher von Digicammuseum.de – wir haben bei unserem Rundgang durch die Geschichte der digitalen Kameras nun den tiefsten Punkt erreicht. In diesen morastigen Tiefen haben die Kameras keinen Hersteller mehr – nicht mal der Name eines einst stolzen Produzenten aus analogen Zeiten wird hier gefleddert. Und sie haben auch keine Modellbezeichnung. „Digital Camera“ muss reichen. Wir sind hier nicht allein. Wenn Sie ein wenig im Schlamm wühlen, tauchen noch andere mattsilberne Designverbrechen auf, die ganz ähnlich gestrickt sind, wie das Exemplar, das ich ihnen hier leicht angewidert präsentieren möchte.

Der Hersteller nennt sich fantasievoll „Fashion Cam“, aber nur auf der Verpackung. Die innenliegende Kamera hat anstelle dessen „Maze“ aufgedruckt, die Bedienungsanleitung zeigt konsequenterweise eine gänzlich unbeschriftete Kamera. Auch die Exif-Daten des gespeicherten Bildes geben keinen Aufschluss: Dort steht nur „Digital Camera“ und im Übrigen scheinen die Daten so verwirrend zu sein, dass die Windows-Bildanzeige beim Versuch sie anzuzeigen auf der Stelle verstirbt.

Das Design ist wild zerklüftet und täuscht mit eher zweckfreien Designelementen Funktionalität vor, wo keine ist. Beispielsweise die Schlitze für das nicht vorhandene Mikrofon oder ein angedeuteter Taster auf der Oberseite, der mit viel gutem Willen als Zeigefingerauflage bei der beidhändigen Bedienung der Kamera durchgeht.

Ganz ähnlich präsentiert sich die Kamerasoftware: Ein großer Teil des Entwicklungsbudgets scheint in die sehr hübsch gestaltete Verstellung der Belichtungskorrektur geflossen zu sein. Alles andere ist zweckmäßig, aber weitgehend designfrei.

Die Belichtungskorrektur dürfte allerdings auch eine der wichtigeren Funktionen gewesen sein. Der CMOS-Sensor mit 2 Megapixeln hat einen derart geringen Dynamikumfang, dass zwischen den gnadenlos über- und den dramatisch unterbelichteten Partien eines Fotos nur wenig Raum für erkennbare Bildinhalte bleibt – und diesen kann man sich mit der Korrektur dann an die Stelle schieben, wo’s am wenigsten weh tut.

Der Auslöser überrascht im ersten Moment, weil er zweistufig ausgelegt ist – normalerweise ein untrügliches Zeichen für eine Kamera mit Autofokus. Dieses schöne Modell nutzt die erste Stufe hingegen, um in der Mitte des Bildschirms einen kleinen gelben Rahmen anzuzeigen – quasi einen simulierten Autofokus-Messpunkt. Mehr passiert nicht, was bei einer Kamera mit Fixfokus-Objekitv auch nicht weiter verwunderlich ist. Das Objektiv stellt alles jenseits von 60 cm mit der geringstmöglichen Matschigkeit dar. Per Makroschalter kann aber auch ein Bereich von 20 – 25 cm als bevorzugter Objektabstand gewählt werden.

Drückt man den Auslöser dann durch, erscheint auf dem Bildschirm erst eine Sanduhr und dann ein Symbol, das wohl das Speichern auf der SD-Karte zeigen soll. Das Bild macht die Kamera in dem Moment, wenn die Sanduhr verschwindet. Bis man das kapiert hat, hat man diverse Bilder der eigenen Füße gemacht oder seltsam verwischte Rätselfotos wie unten zu sehen.

Die Bildresultate überraschen mit der perfekten Simulation schlecht gescannter BIlder aus Opas Fotoalbum. Lausige Schärfe trifft hier auf miese Farbwiedergabe und geringen Tonwertumfang. Bei heftigen Hell-Dunkel-Kontrasten gibt es lustige Reflektionen auf dem Plastikscheibchen, das das Objektiv hochwertiger aussehen lassen soll.

Unterm Strich ist die „Fashion Cam“ ein echtes Ärgernis. Was hätte man mit den 0,1 Liter Erdöl, die allein für die Herstellung des Gehäuses verschwendet wurden, alles Schönes machen können. Zehn Plastiktüten beispielsweise oder 1,5 km Autofahrt.

Bleibt noch zu ergänzen, dass es eine Kamera im fast identischen Design auch unter den Marken „Vivanco“ oder „Vivitar“ (Modell Vivicam 3695) gab.

Beispielbilder

Burgdetail, Hohenbaden, 12.08.2018
Kamera hat zu spät ausgelöst, 12.8.2018
Gespenstertür, Hohenbaden, 12.8.2018
Felsen am Battert, Baden Baden, 12.8.2018
Burg Alt Eberstein, Ebersteinburg, 12.8.2018
Kreuz bei der Lukashütte, Ebersteinburg, 12.8.2018

Kommentar von Ralf Jannke:
"Da kann ich mühelos mithalten ;-) Mit den baugleichen/bauähnlichen Praktica FormiKa Schrottkameras: https://www.digicammuseum.de/geschichten/erfahrungsberichte/praktica-formika-autokauf/ Ralf"

2 Besucher von digicammuseum.de haben/hatten diese Kamera.
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Ja, gelegentlich
Nein
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Frage 3/4:

Was ist aus der Kamera geworden?

Habe sie noch
Habe sie verkauft
Habe sie verschenkt
Habe sie weggeworfen

Wie viele Jahre haben Sie die Kamera ca. benutzt? Jahre

Frage 4/4:

In welchem Zustand ist die Kamera bzw. in welchem Zustand war sie am Ende?

Voll funktionsfähig
Etwas lädiert, aber man konnte sie noch benutzen
Defekt durch Sturz / Sand / Wasserschaden
Objektivfehler (fährt nicht mehr aus oder ein / klemmt / stellt nicht mehr scharf)
Bildschirm defekt/gebrochen
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